HDMI - Die optimale Verbindung

Im HiFi-Umfeld ist man es seit Jahr und Tag gewohnt, hinter dem HiFi-Rack einen wahren Berg an Kabeln vorzufinden. Kabel für die Audio- und Videoübertragung von allen Komponenten hin zum AV-Receiver und dann weiter zum Fernseher sorgen vor allem bei Surround-Konfigurationen für ein Wirrwarr an Kabeln, das jeden Austausch einer Komponente zur Tortur macht, und natürlich bei anspruchsvolleren Anlagen auch einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor darstellt.

Von Michael Holzinger (mh)
21.02.2009

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Lange Zeit gab es keine andere Möglichkeit, denn Audio- und Videosignale konnten nur analog übertragen werden. Zu den analogen Signalwegen kamen dann noch die digitalen Audioverbindungen, was die Sache natürlich noch einmal verkomplizierte. Erst seitdem auch Videosignale digital übertragen werden können, besserte sich die Situation. Mit HDMI war ein scheinbar optimaler Weg gefunden, um Audio- als auch Videosignale in digitaler Form mit einem einzigen Kabel übertragen zu können. Aber auch wenn HDMI auf den ersten Blick als die ideale Schnittstelle erscheint, so gilt es auch hier, einige grundlegende Dinge zu beachten, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

HDMI ist nicht HDMI

Beginnen wir zunächst mit einem kleinen Exkurs in die Entwicklungsgeschichte von HDMI. HDMI steht für High Definition Multimedia Interface, und basiert auf der in der IT weit verbreiteten DVI-Schnittstelle. Im Gegensatz zu DVI bietet HDMI aber die Option, zusätzlich zum Videosignal auch Audiodaten zu übertragen. Außerdem inkludiert HDMI den Kopierschutz HDCP (High-bandwidth Digital Content Protection). Dieser Kopierschutz war notwendig, da über HDMI Audio- und Videosignale in bestmöglicher Qualität digital übertragen werden, und die Musik- und Filmindustrie diesem Standard ohne Kopierschutz wohl nie zugestimmt hätte.

HDMI wurde erstmals 2003 eingesetzt, und erfuhr seitdem deutliche Erweiterungen. Insofern muss beachtet werden, dass zwar alle derzeit verfügbaren Versionen von HDMI zueinander kompatibel sind, aber nicht in jedem Fall alle Vorzüge genutzt werden können. Aktuell hat der Standard HDMI 1.3a erreicht. Im Gegensatz zu HDMI 1.0 weisst der aktuelle Standard eine deutlich größere Datenrate auf. So verdoppelte sich bei HDMI 1.3a die Datenrate gegenüber HDMI 1.2 auf nunmehr bis zu 10,2 Gbit/s.

Dadurch sind nicht nur neue Audioformate und höhere Auflösungen möglich, der neue Standard erlaubt auch einen größeren Farbraum (xvYCC) und höhere Bildwiederholraten (bis zu 120 Hz). So werden mit der aktuellen Version nicht nur die üblichen Surround-Formate wie Dolby Digital oder dts übertragen, die Version 1.3a unterstützt nun auch die Übertragung von Dolby TrueHD sowie dts HD High Definition Master Audio. Signale von SACDs werden bereits seit der Version 1.2 ebenfalls im nativen DSD-Format übertragen, DVD-Audio war bereits seit Version 1.0 im Standard vorgesehen.

Um dies nochmals zu betonen: selbstverständlich ist HDMI 1.3a vollständig abwärtskompatibel zu den bisherigen Standards HDMI 1.0 und 1.2. Allerdings, und diesen Punkt gilt es zu beachten, können all die neuen Möglichkeiten nur genutzt werden, wenn dies von allen Geräten unterstützt wird. So bringt es in der Praxis wenig, wenn zwar der nagelneue Blu-ray Player alle Vorzüge von HDMI 1.3a mitbringt, der angeschlossene AV-Receiver allerdings nur HDMI 1.0 unterstützt. Er kann mit der „Datenflut“, die er vom Player geliefert bekommt, schlicht und einfach nichts anfangen, die Kommunikation findet also stattdessen mit den für beiden „verständlichen“ Parametern statt.

