KEF Blade - Der erste Single Source Lautsprecher?


High End 2011: Fünf Jahre an Forschung, Analysen und aufwendiger Versuchsreihen waren nach Angaben von KEF nötig, um mit der KEF Blade einen Lautsprecher mit so genannter Single Source Technologie vorstellen zu können, der dem Prinzip nach dem Konzept der Punkt-Schallquelle folgt. Ein traumhafter Lautsprecher, aber die Behauptung, es sei der weltweit erste derartige Lautsprecher, ist dann doch etwas übertrieben...

Von Michael Holzinger (mh)
02.06.2011

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Dieses Jahr dürfte eins der runden Jubiläen sein, denn neben etlichen anderen renommierten Herstellern feiert auch das britische Unternehmen KEF heuer sein 50jähriges Bestehen. Im Jahr 1961 von Raymond Cooke, einem ehemaligen Elektroingenieur der BBC gegründet, gilt KEF seit Jahr und Tag als einer der führenden Lautsprecher-Produzenten. Dementsprechend galt es, zum 50jährigen Bestehen ein ganz besonders herausragendes Produkt zu entwickeln, das beispielhaft für die Innovationen und zahlreichen Technologien der englischen Lautsprecher-Manufaktur steht. Bereits im letzten Jahr präsentierte KEF im Rahmen der High End in München eine erste Konzept-Studie eines neuen Lautsprecher-Systems, bei dem die Entwickler nach Angaben des Unternehmens völlige Freiheit genossen und einfach zeigen sollten, was machbar ist. Ziel war es, einen kompromisslosen Lautsprecher zu entwickeln, der alles Gewohnte in den Schatten stellen sollte. Dazu war es nötig, sich von allen etablierten Meinungen und loszusagen und völlig ohne Vorgaben über einzusetzende Technologien oder Komponenten ein von Grund auf neu zu entwickelndes Lautsprecher-Konzept zu realisieren. Auch bezüglich des Designs sollte es keine Einschränkungen geben und die Kosten sollten zunächst völlig außer Acht gelassen werden.

Ein derartiges Konzept zu entwickeln, ist natürlich eine feine Sache. Am Ende des Tages muss aber dabei dann doch ein als Serien-Modell zu realisierendes Produkt als Ergebnis dastehen, mit dem sich die Entwicklungskosten auch wieder einspielen lassen. Diesen entscheidenden Schritt hat KEF nun geschafft und erstmals nach einer Entwicklungszeit von immerhin fünf Jahren auf der High End 2011 in München die KEF Blade als Serienmodell präsentiert.

Im Mittelpunkt der von den Entwicklern verfolgten Philosophie, die die Grundlage der neuen KEF Blade darstellt, steht die so genannte Single Source Technologie, welche dem Konzept einer Punkt-Schallquelle folgt. Das Konzept einer Punkt-Schallquelle gilt als optimale Basis dafür, Musik möglichst authentisch mit einem Lautsprecher-System abbilden zu können. Allerdings erfordert die Aufgabe, alle Frequenzen des Spektrums perfekt abzubilden nahezu allen Treibern viel zu viel ab, sodass man zumeist auf Mehrweg-Lautsprechersysteme setzt, bei denen es jedoch höchster Präzision in der Abstimmung der Bass, Mitten- und Hochton-Treiber bedarf, dass dabei der Eindruck entsteht, der Klang stamme aus einer einzigen Quelle. Vor allem bei den Übergangsfrequenzen zwischen den einzelnen Treibern ist hierbei besonders entscheidend, so KEF, die dafür auf die besagte Single Source Technologie setzen, die nach Angaben des Unternehmens eine Weiterentwicklung der KEF Uni-Q MF/HF Anordnung darstellt und den Bass-Treiber erstmals mit einbezieht. So soll der Eindruck einer einwandfreien Punkt-Schallquelle erzielt werden, bei der - so KEF - erstmals die gesamte Frequenz-Bandbreite wiedergegeben werden kann.

