HDMI-Kabel Chaos soll mit eindeutigen Logos beendet werden

Schon bisher gab es teils große Irritation bei HDMI-Kabel, denn das wichtigste Unterscheidungsmerkmal beim Kauf war die vom Produkt unterstützte Spezifikation. Diese ist vor allem ein Merkmal für die maximale Datenrate und somit zumindest in der Theorie ein direktes Qualitätskriterium. Allerdings gingen vor allem Noname-Hersteller mitunter sehr großzügig bei der Produktbezeichnung um, sodass die Bezeichnungen HMDI 1.2, 1.3 oder 1.3a ohnedies mehr für Verwirrung denn Klarheit sorgten. Mit der neuen Version HDMI 1.4 wird nun alles zumindest anders...

Von Michael Holzinger (mh)
25.11.2009

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Mit der Einführung der neuen HDMI 1.4 Spezifikation will die, für die Lizenzierung zuständige HDMI Licensing LLC, mit neuen Richtlinien für mehr Klarheit bei der Produktbezeichung von HDMI-Kabel sorgen. Hintergrund dieser neuen Richtlinie ist es, den ohnedies bereits jetzt existierenden „Wildwuchs“ bei der Vermarktung entsprechender Kabel mit der Einführung neuer Varianten nicht noch mehr zu fördern.

Denn bislang unterschieden sich die erhältlichen Kabel rein Äußerlich sowie von der Belegung überhaupt nicht. Der Kunde war also allein die Bezeichnung der vom Kabel erfüllten Spezifikation angewiesen, die letztendlich eine Aussagen über die Qualität des Kabels zulassen sollte. So müssen Kabel nach HDMI 1.3a, ganz banal gesprochen, eine deutlich höhere und bessere Signalübertragung bieten, als z.B. Kabel nach HDMI 1.2. Allerdings waren vor allem Noname-Hersteller sehr großzügig bei der Auslegung dieser Spezifikationen, sodass Bezeichnungen wie HDMI 1.2, HDMI 1.3 oder HDMI 1.3a in der Praxis kein wirkliches Qualitätskriterium darstellten.

Mit der Einführung von HDMI 1.4 steigt nicht nur die Datenrate, es stehen zudem nun weitere Varianten zur Verfügung. Strenge Richtlinien, die eine klare und vom Kunden eindeutig nachvollziehbare Aussage über die Funktion als auch Qualität eines Kabels geben, waren also überfällig.

So soll mit HDMI 1.4 nun Schluss sein, mit der Bezeichnung allein anhand der vom Kabel unterstützten Spezifikation. Eine Angabe wie HDMI 1.3a oder 1.4 darf also nicht mehr auf der Packung zu finden sein, sondern muss von einer neuen Bezeichnung inklusive etwaiger Funktionserklärung abgelöst werden. Erst dann erhält ein derartiges Kabel eines der neuen, von der HMDI Licensing LLC vergebenen Logos.

Die Basis stellt dabei nach wie vor das einfache Standard-HDMI-Kabel zur Übertragung von digitalen Audio- und Videodaten dar. Dieses trägt die Bezeichnung „Standard HDMI Cable“, ohne weitere Angaben. Neu hingegen sind die Kabeltypen mit integriertem Ethernet, einer der zahlreichen neuen Varianten der HDMI 1.4 Spezifikation. Diese Kabel werden künftig unter der Bezeichnung „Standard HDMI Cable with Ethernet“ im Handel zu finden sein. Da mit der Spezifikation HDMI 1.4 einmal mehr die maximalen Datenraten angehoben wurden, werden auch entsprechende „High Speed HDMI Cable“ in den Regalen der Händler zu finden sein. Selbstverständlich gibt es auch diesen Kabeltyp mit integriertem Ethernet, sodass man auch „High Speed HDMI Cable with Ethernet“ finden wird. Ausschließlich für den Einsatz in Fahrzeugen bestimmt ist der Typ „Standard Automotive HDMI Cable“, auch eine neue Variante, die mit HDMI 1.4 eingeführt wird und mit kleineren Steckern versehen ist.

Die neuen Richtlinien gelten für HDMI 1.4 ab sofort. Für Produkte früherer Spezifikation gewährt die HDMI Licensing LLC eine einjährige Duldungsphase.

Auch für Gerätehersteller wird mit der Einführung von HDMI 1.4 einiges anders. So dürfen auch sie künftig nicht mehr allein mit der Bezeichnung der unterstützten HDMI-Spezifikation werben. Genauer gesagt, ab Anfang 2012 gar nicht mehr. In der Übergangsfrist dürfen Hersteller zumindest anführen, dass ein Anschluss HDMI 1.4 entspricht, müssen diese Angabe aber mit einer genaueren Funktionsangabe erweitern. So müssen Angaben über etwaige Netzwerkunterstützung oder einen Audio-Rückkanal gemacht werden, die ja von der HDMI 1.4 Spezifikation unterstützt werden. Eine typische Angabe würde demnach z.B. „HDMI 1.4 with Audio Return Channel and HDMI Ethernet Channel“ lauten. Die Angabe „HDMI 1.4 kompatibler Anschluss“ reicht also nicht mehr.

Die Intension, die hinter dieser neuen Vorgabe der für die Lizenzierung zuständigen HDMI Licensing LLC steht, ist durchaus zu begrüssen. Fraglich hingegen ist, ob es der richtige Weg ist. Denn schon bisher waren die Hersteller teilweise sehr kreativ und durchaus großzügig, wenn es um die Auslegung der Spezifikationen und somit die Bezeichnung ihrer Produkte ging. Denn wie sonst wäre es möglich, dass ein angebliches HDMI 1.3a Kabel, das demnach höchsten Qualitätskriterien entsprechen müsste, nicht einmal normalen Ansprüchen bei der Übertragung von HD-Inhalten gerecht wird?

Eine neue Richtlinie für die Bezeichnung von Produkten ist zwar allein schon auf Grund der mit HDMI 1.4 vorgesehenen neuen Kabeltypen wünschenswert, aber sicher nicht genug. Weit wichtiger wäre es, wenn die ohnedies sehr klar definierten Spezifikationen auch tatsächlich von den Herstellern eingehalten werden würden. Dem Kunden kann also auch weiterhin nur geraten werden, sich beim Kabelkauf auch weiterhin nur auf renommierte Hersteller und deren hohe Qualitätsstandards zu verlassen und sich so den Ärger mit einem der zahllosen Billig-Angebote zu ersparen.

Michael Holzinger

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