HFX RipAmp 2.1 im Test - Das Ende von DACs?

Einzig einen USB-Anschluss findet man neben den Lautsprecher-Klemmen an der Rückseite dieses Verstärkers, der nach Angaben des Herstellers komplett ohne DAC auskommt, und stattdessen auf die so genannte PurePath Digital Technology setzt. So soll jeder PC oder Mac, aber auch jede RipNAS zum High-end Netzwerk-Player mutieren, zeigt sich das österreichische Unternehmen HFX überzeugt.

Von Michael Holzinger (mh)
12.03.2012

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Lange Zeit galten so genannte Digital-Verstärker in audiophilen Kreisen als verpönt. Abgesehen davon, dass es so etwas wie einen Digital-Verstärker per Definition eigentlich gar nicht gibt, sondern eher von Verstärkern in Class D gesprochen werden muss, bedurfte es durchaus sehr intensiver Anstrengungen einiger renommierter Hersteller, um die Akzeptanz in audiophilen Kreisen für derartige Konzepte zu erzielen. Denn an Vorteilen mangelt es Verstärkern in Class D keineswegs. So zeichnen sich derartige Schaltungskonzepte allen voran natürlich durch eine immens hohe Energieeffizienz aus. Damit sind sie seit jeher überall dort erste Wahl, wo bei kleinster Leistung hohe Wirkungsgrade erforderlich sind. Neben professionellen Beschallungs-Systemen, so genannten PA-Systemen, setzten also auch Hersteller vorwiegend günstiger Elektronik und mobilen Lösungen auf Class D, was natürlich nicht gerade förderlich für den Ruf dieser Schaltungskonzepte war.

Nachdem aber vermehrt auch Hersteller mit tadellosem Leumund Class D für sich entdeckten und die Vorteile für ihre Lösungen zu nutzen verstanden, gewinnen diese Systeme nach und nach auch bei besonders anspruchsvollen Kundenschichten wieder an Akzeptanz.

Dies will nun auch ein absoluter Neueinsteiger für sich nutzen, und zwar das österreichische Unternehmen mCubed Information Technology GmbH, das unter der Marke HFX bislang vor allem für seine Netzwerk-Speichersysteme bekannt ist. Erstmals präsentiert man mit dem so genannten HFX RipAmp 2.1 nun einen Verstärker, der natürlich allen voran als Erweiterung für die Produkte der RipNAS-Serie konzipiert wurde, aber ebenso direkt mit einem PC oder Mac eingesetzt werden kann und somit eine besonders einfache, nach Ansicht des Herstellers aber dennoch überaus hochwertige Stereo-Kette darstellen soll.

mCubed Information Technology GmbH verkündet beim neuen HFX RipAmp 2.1 nicht weniger als das Ende von D/A-Wandlern, denn man verzichte hier komplett auf einen DAC. Vielmehr käme hier die so genannte PurePath Digital Technology zum Einsatz, die man in Zusammenarbeit mit dem dänischen Unternehmen Sumoh für den RipAmp 2.1 umsetzte. Das erstaunlichste an diesem Amp ist also zunächst, dass der RipAmp 2.1 - abgesehen von einer USB-Schnittstelle - über keinen Audio-Eingang verfügt. An der Rückseite des Geräts finden sich zwar die obligatorischen Lautsprecher-Anschlüsse, aber weder analoge noch digitale Audio-Schnittstellen.

Der HFX RipAmp 2.1 präsentiert sich zunächst als sehr kompakter Verstärker, der aber dennoch einiges an Masse aufbringt. Dies liegt zum Großteil natürlich an einem überaus massivem Gehäuse, dass komplett aus Metall gefertigt ist und natürlich ganz bewusst an eine HFX RipNAS erinnert. Schließlich propagiert das Wiener Unternehmen den RipAmp 2.1, wie bereits erwähnt, als perfekte Erweiterung für die NAS-Lösungen aus eigener Fertigung. Rund 5 kg bringt der RipAmp 2.1 also auf die Waage und misst 23 cm in der Breite, 24 cm in der Tiefe und 5 cm in der Höhe. Das aus gebürstetem Aluminium gefertigte Gehäuse ist in dezentem Schwarz lackiert und weist an den Seiten markante Kühlrippen auf. An der Oberseite sorgt zudem ein Metallgitter dafür, dass die Abwärme effektiv abgeführt werden kann, sodass trotz der kompakten Abmessungen und einem durchaus prall gefüllten Innenleben kein störender Lüfter erforderlich ist. Eine auf Hochglanz polierte, schwarze Kunststoff-Abdeckung sorgt an der Ober- als auch Frontseite für einen netten optischen Kontrast.

