Google Play Music Store nun auch in Österreich gestartet

Spät, aber doch steht nun auch österreichischen Kunden mit Google Play Music Store die Möglichkeit zur Verfügung, Musik online in Form von MP3-Dateien zu erwerben. Damit tritt Google auch hierzulande in Konkurrenz mit etablierten Anbietern wie etwa dem bislang unangefochtenen Branchenprimus Apple iTunes, Amazon MP3 Store und Anbietern wie Musicload.

Von Michael Holzinger (mh)
10.04.2013

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Schon seit geraumer Zeit tummelt sich der Internet-Gigant Google auch im Musik-Business, genauer gesagt im Bereich Musik-Distribution. Bereits im November 2011 startete der Konzern das Angebot Google Play Music, allen voran am US-amerikanischen Markt, um mit dem nach wie vor unangefochtenen Spitzenreiter Apple iTunes Store, aber auch etwa Amazon gleichzuziehen. Gleichzeitig mit dem Start in den USA bot man diesen Online-Store auch in weiteren Ländern an, darunter auch so manch wichtigen europäischen Markt. Österreich zählte bislang nicht dazu.

Nun aber entschied sich Google dazu, das Angebot einmal mehr auszuweiten, und diesmal findet sich auch Österreich auf der Liste. Somit steht ab sofort mit Google Play Music Store ein weiterer Anbieter im hart umkämpften, aber nach wie vor geradezu florierenden Markt der Online Musik-Distribution zur Verfügung.

Google tritt somit auch hierzulande in Konkurrenz mit etablierten Größen, und das ist natürlich auch in Österreich allen voran Apple mit dem Apple iTunes Store. Selbst Anbieter wie Amazon konnten bislang auch nur annähernd an die Bedeutung des Vorreiters aus dem kalifornischen Cupertino aufschließen, ganz zu schweigen von Angeboten wie etwa Musicload oder Juke der Metro-Gruppe.

Abgesehen davon, dass Apple natürlich nach wie vor davon profitiert, Vorreiter in diesem Marktsegment zu sein und es bestens versteht, das eigene Angebot zu vermarkten, gilt natürlich die direkte Verlinkung zwischen mobilen Devices aus dem Hause Apple mit dem eigenen Online-Store als wesentlichster Garant für diese vielfach heftigst umstrittene, geradezu marktbeherrschende Stellung des Apple iTunes Store. Diesen Vorteil können andere Anbieter natürlich nicht für sich in Anspruch nehmen, oder zumindest keinesfalls im gleichen Umfang wie Apple, selbst wenn es etwa Amazon seit geraumer Zeit mit der eigenen Amazon Kindle-Serie versucht. Google aber hätte diese Chance, denn schließlich beherrscht man mit dem Betriebssystem Google Android zumindest längst das Marktsegment der Smartphones, auch wenn man im Bereich Tablets noch deutlich gegenüber Apple hinterherhinkt.

Die Chancen für Google, künftig auch im Bereich Musik-Downloads eine sehr wesentliche und gewichtige Rolle zu spielen, stehen also prinzipiell nicht so schlecht. Allerdings ist man, wie bereits erwähnt, ja auch nicht erst seit „gestern“ im Geschäft, und selbst im Heimatmarkt, den USA, noch weit entfernt von der Bedeutung Apples.

Daher erstaunt es nicht, dass sich Google auch anlässlich des Markteintritts in Österreich bei genauen Zahlen recht bedeckt hält. So verrät man etwa nicht, wieviele Musik-Titel sich im Google Play Store finden, man spricht lediglich davon, dass man mit allen Major-Label entsprechende Verträge habe und auch eng mit zahlreichen Independent-Label zusammen arbeite. Besonders hier will man sich von Apple durch einen wesentlichen Punkt unterscheiden, und zwar den so genannten Artist Hub, der es Künstlern erlaube, eigene Angebote zu offerieren und sich dadurch einem breiten Publikum zu präsentieren und Einnahmen zu generieren.

