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KEF LS50 im Test - Mehrdimensionales Klangerlebnis...

Foto © KEF

Darf man als renommierter Lautsprecher-Produzent einen als kompakten Studio-Monitor ausgeführten Speaker tatsächlich als Flaggschiff bezeichnen? Man darf, nein, man muss es sogar, wenn es sich, wie im konkreten Fall, um den LS50 aus dem Hause KEF handelt. Denn trotz seiner kompakten Abmessungen und einem erstaunlich günstigen Preis spielt dieser - mit Verlaub - Winzling ganz, ganz groß auf.

Kurz gesagt...

Nicht weniger, als das Studio-Erlebnis unmittelbar in den eigenen Hörraum zu bringen, hat sich KEF für die LS50 zur Aufgabe gemacht.

Wir meinen...

Würdiger als mit der Präsentation eines Produkts wie den LS50 von KEF kann man ein Jubiläum nicht begehen. Der Hersteller feiert, und die Kunden erhalten die Geschenke. Mit ihren Qualitäten wie einem sehr natürlichen, detailreichen und dynamischen Spiel, einer Eleganz im Auftreten und nicht zuletzt recht kompakten Abmessungen bietet die KEF LS50 ein erstaunliches Preis/ Leistungsverhältnis und ist somit eine glatte Kaufempfehlung.
Hersteller:KEF
Vertrieb:GP Acoustics GmbH
Preis:€ 599,- pro Stück

Von Michael Holzinger (mh)
06.08.2012

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Das letzte Jahr stand bei der englischen Lautsprecher-Schmiede KEF ganz im Zeichen des 50jährigen Firmen-Jubiläums. Neben diversen Festen und allem, was zu einem derart runden Jubiläum eben dazu gehört, stand auch ein Jubiläums-Modell auf der Agenda, denn auch das ist man sich selbst, aber durchaus auch den treuen Kunden geradezu schuldig. Vielfach werden diese Anlässe ja dazu genutzt, einfach ein bestehendes Modell des aktuellen Produkt-Sortiments etwas aufzupolieren oder gar „nur“ in einer speziellen Ausführung anzubieten. Nicht so KEF! Die Engländer ließen es sich nicht nehmen, ein halbes Jahrhundert Firmengeschichte wirklich entsprechend zu würdigen und ein völlig neues, durchaus außergewöhnliches Lautsprecher-System zu konzipieren, und dies noch dazu zu einem überaus attraktiven Preis auf den Markt zu bringen, den KEF LS50.

Doch der Reihe nach...

Im Jahr 1961 gründete Raymond Cooke das Unternehmen KEF. Mit Sicherheit war es unter anderem seine Ambition, Produkte mit überragender Sound-Qualität zu entwickeln, die dazu führten, dass das englische Unternehmen seit Jahr und Tag als einer der führenden Lautsprecher-Produzenten weltweit gilt und Lösungen aus dem Hause KEF nach wie vor als geradezu typisch für die Welt englischer HiFi gelten, selbst wenn das Unternehmen längst Teil eines international aufgestellten und agierenden Konzerns ist.

Raymond Cooke galt bereits in den Anfängen des Unternehmens als technischer Visionär, der sein Handwerk von der Pike auf als Elektrotechniker bei der BBC erlernte und somit ganz genau wusste, auf was es in der Praxis tatsächlich ankam. So verfolgte er das Ziel, in seiner zu Beginn kleinen, aber feinen Lautsprecher-Schmiede in Maidstone Produkte zu entwickeln, die neue Maßstäbe setzen sollten und setzte dabei nicht nur auf bewährtes, sondern vielmehr auf neue Technologien sowie innovative Materialien, um stets ein unverfälschtes, erstklassiges Klangerlebnis zu erzielen.

Schon allein auf Grund des persönlichen Werdegangs von Raymond Cooke ist es natürlich nicht erstaunlich, dass eines der rückblickend betrachtet legendärsten Produkte der englischen Lautsprecher-Schmiede der KEF LS3/5a ist, ein Referenz-Studio-Monitor, der in Kooperation mit der BBC entstand und in den Studios sowie Übertragungswagen der englischen Rundfunk- und Fernsehanstalt jahrzehntelang als eines der zentralen Arbeitsgeräte eingesetzt wurde.

