Klein ist nicht nur schnuckelig...

Richtige „HiFi“ muss keinesfalls üppig und wuchtig ausfallen, wenn es um deren Abmessungen geht. Immer mehr renommierte Hersteller setzen auf geradezu schnuckelige, aber dennoch sehr „erwachsene“ HiFi-Systeme, die problemlos in jedes Wohnumfeld passen und dennoch den Anwender mit edlem Klang, gleichzeitig aber mit immenser Flexibilität verwöhnen.

Von Michael Holzinger (mh)
30.03.2012

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HiFi-Systeme sind zumeist selbstverständlich weit mehr, als einfach nur Werkzeuge um edlen Klang zu genießen. Zumindest aus der rein subjektiven Wahrnehmung ihrer Besitzer. Ein exquisites HiFi-System kann schon allein durch seine Optik, die tadellose Verarbeitung aus edlen Materialien in Kombination mit einem besonders gelungenen Design überzeugen. Für so manchen ist ein derartiges System also ein fester Bestandteil des Wohnraums, das klar zeigen soll, dass man ein Mensch mit Sinn fürs Schöne und Außergewöhnliche ist.

Zugegeben, die Hingabe zu HiFi kann mitunter durchaus mit anderen Leidenschaften verglichen werden, wie etwa Autos, wo so manch stolzer Besitzer dann doch eine Klasse höher ansetzt, auch wenn dies bei rein nüchterner Betrachtung keineswegs erforderlich wäre, ganz im Gegenteil, objektiv betrachtet eigentlich völlig sinnlos ist. Man gönnt sich eben etwas, und wenn es nur eine möglichst lückenlos ausgefüllte Zubehör-Liste und das ein oder andere zusätzliche Ausstattungsmerkmal ist, das der Hersteller selbst gar nicht anbietet.

Und ebenso wie bei so manchem kraftstrotzenden Boliden schlummert dann eben doch etwa das ein oder andere „zusätzliche“ PS unter der Haube, das in der Praxis wohl nie ausgereizt wird. Anderes Beispiel: Wieviele der so genannten SUVs auf unseren Strassen werden tatsächlich auch im Gelände bewegt?

Es ist schon klar, dass nicht alles ein Vergleich ist, was hinkt, in diesem Fall ist dieser aber durchaus zulässig. Denn ebenso wie bei motorisch hochgezüchteten Boliden mit Allrad-Antrieb und allen erdenklichen Spielereien, die in der Praxis vor allem dazu dienen, im täglichen Stadtverkehr besonders eindrucksvoll und mächtig im Stau zu stehen, so verhält es sich analog dazu mit so manch ausgetüftelten HiFi-System. Viel zu viele PS für ihren tatsächlichen Einsatzzweck...

Verfolgt man die Berichte in einschlägigen Medien, und da nehmen wir uns gar nicht aus, sowie vielfach das Angebot im Fachhandel, so gewinnt man fast den Eindruck, als wäre der pure Luxus Gemeingut und wir alle residieren in wahren Palästen. Beachtliche HiFi-Systeme mit Leistung ohne Ende sowie Lautsprecher-Systeme, die in der Lage wären, ganze Hallen zu beschallen stehen vielfach im Mittelpunkt. Dabei sieht die Realität gänzlich anders aus. Ein wenig Statistik: Das durchschnittliche Wohnzimmer weist zumeist eine Fläche zwischen 15 und 25 m2 auf, nicht mehr, nicht weniger.

Der Einwand vieler unbedarfter und somit weitestgehend neutraler Konsumenten, die noch nicht mit dem Virus HiFi infiziert sind, HiFi wäre nichts für sie, da sie den nötigen Platz nicht hätten, ist also durchaus nachvollziehbar. Denn viel zu oft wird ihnen vorgelebt, dass „gut“ mit groß und möglichst potent gleichzusetzen ist.

Dabei hält der Markt durchaus Alternativen bereit, und zwar wirkliche Alternativen, die kein fauler Kompromiss, sondern vielfach deutlich besser für das tatsächliche Wohnumfeld geeignet sind. Man fährt eben dann nicht mit dem hochgezüchteten Sportwagen durchs schmale Gassengewirr einer Großstadt, sondern mit dem eleganten City-Flitzer...

