Es wächst zusammen, was zusammen gehört...

Der wohl wesentlichste Trend in der Welt der Unterhaltungselektronik dieses Jahres ist, dass IT, HiFi und AV sowie mobile Devices wie Smartphones und Tablets zu Lösungen verschmelzen. Und zwar auf gesamter Linie, angefangen vom einfachen Fernseher, bis hin zum High-end Streaming-System und der Multi-Room-Lösung inklusive Haussteuerung.

Von Michael Holzinger (mh)
27.09.2011

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Seit Jahr und Tag war der Trend bereits absehbar, auch wenn sich viele Puristen im audiophilen Lager lange erfolgreich vor dieser Entwicklung verschließen konnten. Nun aber kann man es einfach nicht mehr ignorieren: IT-Lösungen, angefangen von zentralen Netzwerk-Speicher-Systemen, Netzwerk-Technologie insgesamt, aber auch PCs und mobile Devices sind inzwischen nicht nur im vielfach von audiophilen Musikliebhabern - teils natürlich völlig zurecht - verschmähten, aber manchmal auch schlicht nur aus mangelnder Kenntnis belächeltem Einstiegs-Segment alltäglicher Bestandteil, sondern essentielle Bereiche selbst in dedizierten High-end Lösungen.

Während es im normalen Consumer-Segment längst um die zentrale Verwaltung und dadurch überall und zu jeder Zeit verfügbare multimediale Inhalte aller Art - Fotos, Videos und Audio - geht, beschränkt man sich im High-end Bereich vorerst noch vor allem auf das Thema Audio. Die prinzipiellen Voraussetzungen, die nötige Infrastruktur, aber auch die damit möglichen Funktionen, sind aber in beiden Fällen annähernd die gleichen.

Musik wird von vielen Konsumenten etwa längst nicht mehr in Form optischer Datenträger im CD-Regal aufbewahrt, sondern auf Festplatten, auf Speicher-Sticks und diversen mobilen Devices. Viele ziehen es inzwischen überhaupt vor, Musik erst gar nicht zu kaufen, sondern diese über Internet Radio-Stationen oder andere Online-Anbieter zu konsumieren. Und eins ist gewiss, noch nie wurde so viel Musik konsumiert, wie heutzutage. Die modernen, flexiblen Dienste machen dies möglich. Fotos landen schon lange nicht mehr in Form von Prints in irgendwelchen Schuhkartons am Dachboden, sondern in immer umfangreicheren digitalen Archiven auf PCs und Notebooks. Auch hier gilt, Digitalkameras, und sei es nur das Foto-Handy, sind immer mit dabei und abertausende Fotos werden Tag ein, Tag aus geknipst. Selbst Filme werden immer öfter nicht auf DVD oder Blu-ray gekauft, sondern im einfachsten Fall bei einem Online-Anbieter gemietet.

Möglich wird dies alles vor allem durch eins: die Vernetzung aller Devices und Dienste. Zuhause gehört ein Netzwerk schon seit langem zum guten Ton, denn in jedem Haushalt verrichtet längst nicht nur ein PC, sondern viele ihren Dienst. Zumeist handelt es sich sogar um Notebooks oder so genannte Netbooks, die herkömmliche Desktop PC-Systeme längst verdrängt haben. In den letzten Monaten kam die neue Geräteklasse der so genannten Tablets hinzu, die sich zwischen Notebooks und den ebenfalls inzwischen allgegenwärtigen Smartphones gedrängt haben. Mit diesen Tablets, aber eben auch mit Smartphones ist man auch unterwegs ständig online und hat somit Zugriff auf verschiedenste Dienste. Zudem weisen diese Geräte mehr als ausreichend Speicherkapazität auf, um Fotos, Musik und Videos immer mit dabei zu haben und somit ebenfalls ständig nutzen zu können.

Diese Entwicklung, das muss man klar festhalten, haben natürlich zunächst vor allem die Hersteller im Netzwerk-Bereich erkannt und auch große IT-Unternehmen wie Microsoft oder Apple sind frühzeitig auf diesen Zug aufgesprungen. Mehr noch, vor allem Apple trieb diese Entwicklung lange Jahre maßgeblich voran. Erste Streaming-Lösungen kamen somit zunächst aus dem IT-Umfeld, wobei so mancher Pionier von damals auch heute noch mit zu den führenden Anbietern in diesem Bereich zählt und viele davon längst das ehemals schlechte Image der IT-Welt abgelegt haben und auch im gehobenen Audio-Segment - mit Einschränkungen - anerkannt werden.

