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Lindemann musicbook: 15 USB Audio Music Player und Lindemann musicbook: 55 Class D Power Amplifier im Test

Foto © Lindemann audiotechnik GmbH

Qualität auf audiophilem Niveau muss keineswegs im Widerspruch zu besonders eleganten, sehr kompakten Lösungen stehen. Einen eindrucksvollen Beleg dafür liefert etwa die deutsche HiFi-Schmiede Lindemann audiotechnik GmbH mit ihrer Lindemann musicbook: Reihe. Eine besonders flexible, edle HiFi-Lösung ergibt die Kombination aus Lindemann musicbook: 15 und Lindemann musicbook: 55.

Kurz gesagt...

High-end HiFi auf kleinstem Raum, mit Eleganz und Vielseitigkeit gepaart, dies erlaubt die Kombination aus Lindemann musicbook: 15 USB Audio Music Player und Lindemann musicbook: 55 Class D Power Amplifier.

Wir meinen...

Mit der Kombination aus Lindemann musicbook: 15 USB Audio Music Player und Lindemann musicbook: 55 Class D Power Amplifier erwirbt man ein HiFi-System, das aus audiophiler Sicht ganz, ganz groß aufspielen kann, mit einem wirklich durchdachten Bedienkonzept, einer hohen Flexibilität bei den Quellen, aber insbesondere geradezu winzigen Abmessungen und einem überaus schicken Design aufwartet. Auf allerkleinsten Raum lässt sich hier ein wahres High-end HiFi-System realisieren, das kaum Wünsche offen lässt. Eine Lösung, die uns vollends überzeugte und wohl das Potential hat, so manch Design-orientierten Musik-Enthusiasten für das Thema zu begeistern.
Hersteller:Lindemann audiotechnik GmbH
Vertrieb:Lindemann audiotechnik GmbH
Preis:Lindemann musicbook: 15 USB Audio Music Player € 3.200,-
Lindemann musicbook: 55 Class D Power Amplifier € 2.800,-

Von Michael Holzinger (mh)
29.02.2016

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sempre-audio.at Editors Choice Award

Die Welt der Unterhaltungselektronik ist eigentlich ständig im Wandel, allerdings schlägt dies nun auch verstärkt auf jene Marktsegmente durch, die über Jahre hinweg nach ein und den selben Gesetzmässigkeiten funktionierten, und zwar das Segment der High-end HiFi. Natürlich vollzog sich auch hier ein steter Wandel, wurden neue Technologien eingeführt und rückten neue Lösungen in den Fokus, während andere an Bedeutung verloren.

In den letzten Jahren ist aber hier ein wirklich teils radikaler Wandel zu verzeichnen, der immer stärkere Auswirkungen auf die gesamte Branche hat. So prognostizieren immer mehr Marktbeobachter, dass sich die Zeit der „HiFi-Burgen“ allmählich dem Ende zuneigt, diese zumindest massiv an Bedeutung verlieren werden. Bis auf besonders ambitionierte HiFi-Enthusiasten sind diesen Prognosen nach immer weniger Kunden bereit, sich vergleichsweise wuchtige Gerätschaften zuzulegen, selbst wenn sie eigentlich recht hohe Ambitionen betreffend der Qualität und auch Flexibilität haben.

Es ist ein besonders starker Trend hin zu möglichst kompakten, möglichst integrierten Lösungen zu verzeichnen, also genau jenen Lösungen, denen ausgewiesen audiophile HiFi-Enthusiasten bislang vielfach sehr kritisch gegenüber standen. Es ist also für jene Hersteller, die sich den Herausforderungen des sich ändernden Marktes stellen, alles andere als leicht, mit ihren entsprechenden Lösungen gegen diese über Jahre hinweg gepflegten Ressentiments anzukämpfen. Allerdings ist es eine immens große Chance, genau damit neue Kunden für sich begeistern zu können.

Ein Unternehmen, das diesen Trend sehr früh erkannte, ist mit Sicherheit die renommierte HiFi-Schmiede Lindemann audiotechnik GmbH.

Mit großem Engagement widmete man sich der Entwicklung einer völlig neuen Produktserie, die genau den zuvor skizzierten neuen Anforderungen des Marktes entsprechen sollte, der so genannten Lindemann musicbook: Serie.

Alle hier angebotenen Lösungen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass es sich um wirklich sehr kompakte Produkte handelt, die sich zudem an Design-orientierte Kunden richten, gleichzeitig aber ganz und gar den Ansprüchen selbst audiophiler HiFi-Enthusiasten gerecht werden können und sich bestens gerüstet für die Anforderungen einer vernetzten Welt der HiFi präsentieren. Großer Klang smart verpackt lautet demzufolge der durchaus treffende Satz, mit dem der Hersteller selbst die Merkmale der Lindemann musicbook: Serie auf den Punkt bringt.

Verwandtschaftsverhältnisse…

So bietet Lindemann audiotechnik GmbH im Rahmen der Lindemann musicbook: Serie bereits zwei Vorstufen mit integriertem D/A-Wandler an, nämlich das Lindemann musicbook:10 und Lindemann musicbook: 15, ebenso zwei Netzwerk-Spieler mit dem Lindemann musicboook: 20 sowie Lindemann musicbook: 25, und zudem zwei Endstufen, und zwar in Form des Lindemann musicbook: 50 sowie Lindemann musicbook: 55. Alle Produkte der Lindemann musicbook: Serie präsentieren sich als überaus schicke Systeme, und zwar in einer einheitlichen Design-Line, sodass sie beliebig kombiniert werden können.

