CES 2010: Mit dem neuen Audiocodierverfahren HD-AAC will das Frauenhofer IIS nicht weniger als herkömmliche CD-Sammlungen ersetzen." /> Sempre Audio

Frauenhofer IIS stellt HD-AAC vor

CES 2010: Im Rahmen der Consumer Electronics Show in Las Vegas präsentierte das Frauenhofer Institut für Integrierte Schaltungen erstmals das neue Audiocodierverfahren HD-AAC. Es soll die Audioqualität der CD übertreffen und kompatibel mit dem wohl verbreitetsten mobilen Audioplayer, dem Apple iPod, aber auch mit vielen weiteren mobilen Musikspielern und Handys sein.

Von Michael Holzinger (mh)
14.01.2010

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Das Frauenhofer Institut für Integrierte Schaltungen entwickelte mit dem neuen Audiocodierverfahren ein Format, das den bereits seit geraumer Zeit etablierten AAC-Standard mit dem neuen MPEG-4 SLS-Standard kombiniert. Es handelt sich dabei um ein verlustfreies Codierverfahren, bei dem durch die Kompression dennoch alle Informationen bitgenau erhalten bleiben, die Musik aber dennoch - nach Angaben der Entwickler - genauso stark komprimiert wird wie mit anderen verlustfreien Verfahren.

Als weiteren Vorteil für das neue Format nennt das Frauenhofer IIS die Möglichkeit, Musik in 24 Bit Qualität abspeichern zu können. So werden auf Audio-CDs Musikdaten lediglich mit 16 Bit und 44,1 kHz abgespeichert, während bei heutigen Produktionen aber zumindest 24 Bit und 96 kHz eingesetzt werden. Geht es nach der Einschätzung der Entwickler, so soll durch HD-AAC dieser Qualitätsstandard auch für Verbraucher über Musik-Downloadshops und Hersteller von Unterhaltungselektronik leicht zugänglich sein.

So sollen vom Verbraucher generierte oder über Musikshops erworbene Inhalte im HD-AAC-Format z. B. auf Medienserver im Heimnetzwerk gespeichert und zu zahlreichen Endgeräten in gewohnter Weise übertragen werden können. Allerdings verspricht das Frauenhofer Institut für Integrierte Schaltungen, dass bei HD-AAC die Bitrate während der Übertragung der verfügbaren Bandbreite angepasst werden kann, um so jederzeit eine optimale Klangqualität im Rahmen der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu garantieren.

Mit dieser Option unterscheidet sich das neue Format natürlich grundlegend von anderen konkurrierenden Formaten wie z. B. dem ebenfalls verlustfrei arbeitenden, aber quelloffenen und somit lizenzfreien FLAC-Format, das sich vor allem im Bereich von hochauflösenden Formaten in der HiFi-Welt nach und nach als neuer Standard etabliert.

„Verbraucher kaufen künftig Musik online, die besser klingt als die gewohnte CD, und können zudem ihre vorhandene Plattensammlung mit HD-AAC komfortabel und sicher für die Zukunft konservieren.“, zeigt sich Harald Popp, Leiter der Abteilung Multimedia-Echtzeitsysteme des Frauenhofer IIS von den Vorzügen des neuen Formats überzeugt. „Schon heute können HD-AAC-Dateien bequem mit allen Geräten wiedergegeben werden, die AAC unterstützen.“

Nach Ansicht der Entwickler wird eine Vielzahl kommender Gerätegenerationen einen HD-AAC Decoder aufweisen und so das vollständig verlustfreie Signal abspielen können. Im Rahmen der CES in Las Vegas präsentierte das Frauenhofer IIS die Möglichkeiten des neuen Formats übrigens mit Hardware von Logitech, und zwar mit der Logitech Squeezebox touch.

Das Frauenhofer Institut für Integrierte Schaltungen ist Teil des Vereins der Frauenhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung und wird nur zu rund einem Fünftel vom deutschen Staat finanziert. Den überwiegenden Teil des Budgets muss die Gesellschaft somit durch Einnahmen aus Patenten und Lizenzen generieren, sodass man mit dem neuen Format natürlich bestrebt ist, an die Erfolge des populären MP3-Formats anzuknüpfen, das dem Frauenhofer IIS als Erfinder dieses Kompressionsformats über die Jahre stetige Einnahmen garantierte.

So will das Frauenhofer IIS HD-AAC-Software für PC und eingebettete Systeme wie zum Beispiel Mikroprozessoren oder digitale Signalprozessoren von ARM, MIPS, Texas Instruments, Analog Devices, Intel, AMD und IBM anbieten, um so dem neuen Format zu einem raschen Durchbruch und einer breiten Unterstützung zu verhelfen.

Offen aber ist, ob sich die Industrie nochmals darauf einlässt und sich dauerhaft an einen Partner bindet, für dessen Technologie laufend Lizenzen zu entrichten sind, wenn es adäquate Technologie auch völlig umsonst gibt.

Michael Holzinger

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Keywords: MP3, mobil, Streaming

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