Jadis JP80 MC Signature - Mit persönlicher Handschrift...

Die Welt der HiFi ist geprägt von wahren Klangtüftlern, die stets bestrebt sind, ihre ganz persönliche Klangvorstellung zu realisieren und dabei vor wirklich nichts halt machen. Selbst das Beste ist mitunter noch nicht gut genug. Dieser Menschenschlag, diese Perfektionisten sind unerlässlich, denn sie sind es, die die Entwicklung stets voran treiben und für immer neue Klangerfahrungen sorgen.

Von Michael Holzinger (mh)
16.05.2011

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Einer dieser Klangtüftler ist Thomas Kühn, Chef des deutschen Unternehmens Audioplan. Das Unternehmen aus dem Städtchen Malsch im Landkreis Karlsruhe ist nicht nur als Vertrieb für einige renommierte Hersteller tätig, man entwickelt und produziert darüber hinaus auch eigene Produkte, etwa bereits seit 1982 Lautsprecher-Systeme mit durchaus sehr ambitionierten Ansprüchen für Musikliebhaber sowie Lösungen für eine optimale Stromversorgung.

Zum Vertriebsprogramm von Audioplan zählen auch die Produkte des französischen Herstellers Jadis Electronics, zu denen Thomas Kühn eine ganz besondere, über Jahre andauernde Beziehung hat. Eine Geräte-Serie zählt für Kühn zu seinen persönlichen Lieblingen, und zwar die Jadis JP80-Familie, die von der französischen HiFi-Schmiede bereits seit gut zwei Jahrzehnten angeboten, und über die Jahre stets weiter entwickelt wurde und nach wie vor zeigt sich Jadis davon überzeugt, den wohl besten Vorverstärker der Welt zu bauen. Inzwischen liegt bereits die dritte Generation vor, doch von dieser neuesten Version war Kühn nicht wirklich restlos überzeugt, wie er im Gespräch mit sempre-audio.at eingesteht.

Damit hier nur ja keine Missverständnisse aufkommen, selbstverständlich war auch die neueste Generation der JP80-Serie von Jadis eine erstklassige Vorstufe ohne Fehl und Tadel, an der wohl die allermeisten Anwender rein gar nichts auszusetzen hätten. Aber für den Klangtüftler Kühn war das Ergebnis nicht gänzlich überzeugend. Irgendwie fehlte der für ihn typische Charakter, der über Jahre den ganz speziellen Reiz der Jadis JP80 für ihn ausmachte, das verbindende Element über all die Jahre, das dafür sorgte, dass diese Vorstufe zu einer seiner Favoriten zählte.

Die Entwicklungen und Verbesserungen, die die Ingenieure bei Jadis für die dritte Generation vornahmen, gingen schon in die richtige Richtung, so Kühn, das Konzept war also genau das richtige, aber irgendwie war alles, zumindest aus seiner Sicht, nicht konsequent bis zu Ende gedacht. Somit fehlte Thomas Kühn ein ganz bestimmter musikalischer Zauber, der die vorherigen Modelle nach Ansicht von Kühn auszeichnete.

Und was tut ein passionierter Entwickler und Klangtüftler wie Thomas Kühn in solchen Fällen? Klar, aufschrauben das Ding, und ganz genau nachsehen, wo man selbst Hand anlegen kann. Und genau das tat natürlich auch Thomas Kuhn bei der Jadis JP80, genauer gesagt der Jadis JP80 MC.

Rückblickend stellt Kühn fest, dass er damals nicht ahnte, worauf er sich dabei einließ. Denn damit begann ein Projekt, dass sich über fast drei Jahre hinzog und zunächst in eine gänzlich falsche Richtung lief, wie der Entwickler unumwunden zugibt. Nach intensivem Studium des Aufbaus und der einzelnen Komponenten probierte Kühn zunächst allein über Monate verschiedenste unterschiedliche Widerstand und Kondensator-Kombinationen in den wesentlichen Baugruppen aus, ohne jedoch zu einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen. Ganz im Gegenteil. Auch Eingriffe an der Masseführung führten zu keinem richtigen Ergebnis sodass Kühn sich immer mehr von der Idealvorstellung wegbewegte. Nichts passte mehr wirklich. Es war also der einzig vernünftige Ausweg, wieder von ganz vorne zu beginnen. Mehr noch, Kühn nahm sich zunächst die Geräte der letzten Generationen vor, um Anhaltspunkte zu finden, in welche Richtung es gehen müsste. Und damit war zumindest der richtige Weg eingeschlagen, dennoch dauerte es noch geraume Zeit, bis wirklich alle aus Sicht von Thomas Kühn nötigen Veränderungen realisiert werden konnten.

