Foto © Dynaudio A/S

Es ist die Vielfalt, die begeistert… und die trennt

Die Consumer Electronic präsentiert sich überaus vielseitig und vielfältig, und zwar für Einsteiger und anspruchsvolle Musik-Liebhaber gleichermaßen. Selbst für all jene, die auf Qualität höchsten Wert legen, steht ein immens breit aufgestelltes Angebot zur Verfügung. Was darf es denn sein? Klassische Medien wie CD, Surround in hochauflösenden objektbasierten Audio-Formaten oder doch lieber analog mit Vinyl? Streaming eigener Inhalte oder direkt aus der Cloud? Wo immer, wann immer, und wie immer man will, Musik kann auf verschiedenste Art und Weise genossen werden.

Kurz gesagt...

Eigentlich stünde uns eine immense Bandbreite an Möglichkeiten zur Verfügung, Spass an Musik zu haben, auf welchem Weg auch immer. Doch anstatt dies als Chance zu verstehen, dient diese Vielfalt allzu oft als Grundlage heftig ausgetragener „Glaubenskriege“.

Wir meinen...

Eigentlich ist es ja erschütternd, dass ausgerechnet jene, die einem derart leidenschaftlichen Hobby wie der HiFi nachgehen, bei dem der Genuss von Musik im Mittelpunkt stehen sollte, derart verbissen und engstirnig agieren. Klar geht es um Emotionen, aber wohl eher positiver denn negativer Art, oder etwa nicht? Warum wird die Vielfalt, die heutzutage die Welt der Unterhaltungselektronik im Allgemeinen bietet, oftmals nicht als Chance verstanden, möglichst viele Menschen dafür begeistern zu können, sondern stattdessen dazu genutzt, wahre "Glaubenskriege" auszutragen?

Von Michael Holzinger (mh)
05.11.2018

Share this article


Bringen wir es gleich auf den Punkt: noch nie hat sich die Welt der Consumer Electronic im Allgemeinen derart vielseitig und breit aufgestellt präsentiert, wie dies aktuell der Fall ist. Dem Musikbegeisterten stehen Mittel und Wege zur Verfügung, seiner Leidenschaft nahezu immer und überall nach zu gehen, und zwar auf einem Qualitätsniveau, das beachtlich ist.

Wäre es etwa noch vor gar nicht allzu langer Zeit schlicht undenkbar gewesen, dass man Musik in so genannter Studio Master Qualität unterwegs genießen kann, etwa beim Weg zur Arbeit, auf Reisen, so steht dem nun nichts im Weg. Portable Hi-Res Audio-Player, ja gar Smartphones und erstklassige Kopfhörer, gleich ob On-ear, Over-ear oder auch In-ear Modelle, machen dies möglich. Die Inhalte dafür liefern Download-Portale und neuerdings Streaming-Dienste, die eine gigantische Vielfalt verschiedenster Genres offerieren. Ja, man muss damit nicht einmal mehr im Besitz der Alben sein, „erkauft“ sich den Zugang zu Abermillionen an Musik-Titel durch eine monatliche Abo-Gebühr. Wie bereits angedeutet, je nach eigenem Anspruch stehen hier Angebote in verlustbehafteter Qualität, in „CD-Qualität“ oder eben besagter Studio Master Qualität zur Verfügung.

Das wirklich geniale daran ist, dass die gleichen Inhalte natürlich auch im heimischen Umfeld zur Verfügung stehen, und zwar nicht nur über das allerfeinste HiFi-System klassischer Ausprägung im Hörraum mit exklusiven HiFi-Komponenten, sondern ebenso auf dem kleinen Audio-System im Arbeitszimmer, auf dem All-in-One Audio-System im Bad und dem Radio-Wecker im Schlafzimmer. Auf Wunsch spielt Musik synchron im gesamten Haus über die verschiedensten Lösungen, zentral gesteuert über eine App am Smartphone oder Tablet.

Neueste Trends in der Industrie haben gar das Potential, basierend auf derartigen Szenarien komplett neue Kundenschichten zu adressieren, und zwar jene, die durchaus Wert auf Qualität legen, mit klassischen HiFi-Systemen aber nichts anzufangen wissen. Lifestyle-Lösungen, die sich bestmöglich in das Wohnumfeld integrieren lassen sind hier gefragt. Aber, und dies ist entscheidend, auf einem Qualitätsniveau, das keinerlei Kompromisse erfordert. Was also tut man? Nun, man reduziert eine HiFi-Kette auf das absolute Mindestmaß, auf jene Komponente, die schlicht unentbehrlich ist, und das sind einzig und allein die Lautsprecher. Diese macht man aktiv, integriert also Verstärker, ebenso ein Streaming-System, und verzichtet - abgesehen von der Stromversorgung natürlich - komplett auf Kabel.