Die KEF Blade ist als 3-Wege Bassreflex-System ausgeführt. Im Mittelpunkt steht dabei zunächst die bereits angeführte Einpunkt-Quellen-Konfiguration mit KEF Uni-Q Treiber Anordnung, bei der Mittel- und Hochtöner zu einem Hybrid-Konus zusammengefasst wurden. Der Mittelton-Treiber weist eine 125 mm Membran aus Flüssigkristall-Polymer auf, die mit einer Li-Mg-Al-Metalllegierung überzogen ist und somit besonders steif und leicht ist, sodass es nach Angaben des Unternehmens zu keinerlei Verzerrungen selbst bei intensiver Beanspruchung kommen soll. Im Zentrum sitzt der 25 mm Hochtöner mit computeroptimierter Kalotte und so genannter Tangerine Waveguide, die für eine breite Abstrahlung in den Raum sorgen soll. Eine Belüftung des Hochtöners sorgt dafür, dass es durch einen Druckabbau hinter der Hochtöner-Kammer zu keinerlei Störungen kommt.

Das Chassis soll vollständig entkoppelt sein um unerwünschte Vibrationen zu verhindern und besonders große Schwingspulen sorgen für eine hohe Dynamik.

Wie bereits erwähnt integrierte KEF bei der Blade nun auch die Tieftöner in das Konzept der Einpunkt-Schallquelle nach der so genannten KEF UniQ-Anordnung, wobei hier gleich vier 9 Zoll Bass-Treiber - zwei links, zwei rechts - zum Einsatz kommen. Die jeweils gegenüberliegenden Treiber sind fest miteinander verbunden, sodass die Kraft der einzelnen Treiber voll wirken kann. Durch die symmetrische Anordnung heben sich auf das Gehäuse wirkende Kräfte auf, sodass es zu keinen störenden Vibrationen kommt. Zudem setzt KEF auch hier auf Treiber mit belüftetem Koppler, sodass eingeschlossene Luft keinerlei Verzerrungen hervorrufen kann.

Da die vier Bass-Treiber laut KEF genau im akustischen Zentrum der Uni-Q Mittel-/ Hochton-Treiber platziert sind und seitlich in den Raum abstrahlen soll somit das Konzept einer Einpunkt-Schallquelle weiterhin gewahrt bleiben. Laut KEF würde so das volle Frequenzspektrum abgedeckt, aber es wäre nicht möglich herauszuhören, wo ein Treiberbereich beginnt oder geregelt wird, wodurch ein extrem homogenes Klangbild entstehen soll.

Aber nicht nur beim prinzipiellen Aufbau hat KEF im Fall der Blade auf Neues gesetzt, auch das Design des Gehäuses ist durchaus außergewöhnlich. So präsentiert sich dieses System mit einem massivem, aber dennoch sehr grazil wirkenden Gehäuse aus laminarem glasverstärktem Verbundstoff, wobei die parabolischen Kurven des Gehäuses für eine vollständige Entkopplung der Treiber sorgen und stehende Wellen im Gehäuseinneren auf ein Minimum reduziert werden. Das Design der KEF Blade entstandt übrigens in Zusammenarbeit mit Eric Chan von der New Yorker Firma ECCO Design Inc.

Auch bei den Bauteilen setzt KEF nur auf feinste Komponenten. So ist die auf das wesentliche reduzierte Frequenzweiche niedriger Ordnung ausschließlich mit streng selektierten Bauteilen bestückt, die noch dazu in Handarbeit verdrahtet, und nicht auf einer Platine montiert werden. Auch an der Rückseite findet man nicht irgendwelche Anschlüsse, sondern zwei Paar WBT-Stecker höchster Qualität um Bi-Wiring als auch Bi-Amping zu ermöglichen.

Nach Angaben von KEF soll die neue Blade voraussichtlich ab Juli bzw August zunächst in den Farbvarianten Gloss White und Gloss Black im Fachhandel zu finden sein. Später sollen zudem zahlreiche weitere Sonderfarben angeboten werden, wobei man nach derzeitigen Stand der Dinge die Wahl zwischen zwölf Hochglanz-Oberflächen hat.

Michael Holzinger

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