Lapsus bei HDtracks.com - Album der Dire Straits muss zurück gezogen werden

Wäre es irgendein Album gewesen, wäre es wohl nur eine Randnotiz. Aber ausgerechnet Dire Straits legendäres Referenz-Album „Brothers in arms“, angekündigt als hochauflösender Download mit bis zu 24 Bit und 192 kHz musste nun vom US-amerikanischen Anbieter HDtracks.com zurück gezogen werden. Die Basis für die hochauflösenden FLACs war nicht mehr als „CD-Qualität“ und somit 16 Bit und 44,1 kHz.

Von Michael Holzinger (mh)
28.03.2012

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Das 1985 veröffentlichte Album „Brothers in arms“ der Dire Straits gilt als eine der ersten rein digitalen Album-Produktionen (DDD) und wird seit Jahr und Tag als Referenz-Album gehandelt. Es war eine der ersten tatsächlich perfekt aufgenommen Audio CDs und wurde daher nicht zuletzt von Sony und vor allem Philips als Entwickler der CD eifrigst als Vorzeige-Aufnahme propagiert. Etliche Neuauflagen dieser Aufnahme belegen aber auch die als Loudness-War in Branchenkreisen verpönte Unart der Industrie, Aufnahmen geraezu zu Tode zu komprimieren und somit möglichst laut abzumischen und dabei jedweder Dynamik zu berauben. Kein Wunder also, dass von vielen Musikliebhabern die Original-Aufnahme aus den 80igern auf Vinyl und CD nach wie vor wie ein Schatz gehütet wird, da diese die volle Detailpracht bietet, auch wenn das dafür zugrundeliegende Master ebenfalls natürlich digital war und nicht mehr als 16 Bit und 44,1 kHz bot.

Erst ein Remaster als Hybrid SACD im Jahr 2005 bot erneut die volle Pracht, die diese Aufnahme tatsächlich bieten kann. Dabei wurde von Mark Knopfler selbst, gemeinsam mit Chuck Ainlay eine neue analoge Abmischung der digitalen Original-Master-Tapes vorgenommen, und diese Abmischung als Basis für eine neue  Mehrkanal- als auch Stereo-Version genutzt. Für das Mastering war in diesem Fall Mastering-Ikone Bob Ludwig verantwortlich. Das Ergebnis war eine Hybrid SACD als 20th Anniversary Edition.

Das Album zählt natürlich auch zu den Favoriten des Autors und steht in den verschiedensten Varianten im Regal. Umso größer war die Freude, als mit HDtracks.com einer der führenden Download-Anbieter endlich „Brothers in arms“ als Download im FLAC-Format in einer Variante mit 24 Bit und 96 kHz, aber auch in 24 Bit und 192 kHz anbot. Keine Frage, da musste man zuschlagen.

Der Download der Daten in 24 Bit und 192 kHz dauerte erstaunlich lange, was aber nachvollziehbar war, denn dieses Album wanderte zu diesem Zeitpunkt wohl bei vielen, vielen Kunden auf die Festplatte und entsprechend gefordert waren die Server des US-amerikanischen Anbieters.

Kaum waren die Daten mit immerhin 1,69 GByte auf der Festplatte, wurde natürlich prompt der Streaming-Client gestartet und das Album angespielt. Auf Grund der vorgerückten Stunde war aber weder ausreichend Zeit noch die Möglichkeit, das Album und den Zugewinn der nunmehr offensichtlich hochauflösenden Qualität bei adäquater Lautstärke zu beurteilen. Macht ja nichts, morgen ist ja auch noch...

Doch ein Email des Anbieters trübte schlagartig die Vorfreude. Es sei ein Fehler aufgetreten, ist da zu lesen. Durch einen Fehler sei es dazu gekommen, dass die Daten des Downloads für das Album „Brothers in arms“ zwar als hochauflösende Daten gekennzeichnet sind, die Basis dafür aber nicht mehr als eine normale CD in 16 Bit und 44,1 kHz ist. Die FLACs in 24 Bit und 96 kHz sowie 24 Bit und 192 kHz also nicht mehr als hochgerechnete Daten sind. Das hätten wir billiger haben können...

Im Wortlaut liest sich das dann so:

Dear Valued Customer:

Yesterday, we were very pleased to feature the Dire Straits album, Brothers in Arms in our private anniversary sale that was sent to select VIP customers. After having the title up for only a few hours we discovered that the title was mistakenly labeled in both the 192 and 96 kHz formats. The file that you received was in fact 44,1 kHz/ 16 bit. Upon realizing the error we immediately removed the title from our store.

Unterzeichnet ist das Email mit Norman and David Chesky, also den Betreibern von HDtracks.com.

Damit ist ausgerechnet bei einem derartigen Referenz-Album wie „Brothers in arms“ der Dire Straits der „Super-Gau“ für einen Anbieter wie HDtracks.com eingetreten. Seit Monaten schüren Kritiker eifrig die Gerüchte, Anbieter wie eben HDtracks.com würden zumeist nichts anderes anbieten, als Daten mit ursprünglich 16 Bit und 44,1 kHz, die auf die gewünschte Auflösung von 24 Bit und 96 kHz oder gar 24 Bit und 192 kHz hochgerechnet wären. In Summe würde man also auch nicht mehr erhalten, als eine herkömmliche Audio CD, nur eben mit deutlich mehr Speicherplatz-Bedarf.

Diesen Kritikern spielen derartige Fehler natürlich nunmehr perfekt in die Hände, und wir können uns geradezu bildlich vorstellen, was so mancher lokale Spezial-Anbieter in den nächsten Tagen an Aussendungen von sich gibt und etwa im Rahmen der High End 2012 in München anhand dieses Corpus Delicti Stimmung gegen derartige Angebote macht.

Natürlich ist ein derartiger Vorfall mehr als peinlich, zeigt aber auch, dass Anbieter wie eben HDtracks.com sehr bemüht sind, ein stets korrektes Angebot offerieren zu können. Selbstverständlich darf es nicht sein, dass derartige Daten überhaupt in Umlauf gebracht werden. Man muss also rigoros die Qualitätssicherung verbessern und sicherstellen, dass derartige Files unter keinen Umständen für den Verkauf freigegeben werden.

Der Anbieter rechtfertigt den Fehler folgendermassen:

It is extremely important to us that our customers receive the resolution quality that they are paying for and we make every effort to check incoming files from our label partners. However, there are sometimes situations that arise that are unavoidable. In this case, in an effort to offer this very special title along with our anniversary discount to our VIP customers the title was incorrectly labeled by one of our engineers. For the time being we have put this title on hold until such time as we can be certain that we are able to offer the best quality files available for this title.

Fakt ist, HDtracks.com hat umgehend gehandelt und den Fehler eingestanden. Kunden erhalten, so der Anbieter, eine Gutschrift über den getätigten Einkauf und darüber hinaus einen Promotion-Code über zehn Prozent Rabatt für künftige Einkäufe.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Vorfall nicht dazu führt, dass das Ansehen und Vertrauen in die eben erst sich etablierenden Download-Angebote mit hochauflösenden Inhalten leidet. Es wäre schade, wenn das derzeitige Momentum dadurch gebremst und die rasante Entwicklung in diesem Bereich einen Dämpfer hinnehmen muss.

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