Ikea Uppleva - Wie sich ein schwedisches Möbelhaus Unterhaltungselektronik vorstellt...

Als erste Meldungen rund um Ikea Uppleva ruchbar wurden, hielten es viele für einen schlechten Scherz. Klar, im Sektor Weissware, also etwa im Bereich Küchenausstattungen, vom Herd, über Kühlschränke bis hin zum Geschirrspüler, da wilderte Ikea bereits im Bereich des Elektrofachhandels, aber das könnten „die“ doch niemals im Bereich Unterhaltungselektronik...

Von Michael Holzinger (mh)
02.04.2013

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Erstaunlich, noch immer hält es so mancher für einen April-Scherz, aber dem schwedischen Konzern Ikea ist es sichtlich ernst, künftig ein maßgebliches Wörtchen auch im Bereich Unterhaltungselektronik mitreden zu können und sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu sichern. Mit Brösel gibt man sich nicht zufrieden.

Erstaunlich lange hat es gedauert, bis den ersten Ankündigungen tatsächlich Taten folgten, zumindest hierzulande. Nun aber sind sie da, die Lösungen, die Ikea als „ideale Home-Entertainment-Systeme“ ansieht. Fix integriert in Möbel aus Schweden (wohl eher aus Rumänien, Bulgarien oder anderen Billigst-Lohnländern...), im bewährten Baukasten-Prinzip konzipiert, und fix und fertig auf Paletten in einer großen Selbstbedienungshalle zum mitnehmen bereit.

Beratung, ja, die ist zwar prinzipiell im Ikea-Konzept vorgesehen, unser erster Eindruck vor Ort zeigte aber, dass wir ebenso nach dem Grundprinzip der STRING-Theorie fragen hätten können. Das Fachwissen, nein, das prinzipielle Grundverständnis von der Materie insgesamt dürfte beim Verkaufspersonal bei beiden Themenbereichen in etwa das gleiche Niveau aufweisen.

Dafür ist alles nett präsentiert, natürlich ebenfalls im typischen Ikea-Stil, also in Form verschiedenster Wohnlandschaften, die quasi als Fallbeispiel dienen, wie es dann auch bei „Dir“ zuhause aussehen könnte. Ja, natürlich gehört auch das dazu. Selbstverständlich wird man mit einem vertraulichen „Du“ angesprochen, auch wenn es nur im Satz „Da kann ich Dir nun nichts genaues dazu sagen...“ ist.

Also haben wir uns selbst einen ersten Eindruck von dem verschafft, was laut Ikea die optimale Lösung fürs multimediale Wohnzimmer darstellt. Wie gesagt, an der Präsentation selbst kann man nichts aussetzen. So findet man etwa mehrere Kombinationen rund um Uppleva auf der Freifläche, und alle Komponenten des Systems finden sich zudem an einer Wand montiert, versehen mit nahezu selbsterklärenden Info-Häppchen. Darüber hinaus gestaltete Ikea einen kleinen Raum als eine Art „Hörraum“, der vom restlichen Treiben zumindest durch eine Glasschiebetüre abgetrennt ist.

Ganz ehrlich, da könnte sich so mancher Fachhändler ein Beispiel daran nehmen, das muss man offen festhalten. Denn ein Fachhändler, der sein Handwerk versteht, der hätte den Vorteil, für eine derartige Präsentation nicht auf Billigst-Ware aus China zurück greifen zu müssen.

Da wäre etwa nicht ein Fernseher im Einsatz, dessen Gehäuse bereits im Geschäft an der Seite sichtlich gravierende Verformungen aufweist, als würde dieses geradezu aufquellen. Dieser Anblick bürgt mit Sicherheit nicht für Qualität, und war für uns dermassen unglaublich, dass wir dies mit unserem Smartphone festhielten. Auch die Stoffbespannung des Audio-Systems sorgt bereits optisch mit Falten für alles andere als einen wertigen Eindruck, wobei beide „Phänomene“ nicht nur bei einem der ausgestellten Systeme auftraten, sondern nahezu bei allen.