Wie gesagt, insgesamt drei Jahr nahm es in Anspruch, bis der Tüftler sein Ziel erreicht hatte. Und an allen relevanten Bereichen wurden Änderungen vorgenommen. Sei es nun in der Eingangsstufe, der Gegenkopplung, eine Optimierung der Röhrenschaltung, im Netzteil sowie eine Verkürzung des Signalwegs. Selbst die MM- sowie MC-Phono-Vorstufe blieb nicht „verschont“, sodass das letztlich auch aus Sicht von Thomas Kühn voll und ganz überzeugende Ergebnis völlig zu Recht als Jadis JP80 MC Thomas Kühn Signature Modell bezeichnet wurde.

Eine wichtige Hürde galt es aber noch zu nehmen. Denn, so Thomas Kühn, nichts sei schlimmer, als das man sich als Entwickler in ein stilles Kämmerchen einsperrt und vor sich hin entwickelt, und dabei eventuell einen gänzlich falschen Weg verfolgt, um es auf den Punkt zu bringen, Betriebsblind wird. Also galt es, die modifizierte Vorstufe auch bei guten Freunden, bei Vertrauten zu präsentieren, die gnadenlos mit ihrer Kritik sind und somit sofort aufzeigen, wenn man sich eventuell doch verrannt hat. Doch auch diesen Test bestand die „neue“ JP80 MC Thomas Kühn Signature problemlos, wie der Entwickler nicht ohne Stolz im Gespräch mit sempre-audio.at mitteilt.

Nachdem uns Thomas Kühn alle Details über die verschiedensten Optimierungsschritte berichtete, stellte sich für uns natürlich die Frage, wie denn die Ingenieure des französischen Herstellers reagierten, wenn man ihr Werk, nun ja, etwas verfeinert. Eine Frage, auf die Thomas Kühn mit einem Lächeln reagiert und meint, es habe sich über die langen Jahre der Zusammenarbeit eine derart intensive Partnerschaft ergeben, die Freiraum für derartige Projekte lasse. Schon bisher gab es immer wieder Sonderanfertigungen, die ganz speziell für und in Zusammenarbeit mit dem deutschen Vertrieb entwickelt wurden. Man bewege sich schließlich in einem sehr emotionalen Umfeld auf allerhöchstem Niveau, wo feinste Unterschiede in der Klangphilosophie durchaus willkommen sind. Denn hier stehen weniger technische Daten im Mittelpunkt, sondern hier ist allein das Ohr das über alles entscheidende „Messinstrument“. Und das sei schließlich nicht standardisiert und somit rein subjektiv.

Dennoch kann die modifizierte Version der Vorstufe Jadis JP80 MC natürlich auch aus rein technischer Sicht überzeugen. So ist die Vorstufe mit fünf Glaskolben des Typs ECC83, einer ECC82, einer EF86, einer EL84 und zwei 6922 bestückt. An Eingängen stehen vier Line-In sowie zwei Phono-Eingänge und eine Tape-Schleife zur Verfügung. Die Stromversorgung ist in bewährter Weise in einem separaten Chassis untergebracht, das mit Abmessungen von 43 x 17 x 32 cm ebenso wuchtig ausgefallen ist, wie die eigentliche Vorstufe, die 22 kg auf die Waage bringt. Dieses Gewicht resultiert natürlich zu einem überwiegenden Teil aus dem massiven Gehäuse aus Metall, das sich im traditionellen Design mit einer auf Hochglanz polierten Front aus Stahl und Messing präsentiert.

Die Jadis JP80 MC Thomas Kühn Signature ist nunmehr auch im österreichischen Fachhandel erhältlich. Kurt Wögerer vom für Österreich verantwortlichen Vertrieb AUDIO exclusive - the higher end teilte uns mit, dass die exquisite Vorstufe jederzeit interessierten Kunden vorgeführt und bereits bei ausgesuchten Fachhändlern in der Demo zu finden sei. Weitere Informationen erhalten Sie direkt beim Vertrieb. Ein ausführlicher Test der Jadis JP80 MC Thomas Kühn Signature ist bereits vereinbart und wird in den nächsten Wochen auf sempre-audio.at zu finden sein.

Michael Holzinger

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