Foto © Michael Holzinger - sempre-audio.at

Hermann Posch und Jimi Dolezal im TRAtelier

Eine bunte Auswahl aus Blues aus fremder Feder, eigenen Songs, „oide Hodan“ von Bob Dylan bis Lou Reed präsentierte Hermann Posch unter strahlendem Sonnenschein vor dem TRAtelier in der niederösterreichischen Stadt Stockerau, nördlich von Wien. Einmal mehr bat er den herausragenden Gitarristen Jimi Dolezal, ihn dabei zu unterstützen.

Von Michael Holzinger (mh)
08.06.2014

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Nicht einmal auf Blues-Musiker kann man sich mehr verlassen… Da wird ihnen stets nachgesagt, wahre Nachteulen zu sein, die erst zu vorgerückter Stunde so richtig zum Leben erwachen, und sich Nacht um Nacht in dunklen Clubs herumtreiben, und zu spielen, bis der Morgen graut. Ein durchaus mit dem Journalistenleben kompatibler Lebenswandel, zumindest, wenn es um jenen Lebenswandel des Autors dieser Zeilen geht…

Und dann lädt eine der österreichischen Blues-Größen dieses Landes schlechthin ausgerechnet an einem Sonntag zu einem Konzert, das um 11:00, nein, nicht Abends, das wäre ja in Ordnung, sondern 11:00 Morgens beginnt. Und anstatt sich in die abgedunkelten Räume des TRAtelier in Stockerau zurück zu ziehen, wurde das Konzert kurzerhand zu einem „Open Air“ umfunktioniert, eine kleine Bühne vor den Lokal war somit der Schauplatz des Geschehens.

Gut, strahlender Sonnenschein und Temperaturen rund um die 30° C sprachen durchaus dafür, das Vatertags-Special von Hermann Posch tatsächlich unter freiem Himmel zu zelebrieren.

„Wir haben uns kurz überlegt, ob wir wie gehabt drinnen spielen sollen, aber wenn wir drinnen spielen, und ihr alle hier draussen seit, da haben wir alle nichts davon“, so Hermann Posch zu Beginn des Konzerts. Wir? Ja, einmal mehr wollte Hermann Posch diesen Gig nicht allein bestreiten. Dies widerspricht geradezu seinem Naturell, denn da fehlt jemand, mit dem er in eine musikalische Kommunikation treten kann, ein Spielpartner, mit dem er sich geradezu austauschen kann, um sich die Solis und Riffs und die Begleitung aufzuteilen, und so stets neues zu erschaffen.

Einmal mehr hat sich Hermann Posch daher mit Jimi Dolezal einen geradezu idealen Partner ausgewählt, denn das Verständnis zwischen den beiden ist geradezu bemerkenswert. So gestand Hermann Posch zu Beginn des Konzerts offen, dass er offensichtlich die Setlist für den Gig vergessen habe. „Wir spielen einfach mal, wer weiß, wohin es uns führen wird…“, so Posch, und griff in die Saiten.

Aber was zu erwarten war, das war dem Publikum natürlich ohnedies klar, nämlich Musikgenuss vom allerfeinsten, und zwar über Stunden. Denn Hermann Posch und Jimi Dolezal trotzten der Hitze über drei Stunden hinweg, nur unterbrochen von einigen kurzen Pausen und ein, vielleicht auch zwei kleine Bier… („Pfui, des woar jetzt Wossa“)

Einmal mehr war es überaus beeindruckend, dass sich hier zwei Musiker - sprichwörtlich - nahezu blind verstehen. Lediglich ein kurzer Abgleich über die Tonart vor jedem Song, und schon wurde losgespielt, als hätte man wochenlange härteste Probenarbeit hinter sich. Doch das es genau dies nicht war, sorgte für eine immense Vitalität und Lebendigkeit des Vortrags. Vielmehr war es eine Jam-Session auf allerhöchstem Niveau, die es eigentlich verdient hätte, auf Band festgehalten zu werden. Und zwar über verschiedenste Genre-Grenzen hinweg, so mischte sich zwischen eigene Songs und Blues-Standards auch der ein oder andere Song aus dem Singer/ Songwriter und Rock-Bereich. Es sei einfach immer wieder schön, die „oiden Hodan“ zu spielen, so Hermann Posch, allen voran von den Größen, die viel zu früh gegangen sind, wie etwa Lou Reed. Faszinierend, wie vielseitig man einen ansich recht einfach gestrickten Song wie „Walk on the wild side“ allein mit zwei Gitarren gestalten kann, wenn zwei Ausnahmekünstler wie Hermann Posch und Jimi Dolezal ihre Interpretation der lediglich 4 Akkorde vortragen…