HiFi im Kleinformat, teils sogar im echten Miniatur-Format, muss also nicht gleichbedeutend mit billigen Plastik-Bombern sein. Vielmehr gibt es ein immens breit gefächertes, überaus attraktives Angebot im kompakten HiFi-Segment, das selbst für anspruchvollste Anwender einiges zu bieten hat. Dies beginnt natürlich beim wichtigsten Kriterium, dem Klang, gilt aber ebenso für eine tadellose Verarbeitung mit hochwertigen Materialien, denn dafür sorgen nicht zuletzt die gleichen renommierten Hersteller. Somit wird auch dem mitunter gelegentlich anzutreffendem „Marken-Fetischismus“ Rechnung getragen. Auch hier drängt sich eine Analogie zum Automobilsektor ja geradezu auf. Nicht umsonst fertigen selbst Premiumhersteller nicht nur Fahrzeuge in den oberen Klassen, sondern ganz selbstverständlich überaus erfolgreich im Kompakt-Segment.

Die ersten Hersteller, die dieses Marktsegment aber erkannten, dass waren die klassischen Unternehmen der Unterhaltungselektronik, zumeist aus Fernost. Nach wie vor punkten also Unternehmen wie etwa Yamaha oder Teac mit ihren durchaus luxuriösen, besonders kompakten All-in-One Lösungen. Aber längst folgen auch klassische HiFi-Schmieden diesem Trend, und zwar in immer größerer Anzahl.

Ein geradezu perfektes Beispiel, wie modernste HiFi-Lösungen eines renommierten Herstellers aussehen können, ist der Naim UnitiQute der englischen HiFi-Schmiede Naim. Er hebt den Begriff All-in-One Lösung auf ein völlig neues Niveau, denn er vereint einen Streaming-Client, Tuner, Verstärker mit flexiblen Eingängen in einem besonders kompakten, tadellos verarbeiteten Gerät mit edler Anmutung und ebensolcher Haptik. Echte HiFi mit Abmessungen von lediglich 87 mm Höhe, 207 mm Breite und 314 mm Tiefe. Ein weiteres derartiges Beispiel ist die so genannte M1 Serie von Musical Fidelity. Hier kann man sogar seinem Wunsch nach Einzelkomponenten frönen, denn selbst wenn man ein System aus Streaming Client samt D/A-Wandler und Vorstufe (Musical Fidelity M1 CLiC), CD-Player (Musical Fidelity M1 CDT) und separatem Leistungsverstärker (Musical Fidelity M1 PWR) zusammenstellt, so beträgt dessen Grundfläche ebenfalls nur bescheidene 220 x 300 mm, und die einzelnen Komponenten sind nicht höher als 100 mm. Wer‘s noch kompakter, geradezu im Miniatur-Format bevorzugt, der setzt auf die so genannte Pro-Ject Box Design-Serie aus Österreich.

Allesamt Beispiele, wie man „echte“ HiFi auf kleinstem Raum ermöglicht, ohne dabei auch nur irgendeinen Kompromiss eingehen zu müssen, ganz im Gegenteil. Oftmals können diese Komponenten im Zusammenspiel mit hochwertigen und mit gutem Wirkungsgrad gesegneten Lautsprecher-Systemen deutlich besser in einem typischen Wohnraum aufspielen, als leistungsstrotzende Vor- Endstufen-Boliden mit ebenfalls klar überdimensionierten Lautsprecher-Lösungen. Derartige Systeme benötigen nämlich eins zwingend, um tatsächlich richtig „aufspielen“ zu können: einen entsprechend großen Raum.

Mit „vernünftigen“ und eben nicht überdimensionierten Lösungen kann man das Hobby HiFi also auch all jenen schmackhaft machen, die ihr Wohnzimmer auch als solches nutzen wollen, also darin leben, und dieses nicht allein als Hörraum verstehen. Denn wie bereits einleitend gesagt, klein ist bei HiFi nicht nur schnuckelig, es kann auch ganz groß aufspielen...

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