Gestörte Harmon(y)ie: Stellt Logitech Universal-Fernbedienungen der Harmony-Serie ein?

Der Schweizer Zubehör-Spezialist Logitech setzt offensichtlich einen sehr tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess fort. So verabschiedete man sich bereits weitestgehend von Streaming-Lösungen der so genannten Logitech Squeezebox-Serie, nun ereilt offensichtlich der so Logitech Harmony-Serie das gleiche Schicksal.

Von Michael Holzinger (mh)
26.01.2013

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Die Logitech Squeezebox-Reihe galt über Jahre hinweg als überaus attraktive Streaming-Lösung, die vor allem durch einen nach wie vor bei vielen Anwendern sehr geschätzten Server überzeugte. Dieser konnte nicht nur durch hohe Zuverlässigkeit, sondern vor allem durch seine Flexibilität auftrumpfen, die durch die Unterstützung nahezu aller relevanten Datenformate, vieler Online-Dienste erzielt wurde. Mit ein wenig Einblick in das System konnte man diesen sehr vielseitig an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Und auch die Streaming-Clients selbst wussten zu überzeugen, denn diese erlaubten einen vergleichsweise günstigen Einstieg, und konnten durch den Einsatz externer Wandler problemlos jederzeit auf ein gänzlich anderes Qualitätsniveau gehoben werden.

Aber, geradezu still und leise strich der Schweizer Zubehör-Spezialist Logitech, der das gesamte Know-how rund um die Squeezebox-Produktreihe ja vor Jahren von der Firma SlimDevices zukaufte, im letzten Jahr die komplette Squeezebox-Reihe. Ohne dies jedoch klar zu kommunizieren, die Produkte waren einfach nahezu über Nacht aus dem Angebot des Unternehmens verschwunden. Lediglich die seit 2009 als Logitech Squeezebox Radio angebotene Lösung findet sich nunmehr als Logitech UE Smart Radio weiterhin im Portfolio des Schweizer Unternehmens. Von dem ehemals flexiblen System blieb somit defakto rein gar nichts übrig.

Nun scheint ein weiteres Produktsortiment der Schweizer ein ähnliches Schicksal zu ereilen, und zwar die Serie an Universal-Fernbedienungen der Logitech Harmony-Serie.

Nach derzeit vorliegenden Informationen soll Logitech auf Grund nicht überzeugender Performance des Unternehmens über die letzten Jahre hinweg den bereits vor etlichen Monaten begonnen Umstrukturierungsprozess sowie einer teils gänzlich neuen Ausrichtung des Produktangebots fortsetzen, dem bereits besagte Logitech Squeezebox-Reihe, und nun scheinbar auch die Logitech Harmony-Serie zum Opfer fällt.

Logitech bot im Rahmen der Logitech Harmony-Reihe eine breite Produktpalette an Universal-Fernbedienungen an, deren wesentlichstes Merkmal vor allem die sehr einfache Programmierung darstellte. Somit konnte die Lösung sehr elegant mit Hilfe eines webbasierten Assistenten auf das eigene HiFi- und AV-Equipment angepasst werden. Auch so genannte Makros, also die Zusammenstellung verschiedenster Steuerkommandos für verschiedene Geräte konnten auf diese Art und Weise sehr einfach erstellt werden.

Zunächst konzentrierte sich Logitech bei der Harmony-Serie vor allem auf hochpreisige Systeme, die mit einem vergleichsweise großen Display ausgestattet, und für komplexere Systeme mit vielen Geräten konzipiert waren. Allerdings bekamen diese nach und nach massive Konkurrenz durch mobile Devices wie Smarpthones und die zunehmende Vernetzung in der Welt der Unterhaltungselektronik, sodass diese Aufgabe mit entsprechenden Apps natürlich ebenso bewerkstelligt werden konnte. Also verlagerte Logitech zunehmend den Fokus auf günstigere Lösungen, die aber ebensowenig der zunehmenden der Konkurrenz durch besagte Smartphones und Tablets bestehen konnten. Dementsprechend präsentierten sich die Umsätze Logitechs in diesem Segment in den letzten Monaten nicht gerade überzeugend. Das offensichtlich ebenfalls keineswegs überzeugende Ergebnis des für dieses Produktsegment sehr wesentliche Weihnachtsgeschäft 2012 dürfte nun der Anlass dafür sein, dass die Schweizer nun auch in diesem Bereich defakto die Notbremse ziehen, und auch die Logitech Harmony-Reihe einstellen.

Damit ist Logitech aber keineswegs allein, schon andere ehemalige Größen in diesem Produktbereich mussten erkennen, dass für komplexe Fernsteuerungslösungen harte Zeiten angebrochen sind, und diese Aufgaben im Consumer-Segment längst von mobilen Devices viel flexibler, und vor allem viel günstiger zu bewerkstelligen sind. Als Beispiel sei etwa der niederländische Unterhaltungselektronik-Konzern Philips genannt, die ihr Engagement in diesem Segment schon vor Jahr und Tag beendeten.

Natürlich ist Logitech derzeit ganz besonders bemüht zu versichern, dass sich für bestehende Kunden nichts ändere. Man werde auch weiterhin entsprechenden Support garantieren und Kunden mit den wesentlichen Updates versorgen. Dies ist für Logitech umso wichtiger, als man ja erst vor wenigen Monaten etwa mit der Logitech Harmony Touch eine neue Lösung für dieses Produktsegment auf den Markt brachte.

This is Bracken Darrell, CEO of Logitech. Logitech just publicly announced a plan to hold the Harmony business for sale. Logitech is not shutting down the Harmony business and certainly not the service.
 
This corporate announcement does not impact Logitech´s commitment to our Harmony customers. During the sale, Logitech will continue to provide customer support for Harmony customers. All current warranties provided by Logitech for Harmony products remain unchanged at this time.
 
We very much appreciate our loyal Harmony community and will continue to support and communicate with our customers. Check back here for future updates on this topic.
 
Thank you for your continued support and enthusiasm for Logitech Harmony.
 
Regards,
Bracken Darrell

Gerüchteweise dürfte das Aus für die Logitech Harmony-Serie aber noch längst nicht alles gewesen sein und das Engagement von Logitech in der Welt der Unterhaltungselektronik künftig sehr bescheiden ausfallen. So spricht man derzeit etwa bereits davon, dass auch weitere Produkte aus dem Angebot gestrichen werden sollen. Diese passen nicht mehr in die Strategie des Schweizer Unternehmens, ist da zu hören. Dies betreffe nicht nur die Logitech Harmony-Serie, auch die so genannten Speaker Docks stünden demnach zur Disposition und dürften ebenso keine Zukunft bei Logitech haben, wie etwa der komplette Bereich der Devices für Spielkonsolen. Man will sich, so Logitech, vor allem auf den Bereich mobiler Devices konzentrieren und das Angebot an Zubehörprodukten für Tablets ausbauen. Zumindest dürfte da aus strategischen Gründen das Kopfhörer-Segment, das man seinerzeit vom renommierten Spezialisten UltimateEars übernahm, noch in die künftige Unternehmensausrichtung passen, wenngleich auch dieses Marktsegment ein immens hart umkämpftes ist in dem immer mehr Mitstreiter ihr Glück versuchen.

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