Foto © Gulliver Theis

La Brass Banda „Kiah Royal“

Mit „Kiah Royal“ steht ein absolut hörenswertes Live-Album der deutschen Formation La Brass Banda zur Verfügung, und zwar nicht nur als Download und Audio CD, sondern ebenso als feinst gepresste Schallplatte, genauer gesagt gar eine Doppel LP, und zwar „Live und akustisch im Kuhstall“…

Von Michael Holzinger (mh)
13.11.2014

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Wenn man es so sehen will, dann erfüllen La Brass Banda nahezu alle Klischees, die man gemeinhin der so genannten „Volkstümlichen Musik“ andichtet, allerdings kokettiert die Formation rund um Stefan Dettl geradezu meisterhaft mit all diesen Klischees, und muss ganz klar in das Genre Volksmusik eingeordnet werden, und zwar die so genannte Neue Volksmusik. Volksmusik also in ihrer allerfeinsten Form nämlich, die nicht im Gestern verharrt, sondern sich weiter entwickelt, neue Einflüsse einbezieht, sich diese teils zu Eigen macht, und mit den über Generationen gelebten und erlebten Eindrücken zu etwas gänzlich Neuem verbindet.

La Brass Banda lassen sich aber nicht nur in diese neue Volksmusik zuordnen, wenn es schon um Klassifizierung geht, so muss man durchaus auch Jazz, Funk, Reggae oder Gypsy als überaus treffende Zuordnungen mit anführen. Hier verschmilzt alles zu einer überaus vielseitigen, bunten Mischung. Nicht umsonst bezeichnet die Band sich selbst als Bayerische Gypsy Brass Band oder Funk Brass Formation. Auch die Umschreibung Alpen Jazz Techno trifft es geradezu perfekt auf den Punkt.

Wie bereits erwähnt, wurde die Formation ursprünglich von Stefan Dettl bereits im Jahr 2007 gegründet, Musik-Student und Trompeter, der zunächst vier Mitstreiter fand, und zwar Andreas Hofmeir an der Tuba, Manuel Winbeck an der Posaune, Oliver Wrage am Bass, sowie Manuel da Coll am Schlagzeug. Inzwischen ist die Band aus der kleinen bayerischen Gemeinde Übersee am Chiemsee deutlich größer, wobei Mario Schönhofer Oliver Wrage am Bass ablöste, Jörg Hartl, Tobias Weber und Stefan Huber mit Trompete, Percussion und Tuba die Band zu einer Art bayerischen Big Band erweiterten. Das interessante an dieser Konstellation: nahezu alle Band-Mitglieder haben einen absolut „seriösen“ Background, was wohl auch für die erfrischende Unbeschwertheit und Freiheit sorgt, die sie sich als La Brass Banda einfach gönnen, und die sie mit Herzenslust ausleben.

Allein die spezielle Mischung verschiedenster Genres, und nicht zuletzt die hier eingesetzten Blas-Instrumente, vermitteln ihre volle Anziehungskraft und Eindringlichkeit bei Live-Konzerten. Dazu kommt, dass sich die Band in zahllosen Live-Auftritten über die letzten Jahre hinweg immens viel „Live-Charakter“ erspielte, der nunmehr auf dem Album „Kiah Royal“ perfekt festgehalten wurde.

„Live und akustisch im Kuhstall“, diesen Hinweis am Cover darf man durchaus wörtlich nehmen, denn genau dieser Kuhstall in Höllenthal an der Alz war es, in dem dieses als Audio CD als Limited Edition Digipack, als Download, aber auch als Doppel LP erhältliche Album unter Beteiligung zahlreicher Gastmusiker und Background-Sängerinnen aufgenommen wurde. Gut, danach legte Willy Löster im Lukas Studio München noch Hand an, und mischte das Album perfekt, um den Live-Charakter zu erhalten, bevor Alex Kloos bei Time Tools Mastering Hannover das Werk finalisierte, und auch er nichts am Zauber, den allen voran derartige Musik insbesondere Live entfalten kann, änderte.

Thematisch reicht das Spektrum von einem Hochgesang auf den VW Jetta, übers Bierzelt, Bauersbuam, bis hin zu einer sehr feinen Interpretation von Stephan Remmlers „Keine Sterne in Athen“, der hierbei selbst am Mikrofon stand, und gemeinsam mit La Brass Banda die wohl bislang beste Version dieses Hits ablieferte.


Mit „Kiah Royal“ steht eine Art Bestandsaufnahme der bayerischen Formation La Brass Banda zur Verfügung, die in jedem Fall absolut hörenswert ist, selbst wenn man meint, mit Musik, hinlänglich als „Neue Volksmusik“ bezeichnet, rein gar nichts anfangen zu können. Es liegt an der genialen Mischung verschiedenster Genres, die seit jeher das grundlegende Konzept der Formation bildet, die dieses Album, aber die Band insgesamt, so spannend macht. Vielleicht muss man sich zunächst ein wenig darauf einlassen, die ersten Nummern auf sich wirken lassen, aber dann ist man gefangen, und der ein oder andere wird sich wohl nicht mehr mit dem Album „Kiah Royal“ auf dem Plattenteller begnügen, sondern mal nachsehen, wann La Brass Banda tatsächlich live aufspielen, und wenn es wieder in einem Kuhstall ist…

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