Ferngesteuert

Ein weiterer sehr großer Pluspunkt von HDMI ist das im Standard implementierte Protokoll CEC (Consumer Electronics Control) und AV-Link für HiFi-Komponenten. Damit lassen sich zumindest grundlegende Steuerungen von einem Gerät auf das andere übertragen. Startet man z. B. die Wiedergabe am Blu-ray Player, so wechselt der AV-Receiver und der Fernseher auf den entsprechenden Eingang. Zudem kann man die Wiedergabe des Blu-ray Players zumeist dann auch einfach mit der Fernbedienung des Fernsehers oder aber des AV-Receivers steuern. Allerdings kochen hier viele Hersteller ihr eigenes Süppchen, sodass diese Funktionalität zumeist nur zwischen Produkten des gleichen Herstellers wirklich reibungslos funktioniert.

Ist es gleichgültig, welches Kabel man nutzt?

Audiofreaks haben schon immer auf besonders hochwertige Kabel gesetzt. Dies konnte mitunter nicht nur eine sehr teure, aber in vielen Bereichen durchaus sinnvolle Angelegenheit sein, manchmal glitt das Ganze aber auch in eine sehr esoterische Ecke ab. Bei Vollmond von Jungfrauen aus reinem Elfensilber gewickelte Kabel wechselten für Unsummen den Besitzer.

Wie aber ist das nun bei HDMI? Hier werden ja bloß Bits und Bytes hin und her geschoben. Im Prinzip sollte es also weitgehend gleichgültig sein, welches Kabel man dafür nutzt. Die Praxis zeigt, dass die Theorie auch hier nicht ganz so einfach in die Realität umzusetzen ist. Denn je größer die Datenmenge ist, die über ein HDMI-Kabel geschaufelt wird, umso entscheidender ist die Qualität des Kabels.

Ein Blick in die Regale der Elektrogroßmärkte zeigt, dass sich dies noch nicht wirklich bis zu den Endkunden herumgesprochen hat. Was da teilweise als angeblich hochwertige HDMI-Kabel verkauft wird, mag mit viel Glück zum Anschluss eines SAT-Receivers über HDMI 1.0 reichen. Bei einem aktuellen Blu-ray Player mit hochauflösenden Audioformaten aber wird man nur wenig Freude mit einem derartigen Kabel haben.

Im schlimmsten Fall sieht und hört man nichts, da schlicht keine Kommunikation zwischen den Geräten zustande kommt. Denn während man bei analogen Übertragungen über billige Kabel einfach schlechte Audio- und Videoeigenschaften in Kauf nimmt, findet bei digitaler Übertragung dann überhaupt keine Übertragung statt. Der Standard sieht nämlich vor, dass neben den Nutzsignalen auch diverse Controll-Signale zwischen den Komponenten ausgetauscht werden. Kommt es hier zu Problemen, wird die Übertragung einfach unterbrochen.

Als eine erste Kaufentscheidung bei HDMI-Kabeln sollte daher ein Hinweis auf den Standard sein, für den das Kabel zertifiziert ist. Gibt der Hersteller an, dass ein Kabel für z. B. 1.3a zertifiziert und getestet wurde, dann muss er dies auch einhalten. Das Kabel muss also schon gehobeneren Qualitätskriterien gerecht werden, um die bei diesem Standard möglichen sehr hohen Datenraten auch tatsächlich fehlerfrei übertragen zu können.

Keine Probleme mehr dank HDMI?

Nun, das kann man so leider nicht behaupten. Denn HDMI hat durchaus auch ein paar Probleme. So ist die HDMI-Schnittstelle eine totale Fehlkonstruktion. Vor allem bei hochwertigen Kabeln mit entsprechendem Gewicht zerrt das Kabel sehr an der Anschlussbuchse, die über keinerlei Zugentlastung verfügt. Hier hätte man sich durchaus ein Beispiel bei den Buchsen von DVI nehmen können, die in der Regel immer über eine Schraubverbindung verfügen, und somit einen sicheren Halt gewährleisten. Außerdem sind HDMI-Kabel laut Standard derzeit nur bis zu einer Länge von 15 Metern vorgesehen. Wer also seinen Beamer mittels HDMI anschließen will, der hat zumeist ein Problem. Zwar gibt es auch längere Kabel, einen reibungslosen Betrieb garantiert in diesem Fall aber eigentlich niemand.

Unterm Strich allerdings erleichtert HDMI das Setup von HiFi-Komponenten ungemein, vor allem dann, wenn man weiß, welche Dinge es dabei zu beachten gilt. Wo früher zig Kabel nötig waren, reichen nun eine Handvoll HDMI-Kabel, um Ton und Bild in erstklassiger Qualität zu übertragen.

Michael Holzinger

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Keywords: HDMI, AV-Systeme, Heimkino

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