Gerade im Studio-Alltag ist es immens wichtig, dass Lautsprecher-Systeme nichts verschweigen, nichts hinzufügen, sondern nicht weniger als eins zu eins das Klanggeschehen abbilden, sodass eine akkurate Einschätzung des Tontechnikers möglich ist. Eigentlich also exakt jene Anforderungen, die auch audiophile Musikliebhaber an ihre Anlage stellen. Somit ist es überaus erfreulich, dass sich KEF anlässlich des letztjährigen 50jährigen Firmenjubiläums dazu entschied, für das entsprechende Jubiläums-Modell exakt diesen Studio-Monitor als Ausgangsbasis heranzuziehen, wobei man sich zudem auch beim aktuell kleinsten Modell der KEF R-Serie, der KEF R 100 bediente.

Der KEF LS50 ist also durchaus gleich mehrfach „vorbelastet“. Nicht nur, dass es sich eben um besagtes Jubiläums-Modell handelt, das mit der „Bürde“ eines inzwischen längst legendären Lautsprecher-Systems als Referenz bestehen muss, als wäre dies alles noch nicht Herausforderung genug, gibt KEF zudem an, dass hier Technologien des neuesten Flaggschiff-Lautsprecher-System der absoluten Referenz-Klasse zum Einsatz kommen, der KEF Blade.

Genug der einleitenden Worte, dies nur, um unser großes Interesse an diesem Lautsprecher-System zu verdeutlichen, das umso größer wurde, als wir die ersten Produktbilder sahen. Denn da wurde klar, KEF ist sich der Verantwortung im Zusammenhang mit einem derartigen Jubiläumsmodell durchaus bewusst, und setzt auch optisch alles daran, ein wirklich herausragendes System anzubieten.

KEF bezeichnet den LS50 übrigens als ultimativen Mini Monitor für Studioqualität im eigenen Hörraum, und führte zumindest uns damit kräftig aufs Glatteis. Mit Verlaub, Mini verbinden wir dann doch mit etwas wirklich kleinem, vor allem deutlich leichterem. Natürlich handelt es sich bei den KEF LS50 um typische Kompakt-Lautsprecher-Systeme, allerdings gar so „Mini“ sind sie dann doch nicht. Mit Abmessungen von 302 x 200 x 278 mm bringen es die Speaker aus England auf immerhin 7,2 kg, was durchaus erste Rückschlüsse auf ein solide verarbeitetes Gehäuse zulässt - und dies ist schlussendlich die beste Voraussetzung für eine tadellose Wiedergabequalität.

Den Designer bei KEF ist es aber auf erstklassige Art und Weise gelungen, diese gar nicht so kleinen Abmessungen des LS50 perfekt zu „kaschieren“, sodass man dann doch von einem „Winzling“ sprechen darf, wie wir das einleitend ebenfalls gewagt haben. Bitte auch dies nicht falsch zu verstehen, wir meinen dies im positivsten Sinne des Wortes, und selbstverständlich finden die Lautsprecher-Systeme von KEF somit wohl überall ihren Platz, aber gar so dezent wie auf den Produktfotos entpuppen sich diese in der Praxis eben nicht.

Und das ist gut so, denn verstecken müssen sie sich nicht. Mit ihrem Finish in Hochglanz Schwarz sind sie unter Garantie eine Zierde in jedem Raum. Der schwarze Klavierlack an der Oberseite und an den Flanken wirkt elegant und zeitlos, die geschwungene Front mit matt ausgeführter Oberfläche bildet einen wunderbaren Kontrast zu den roségoldenen Treibern auf der Front, und der gerade noch selbst aus der Ferne wahrnehmbare Schriftzug an der Oberseite weist dezent, aber doch mit Selbstbewusstsein auf die edle Herkunft hin. Englisches Understatement nennt man so etwas wohl...

