Griechenland stellt staatliches TV- und Radio ein

Mit mehr oder weniger sofortiger Wirkung schließt die griechische Regierung sowohl das staatliche TV- als auch Radio und entlässt damit auf einen Schlag rund 2.900 Techniker, Angestellte und Journalisten. Es könne in diesen Zeiten keine heiligen Kühe geben, befindet die Regierung in Athen und ortet in diesen Institutionen eine unvergleichliche Verschwendung.

Von Michael Holzinger (mh)
11.06.2013

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Man stelle sich folgendes Szenario vor: in einer knappen Mitteilung gibt die Regierung eines europäischen Landes bekannt, dass diese beschlossen habe, mit sofortiger Wirkung das staatliche Fernsehen als auch Radio einzustellen. Rundfunkanstalten wie der österreichische ORF, das deutsche ARD oder ZDF oder der Schweizer SRF würden damit über Nacht geschlossen und alle Angestellten auf die Strasse gesetzt. Man sollte meinen, dass dies schlicht unvorstellbar ist, aber genau das ist nun offensichtlich in Griechenland passiert.

Die Staatskassen sind leer in Athen, und dieser Umstand seit Monaten ständig präsentes Thema in Europa. Immer wieder drängt die europäische Politik die Regierung in Athen, Sparpotentiale voll auszuschöpfen und Kosten zu reduzieren, wobei die vorgeschlagenen Konzepte dafür nur selten auf wohlwollende Zustimmung stossen, nicht zuletzt bei der davon massiv betroffenen griechischen Bevölkerung. Zu dem nunmehr bekannt gegebenem Schritt aber hat wohl keiner in Europa geraten, geschweige denn, dass irgendjemand mit halbwegs gesund ausgeprägtem Demokratieverständnis und der Rolle der Medien eine derart drastische Maßnahme überhaupt in Erwägung ziehen würde.

Man kann ja über das Angebot öffentlich-rechtlicher Fernseh- und Rundfunkanstalten geteilter Meinung sein, immer wieder aufs Neue sind diese die Basis für angeregte Diskussionen und Kontroversen. Fakt aber ist, dass die Medienlandschaft in den meisten Ländern Europas sehr stark von öffentlich-rechtlichen Angeboten bestimmt wird, und das diese ein immens wichtiges Gegenangebot zu privaten Rundfunk- als auch TV-Angeboten bilden und somit eine wesentliche Rolle in einer modernen Demokratie darstellen.

Damit ist nun in Griechenland aber offensichtlich Schluss. Bereits in der Nacht vom 11. zum 12. Juni 2013, und somit mit sofortiger Wirkung soll der Sendebetrieb völlig eingestellt werden. Davon betroffen sind Geschlossen drei landesweit ausgestrahlte TV-Programme sowie ein Satelliten-Programm, sieben landesweit ausgestrahlte Radio-Pprogramme und 19 regionale Radiosender. Mehr als 2.900 Techniker, Angestellte und Journalisten verlieren damit ihren Job. Da hilft es wohl auch wenig, dass diese nach derzeit vorliegenden Informationen eine Abfertigung erhalten sollen.

Für die Regierung in Athen stellt ein Angebot wie ein staatlicher TV- und Radio-Sender nach Aussagen des Regierungssprechers Simos Kedikoglou eine unglaubliche Verschwendung dar. So koste das staatliche griechische Angebot 300 Millionen Euro pro Jahr und siebenmal mehr Personal als vergleichbare Anstalten. Und all dies solle mit sofortiger Wirkung nunmehr beendet werden. Es könne keine heiligen Kühe geben, die nicht geschlachtet werden können, so der Sprecher. Langfristig werde aber an einem neuem, wenn auch viel kleinerem Angebot gearbeitet. So spricht man von einem Angebot mit maximal 1.000 Mitarbeiten, und als Beispiel für die Struktur und Ausrichtung des neuen Unternehmens sollen führende Stationen dienen. Diese neue öffentlich-rechtliche Rundfunk- und TV-Anstalt soll in den nächsten Monaten realisiert werden.

Unmittelbar nach bekannt werden dieser Maßnahme kündigten die Betroffenen sowie die Gewerkschaft und der Verband griechischer Journalisten bereits heftigen Widerstand an. So ist bereits von einer Besetzung der Sendeanstalten sowie einem Streik aller Journalisten die Rede. Die Lage in Griechenland wird somit einmal mehr aufgeheizt.

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Keywords: Radio, TV, Fernsehen, Medien