Wer höheren Aufwand nicht scheut, der findet ebenfalls komplett neue Möglichkeiten für ungeahnten Musik-Genuss, und zwar im Surround-Bereich. Natürlich stehen im so genannten Home Cinema allen voran Filme im Mittelpunkt, Inhalte in 4K und damit in gestochen scharfer Bildqualität und mächtiger Klangkulisse. Doch genau hier kann auch der audiophile Musik-Liebhaber ansetzen, der mit den neuesten Surround-Formaten bis hin zu hochauflösenden objektbasierten Audio-Formaten den Eindruck eines Konzertsaal, des Stadions oder des Aufnahme-Raums in sein Wohnzimmer holen kann und sich selbst mitten ins Klanggeschehen versetzt. Auch hier gilt, den Datenträger Blu-ray muss man gar nicht mehr besitzen, vielmehr lädt man sich die entsprechenden Inhalte auch hier über Streaming-Anbieter zum monatlichen Abo-Preis…

Wer mag, der benötigt nicht einmal mehr ein Smartphone oder Tablet zur Steuerung, ein einfacher Zuruf reicht aus, und schon erklingt Musik. Sprachsteuerungs-Systeme halten nach und nach Einzug in die Consumer Electronic und stellen eine nahtlose Verbindung zu Smart Home Lösungen dar.

Wer nun meint, die Zukunft der Musik-Wiedergabe ist rein auf Bits und Bytes reduziert, der irrt, denn bekanntlich erfuhr die längst totgesagte Schallplatte eine erstaunliche Renaissance, ist heutzutage gar für viele junge Menschen erneut der Einstieg in die Welt hochwertigem Musik-Genuss, schlicht weil es chic ist und im Trend liegt, weil in der Welt immer verfügbarer digitaler Inhalte physische Medien mit dem ganz speziellen Charakter einer Schallplatte wieder „wahre“ und vor allem „bleibende“ Werte darstellen. Dies ermöglicht sogar das Wiederaufleben weiterer längst „ausgestorben“ geglaubter Tonträger, etwa Musikkassetten und Tonbänder, wenngleich in deutlich geringerem Maße als bei Schallplatten. Aber, es gibt sie wieder…

Besonders spannend ist, dass sich „analoge“ und „digitale“ Welt nicht ausschließen, sondern famos ergänzen können. Dies geht gar soweit, dass Schallplatten-Spieler mit integrierter Streaming-Lösung zur Verfügung stehen, die Schallplatten gar direkt einem Multiroom Streaming-System zuliefern, und zwar inklusive Sprachsteuerung… Ein besseres Bild für all das, was die moderne Unterhaltungselektronik zu leisten im Stande ist, wie sich verschiedenste Bereiche zu einem neuen Ganzen verbinden, und damit nahezu nichts unmöglich ist, gibt es wohl kaum.

Aber, was passiert in einschlägigen Kreisen tatsächlich? Keine Spur davon, dass man sich angesichts der gebotenen Vielfalt freut, sich das jeweils für sich optimal passende heraus pickt und zur Kenntnis nimmt, dass es eben nicht nur die eigene Sicht der Dinge gibt, sondern eine Vielzahl an mitunter gänzlich verschiedenen Bedürfnissen. Da werden vielmehr Glaubenskriege ausgefochten, denn es kann scheinbar nur den einen, natürlich den eigenen Weg geben, wer anderes behauptet, Dinge anders sieht, der hat keine Ahnung. Auf Teufel komm raus wird gestritten, wird bierernst argumentiert, über Technik, über Produkte, Marken...

Da stehen die Analog-Verfechter den Digital-Jüngern als scheinbar unvereinbare Welten gegenüber, wird postuliert, dass man nur mit dieser oder jener Lösung Musik erst richtig genießen könne, und das unter Betrag X ohnedies nichts vernünftiges zu haben sei, oder aber, dass jeder Cent mehr als Betrag Y ohnedies Verschwendung ist. Da wird allein in Schwarz und Weiss gemalt, ohne auch nur Grautöne in Betracht zu ziehen oder gar das wirklich bunte Spektrum an Möglichkeiten erkennen zu wollen.

Eigentlich ist es ja erschütternd, dass ausgerechnet jene, die einem derart leidenschaftlichen Hobby wie der HiFi nachgehen, bei dem der Genuss von Musik im Mittelpunkt stehen sollte, derart verbissen und engstirnig agieren. Klar geht es um Emotionen, aber wohl eher positiver denn negativer Art, oder etwa nicht? Sollte nicht das Ziel sein, die eigene Begeisterung mit anderen zu teilen, sich gemeinsam an Dingen zu erfreuen, die Spass machen? Und ja, dazu gehört es auch, sich mit anderen auszutauschen, mit anderen auch durchaus kontrovers zu diskutieren, aber sicher nicht, seine persönliche Einschätzung über die der anderen zu stellen.

Wann haben so viele unter uns verlernt, Spass zu haben?

Share this article