Foto © Aspiro Group

Kampfansage an Spotify und Co… Tidal, der „neue“ Musik-Streaming-Dienst von Musikern

Mit Tidal stehe erstmals ein Angebot zur Verfügung, bei dem allein die Musik im Mittelpunkt stehe, derart pathetisch präsentiert der Konzern Aspiro Group seine Vision, wie Musik künftig vertrieben wird. Unterm Strich aber ist es natürlich nicht weniger als eine klare Kampfansage des HipHop-Musikers Jay Z an Spotify und Co, der dafür eine beeindruckende Riege an Stars um sich versammelte.

Kurz gesagt...

Jay Z scharrte eine Riege an Stars um sich, und präsentierte seine Vision der künftigen Art und Weise, Musik zu vertreiben. Und diese Zukunft soll in Form von Tidal Wirklichkeit werden.

Wir meinen...

Es ist eine klare Kampfansage an Spotify, die Jay Z als neuer Eigentümer der Aspiro Group, und somit allen voran dem Musik-Streaming-Anbieter Tidal gemeinsam mit einer illustren Schar an internationalen Superstars aussprach, als er die "Zukunft der Musik" verkündete. Tidal soll künftig ein von Musikern für Musiker konzipiertes Angebot sein, das sich etwa durch exklusive Inhalte in "HiFi-Qualität" auszeichne.
Hersteller:Aspiro Group
Preis:€ 9,90 pro Monat Standard-Qualität
€ 19,90 pro Monat "HiFi-Qualität"

Von Michael Holzinger (mh)
31.03.2015

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Eins muss man Jay Z neidlos anerkennen, er versteht es gekonnt, die komplette Klaviatur des innovativen Marketings rauf und runter zu spielen. Ob er mit den richtigen schwarzen und weissen Tasten ebenso vertraut ist, steht auf einem anderen Blatt. Zweifelsfrei aber ist er ein famoser Geschäftsmann, der in letzter Zeit unterm Strich zumeist durch seine Projekte fernab des Musik-Geschäfts für mehr Aufmerksamkeit sorgt, als durch seine Songs, und der sich perfekt etwa über Social Media-Plattformen in Szene setzen kann. Dies bewies er einmal mehr eindrucksvoll dieser Tage, als er Großes rund um den von ihm eben erst für rund 56 Millionen US-Dollar erworbenen Konzern Aspiro Group und dessen Musik-Streaming-Dienst Tidal ankündigte.

Einerseits galt es, die Erweiterung des Angebots von Tidal auf weitere Länder bekannt zu geben, sodass dieser nunmehr in 31 Ländern vertreten ist, wobei damit aber noch lange nicht das Ende der Expansionsbestrebungen erreicht sei. Vielmehr will man den Ausbau ganz bewusst sehr aggressiv vorantreiben und damit allen voran dem derzeitigen Branchen-Primus Spotify das Leben schwer machen, und einem eventuellem künftigen Konkurrenten möglichst jede Grundlage zu entziehen, nämlich dem Angebot, das Apple rund um Beats aufbauen will.

Doch all dies war bereits im Vorfeld der groß angekündigten Präsentation am Abend des 30. März 2015 bekannt, sollte also nur am Rande Thema dieses Events sein.

Vielmehr ging es bei der Präsentation in New York in erster Linie darum, tatsächlich eine Kampfansage allen voran an Spotify Ltd. zu verkünden, jenem Anbieter also, der immer mehr in die Kritik von Seiten der Musik-Schaffenden selbst geriet, und zwar auf Grund seiner angeblich sehr einseitigen Verrechnungsmethoden. So verkündete so mancher internationale Superstar medienwirksam seine Unzufriedenheit mit dem Angebot von Spotify, insbesondere dessen werbefinanziertes Gratis-Modell, das so genannte Freemium-Modell, und so mancher entschied sich dazu, seine Alben künftig nicht mehr bei Spotify anbieten zu wollen.

Das pikante an der Sache: die Musiker selbst sitzen hier vielfach klar am kürzeren Ast, denn diejenigen, die ihre Interessen eigentlich vertreten sollten, die sind vielfach längst Teil des Geschäftsmodells rund um Spotify. Große Medienkonzerne halten längst Anteile am schwedischen Unternehmen, letztlich also verdienen sie immer daran…

Genau hier will nunmehr Jay Z ansetzen, darum habe er letztlich die Aspiro Group gekauft. Ziel sei es, ein Angebot zu schaffen, bei dem allein die Musik im Mittelpunkt stünde. Technik, aber auch Business sollen in den Hintergrund rücken, so lautete das Credo während der Präsentation. Nun ja, ganz so altruistisch dürften die Intensionen dann doch nicht sein…

Man gibt sich davon überzeugt, mit dem „neuen“ Tidal die Zukunft der Musik zu sichern, und verspricht, hier ein Angebot für Kunden zu schaffen, das von Musikern direkt bereit gestellt wird. Tidal sei also ein Dienst, bei dem Musiker nicht nur Lieferanten für die Inhalte, sondern gleichzeitig Eigentümer seien, also ihre Rechte und Möglichkeiten bestmöglich gewahrt bleiben.

Dazu versammelte Jay Z eine durchaus bemerkenswerte Schar an internationalen Superstars rund um sich, die im Rahmen der Präsentation, einmal mehr perfekt in Szene gesetzt, den entsprechenden Vertrag unterzeichneten. Man kann mit Fug und Recht von einem „Club der Superstars“ sprechen, denn angefangen von Alicia Keys über Beyoncé, Usher, Rihanna, Madonna, Coldplay, Kanye West bis hin zu Daft Punk reicht die Liste jener Künstler, die sich von Jay Zs Projekt überzeugt zeigen, und ein maßgeblicher Teil dieses Angebots sein werden.

So verspricht man etwa, künftig das Angebot an derzeit über 25 Millionen Musik-Titeln, die hier in verlustfreier Qualität als Musik-Stream mit 1.411 kbps und somit FLAC-Format mit 16 Bit und 44,1 kHz zur Verfügung stehen, sukzessive ausbauen zu wollen. Ein wesentlicher Teil des Konzepts sieht zudem vor, dass es zahlreiche Exklusiv-Angebote geben soll, die Künstler allein für Tidal zur Verfügung stellen.

Es bleibt also sehr spannend, denn dies dürfte nur ein kleiner weiterer Schritt sein, der zur nächsten massiven Änderung des Marktes beiträgt. Denn eins steht fest: irgendwann hat jeder Dienst Abermillionen an Musik-Titeln zu bieten, und zwar auf allen nur erdenklichen Plattformen und Geräten, kann nicht nur in verlustbehafter Qualität liefern, sondern ebenso in „HiFi-Qualität“, so mancher wird wohl gar alsbald tatsächlich auch auf High-res setzen, also jenseits der 16 Bit, und dann beginnt allein der Kampf um den Preis. Aber „billiger“ als gratis wird eben nicht gehen, dann sind Alternativen gefragt…

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