Frank Sinatra „Sinatra at the Sands“

Es gibt Größen der Musikgeschichte, die teils bereits zu Lebzeiten den Status einer Legende erlangten. Es sind nicht viele, über die man dies behaupten kann, aber manchmal, da finden sich gleich mehrere zusammen, und schaffen Außergewöhnliches. Im konkreten Fall sind es Count Basie, Quincy Jones und Frank Sinatra.

Von Michael Holzinger (mh)
25.07.2013

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Ich gebe zu, ich kann mit Wörtern wie etwa „cool“ nicht so recht etwas anfangen. Was ist „cool“, diese Bedeutung hat sich mir bislang noch nicht so richtig erschlossen. Wohl nicht nur in Wien kennt man den Begriff lässig, was wohl irgendwie in diese Richtung tendiert, aber auch dies ist ja ein sehr schwammiger, nicht wirklich konkreter Begriff, dessen Interpretation wohl allein im Auge des Betrachters liegt.

Allerdings gab es einen Moment, in dem ich eine Ahnung davon erhielt, was wohl wirklich „cool“ sei, und zwar als ich zum allerersten Mal den ersten Track des Albums „Sinatra at the Sands“ hörte.

Ein kurzer Trommelwirbel auf der Snare, gefolgt von einem dezenten Dahin-Swingen der Sticks auf der Hi-Hat. Dazu eine Stimme aus dem Off: „The Sands is proud to present a wonderful new show... A man and his music! The music of Count Basie and his great Band.“ Voller Orchester-Einsatz mit Bläsern und allem was dazu gehört und eine Big Band klassischen Stils ausmacht. „And the man...“, kunstvoll gesetzte Pause „...is Frank Sinatra!“

Ja, das kann man wohl als richtig cool bezeichnen. Und dies wird lediglich noch von der Reaktion Frank Sinatras übertroffen, der nach dieser Ankündigung unter tosendem Applaus des Publikums die Bühne betritt und lapidar fragt: „Wie kommen nur all die Leute in mein Zimmer?“

Und genau so präsentiert sich das, was danach zu hören ist. Es ist, als ob Frank Sinatra ein Konzert in der intimen Atmosphäre eines Zimmers abhalten würde. Anders wäre für normale Künstler wohl kaum die Lässigkeit, diese Leichtigkeit, diese Verspieltheit und Ungezwungenheit nicht zu bewerkstelligen, die Frank Sinatra hier an den Tag legt. Allerdings handelt es sich dann doch um den Ballroom, besser gesagt den so genannten Copa Room des Sands Hotel and Casino am Strip von Las Vegas.

Und auch der erste Song ist geradezu ein untrügliches Indiz dafür, was den Zuhörer bei diesem Album erwartet.... „Come fly with me“

Ganz banal betrachtet erhält man mit diesem Album durchaus ein „Best of“ des Ausnahme-Entertainers, aufgenommen in seiner Blütezeit im Jahr 1966, wobei es sich um das erste Live-Album des Künstlers handelte. Auf ihm sind vom besagten „Come fly with me“, „I‘ve got a crush on you“, „I‘ve got you under my skin“, über „Fly me to the moon“ so ziemlich alle Titel zu finden, mit denen Sinatra in diesen Jahren Erfolge feierte, und die bis heute mit zu seinen größten Songs zählen. Im Vergleich zu einer herkömmlichen „Best of“ Compilation, und davon gibt es ja gerade bei Frank Sinatra unzählige, findet man hier die Songs in der bestmöglichen Interpretation, nämlich live gespielt, und das von den wohl besten Musikern dieser Zeit. Da laufen dem Zuhörer etliche male wunderbare kalte Schauer über den Rücken, keine Chance, dass sich die Gänsehaut auf den Armen legt, hier spielt Sinatra mit allen ihm gegebenen Fertigkeiten, und nicht zuletzt mit dem Publikum, dass er sichtlich vom ersten Takt weg fest im Griff hat, und mit dem er zwischendurch immer wieder kokettiert und scherzt.

Diese Leichtigkeit, diese Genialität im Vortrag ist wohl in dieser hier dargebotenen Form wohl auch nur möglich, weil hinter Frank Sinatra eine Band als Rückgrat steht, die ihn förmlich trägt, Count Basie and his Orchestra, unter der Leitung von niemand geringerem als Quincy Jones, der auch die Arrangements erstellte.

Zudem entschied man sich dazu, nicht einen einzigen Abend festzuhalten, sondern kombinierte die Aufnahmen mehrerer Abende im Zeitraum Januar bis Februar 1966 zu einem in sich absolut perfekt stimmigen Ganzem. Die Aufnahme war absolut perfekt, und dürfte wohl mit dem Feinsten Equipment der damaligen Zeit vorgenommen worden sein. So mancher aktuelle Live-Mitschnitt kann nicht auf einem derart hohen Qualitätsniveau mitspielen. Es erstaunt also keineswegs, dass dieses Album seit Jahr und Tag zur Grundaussttatung jeder Sammlung audiophiler Musikliebhaber zählt. Zumal sie in verschiedensten Darreichungsformen erhältlich ist.

Eine davon wollen wir Ihnen ganz besonders ans Herz legen, und zwar die Neupressung auf Vinyl aus dem Jahr 2010 von Mobile Fidelity Sound Lab, kurz MoFo. Natürlich wurden dafür die Original Master-Tapes herangezogen, und mit viel Akribie und Sachverstand auf einem so genannten Gain 2 Ultra Analog System überspielt, das auf einer Studer Bandmaschine mit speziell angepasster Elektronik und Steuerung basiert, eigens entwickelte und gefertigte Verstärker und ein Neumann VMX-70 mit Ortofon-Schneidkopf nutzt. Es handelt sich um eine so genannte Half-Speed Production, die auf 180 Gramm Vinyl festgehalten wurde. Das Konzert mit rund 76 Minuten findet sich hier somit auf zwei jeweils tadellos produzierten Schallplatten. Überflüssig ist es wohl anzuführen, dass diese in speziellen Inlays verpackt sind und ein Hardcover zum Einsatz kommt. Unsere Ausgabe der Limited Edition trägt übrigens die Nummer 006255...

Natürlich ist das Album "Sinatra at the Sands"auch auf Audio CD absolut hörenswert, denn derartig geniale Aufnahmen machen in jeder Darreichungsform Spass. In Form der "Sinatra at the Sands"Limited Vinyl-Edition jedoch ist es wirklich ein geradezu zeitloses Kunstwerk, das eigentlich in keiner Sammlung fehlen sollte.

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