Facelift - Holon

„Holon“ nennt sich das letzte Album der steirischen Formation Facelift, die mit dieser Veröffentlichung einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung vollendete. Mit diesem Album beweist die Band eindrucksvoll, dass man seinen Wurzeln treu bleiben, sich aber dennoch sukzessive weiterentwickeln kann. Auf „Holon“ erklingt eingängiger, durchaus Mainstream-kompatibler Pop, der aber sehr wohl mit Ecken und Kanten versehen ist und somit niemals belanglos aus den Lautsprechern tönt.

Von Michael Holzinger (mh)
09.02.2010

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Facelift, gegründet im Jahr 1997, können inzwischen auf eine recht lange und offensichtlich auch sehr bewegte Bandgeschichte zurückblicken. Von den einstigen drei Gründungsmitgliedern finden sich noch Andrea Orso und Clemens Berger in der aktuellen Formation. Andrea Orso, als Frontfrau der Band für den Gesang verantwortlich, und der Gitarrist Clemens Berger sind es auch, die den überwiegenden Teil der Songs für das aktuelle Album beisteuern.

Nachdem Clemens Berger ohnedies in den Anfangstagen der Band für die Vokalparts zuständig war, lies er es sich offensichtlich auch bei dieser Produktion nicht nehmen, gelegentlich selbst ans Mikrofon zu treten, und auch Andrea Orso beschränkte sich nicht nur auf den Bass. Sie steuerte für „Holon“ auch die Keyboard-Parts bei. Für die solide rhythmische Grundlage des Albums sorgt Jürgen Kulmer am Schlagzeug, der ebenfalls, sowohl bei den Texten als auch der Musik dieses Albums maßgeblich mitwirkte.

Als Gastmusiker werden im Booklet zudem neben Matthias Predota mit Helge Murgg zwei ehemalige feste Mitglieder der Grazer Formation als Gastmusiker genannt, die am Horn bzw. an der Gitarre ihren Beitrag zu dieser Produktion leisteten. Ewald Pfleger, ebenfalls an der Gitarre, Markus Ponhold am Akkordeon sowie Jürgen Kolthaus als Meister der Drum-Loops, Beats und Samples sind als weitere Gastmusiker aufgeführt.

Vielleicht waren es die zahllosen Festival-Auftritte, die die Band in all den Jahren absolvierte (wobei mit dem Donauinselfest, dem Nova Rock oder Forestglade alle wichtigen Open-Air-Festivals des Landes von Facelift absolviert wurden) oder aber die zahlreichen internationalen Touren, die die Band bis in die USA führten, die dazu beitrugen, dass Facelift eine überaus interessante Entwicklung vollzog.

Die anfänglich sehr rauen Töne, die mitunter selbst noch auf dem letzten Album von Facelift "Impossible somethings" stellenweise sehr bestimmend und vordergründig sind, traten auf dem aktuellen Album eher in den Hintergrund, sodass Raum für teils feine Nuancen geschaffen wurde und die durchaus sehr eingängigen Melodien den ihnen zustehenden Stellenwert gewannen.

Diese Entwicklung beschreibt die Band selbst wohl am treffendsten. Definierte Facelift ihre Musik zunächst als Alternative-Hard-Pop, so klassifizieren die Steirer ihr Schaffen nun als Hard/Heart-Pop. Ein kleiner, aber feiner Unterschied...

Dies bedeutet aber keineswegs, dass Facelift den rauen Tönen zugunsten einer Massenkompatibilität abschworen. Denn einerseits können und wollen Facelift auch auf dem neuesten Album ihre Wurzeln nicht verbergen, andererseits müssen die Steirer schon längst nichts und niemandem irgendetwas beweisen. Mit einer Nominierung für den Amadeus und unter anderem mit dem Austrian Music Award bedacht, waren ihre mitunter deutlich raueren Werke schon in der Vergangenheit fester Bestandteil im Programm der heimischen Radiostationen.

Maßgeblichen Anteil an dem aktuellen Sound, irgendwo zwischen Grunge, klassischem Alternative- und Indie-Rock bzw. Pop, mitunter fein garniert mit feinsten Folk-Rock-Elementen dürfte sicher der Produzent des Albums Guido Lucas haben, der bereits für das dritte Album von Facelift, das bereits erwähnte "Impossible somethings", mitverantwortlich zeichnete. Er übernahm auch - bis auf eine einzige Ausnahme - die Abmischung sowie das komplette Mastering von „Holon“. Am Mischpult der Recorder Studios saß Markus Eichl.


Mit „Holon“ legt Facelift ein sehr vielseitiges Album vor, das nicht so recht in eine Schublade passen will und genau aus diesem Grund sehr spannend und angenehm frisch klingt. Der bunte Stilmix, der sich dem Zuhörer hier darbietet, gefällt auf Anhieb, verliert aber auch nach mehrmaligem Hören nicht seinen Reiz.

Dafür sorgen vor allem auch die Vokalparts, die entweder mit einem geradezu kecken Unterton, mit dem nötigen Tiefgang, dann wiederum mit Leichtigkeit und Unbeschwertheit stets perfekt die Stimmung der Songs treffen und die Vielseitigkeit von Andrea Orso belegen und immer im Einklang mit der ebenfalls perfekt aufspielenden Band stehen. Den Musikern gelang es zudem, einen perfekten Spannungsbogen über die insgesamt 14 Tracks dieses Albums aufzubauen. Insofern liegt uns nichts ferner, als hier nun einzelne Titel herauszugreifen. Auch wenn gut eine Handvoll Titel dieses Albums zumindest das Prädikat „Ohrwurm“ verdient, so sollte „Holon“ im Ganzen genossen zu werden.

Michael Holzinger

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