HDBaseT - Die Alternative zu HDMI?

Samsung, LG Electronics, Sony und Valens Semiconductor formierten sich im Jahr 2009 zur so genannten HDBaseT Alliance, um eine Alternative zu HDMI zu entwickeln. Nun stellte dieses Industrie-Konsortium die Version 1.0 der neuen Spezifikation HDBaseT vor, die sowohl Audio als auch Video in digitaler Form, darüber hinaus auch Steuersignale übertragen soll und zudem auch über einen Netzwerk- als auch USB-Kanal verfügen soll.

Von Michael Holzinger (mh)
06.07.2010

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Damit tritt das neue HDBaseT in direkte Konkurrenz zu HDMI, dem High Definition Multimedia Interface. Vergleicht man die nunmehr präsentierte Spezifikation 1.0 dieses neuen Standards, so weist diese tatsächlich sehr viele Parallelen zur aktuellen HDMI-Spezifikation auf. So können beide Video- als auch Audio-Daten unkomprimiert digital übertragen, selbstverständlich jeweils in hochauflösenden Formaten und bei Audio inklusive Surround-Option. Ebenso wie bei HDMI kommt auch die Übertragung mittels HDBaseT natürlich nicht ohne Kopierschutz aus, sodass Signale nur zwischen authentifizierten Systemen übertragen werden.

Auch die tiefergehenden technischen Eckdaten wie etwa unterstützte Datenraten bei der Audio- und Video-Übertragung und somit den möglichen Auflösungen, Farbräumen und Tonformaten unterscheiden sich die beiden Lösungsansätze für die Verkabelung im Heimkino kaum. Worin besteht also der Unterschied zwischen HDMI und dem neuen HDBaseT?

Nun, der wohl wesentlichste Unterschied ist in der Wahl der Kabel zu suchen. So setzt HDBaseT auf mehr oder weniger ganz normale Ethernet-Kabel des Typs CAT5e/6 und somit auch auf die entsprechenden RJ45-Stecker, wie man sie bei jedem PC, Notebook oder Netzwerk-Device findet. Zumindest in der Theorie würden Anwender somit keine teuren Spezialkabel benötigen, um eine reibungslose Verbindung zu erzielen, sondern könnten sogar auf die zahllos im Handel erhältlichen günstigen „Netzwerkkabel“ setzen. Dies soll in diesem Fall auch bei größeren Distanzen problemlos funktionieren. Denn während bei HDMI spätestens bei 15 Metern das Ende der Fahnenstange erreicht ist, sollen mittels HDBaseT selbst Kabellängen von bis zu 100 Metern problemlos realisiert werden können. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Standards besteht in der Art der Verbindung. So unterstützt HDMI lediglich eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung. So fungiert bei HDMI z.B. ein AV-Receiver als zentrale Schnittstelle, die zwischen den verschiedenen Zuspielern und dem Fernseher „vermittelt“. Bei HDBaseT könnte das Signal vom Blu-ray Player weiter zum SAT-Receiver, zur Spielkonsole und Streaming-Client und dann erst zum AV-Receiver geführt werden. Hier können Geräte also zu einer Signal-Kette zusammen gefasst werden, was entsprechende Speziallösungen wie etwa ein HDMI-Switch oder im umgekehrten Fall ein HDMI-Splitter wären mit einem Schlag nicht mehr erforderlich.

Dementsprechend gering dürfte das Interesse von, auf die Produktion hochwertiger Kabel oder der bereits angeführten Lösungen zur Verteilung von HDMI-Signalen spezialisierten Unternehmen sein. Wenngleich natürlich auch bei HDBaseT reichlich Spielraum für entsprechend hochwertige Speziallösungen sein dürfte...

Ein weiterer Unterschied zwischen HDMI und HDBaseT besteht darin, dass das Konsortium rund um HDBaseT auch eine Option zur Stromversorgung von Geräten direkt in die Spezifikation integrierte. Hier sollen sogar Leistungen von 100 Watt zur Verfügung gestellt werden.

Ebenso wie in der aktuellen HDMI-Version sieht auch HDBaseT nicht nur Steuersignale zur Kontrolle des AV-Equipments, sondern eine zusätzlichen Netzwerk-Kanal vor, über den Daten ausgetauscht, und Inhalte über einen zentralen Zugriff auch online von allen Systemen in der Kette abgerufen werden können. Im Gegensatz zu HDMI, wo derzeit lediglich eine Datenrate von 100 MBit/s realisierbar sind, soll HDBaseT vom Start weg Datenübertragungen von bis zu 1 GBit/s erzielen. Doch HDBaseT soll noch mehr können. So sieht die Spezifikation auch die Übertragung von Daten nach dem Protokoll für USB vor.

Die Unternehmen der HDBaseT Alliance gehen davon aus, dass erste Lösungen mit der neuen Spezifikation bereits im Laufe des Jahres 2010 auf den Markt kommen. Mit der breiten Verfügbarkeit sei aber erst 2011 zu rechnen, meinen Sony, LG Electronics, Samsung als auch Valens Semiconductor übereinstimmen. Es bleibt also abzuwarten, wie sich HDBaseT gegenüber dem bereits bestens etablierten und nahezu bei allen Systemen im AV-Lineup aller Hersteller zu findenden HDMI durchsetzen kann. Die Vorteile, die HDBaseT gegenüber HDMI ins Feld führen kann, könnten eine rasche Durchdringung des Marktes durchaus beschleunigen.

Michael Holzinger

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