Das Angebot in Österreich soll in etwa jenem anderer Länder entsprechen, allerdings angereichert durch lokale Angebote. Dementsprechend habe man natürlich nicht nur ein für gesamt Europa gültiges Lizenzabkommen geschlossen, sondern auch mit der lokalen Rechteverwertungsgesellschaft AKM/ Austro Mechana verhandelt.

Im Google Play Store finden sich Audio-Daten in verlustbehaftet komprimierter Qualität, und zwar im MP3-Format mit einer Datenrate von 320 kbit/s. Damit liegt das Angebot über jenem von Amazon, die bislang nur MP3-Daten mit 256 kbit/s offerieren, und gleichauf etwa mit Musicload, wobei dieser Anbieter etwa auch Audio-Daten im WAV-Format und somit „CD-Qualität“ anbietet. Apple iTunes setzt nach wie vor auf AAC-Dateien mit 256 kbit/s, was qualitativ auf Grund des deutlich besseren Kompressionsalgorithmus in etwa dem Angebot von Google entspricht, wenn nicht gar einen Deut besser ausfällt. Nicht zu vergleichen hingegen ist es natürlich mit hochauflösenden Anbietern, die Audio-Daten im WAV, AIFF oder FLAC-Format und deutlich höheren Auflösungen wie 24 Bit und 96 kHz bzw. gar höher anbieten. Allerdings richten sich diese ohnedies an eine gänzlich andere Zielgruppe.

Einzelne Songs werden im Google Play Store zu Preisen zwischen € 0,79 und € 1,29 angeboten, je nachdem, ob es sich um einen Katalog-Titel, oder einen neuen Song eines nach Ansicht von Google Top-Interpreten handelt. Ganze Alben stehen ab € 6,79 zur Verfügung. Die Musik-Daten sind mit keinem Kopierschutz versehen, können also frei auf beliebigen Geräten eingesetzt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt rund um das Angebot von Google ist die Möglichkeit, diesen direkt als so genannten Cloud-Dienst zu nutzen. Dies bedeutet, dass auch eigene Musik-Stücke, die etwa von Audio CD gerippt, oder bei einem anderen Anbieter (DRM-frei) gekauft wurden, über Google Play Store genutzt werden können. Bis zu 20.000 Titel können mit Hilfe des so genannten Google Play Music Manager hier abgelegt werden, wobei zunächst ein Abgleich der eigenen Mediathek mit dem Angebot des Google Play Store erfolgt. Nur wenn die Titel nicht im Angebot des Stores zu finden sind, werden die eigenen auch tatsächlich hochgeladen, ansonst steht das entsprechende File über den Store zur Verfügung. Diese Funktion entspricht somit defakto Apple iTunes Match, wobei Apple dafür € 24,99 pro Jahr kassiert, Google dies aber kostenlos anbietet. Der besagte Google Play Music Manager steht übrigens für Microsoft Windows, Apple OS X als auch Linux zur Verfügung.

Dieser dient auch als zentrale Musik-Verwaltung, um damit etwa Playlists zu erstellen und diese über mehrere Geräte hinweg zu synchronisieren. Ähnlich wie bei iTunes kann auch beim Google Play Music Manager ein Musik-Titel als Grundlage für einen neuen Mix, also eine neue Playlist sein, wobei dies bei Google Instant Mix heisst. Und Google „protokolliert“ - natürlich nur im Sinne des Komforts - die gespielte Musik, sodass weitere Titel, die zum Geschmack des Anwenders passen, vorgeschlagen werden können. Basis für all dies ist natürlich ein Google+ Account, der auch gleich dazu dient, Freunde über persönliche Musikvorlieben und Lieblingssongs zu „informieren“. Diese können den Song auch direkt anhören, und zwar in voller Länge, wie Google betont.

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