Wie bereits kurz angedeutet stand nicht allein der KEF LS3/5a Pate für das neue Lautsprecher-System, sondern ebenso die KEF R 100. Mit dieser verbindet die LS50 von KEF vor allem das Konstruktions-Prinzip als Zweiwege-Bassreflex-System auf der Basis der KEF Uni-Q-Treiberanordnung sowie die relativ kompakten Abmessungen. Das Design aber ist ein gänzlich anderes, und dient nicht allein dazu, wie beschrieben, das Auge des Anwenders zu erfreuen. So hat etwa die geschwungene Front auch ganz praktische Gründe. Durch diese spezielle Formgebung und der Wahl von Kunststoff als Material für die Front sowie abgerundete Kanten an der Rückseite wird sichergestellt, dass es zu nahezu keinen störenden Reflexionen an der Schallwand oder insgesamt im Inneren kommt. Zudem ist die Front im Inneren der Lautsprecher-Systeme separat fest mit der Rückwand verbunden, eine Konstruktion, die somit weitestgehend unempfindlich gegenüber klangschädlichen Resonanzen und Vibrationen ist.

KEF setzt beim LS50 in bewährter Art und Weise auf einen so genannten, und für das britische Unternehmen längst geradezu typische KEF Uni-Q-Treiberanordnung. Dies bedeutet, grob gesprochen, dass hier zwei Treiber „in einem“ zum Einsatz kommen, der Hochtöner also in koaxialer Anordnung im Mittel-/ Tiefton-Treiber sitzt. So setzt KEF beim Hochtöner auf einen belüfteten 25 mm Aluminium-Treiber, der mit hauchdünnen Verstrebungen versehen ist, die als Schallverteiler-Linse fungieren. Die Membran des Mitten-/ Tieftontreiber ist aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung gefertigt, die für ein sehr geringes Gewicht bei gleichzeitig höchster Steifigkeit sorgen soll und einen Durchmesser von 130 mm aufweist. Auch hier setzt KEF auf ein ganz spezielles Detail, nämlich Längsrillen, die die Membran zusätzlich stabilisieren sollen.

Praktisch nicht wirklich wesentlich, aus ästhetischer Sicht aber überaus erfreulich ist, dass die Ingenieure von KEF bei der LS50 die Treiber auf der Innenseite mit der Schallwand verbunden haben und somit von Außen keinerlei das Gesamtbild beeinträchtigenden Schrauben zu sehen sind.

Die Bassreflex-Öffnung der KEF LS50 wird nach hinten herausgeführt, sodass man dem Lautsprecher-System zumindest ein wenig Freiraum an der Rückseite gewähren sollte. Hier findet man auch den tadellos ausgeführten Anschluss-Terminal, der selbst etwas größeren Kabelquerschnitten problemlos gewachsen ist und natürlich auch fertig konfektionierten Kabel mit Bananas offen steht.

KEF gibt für die LS50 einen Frequenzbereich von 79 Hz bis 28 kHz an, wobei die Frequenzweiche bei 2,2 kHz ins Geschehen eingreift. Mit einer Impedanz von 8 Ohm und einem Wirkungsgrad von 85 dB empfiehlt der Hersteller das Lautsprecher-System für Verstärker mit einer Leistung zwischen 25 und 100 Watt. Der maximale Schalldruck wird mit 106 dB angegeben.

Alles wesentliche Daten, aber Hand aufs Herz, viel wichtiger ist, wie das Lautsprecher-System tatsächlich klingt. Das erfreuliche ist, dass die akustische Darbietung der edlen, ohne Abstriche sofort ansprechenden Präsentation in nichts nachsteht. So begeisterte uns sogleich die immens breite Bühne, die die kleine Engländerin vor uns aufbaute. Somit können wir das Versprechen von KEF, die LS50 würde einen sehr breiten Hörbereich liefern, vielfach auch als so genannter Sweet Spot bezeichnet, nur bestätigen. Hier entspricht die KEF LS50 also keinesfalls üblichen Studio-Monitoren, die eine eher gerichtete Abstrahlung aufweisen, da sie überwiegend als so genannte Nahbereichs-Monitore eingesetzt werden, also direkt vorm Tontechniker am Mischpult stehen. In der Praxis bedeutet dies, dass die LS50 vergleichsweise unkritisch bei der Aufstellung sind, wenngleich sich natürlich auch hier jede Sekunde, die man sich um eine optimale Aufstellung bemüht, langfristig bezahlt macht.
 