An der Rückseite des Verstärkers gibt‘s in diesem Fall leider nichts zu entdecken. Wie gesagt, hier findet sich lediglich ein USB 2.0 Anschluss, aber keinerlei klassische analogen oder digitalen Audio-Eingänge. Nur ein Stromanschluss, der Hauptschalter sowie solide Anschlussklemmen für die Lautsprecher stehen hier zur Verfügung. Und natürlich ein Ausgang für einen zusätzlichen Subwoofer, wodurch sich auch der Zusatz im Namen des HFX RipAmp 2.1 erklärt.

Auch bei der Frontseite des Verstärkers werden Menschen mit ausgeprägtem Spieltrieb und somit einer Liebe zu mannigfaltigen Anschlüssen, Schaltern und Tastern keine wirkliche Freude haben. Hier gibt‘s nämlich rein gar nichts. Nur der Namenszug sowie eine Status-LED ziert die Front des HFX RipAmp 2.1. Reduziert aufs Wesentliche trifft es also sehr gut...

Auch wenn die vergleichsweise kompakten Abmessungen der Schaltungen einer der Vorteile von Verstärkern in Class D sind, das Innere des RipAmp 2.1 ist prall gefüllt. Immerhin gilt es, trotz der geringen Abmessungen, eine Leistung von stolzen 100 Watt pro Kanal an Lautsprechern mit einer Impedanz von 4 Ohm zu entwickeln, und das tunlichst auf höchstem Niveau, so der Anspruch des Herstellers.

Dafür setzt das Wiener Unternehmen auf die so genannte PurePath Digital Technology und verzichtet auf jedwede Signal-Konvertierung. Um ganz genau zu sein kommt dabei die Class D PurePath HD Amplifier Technology des Spezialisten für Signalprozessoren und Signalverarbeitung Texas Instruments zum Einsatz, bei der im Prinzip eingehende PCM-Signale (Pulse Code Modulated) in PWM-Signale umgewandelt werden (Pulse Width Modulated). Das Gerät kann an der USB-Schnittstelle Signale mit einer Auflösung von bis zu 24 Bit und 96 kHz entgegen nehmen, wobei die Verarbeitung aber stets mit 24 Bit und 384 kHz erfolgt. Die eigentliche Verstärkung der Signale erfolgt mittels N-Channel DMOS Leistungstransistoren. Das Signal wird also komplett auf digitaler Ebene durch das Gerät gereicht und erst unmittelbar vor den Lautsprecher-Anschlussklemmen erfolgt die Konvertierung in die analoge Welt, und zwar mittels eines passiven LC Low-pass Filter zweiter Ordnung.

In der Praxis präsentiert sich der HFX RipAmp 2.1 also als reines Audio-Interface, das direkt über USB 2.0 an einen PC oder Mac angeschlossen wird, in diesem Fall aber als Verstärker fungiert und somit keinerlei zusätzlicher Geräte bedarf. Ebenso sind keinerlei Treiber für den Betrieb erforderlich, da der RipAmp 2.1 anstandslos als neues Audio-Interface erkannt, und sofort einsatzbereit ist. Dies erlaubt auch den Betrieb mit den NAS-Lösungen des Herstellers, den HFX RipNAS-Systemen. Diese sind im Prinzip auch nichts anderes, als besonders kompakte PC-Systeme, wobei als Betriebssystem Microsoft Windows Home Server zum Einsatz kommt. Dementsprechend wird auch hier der HFX RipAmp 2.1 als Audio-Interface erkannt und kann direkt im Verbund mit einer RipNAS als vollständiges HiFi-System eingesetzt werden.

Allerdings fehlt dann auf den ersten Blick natürlich entscheidendes: wir haben es ja bereits erwähnt, der HFX RipAmp 2.1 verfügt über nichts, was man an herkömmlichen Verstärkern eigentlich immer findet, nämlich in erster Linie etwa einen ganz simplen Lautstärke-Regler. Den braucht‘s aber im konkreten Fall auch gar nicht, denn die komplette Steuerung erledigt man ohnedies direkt über den PC, Mac oder die RipNAS. Und zwar am elegantesten mit Hilfe verschiedenster Apps für Apple iPhone, iPod touch, iPad oder Smartphones und Tablets mit Google Android.

