HDMI-Spezifikation in Version 1.4

HDMI hat sich als Standard für die digitale Übertragung von digitalen Audio- und Videosignalen in der Unterhaltungsindustrie durchgesetzt. Aktuelle Geräte setzen auf die Version 1.3 der Spezifikation. Bereits auf der CES in Las Vegas zu Beginn dieses Jahres wurden von der HDMI Licensing, LLC, erste Details der Version 1.4 bekannt gegeben, die nunmehr fixiert und offiziell vorgestellt wurde.

Von Michael Holzinger (mh)
18.05.2009

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Bereits vor einigen Tagen sorgten Medienberichte für Verwirrung. Denn während erste Berichte bereits alle Details der neuen Spezifikation preisgaben, war von offizieller Seite nichts dazu zu hören. Ganz im Gegenteil: die HDMI Licensing, LLC wies auf ihrer Webseite ausdrücklich darauf hin, dass die Informationen der letzten Tage nicht von der Organisation freigegeben wurden. Derzeit gäbe es nicht mehr zu berichten, als man dies bereits auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas im Januar getan hat. Die Spezifikation 1.4 von HDMI sei also noch nicht frei gegeben. So wurden die entsprechenden Medienberichte der letzten Tage teilweise bereits wieder zurückgezogen.

Nun aber ist es tatsächlich offziell. Die HDMI Licensing, LLC kündigt mit HDMI 1.4 die neueste Version der Spezifikation zur digitalen Übertragung von Audio- und Videodaten vor.

Neue Spezifikation mit fünf wichtigen Neuerungen

Erstaunlich ist, dass es sich bei der neuen Spezifikation nicht nur wieder um ein mehr oder weniger kleines Update handelt. Vielmehr bringt die neue Version von HDMI eine Vielzahl an Neuerungen mit sich. So nennt die Organisation zur Verwaltung der HDMI-Lizenzen fünf Schwerpunkte, die im Mittelpunkt der Entwicklung der neuen Spezifikation standen.

HDMI 1.4 mit Netzwerk-Funktionalität dank HDMI Ethernet Channel

An erster Stelle gilt es, den HDMI-Standard um Netzwerk-Funktionen zu erweitern. Damit will die Organisation sowie die durch sie vertretenen Unternehmen der Unterhaltungsindustrie dem Trend der Vernetzung gerecht werden.

Hierfür greift man auf bestehende Protokolle aus der IT-Industrie zurück und stattet HDMI mit einem Ethernet-Kanal aus. Dieser erlaubt die Datenübertragung mit 100 MBit/s und nennt sich in diesem Fall HDMI Ethernet Channel, oder kurz HEC. Leider sind für die Implementierung dieser Funktion natürlich neue Komponenten notwendig. Ein Update der Firmware allein reicht also nicht, um bestehendes Equipment auf die neue Version 1.4 aufzurüsten.

Auch die Kabel selbst müssen erneuert werden, will man in den Genuss der neuen Funktionalität kommen. Denn auch wenn die neuen Kabel bzw. Stecker 19 Pins wie bisher aufweisen, um die Datenübertragung besser gegen äußere Einflüsse abzusichern, werden die Kabel für die neue Spezifikation 1.4 als Twisted Pair ausgeführt, die Adernpaare also verdrillt. Die Stecker selbst bleiben aber die gleichen, wobei man mit der neuen Version 1.4 zwei zusätzliche Optionen einführt.

Automotive Connection System und Micro-HDMI-Buchse für mobile Geräte

So wird speziell für die Autoindustrie das neue Automotive Connection System eingeführt, bei dem die Anschlüsse - sowohl Stecker als auch Buchsen - den zumeist sehr widrigen Verhältnissen in diesem Segment angepasst wurden, um eine zuverlässige Datenübertragung zu gewährleisten.

Für mobile Devices gibt es zudem nun eine Micro-HDMI-Buchse, die zwar nicht das volle Leistungsspektrum der HDMI-Spezifikation bieten wird, aber zumindest die Audio- und Videoübertragung mit Auflösungen bis zu 1.080p.

Neuer Audiorückkanal ARC

Ebenfalls neu in der Version 1.4 wird ein Audiorückkanal sein. Dieser Audio Return Channel, oder kurz ARC genannte zusätzliche Kanal soll es ermöglichen, Audiosignale z. B. von einem Fernseher mit DVB-T Tuner an einen angeschlossenen AV-Receiver zu übertragen. Und zwar mit jenem Kabel, das ohnedies bereits vom AV-Receiver zum Fernseher die Übertragung von Signalen eines Blu-ray Players, DVD-Players usw. übernimmt. Der ARC wird aber nicht die volle Datenrate bieten, sondern auf komprimierte Audio-Datenströme, wie Dolby Digital, beschränkt sein.

Kennzeichnung von Inhalten durch ACE

Eine weitere Neuerung dürfte eine Kennzeichnung der Inhalte sein, die dem Wiedergabegerät signalisiert, was der Zuspieler liefert. So werden eigene Flags für Videos, Audio, Standbilder oder Spiele von Konsolen vom Zuspieler gesendet, sodass sich das Wiedergabegerät automatisch auf diese Inhalte einstellt. Diese Funktion wird sich Automatic Content Enhancement oder kurz ACE nennen. Sie soll auch ermöglichen, dass z. B. Fernseher und AV-Receiver schneller beim Umschalten zwischen verschiedenen Zuspielern reagieren. ACE soll zudem bereits für kommende Inhalte wie 3D-Videos und die Datenübertragung mit höheren Auflösungen vorbereitet sein.

Mit HDMI 1.3 wurde unter anderem das Farbraummodell xvYCC integriert. Mit der neuen Spezifikation sollen nun auch Farbraummodelle Einzug halten, die bei digitaler Fotografie von Bedeutung sind.

Erste Geräte mit HDMI 1.4 erst nächstes Jahr erhältlich

Auch wenn nunmehr die neueste Version offiziell angekündigt ist, es wird scheinbar noch einige Zeit vergehen, bis tatsächlich Geräte mit der neuen Spezifikation im Handel zu finden sein werden.

So gehen alle Insider derzeit davon aus, dass es noch geraume Zeit dauern könnte, bis erste Geräte mit HDMI 1.4 auch tatsächlich erhältlich sein werden. Bislang haben die führenden Produzenten nicht einmal damit begonnen, die neuen HDMI 1.4 Chips auszuliefern. Daher muss davon ausgegangen werden, dass erste Geräte mit HDMI 1.4 wohl erst im kommenden Jahr tatsächlich am Markt verfügbar sein werden. So wird damit gerechnet, dass zur CES 2010 in Las Vegas wohl viele Unternehmenerste Geräte mit HDMI 1.4 vorstellen und dann im Laufe des Jahres auch tatsächlich ausliefern werden.

Michael Holzinger

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