Ina Müller „Die Schallplatte - Nied opleggt“

Ina Müller ist vielen als Fernsehmoderatorin bekannt und erhielt dafür bereits etliche renommierte Auszeichnungen. Sie ist aber gleichzeitig auch Buchautorin und Kabarettistin, und auch da überaus erfolgreich. Wenn immer möglich, verbindet sie all dies zudem mit Musik und kann bereits auf eine bemerkenswerte Diskografie verweisen.

Von Michael Holzinger (mh)
06.04.2011

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Dynamic Range DR8 Ja, man kann sie durchaus als überaus vielseitigen Menschen bezeichnen, denn die 1965 in dem kleinen Dörfchen Köhlen im Landkreis Cuxhaven geborene Ina Müller ist in der glücklichen Lage, ihre zahlreichen Talente in vollen Zügen auszuleben. Sei es nun als Moderatorin verschiedenster Fernsehsendungen, als Buchautorin oder Kabarettistin, oder auch als Musikerin. Gleichgültig, was sie macht, immer bekennt sie sich offen zu ihren Wurzeln und gilt ihre besondere Aufmerksamkeit der plattdeutschen Sprache.

Damit nur ja keine Missverständnisse aufkommen, mit volkstümlichem Gedudel oder verklärender Heimat-Romantik hat das jedoch nichts zu tun, wenngleich Ina Müller fast keine Berührungsängste zu irgendeinem Genre kennt. Vielmehr verarbeitet sie gekonnt nicht nur persönliche Erfahrungen und schöpft damit aus einem offensichtlich großen Fundus aus Lebensweisheiten, aber garniert dies immer mit einer kräftigen Portion Selbstironie und überaus charmantem Witz.

Und Teil ihres Lebens ist eben auch Platt, was sich nicht nur in ihren TV-Sendungen, Kabarett-Programmen und Büchern, sondern eben auch ihrer Musik niederschlägt.

Mit dem Album „Die Schallplatte - nied opleggt“ präsentiert Ina Müller ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Album, das wohl der beste Beweis dafür ist, dass man eine Menge Lokalkolorit einfließen lassen kann, ohne sich dies auch nur im Ansatz aufgesetzt, übertrieben oder gekünstelt wirkt.

Ina Müller präsentiert mit diesem Album insgesamt zwölf Lieder, die teils eigene Werke, teils aber auch Cover-Version sind, wobei aber auch diese ihren ganz persönliche Handschrift tragen und dadurch - dies ist zumindest unsere bescheidene Einschätzung - teils deutlich mehr Charme entfalten, als die mitunter sehr bekannten und erfolgreichen Originale.

Dies zeigt sich etwa daran, dass man, sofern man nicht selbst aus Norddeutschland stammt und somit bestens mit der plattdeutschen Sprache vertraut ist, zumeist wirklich kein Wort versteht und in vielen Fällen nur anhand einzelner Fragmente erahnen kann, worum es in einem Lied tatsächlich geht. Zumindest, wenn man versucht, sich auf die Texte zu konzentrieren. Dies rückt allerdings sehr rasch in den Hintergrund, denn binnen weniger Augenblicke genießt man einfach den musikalischen Vortrag von Ina Müller und ihren Musikern.

Wie bereits erwähnt hat Ina Müller nahezu keine Berührungsängste gegenüber musikalischen Genres. Sie bedient sich hier und dort und mischt es zu einem eigenen Ganzen, und das kann wohl am besten als Schlager oder Chanson im ursprünglichen, überaus positiven Sinn angesehen werden. Ihre mal sanfte, mal durchaus kräftige, stets sehr nuancenreiche Stimme, die jedoch mit einem dezenten rauen Unterton klar die ein oder andere durchzechte Nacht in Hamburgs Kneipen nicht verheimlichen kann, ist das verbindende Element aller Titel. Sie sorgt dafür, dass selbst so manche leicht zum Kitsch neigende Ballade nicht zur Schnulze verkommt, sondern vielmehr als melancholischer Song mit viel Wärme glänzt oder selbst seichte Pop-Songs plötzlich mit Jazz und Blues-Elementen garniert, in neuem Licht erstrahlen.

Auf „Die Schallplatte - Nied opleggt“ mischen sich eigene Werke von Ina Müller mit Cover-Versionen sehr bekannter Pop-Songs, die aber zumeist nur wenig mit dem Original gemein haben, da auch diese natürlich ihrer ursprünglichen Lyrics befreit, und mit plattdeutschen Texten von Ina Müller versehen wurden. So wird etwa aus „Lemon tree“ von Fool's Garden bei Ina Müller der „Dörp Reggae“ und zur Melodie von „Kockin‘ on heavens door“ von Bob Dylan besingt Müller „Lockiget Hoor“. Zu einer Ode an Hamburg wird der einst von Charlene vorgetragene Song „I‘ve never been to me“, das auf diesem Album „De Wind vun Hamburg“ heißt. Auch „Fields of gold“ von Sting hat Ina Müller bearbeitet und präsentiert auf diesem Album mit „Veel to olt“ ihre persönliche Version, um ein weiteres Beispiel der Cover-Versionen dieses Albums anzuführen. Diese mischen sich sehr homogen mit den eigenen Werken von Ina Müller, für die zumeist Andreas Dopp die Musik beisteuerte.

Die Band besteht aus Dirk Ritz am Kontrabass bzw- E-Bass, Helge Zumdieck an der Percussion, Hardy Kayser und Andreas Dopp an den Gitarren, Andreas Paulsen am Klavier und Ralf Schwarz am Akkordeon. Für den Gesang sind neben Ina Müller Sarah Jane McMinn und Ulla Ihm zuständig.

Produziert wurde das 2009 im Peer-Studio Hamburg aufgenommene Album von Hardy Kayser und Andreas Dopp. Die Aufnahmeleitung sowie die Tonmischung und das Mastering nahm Geoff Peacey vor.


Und das Aufnahmeteam hat ebenso gute Arbeit geleistet, wie die Musiker selbst. Das Ergebnis ist eine überaus ansprechende Mischung der verschiedensten Stile, die Ina Müller als verbindendes Glied zu einem neuen Ganzen formte. Im Mittelpunkt steht natürlich ihre Stimme, die die Liedtexte in Plattdeutsch in vielen Farben und teils feinsten Nuancen und mit Energie und Charme vorträgt. Wer doch ein wenig genauer darüber bescheid wissen will, was Ina Müller zu sagen hat, der findet im Cover die entsprechenden Übersetzungen. Aber zumeist empfiehlt es sich, die Lieder einfach zu genießen. Und es ist sicher kein Fehler, dies mit einem guten Glas Whiskey an einem lauen Abend zu tun.


Michael Holzinger

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