Foto © Sony Music

Limitiert ist nicht zwingend das, was man sich darunter vorstellt…

„Streng limitiert“, diese Beschreibung ziert längst nahezu jede Vinyl-Box, die das Gesamtwerk oder auch nur Teile des Schaffens eines Musikers oder einer Band abdecken sollen, oder jene, die sich durch eine besondere Aufmachung als Sammlerstück eignen. Dass man dieser Charakterisierung inzwischen nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken sollte, zeigt sich leider an immer mehr Beispielen.

Von Michael Holzinger (mh)
15.10.2016

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Was zunächst als Trend getragen durch HiFi-Enthusiasten begann, wird längst von einer sehr breiten Kundenschicht getragen, nämlich die Begeisterung für die Schallplatte. Sprach man zunächst von einer Renaissance, so kann man nunmehr gar von einem Hype sprechen, wobei dies in Summe natürlich eine erfreuliche Entwicklung darstellt, denn es zeigt einerseits, dass Menschen sehr wohl Wert darauf legen, ein physisches Medium in Händen zu halten, und nicht allein auf immaterielle Inhalte wie Streaming-Dienste zu setzen. Zudem wird damit belegt, dass Kunden bereit sind, für Qualität einen angemessenen Preis zu bezahlen, und zumindest ein Gutteil Musik nicht allein als Ware, sondern tatsächlich als Kulturgut verstehen, das es gilt zu bewahren.

Auch aus Sicht der Musik-Industrie konnte letztlich nichts besseres passieren, wenngleich natürlich die aktuellen Umsätze im Bereich Vinyl nur einen Bruchteil dessen betragen, was in früheren Jahren möglich war, sodass selbst die größte Begeisterung für Vinyl allein wohl niemals die Einbrüche in anderen Segmenten aufwiegen wird können. Zumal, wenn man sich die tatsächlichen Stückzahlen selbst von angeblichen Top-Sellern ansieht, realisiert man recht rasch, dass selbst angesichts des derzeitigen Hypes die Vinyl-Community, nun, nennen wir es überschaubar, und zwar eine feine und treue Kundenschicht, aber eben nicht mehr als eine Nische ist.

Doch während sich so manch engagierter Anbieter sich dieser Tatsache durchaus bewusst ist, und mit viel Hingabe und Liebe zum Detail dieses letztlich zarte Pflänzchen hegt und pflegt, haben es andere immer noch nicht verstanden, dass Konzepte und Strategien früherer Jahre einfach nicht mehr funktionieren. Das Streben nach dem sprichwörtlich schnellen Geld führt - wie zumeist - letztlich zu einem Niedergang und ist somit alles andere als eine kluge, langfristige Unternehmensphilosophie.

Aber genau so passiert es nun wieder rund um Vinyl. Nur ein Indiz dafür ist etwa, dass geradezu im Wochentakt immer neue so genannte Sammler-Editionen auf den Markt geworfen werden. Das Gesamtwerk von… die wichtigsten Alben von… das legendäre Album von… die Kreativität diesbezüglich scheint keine Grenzen zu kennen. Klar, es ist geradezu verlockend, übertrieben ausgedrückt, ins Archiv zu greifen, und dieses und jenes Album als „Remaster“, „Neuauflage“, oder wie auch immer man es nennt, erneut zu Geld zu machen.

Dass dabei Qualität allen voran bei Major-Labels nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist hinlänglich mit zahllosen Beispielen zu belegen. Denn wenn eine Original-Schallplatte, die man ohnedies seit Jahr und Tag im Regal stehen hat, oder die man für wenig Geld am Second-hand Markt, etwa einer Schallplatten-Börse erworben hat, um Welten besser klingt, als das angeblich so aufwendig neu von den Original-Bändern gemasterte Album, läuft etwas gehörig falsch…

Und auch die so viel strapazierte Bezeichnung „Limitierte Stückzahl“ wird immer mehr zur Lachnummer, etwa dann, wenn dies für eine Auflage in tausenden Stück benutzt wird, die ohnedies den gesamten Markt abdeckt.

So manches Label übertreibt es aber dann zudem noch zusätzlich und führt diese Bezeichnung gänzlich ad absurdum. So geschehen etwa ganz aktuell bei der erstmals im Frühjahr diesen Jahres angebotenen Aufnahme von David Bowie aus dem Jahr 2003, genauer gesagt, dem Mitschnitt eines längst legendären Konzerts im Point Theatre in Dublin am 22. und 23. November 2003 im Rahmen der „A Reality Tour“. Das gleichnamige Album war bereits auf Audio CD und auf DVD zu haben, nun sollte es erstmals auch auf Vinyl angeboten werden, und zwar in Form von drei Tonträgern in halbtransparentem Blau, natürlich auf 180 Gramm Vinyl, und nur in limitierter Stückzahl. Drei LPs zum Preis von zumeist € 116,99, das war eine Ansage, aber für viele Fans von David Bowie kein Hindernis, hier schnellstmöglich zuzuschlagen, um sich eines der limitierten „Sammerlstücke“ zu sichern. Man weiss ja nie, wird es diese noch länger geben, und wer weiss, vielleicht werden dafür bald astronomische Preise ausgerufen…

Nun, es kam gänzlich anders. Auf Grund des großen Erfolgs - welch Überraschung - legt Sony Music die Vinyl erneut auf, und zwar einmal mehr als „A Reality Tour - 180 g Translucent Blue Vinyl“ und ja, richtig geraten, Limited Edition. Die Krönung aber ist, dass diese Neuauflage nunmehr nicht mehr zum Preis von € 116,99 zu haben ist, sondern bereits um € 86,99

Zugegeben, gut für all jene, die sich im Frühjahr entspannt zurück lehnten, und einfach abwarteten. Eher schlecht für jene, die einmal mehr darauf hereinfielen, und „Limited Edition“ tatsächlich ernst nahmen, und dafür bereit waren, einen entsprechenden Preis zu bezahlen.

Eins aber ist klar, es werden nach und nach immer weniger Kunden sein, die sich derart hinters Licht führen lassen, und dann war es das einmal mehr mit dem „schnellen Geld“…

Die so viel strapazierte Bezeichnung „Limitierte Stückzahl“ wird somit, wenn es ums Ausschlachten des derzeitigen Vinyl-Hypes durch so manches Major-Label geht, immer mehr zur Lachnummer, etwa dann, wenn dies für eine Auflage in tausenden Stück benutzt wird, die ohnedies den gesamten Markt abdeckt. Noch mehr, wenn ein angeblich als Limited Edition aufgelegtes "Sammlerstück" stets aufs Neue aufgelegt wird.

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Cover

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Facts

Album

A Reality Tour

Künstler

David Bowie

Komponist

David Bowie, Diverse

Genre

Pop

Jahr

2016

Format

Vinyl