Wir haben uns für diesen Test zunächst auf eine besonders einfache Lösung konzentriert, und zwar Apple iTunes auf einem Mac mini, an dem wir den HFX RipAmp 2.1 über USB angeschlossen haben. In der Systemeinstellung tauchte dieser auch sofort als verfügbares Audio-Interface auf und schon konnte über Apple Remote für Apple iPhone, iPod touch und iPad nicht nur die Wiedergabe selbst gesteuert werden, sondern natürlich auch die Lautstärke. Ebenso einfach ist die Kombination mit einem System aus der HFX RipNAS-Serie, wobei das knappe, aber durchaus aufschlussreiche Handbuch des RipAmp alle in diesem Zusammenhang möglichen Optionen leicht verständlich auflistet und Schritt für Schritt die nötigen Einstellungen erklärt.

Ein komplettes HiFi-System mit der Grundfläche von rund 25 x 25 cm also...

Ja, und mit Sicherheit kein schlechtes, aber eine Lösung mit sehr klar definierter Zielgruppe. Trotz ansprechender Wiedergabe, uneingeschränkt empfehlen können wir den HFX RipAmp 2.1 somit leider nicht, vor allem muss man den Verstärker durchaus im Vergleich zu anderen Lösungen der gleichen Preisklasse sehen.

Wir haben den HFX RipAmp 2.1 mit verschiedensten Lautsprecher-Systemen getestet, wobei wir natürlich auch diesmal Modelle unterschiedlicher Charakteristik und natürlich auch aus den verschiedenen Preisklassen auswählten. Lautsprecher-Systeme der günstigen Kompakt-Klasse, ja selbst Lösungen im gehobenen Einstiegssegment hatte der HFX RipAmp 2.1 stets unter Kontrolle und wusste mit einem ansprechenden Klangbild zu überzeugen. Erst wirklich anspruchsvolle Systeme entzogen sich seiner Kontrolle, sodass hier dann doch klar seine Grenzen aufgezeigt wurden. Soweit also kein Grund zur Klage...

Unterm Strich muss aber ganz nüchtern gesagt werden, dass der RipAmp 2.1 mit einem Verkaufspreis von immerhin € 699,- in einer Preisklasse spielt, die von zahllosen renommierten Herstellern seit Jahr und Tag bestens bestückt wird. Allerdings sind deren Lösungen, wenn es um Schnittstellen geht, allesamt deutlich besser ausgestattet und daher sicher vielseitiger. Somit können diese natürlich auch jenseits von PCs und Macs eingesetzt werden - eben klassische Stereo Vollverstärker mit zahlreichen Ein- und Ausgängen die aus einem Verstärker eine zentrale Schnittstelle in einem HiFi-System machen. Insofern müsste der RipAmp 2.1 unserer Ansicht nach mit seiner auf ein absolutes Minimum ausgerichteten Ausstattung deutlich über deren Klangniveau spielen, um diesem Vergleich vollends standzuhalten. Eine Aufgabe, der der RipAmp 2.1 von HFX aber nicht gänzlich gewachsen ist.

Um es nochmals zu betonen, der HFX RipAmp 2.1 ist ein überaus spannendes Konzept, und überzeugt im Zusammenspiel mit PCs, Macs und natürlich vor allem einer Speicherlösung der RipNAS-Familie als ansprechend aufspielender Verstärker. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass bei essentiellen Komponenten wie etwa einem Verstärker dann doch ein wenig mehr Flexibilität nicht schlecht ist. Denn trotz einer großen Affinität zu modernsten Netzwerk-Lösungen, mitunter kommt man dann doch in die „Verlegenheit“, ein paar weitere Quellgeräte ebenfalls einsetzen zu wollen. Und dann ist man heilfroh, wenn der Verstärker nach wie vor die entsprechenden Schnittstellen bietet. Wer sich darüber im klaren ist, darin aber keinen Nachteil für sich sieht, der ist mit dem RipAmp 2.1 aus dem Hause HFX durchaus gut beraten.

Auf den Punkt gebracht

mCubed Information Technology GmbH bietet mit dem HFX RipNAS 2.1 ein durchaus interessantes Konzept an, das seine Stärken im Zusammenhang mit PCs und Macs sowie Speicherlösungen der RipNAS-Familie ausspielen kann. Genau diese „Fokussierung“ allein auf eine USB-Schnittstelle ist aber auch sein größter Nachteil.

6,0 (Gut)

The Good

  • Hochwertige Verarbeitung
  • problemlose Inbetriebnahme
  • ansprechende Klangqualität
  • kann mit jedweder Software eingesetzt werden
  • erlaubt die Steuerung mit zahllosen Apps für Apple iOS und Google Android

The Bad

  • Allein auf den Einsatz mit PCs
  • Macs und Lösungen aus der HFX RipNAS-Familie beschränkt
  • wechselt viel zu schnell in den Standby-Modus

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