Foto © Diana Krall (Universal Music)

Klang-Tipp: Diana Krall „Wallflower“

Diana Krall ist gewiss nicht nur Liebhabern der gepflegten Jazzmusik geläufig. Mit ihrem Album „Wallflower“ greift Diana Krall ganz tief in die Trickkiste, um sich neu zu erfinden, und sich trotzdem treu zu bleiben. Dieses Album ist erneut ein Beweis für ihre Vielseitigkeit.

Von Jürgen Weber-Rom
04.05.2015

Share this article


Über die ganz speziellen Qualitäten von Diana Krall zu schreiben, käme dem berüchtigten Import von Eulen nach Athen gleich, und dennoch ist es ein Vergnügen. Der gebürtigen Kanadierin wurde die Musik defakto in die Wiege gelegt. So waren Dianas Eltern talentierte Pianisten, sowie ihre Großmutter seinerzeit eine erfolgreiche Sängerin, die komplette Familie somit mit der Musik tief verwurzelt. Ihre Kindheit war stets begleitet von Jazz und klassischer Musik. Nach ihrem Debut-Album „Stepping out“ im Jahr 1993 folgten zahlreiche Top-Alben, eins ums andere mit immer größerem internationalen Erfolg.

Eine nicht selbstverständliche Erfolgsgeschichte, trotz des immensen Talents der Frau Krall. Und eine Karriere, die uns Musikliebhabern schon so manches allerfeinste Album bescherte, und letztlich zum neuesten Werk führt, das uns einmal mehr entspannt in den Hörsessel sinken lässt, und sechzehn feinste Musikstücke darreicht.

Auch wenn „Wallflower“ viel Neues bietet, Diana Krall bleibt sich ihrer selbst treu, das hört man bereits mit der ersten Note. Ihre Stimme präsentiert sich in gewohnter Manier mit dem so schwer beschreibbaren „Diana Krall Schmelz“, und dennoch darf man dieses Album als einen charmanten „Schlenker“ in eine sehr vielschichtige Welt sehen. Als bekannt, beliebt, und auch manchmal augenzwinkernd als Weichspülprodukt geschmäht - werden ihre bisherigen Werke wahrgenommen. Und so darf der vorliegende Ausflug in die Welt der Pop-Klassiker der 70er und 80er Jahre durchaus überraschen, aber auch begeistern.

Balladen wie „Desperado“ von den The Eagles, oder „California Dreamin’" von The Mamas And The Papas, aber auch der titelgebende Song „Wallflower“ von niemand geringerem als Bob Dylan erhalten auf diesem Album eine tief gehende Melancholie, die jedoch nahezu komplett auf Wehmut verzichtet. Auch wenn sie mit dem Geständnis scheinbar um Aufmerksamkeit heischt „…sie sei keine wirklich gute Sängerin“, so muss man erwähnen, dass sie tatsächlich nur drei der Titel persönlich am Klavier begleitet, und somit in erster Linie als Vokalistin auftritt, und dabei das Geständnis als liebenswerte Show enttarnt.

Dabei verdient die Paarung dieser edlen und warm timbrierten Stimme mit dem gewandten und sehr beweglichen Klavierspiel des Produzenten und Keyborder David Foster, welcher das Album auch arrangiert hat, besondere Beachtung. Eine Verbindung, die vielleicht auf eine bevorstehende Wandlung der Kanadierin hinweist. Wünschenswert wäre dies, soviel sei hier verraten, und persönlich angemerkt.

Eine Cover-Version eines beliebten und tief im Gedächtnis etablierten Klassikers verlockt so manchen Künstler zur Produktion eines neuen Albums, birgt aber auch die Gefahr, grandios daran zu scheitern. Schnell ist der Vergleich mit dem Original hergestellt, und künstlerische Feinheiten in der Umsetzung werden verkannt, oder schlicht ignoriert. Diana Krall meistert diese Hürde grandios. Sie belässt das Musikstück in ihrer Originalität, und vermag es mit feinsten, ihr eigenen Attributen zu versehen. Der Titel „Yeh Yeh“ versprüht die Fröhlichkeit und die Fetzigkeit des Originals, und ist sicherlich eines der Highlights auf diesem Album, während sie mit dem Titel „Alone again naturally“ und mit ihrem Duett-Partner Michael Bublé und ihrer Stimmfarbe jongliert und kokettiert.

Diana Krall ist aber auch bekannt für lupenreine audiophile Produktionen. Das Album „Wallflower“ reiht sich nahtlos in die Riege der High-end Produktionen ein. So einfach kann ein Urteil lauten, und dennoch erschließt sich die brillante Arbeit der Verve Records Studios diesmal erst auf den zweiten „Blick“.

Die Klangbühne erscheint eher breit aufgefächert, ohne beeindruckende Tiefenstaffelung. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Vielmehr glänzt das Album mit einer kompakteren inneren Geschlossenheit der Instrumente, welche die Stimme Diana Kralls mit einem sehr minimalen Respektabstand umrahmt. Tatsächlich überzeugen die Titel mit einer Gelassenheit, wie sie von der Stimme Kralls eingefordert werden. Ein exzessives und extrovertiertes Klangbild, das mit dem einem oder anderen Klangspektakel um Aufmerksam buhlt, wäre diesem Werk nicht angemessen. Wer an Diana Krall denkt, erwartet auch eine edle, dezente Produktion. Aber vielleicht überrascht Frau Krall ja mit einem Rock-Album… Man darf die Hoffnung nicht aufgeben, und so manches Coveralbum-Projekt entpuppt sich als geniales Crossover-Album.

„Oh my god she’s not playing the piano, is she moving away from jazz?” Nein, Diana Krall versteht es, Welten zu verbinden, aber auch manchmal den Musikliebhaber in eine ganz spezielle Welt zu (ver)führen.


Erfreulich ist einmal mehr, dass es auch dieses Album in verschiedensten Darreichungsformen gibt, also nicht nur auf Audio CD , sondern ebenso als feinst produzierte Schallplatte und natürlich ebenso als High-res Download. Somit findet jeder das für ihn passende Format vor, um es in bestmöglicher Qualität zu genießen. Und es ist wahrlich ein Genuss, musikalisch, aber eben auch aus rein audiophiler Sicht. Aber wer hat anderes erwartet…

Share this article