GoerTek Inc. übernimmt Mehrheit von Dynaudio

Sie werden immer rarer, die eigenständigen Unternehmen der Unterhaltungselektronik, die nicht Teil eines großen oder gar global agierenden Unternehmens sind. Nun trifft es auch Dynaudio. Der chinesische Konzern GoerTek Inc. gab nunmehr bekannt, die Mehrheit des dänische Traditionsunternehmen zu übernehmen.

Von Michael Holzinger (mh)
22.10.2014

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Es zeichnet sich immer mehr ein teils radikaler Wandel im Bereich der Unterhaltungselektronik ab, wobei die Entwicklung im Segment Consumer Electronic allgemein schon länger zu beobachten ist, aber nunmehr verstärkt auch traditionelle Unternehmen der gehobenen HiFi betrifft. Immer wieder wurden in den letzten Monaten teils gewaltige Fusionen oder Übernahmen bekannt, und zwar von Konzernen, die ehemals als direkte Konkurrenten am Markt agierten, und sich nun unter einem Dach, vielfach von Investoren-Gruppen und Konsortien, wiederfinden. Vielfach ist dabei noch nicht einmal klar, wie sich diese ehemals eigenständigen Marken künftig präsentieren werden, vor allem im Hinblick auf zumeist recht ähnlich gestaltete Produktsortimente.

Zumeist betraf dies aber, wie erwähnt, Konzerne im Consumer-Segment, die sich einem immer härten Preiskampf ausgesetzt sahen. Doch schon vor ein paar Jahren gab es erste Anzeichen, dass eine ähnliche Entwicklung auch im gehobenen HiFi-Segment blühen könnte, als Investoren-Gruppen damit begannen, ehemals kleine, eigenständige Unternehmen teils wie Trophäen zu sammeln, und zu neu konstruierten Konsortien und Unternehmensgruppen zu vereinen.

Vorbei ist offensichtlich die Zeit, in der derart kleine, aber feine Unternehmen eigenständig agieren, und sich selbst international behaupten konnten. Vielfach handelte es sich bei diesen Unternehmen gar um geradezu im Stil klassischer Kleinbetriebe oder gar Familienbetriebe geführte Unternehmen, die dennoch erfolgreich tätigt waren, aber sich nunmehr scheinbar immer mehr umorientieren müssen.

Nun gut, bei der neuesten, nunmehr bekannt gewordenen Übernahme handelt es sich nicht wirklich um einen kleinen Betrieb, vielmehr einen durchaus breit aufgestellten Konzern, der bislang sehr erfolgreich international tätig war. Umso erstaunlicher ist es aber, dass nun ausgerechnet der dänische Hersteller Dynaudio für Schlagzeilen im kursierenden Übernahme-Poker sorgt. So wurde nunmehr bekannt, dass Dynaudio vom chinesischen Unternehmen GoerTek Inc. übernommen wird. Ab sofort hält das in Weifang ansässige Unternehmen die Mehrheit des dänischen Traditionsherstellers, der neben dem klassischen Lautsprecherbau auch im Bereich Professional Audio und allen voran auch Automotive-Segment tätig ist.

Wilfried Ehrenholz, der das Unternehmen im Jahr 1977 gemeinsam mit Gerhard Richter und Ejvind Skaaning gründete, wird künftig nur noch Minderheitseigner sein, soll aber weiterhin in die Entscheidungen rund um Geschicke des Unternehmens maßgebend eingebunden sein.

Überhaupt soll sich, so GoerTek Inc. in einer Aussendung, an der bisherigen Struktur und auch am Standort von Dynaudio wenig ändern. Das Kompetenz-Zentrum in Skanderborg soll also weiterhin bestehen bleiben und auch Dynaudio als eigenständige Marke stehe nicht zur Diskussion. Vielmehr verstehe man es als Chance, durch die Investition von GoerTek Inc. die Entwicklung in allen relevanten Bereichen des Unternehmens stärker als zuvor voran zu treiben, und sich auch weiterhin erfolgreich auf einem sich stark verändernden Markt behaupten zu können.

GoerTek Inc. mag für so manchen bislang ein völlig unbeschriebenes Blatt sein. Dahinter verbirgt sich aber tatsächlich ein geradezu gigantischer Konzern, wobei dieser als eines der führenden Technologie-Unternehmen der Unterhaltungselektronik insgesamt gilt, aber ebenso im Bereich mobiler Devices eine maßgebliche Rolle spielt. Auch wenn GoerTek Inc. selbst bislang kaum mit eigenen Produkten für Konsumenten in Erscheinung trat, so finden sich deren Komponenten in Smartphones, Tablets, Lösungen der Unterhaltungselektronik und vielem mehr, und zwar nahezu aller in diesen jeweiligen Bereichen tätigen Konzerne.

Diese Technologie ist natürlich auch für Unternehmen wie Dynaudio künftig von besonders hoher Bedeutung, zumal es allen voran das dänische Unternehmen ist, das jüngst einen starken Fokus hin zum "HiFi-System" der Zukunft setzt, bei dem immer mehr die gesamte HiFi-Kette auf wenige Glieder zusammen schrumpft, und letztlich nur noch aus einer vielleicht gar "mobilen" Quelle und aktiven Lautsprecher-Systemen besteht, die im gesamten Haus verteilt sind. Das Dynaudio XEO System und die dieser Tage neu vorgestellte Serie Dynaudio Focus XD sind da ein klares Statement dafür, wie die Zukunft (auch) aussehen könnte...

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