Erst nach und nach entdeckten die alteingesessnen Unternehmen der Consumer Electronics, dass sich hier ein Segment auftut, das ein immenses, bislang kaum für möglich gehaltenes Potential bereit hält, und entwickelten nach und nach ebenfalls Produkte, die sich in das immer mehr entwickelnde neue Ökosystem integrieren ließen. Das anfängliche Chaos mit verschiedensten Technologien lichtete sich nach und nach, indem sich Industrie-Konsortien, bestehend aus Unternehmen der IT, aber auch Consumer Electronic formierten und für einheitliche Standards sorgten, die eine herstellerunabhängige Nutzung erlaubten.

Inzwischen kann man eigentlich kein Gerät der Unterhaltungs-Elektronik kaufen, dass nicht über eine Netzwerk-Schnittstelle verfügt und auf Inhalte im lokalen Netzwerk oder über Online-Dienste zugreifen kann. Selbst unsere Fernseher sind inzwischen Smart und sorgen dafür, dass das eigentliche Fernsehen nach und nach zur Nebensache verkommt. Inhalte holt man sich künftig von überall - online - und nur noch gelegentlich von SAT, vom Kabel TV-Anbieter, oder über den terrestrischen Fernsehempfang.

Denn mittlerweile hat auch die mit Abstand wohl schwerfälligste Industrie in diesem Spiel, nämlich die Content Anbieter selbst, und somit die weltweit agierenden Medienkonzerne erkannt, dass man - um weiterhin relevant zu sein - bestehende Geschäftsmodelle adaptieren, vielfach sogar komplett neue entwickeln muss. Wobei, so richtig ist dies bislang nur wenigen gelungen, dafür sind neue entstanden, die die Lücke füllen und damit überaus erfolgreich sind. Hier sei als wohl markantestes Beispiel Apple mit dem iTunes Online Store genannt, der weltweit inzwischen als mächtigster Musik-Anbieter gilt und natürlich auch schon unter anderem Filme und TV-Serien im Angebot hat.

Gesteuert werden übrigens all diese Möglichkeiten mit den bereits vielfach erwähnten Smartphones und Tablets, die ja ohnedies schon unsere täglichen Begleiter sind und - dank optionaler Apps - über einen immensen Funktionsumfang verfügen. Abgesehen davon fungieren diese mobilen Teile vielfach auch direkt als Quellgeräte, die ihre Inhalte drahtlos an Fernseher, AV- oder HiFi-System bis hin zur kompaktesten Audio-Lösung im Schlafzimmer senden können.

Besonders interessant erscheint uns, dass all die Möglichkeiten, die wir bislang aufzählten, keine Zukunftsvision sind, sondern bereits eine immense Verbreitung haben und vor allem von einer jugendlichen Zielgruppe intensiv genutzt werden. Allein, wir sprechen hier von einer Welt, in der leider oft allein Quantität, und weniger Qualität zählt. Dabei ließe sich all dies auch auf den Bereich High-end übertragen, denn auch hier bieten längst seit Jahr und Tag als tadellos beleumundete und stets auf beste Qualität bedachte Hersteller entsprechende Lösungen an.

Die Basis, die ist die gleiche wie im Consumer-Segment, den Unterschied bilden allein Faktoren, die seit jeher qualitätsbestimmend in der Welt der HiFi waren: dies ist vor allem der Verstärker und das Lautsprecher-Systeme. In diesem Fall spielen zudem Komponenten wie ein D/A-Wandler natürlich ebenfalls eine maßgebliche Rolle. Viel weniger relevant als oftmals angenommen aber ist die Art des Quellmaterials. Selbst ein Musikstück in Form einer MP3-Datei kann auf einem hochwertigen Audio-System, das nach allen Regeln der HiFi zusammen gestellt ist, überzeugend klingen. Besser ist‘s aber natürlich, wenn hochauflösende Audio-Daten vorliegen, etwa im FLAC-Format und als so genannte Studio Master-Files, die ein Qualitätsniveau erlauben, das dem Original-Mastertape entspricht. Längst im Web zu haben, und zwar zu geradezu erstaunlich günstigen Preisen.

Es spricht also rein gar nichts dagegen, dass man sich selbst als ausgewiesen audiophiler Musikliebhaber mit all den Möglichkeiten einer vernetzten HiFi- und AV-Welt beschäftigt, denn sie eröffnet völlig neue Möglichkeiten und verbindet diese mit einem Komfort, der bislang undenkbar war. Zumal all die neuen Optionen ja in keinster Weise im Widerspruch zu Bestehendem stehen, sondern diese nur erweitern. Ein moderner Streaming-Client einer renommierten HiFi-Schmiede passt sicher wunderbar neben einen Schallplattenspieler, eventuell stammt dieser ja sogar vom gleichen Hersteller...

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