Gleichgültig, ob Singer/ Songwriter, Folk, Rock, Pop oder auch Klassik in kleiner und großer Besetzung, schön gestaffelt präsentierte die KEF LS50 das Geschehen auf der virtuellen Bühne im Raum. Wobei vor allem die sehr feine, natürlich Abbildung von Stimmen und Solo-Instrumenten gefiel, ohne das dabei das Geschehen rundherum zu kurz kam. Hier wiederum ist zu spüren, wo die Abstammung des Speaker-Systems zu suchen ist.

Ebenfalls erstaunt hat uns die Selbstverständlichkeit, mit der die KEF LS50 aufspielten. Hier erinnert nicht viel daran, dass man es eigentlich mit Lautsprecher-Systemen der Kompakt-Klasse zu tun hat, vor allem, da der Hersteller selbst, wie einleitend angeführt, von einem Mini Monitor spricht. Wer also glaubt, nur weil es sich um ein derartiges Kompakt-System handelt, müsse die Abbildung im unteren Frequenzbereich zu kurz kommen, der möge sich dieses Lautsprecher-System anhören, das eindrucksvoll den Gegenbeweis antritt. Natürlich muss man an dieser Stelle anführen, dass die LS50 keine Wunder bewirken und die Physik ad absurdum führen kann. Man muss der kleinen Engländerin bewältigbare Aufgaben stellen, und die finden sich in Räumen mit 10 bis 20 m2. Hier fühlt sie sich, wie unser Test zeigte, überaus wohl und kann mit einer immens detailreichen, sehr natürlichen, wenn es sein muss auch sehr dynamischen Spielart überzeugen. Wer sich allerdings erwartet, dass hier der mächtige „Rums“ rüberkommt, der wird wohl enttäuscht werden - dies ist nicht das Metier der KEF LS50. Es ist sicher kein Lautsprecher-System, das den Zuhörer mit einer plakativen Spielweise sprichwörtlich „anspringt“, vielmehr fühlt sie sich der Natürlichkeit verbunden, und das ist gut so.

Nun, das Beste haben wir uns natürlich bis zum Schluss aufgehoben. Und das ist der Preis. All die genannten Vorzüge und Stärken der KEF LS50 wären nicht weiter erstaunlich, schließlich ist man derartiges ja von der englischen Lautsprecher-Schmiede seit Jahr und Tag gewohnt. Es überrascht dann aber doch sehr, dass KEF all dies auch bei einem Lautsprecher-System bietet, das um gerade einmal um exakt € 1.000,- angeboten wird. Wohlgemerkt, diese Angabe versteht sich als Paarpreis.

Somit kann abschließend festgehalten werden, dass KEF hier vor allem einen Beweis antritt, und zwar jenen, dass man in England zu feiern versteht. KEF feiert, und die Kunden erhalten die Geschenke! Denn anders als ein Geschenk an die Kunden kann man die KEF LS50 in Anbetracht des überaus attraktiven Preis/Leistungsverhältnis nicht bezeichnen.

Wer also auf der Suche nach einem kompakten Lautsprecher-System ist, das nicht nur optisch eine wahre Augenweide ist, sondern auch durch eine immens ansprechende Spielart das Ohr erfreut, der muss sich nicht weiter nach der passenden Lösung umsehen. Die KEF LS50 erfüllt all dies zu einem erfreulich günstigen Preis.

Auf den Punkt gebracht

Würdiger als mit der Präsentation eines Produkts wie den LS50 von KEF kann man ein Jubiläum nicht begehen. Der Hersteller feiert, und die Kunden erhalten die Geschenke. Mit ihren Qualitäten wie einem sehr natürlichen, detailreichen und dynamischen Spiel, einer Eleganz im Auftreten und nicht zuletzt recht kompakten Abmessungen bietet die KEF LS50 ein erstaunliches Preis/ Leistungsverhältnis und ist somit eine glatte Kaufempfehlung.

9,0 (Herausragend)

The Good

  • Sehr breite Bühne und vergleichsweise unkritische Aufstellung
  • sehr detailreiche
  • natürliche Wiedergabe mit dynamischem Vortrag
  • überaus elegantes Design
  • das in jeden Wohnraum passt. Erstaunlich günstiger Preis.

The Bad

  • Kein Nachteil ersichtlich
9 Klang
9 Design
9 Preis/Leistung

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