Foto © Michael Holzinger - sempre-audio.at

Es ist zum… Verzweifeln - Nichts geht, ohne Waschgang

Die anhaltende Begeisterung für Schallplatten ist natürlich einerseits eine Segnung, denn nahezu kein neues Album eines Künstlers erscheint dieser Tage nicht ebenso auf Schallplatte. Andererseits wittert offensichtlich so manches Label das „schnelle Geld“ und schenkt Qualität keine allzu große Bedeutung.

Von Michael Holzinger (mh)
31.07.2014

Share this article


Nein, es ist kein wirklich neuer Trend, wie so mancher gerne behauptet, seit Jahr und Tag verzeichnet allen voran die Schallplatte konstante Zuwächse. Relativ neu ist, dass diese Zuwächse geradezu steil nach oben schießen, glaubt man den entsprechenden von der Industrie publizierten Verkaufszahlen. Man kann also längst nicht mehr nur von einer Renaissance der Schallplatte sprechen, sie ist wieder ein ernstzunehmendes Tonträger-Format.

Und das hat nun auch wirklich jeder in der Musik-Industrie begriffen, sodass es selbst bei Major-Labels fast kein neues Album eines Künstlers gibt, das nicht auch auf Schallplatte erscheint. Vielfach ist es gar schon so, dass in den einschlägigen Werbungen angeführt wird, dass dieses und jenes Album nunmehr als Download und Vinyl erhältlich sei. Von der Audio CD wird hier vielfach gar nicht mehr gesprochen.

Prinzipiell wäre dies also eine überaus feine Sache für Vinyl-Liebhaber, die sich über Jahre hinweg allen voran auf dem Gebrauchtmarkt eindecken mussten, und nur von wenigen engagierten, eher kleineren Labels, mit wirklich neuem Nachschub bedacht wurden.

Allerdings scheint es derzeit so zu sein, dass das Engagement von so manchem großen Label im Bereich Schallplatte allein darauf abzielt, möglichst rasch, und vor allem mit geringstem Aufwand, Geld in die Kassen zu spülen. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum es ausgerechnet die Produktionen von Major-Labels sind, die eine derart lausige Qualität aufweisen.

Immer wieder passierte es mir in den letzten Monaten, dass ich mit großer Vorfreude diverse Neuerscheinungen, oder aber auch Neupressungen alter „Klassiker“ auspackte, um danach frustriert feststellen zu müssen, welch - ich bitte um Verzeihung - Schrott mir da um teures Geld verkauft wurde.

Dabei geht es gar nicht so sehr um wirklich gravierende Produktionsmängel, wenngleich auch die allen voran bei den Veröffentlichungen der „Großen“ gehäuft auftreten, sondern um die Mangelnde Sorgfalt bei der Produktion und Verpackung der Scheiben.

Kunststoff-Späne und Staub, die auf den statisch aufgeladenen Platten kleben, und schon beim erstmaligen Herausnehmen der Platte aus den Innenhüllen dafür sorgen, dass unschöne bleibende Spuren auf dem Tonträger sind. Ganz zu schweigen von weiteren Rückständen wie etwa Trennmittel auf den Scheiben, die dadurch britzeln und wildeste Laufgeräusche verursachen, wenn man diese nicht zuvor mit einer Reinigungslösung entfernt.

Dies alles fällt umso drastischer auf, wenn man sich gleichzeitig auch regelmässig am Gebrauchtmarkt mit Neuerwerbungen eindeckt, denn die sind meist geradezu picobello in tadellosem Zustand, und können sofort auf dem Plattenteller landen.

Allen voran Neupressungen aber, die müssen zunächst einen ausgiebigen Waschgang absolvieren, bevor sie überhaupt spielbar sind. Mit Verlaub, das darf so eigentlich nicht sein…

Share this article