Die Darstellungsqualität des Fernsehers konnten wir natürlich nur oberflächlich beurteilen, wobei wir das TV-Gerät in der untersten Liga einordnen würden. Wahrscheinlich kann man das sehr flaue Bild mit den richtigen Einstellungen noch etwas optimieren. Ebenso müssen wir uns bei der Einschätzung der Klangqualität des Audio-Systems bislang auf einen kurzen ersten Eindruck verlassen. Zweiteres reichte aber, um klar sagen zu können, dass wir uns persönlich soetwa sicher niemals ins Wohnzimmer stellen würden. Ja, es kommt „Ton“ heraus, aber das war‘s dann auch. Und für den marketingtechnisch wichtigen „Rums“ ist auch gesorgt, denn natürlich bietet Ikea auch einen Subwoofer an. Würde es sich um irgendein anderes Gerät handeln, könnte man das geringe Gewicht noch unter den positiven Merkmalen anführen, bei einem Subwoofer aber ist es nicht gerade die beste Voraussetzung für guten Klang, wenn dieser in der Klasse „Federgewicht „spielt, denn das schlägt sich - quot erat demonstrandum - wie hier sofort im Klang nieder.

Die Oberfläche des Home Entertainment-Systems Uppleva von Ikea ist jedoch tatsächlich sehr einfach und übersichtlich gehalten, aber Alleinstellungsmerkmal ist dies mit Sicherheit keins. Dies beherrschen etablierte Unternehmen bereits seit Jahr und Tag in allen Preisklassen. Und auch die Bedienung mittels einer einzigen Fernbedienung ist heutzutage längst kein Thema mehr...

Ein weiteres wichtiges Argument von Ikea für Uppleva ist die direkte Einbindung in Wohnraum-Lösungen, wobei man hier ein recht vielseitiges Angebot bereit hält. Allein, auch das können etablierte Unternehmen in diesem Bereich längst leisten. Mehr noch, wahre Spezialisten in diesem Segment erlauben gar eine individuelle Anpassung, ganz exakt den Wünschen der Kunden entsprechend, bis hin zur individuellen Farbgebung der HiFi- und AV-Möbel.

„Kabel, Kabel, Kabel...“ tönte es bedrohlich im Werbe-Video von Ikea, und tatsächlich, bei Uppleva sind keine Kabel zu sehen. Nur, auch hier gilt, dies leisten hochwertige AV- und HiFi-Möbel ebenfalls, wobei man hier zudem den Vorteil hat, dass hier sicher keine Billigst-Kabel zum Einsatz kommen, sondern Lösungen, die der Qualität der Geräte entsprechen. Beim Fachmann ist man da in den richtigen Händen, schließlich will man ja nicht einzelne Produkte erwerben, sondern ein Gesamt-System, das den Anforderungen perfekt entspricht, und eben nicht irgendwas „von der Stange“ ist.

Betrachtet man nämlich die Preisliste von Ikea Uppleva, so wird man rasch feststellen, dass dies alles gar nicht so günstig ist, und sich durchaus in Preisregionen bewegt, bei denen sich für einen wahren Fachhändler schon viel Spielraum für „kreative Entfaltung“ bietet.

Tja, nur mit dem gleich von der Palette auf den Einkaufswagen laden, ab zur Kasse und rein damit ins Auto, da kann wohl nahezu kein Fachhändler mit Ikea mithalten, zumindest nicht dann, wenn es sich tatsächlich um ein individuelles, perfekt den Bedürfnissen des Kunden angepasstes System handelt. „Standard-Ware“, die hat auch der Fachhändler natürlich stets vorrätig. Bei individuellen Systemen aber, da kann der Fachhändler zumeist mit persönlicher Lieferung aufwarten, und da dabei zumeist auch die Installation enthalten ist, ist auch der geringe Aufpreis gerechtfertigt. Denn auch bei Ikea gibt‘s die Lieferung nicht gratis, eine fachkundige Installation sollte man sich dabei aber nicht erwarten.

Das Fazit lautet also: Viel Lärm um nichts! Was Ikea mit Uppleva ins Rennen schickt, ist nichts neues, nichts, was auch nur annähernd mit dem Angebot des Fachhandels mithalten könnte. Selbst so manche Großfläche mit entsprechendem Fachpersonal kann sich angesichts dieses „Aufgebots“ aus China mit schwedischem Anstrich entspannt zurück lehnen.

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