Es köchelt in der Gerüchteküche - Alle gegen Apple oder wann kommt das neue iPhone?

Perfekter kann ein Marketing-Konzept wohl nicht sein: Während die komplette Mobilfunk-Branche in Barcelona im Rahmen des Mobile World Congress ihre Neuheiten präsentiert, ist ein Hersteller geradezu omnipräsent, ohne jedoch selbst vor Ort zu sein oder auch nur das geringste Anzeichen irgendeiner Neuerung preis zu geben: das kalifornische Unternehmen Apple.

Von Michael Holzinger (mh)
15.02.2011

Share this article


Als gäbe es nicht ohnedies genug Gesprächsstoff für die Technik-Gazetten in diesen Tagen. Da findet sich die gesamte Mobilfunk-Branche in der katalanischen Metropole Barcelona ein, um ihre brandneuen Produkte und die angesagten Trends zu präsentieren, finden geradezu bahnbrechende Marktentwicklungen wie die neue „Zwangsehe“ zwischen dem strauchelnden Finnischen Mobiltelefonhersteller Nokia mit dem ebenfalls im mobilen Kommunikationsbereich nicht gerade erfolgsverwöhnten Software-Riesen Microsoft statt, aber dennoch steht vor allem ein Hersteller im Mittelpunkt des Interesses. Und zwar Apple, die weder vor Ort präsent sind, noch irgendeine Neuerung in diesen Tagen verkündeten.

Es ist noch gar nicht lange her, als Apple erstmals das iPhone als logische Weiterentwicklung des überaus erfolgreichen Apple iPods präsentierte und nahezu von der kompletten Industrie, aber vielfach auch von der Fachpresse und den nach Selbsteinschätzung allwissenden Analysten dafür nur belächelt wurde.

Inzwischen kann man festhalten, dass den größten Spöttern von damals das Lachen wohl sprichwörtlich im Halse stecken blieb, denn inzwischen steht so manchem Unternehmen das Wasser bis zu eben diesem, dem Halse... Bestes Beispiel dafür ist Nokia, die zwar nach wie vor zu den führenden Anbietern im Bereich Mobiltelefonie zählen, aber immer mehr an Terrain verlieren, vor allem im prestigeträchtigen und umsatzstärksten Marktsegment der so genannten Smartphones, dem ganz klar die Zukunft gehört. Ebenso ergeht es Microsoft, die mit ihren Lösungen ebenfalls seit Jahr und Tag einen Flop nach dem anderen abliefern. Der nunmehr im großen Rahmen zelebrierte Zusammenschluss ist somit nicht mehr als eine Zwangsehe des reichen, aber so gar nicht attraktiven Bräutigams und der ebensowenig Charme versprühenden alten Jungfer.

Auch weitere ehemalige Branchengrößen wie etwa Research in Motion, besser bekannt als RIM geriet in den letzten Monaten immer mehr in Bedrängnis, denn auch deren Blackberry-Lösungen verloren immer mehr an Terrain. Auch hier hatte man Apples Strategie rund um das iPhone ganz klar unterschätzt.

Einzig der ehemalige Mitstreiter und geradezu Verbündete Apple reagierte richtig: Google. Googles Android-System zählt inzwischen ganz klar zur führenden Plattform im Smartphone-Segment, denn immer mehr Hersteller setzen auf dieses Betriebssystem für ihre Lösungen.

Ähnlich sieht es bei den so genannten Tablets aus, einem Markt, den ebenfalls ausgerechnet Apple begründete. Auch hier war die Skepsis der Branche zunächst groß, als Steve Jobs, Apples charismatischer CEO das iPad präsentierte. Schließlich waren zuvor schon etliche Branchenschwergewichte, allen voran Microsoft mit ähnlichen Konzepten kläglich gescheitert und Milliarden an Entwicklungskosten und Marketing-Maßnahmen geradezu versenkt worden. Doch Apple gelang einmal mehr das Kunststück, ein bestehendes Konzept zu einem geradezu kolossalen Erfolg zu führen.

Derzeit ist es auch hier lediglich Google, die mit der Android-Plattform zumindest halbwegs mit Apple mithalten und Paroli bieten können. Allerdings ist es ja geradezu beschämend, wie diese Bemühungen Googles und deren Hardware-Partner von der Fachwelt wahrgenommen werden. Überschriften wie „Google kopiert das iPad“ und Ähnliches erinnern geradezu frappant an die zig Meldungen über angebliche Apple iPod-Killer der vergangenen Jahre. Und tatsächlich zeigt auch die neueste Version von Googles Android 3.0 mit dem Codenamen Honeycomb einmal mehr, dass man sich vor allem an Apples iOS orientiert und geradezu krampfhaft versucht, irgendwie dem eigentlich ohnedies gar nicht so innovativen Konzept von Apple standzuhalten.

Insofern ist es also gar nicht so erstaunlich, dass die geballte Marktmacht Googles und seiner Partner wie Samsung, LG, HTC oder Sony Ericsson nicht ausreicht, um nicht ständig aufs Neue mit Apples Lösungen verglichen zu werden. So ist eben auch in Barcelona stets Apple ein Thema, wenngleich der kalifornische Hersteller in alter Tradition auch dem diesjährigen Mobile World Congress fern blieb und keinerlei offizielle Ankündigung neuer Produkte verlauten lies. Jedes neue Produkt wird von der Fachpresse natürlich sofort mit Apples iPhone oder iPad verglichen. Zumal die Unterschiede zwischen den verschiedenen Lösungen der unterschiedlichen Hersteller auf der Basis von Googles Android-System zumeist nur in geradezu unwesentlichen Details zu finden sind. Der Journalist und Bloger Georg Holzer formulierte es besonders drastisch, aber durchaus treffend: „Die Vorderseite ist bei allen Modellen ident. Der einzige wirkliche Unterschied (und so gesehen das Spannendste) ist die Rückseite …“

Kein Wunder also, dass die gesamte Fachpresse nach wirklichen Innovationen giert, und diese einmal mehr von Apple erwartet. Somit läuft die Gerüchtebörse natürlich wieder auf Hochtouren, schließlich wird nicht nur ein neues Apple iPhone, sondern auch ein neues Apple iPad erwartet.

Nahezu im Stundentakt versuchen die verschiedensten News-Portale sich mit angeblichen Details rund um die neuen mobilen Devices aus dem Hause Apple aus stets bestens informierten und zuverlässigen Quellen zu überbieten. Dass diese Meldungen mitunter gravierende Unterschiede aufweisen und sich teilweise sogar widersprechen, tut da nichts zur Sache. So geht man einmal davon aus, dass das neue iPad von Apple ein höher auflösendes Display bieten soll, dann wieder soll es mehr oder weniger unverändert bleiben. Zumindest eine integrierte Kamera wird ohnedies schon als Fakt angenommen, auch wenn es dafür von offizieller Seite natürlich keine Bestätigung gibt. Mehr Speicher, weniger Speicher, SD Card Slot, kein SD Card Slot, neuer Dock Connector, keine Abkehr vom Dock Connector... irgendwie kann sich jeder aus all den kursierenden Gerüchten sein „ideales“ iPad zusammen klauben und dann hoffen, dass Apple dies auch so sieht. Ähnlich sieht es beim Apple iPhone aus. Auch hier driften die kursierenden Meldungen teils drastisch auseinander. Auch hier spricht man derzeit von einem größeren Display mit 4 Zoll anstelle der bislang 3,5 Zoll, um mit den Smartphones auf der Basis von Google Android gleichzuziehen. Auch ein leistungsfähigerer Prozessor, mehr Speicher und vieles mehr steht auf der „Wunschliste“ der Gerüchteköche. Zudem soll es nicht nur ein iPhone 5 geben, so die neuesten Meldungen, sondern zudem eine Art iPhone nano, das deutlich kleiner als das bisherige Modell sein soll und ohne so genanntem Home-Button auskommen muss. Dieses Gerücht ist natürlich keineswegs neu, aber kann natürlich immer wieder aufgewärmt werden, um ein paar Klicks mehr zu produzieren...

Fakt ist, Smartphones gehört die Zukunft, gleichgültig, welches Betriebssystem auf ihnen läuft. Anzunehmen ist, dass dies künftig wohl vermehrt Googles Android und Apples iOS sein wird und RIM als auch Microsoft eine immer unbedeutendere Rolle in diesem Segment spielen werden. Ähnlich sieht die Entwicklung bei Tablets aus. Auch diesen Markt dürften sich Google und Apple wohl teilen.

Unserer Ansicht nach ist auch die mitunter geführte Diskussion, wer von den beiden Anbietern nun das „offenere“ System habe von rein theoretischer Natur. Sowohl Apple als auch Google bleiben sich hier nichts schuldig. Beide agieren als profitorientierte Unternehmen immer hart an der Grenze des Machbaren, denn sie sind selbstverständlich vor allem an möglichst exakten Kundeninformationen interessiert, die sich vortrefflich für Werbung einsetzen lassen. Denn neben den sehr lukrativen Möglichkeiten rund um die neue Kategorie der so genannten Apps steht natürlich die zielgerichtete Werbung über mobile Lösungen im Mittelpunkt des Interesses, die ein Milliardengeschäft darstellt. Während Apple also sowohl die Hardware selbst fertigt, beim Verkauf im App-Store einen großen Anteil einstreicht und allmählich eine Infrastruktur für mobile Marketing aufbaut, lässt Google brav andere Unternehmen die Hardware basteln und vertreiben, behält aber selbstverständlich ebenfalls die wirklich lukrativen Bereiche wie Werbung fest in eigener Hand.

Michael Holzinger

Share this article