Wir haben uns für diesen Test für die Kombination aus der Vorstufe Lindemann musicbook: 15 sowie der Endstufe Lindemann musicbook: 55 entschieden, und da dieses Gespann tatsächlich nahezu alles bietet, was man von einem modernen HiFi-System erwartet, und sich offen für verschiedenste Streaming-Lösungen zeigt.

Beginnen wir mit der Vorstufe, dem Lindemann musicbook: 15, das der Hersteller als USB Audio Music Player bezeichnet, und das er mit einem Audio CD-Laufwerk ausstattete.

Lindemann musicbook: 15 USB Music Player

Um es zunächst in einem einzigen Satz festzuhalten, das Lindemann musicbook: 15 erfüllt die Aufgabe einer Vorstufe, und bietet hierzu neben analogen Eingängen auch digitale Schnittstellen, allen voran einen USB-Port, um einen PC oder Mac als Quelle nutzen zu können. Darüber hinaus will man den Kunden mit dieser Lösung aber ebenso optimale Lösung für die Wiedergabe von Audio CDs in die Hand geben. Zudem verfügt das Lindemann musicbook: 15 über einen integrierten Kopfhörer-Verstärker, ist also tatsächlich mit allem gerüstet, was man von einem Device dieser Kategorie erwarten darf.

Allerdings erhält man es hier in Form einer sehr kompakten Lösung, die nicht mehr misst, als 280 mm in der Breite, 220 mm in der Tiefe, und 65 mm in der Höhe. Trotz dieser geringen Abmessungen bringt die Lindemann musicbook: 15 Vorstufe ein Gewicht von 3,45 kg auf die Waage, ein klares Indiz dafür, dass hier auf engsten Raum feinste Elektronik verbaut wurde, und man auch bei der Verarbeitung des schicken Gehäuses in keinster Weise am falschen Fleck sparte.

So setzte man beim Lindemann musicbook: 15, so wie bei allen anderen Lösungen der Serie auch, auf ein wirklich absolut schickes, überaus wertiges Gehäuse aus Aluminium, das mit abgerundeten Kanten aufwartet, und das bereits beim allerersten Kontakt die hohen Ambitionen seiner Entwickler zum Ausdruck bringt, sei es durch die tadellose Optik, aber insbesondere durch die Haptik.

Im Mittelpunkt des Bedienkonzepts steht hier zunächst ein grafikfähiges OLED-Display, das einen Großteil der Front einnimmt, und in Gelb erstrahlt. Hier muss gleich ausdrücklich betont werden, dass dieses Display einen exzellenten Kontrast aufweist und somit wirklich jederzeit klar und deutlich lesbar ist, selbst aus etwas größerer Entfernung und aus ungünstigem Winkel. Es hält zudem stets alle wesentlichen Informationen für den Anwender bereit.

Interessant ist zudem, dass hier eigentlich nahezu keine Bedienelemente zur Verfügung stehen, man im alltäglichen Einsatz aber dennoch selten auf eine Lösung trifft, die derart komfortabel und einfach zu steuern ist. Dies liegt in erster Linie am Drehgeber bzw. Drehgeber mit integriertem Drucktaster, der hier an der Oberseite angebracht ist. Der Hersteller spricht hierbei von einem Multifunktions-Stellrad, das alle wesentlichen Aufgaben in sich vereint. So dient es nicht nur der Eingangswahl, sondern ebenso der Lautstärke-Regelung und zudem als „Mute-Taster“. Bei der Wiedergabe von Audio CDs wird hier gar die Wiedergabe gesteuert, und auch die Menüs durchwandert man allein mit diesem Bedienelement. Was vielleicht allein durch die nüchterne Beschreibung komplex und kompliziert klingen mag, erweist sich in der Praxis durch die verschiedenen Kombinationen aus Drücken und Drehen, je nachdem, was es zu tun gilt, als überaus einfach und geradezu intuitiv. Lediglich ein Standby-Taster findet sich noch an der Oberseite des Lindemann musicbook: 15, wobei ein „echter“ Hauptschalter an der Rückseite zur Verfügung steht.

Wer das Lindemann musicbook: 15 komfortabel aus der Ferne steuern will, der findet in der Infrarot-Fernbedienung das richtige Werkzeug dafür. Auch hier wollen wir ausdrücklich deren erstklassige Haptik hervorheben, ebenso deren Funktionsumfang. Es ist nunmehr in erster Linie die Fernbedienung, die man tagtäglich in Händen hält, und wenn diese einen eher minderwertigen Eindruck hinterlässt, verliert auch High-end HiFi ein wenig des Zaubers. Entspricht diese hingegen bei der Haptik ebenfalls hohen Ansprüchen, so fühlt man im wahrsten Sinne des Wortes, dass man sich etwas wirklich Feines geleistet hat.

Das Lindemann musicbook: 15 weist an der Rückseite zunächst zwei analoge Eingänge auf. Dies mag zunächst wenig erscheinen, aber Hand aufs Herz, wieviele analoge Quellgeräte gilt es tatsächlich anzuschließen? Da wäre etwa ein Schallplatten-Spieler über die entsprechende Phono-Vorstufe, vielleicht gar ein zweiter, vielleicht als Alternative ein Tonband-Gerät, aber alles weitere erfolgt ohnedies bereits in der digitalen Welt…

Und an digitalen Schnittstellen mangelt es der Vorstufe von Lindemann audiotechnik GmbH keineswegs. So stehen nicht nur zwei optische, sondern ebenso zwei koaxiale S/PDIF-Schnittstellen zur Verfügung. Eine ganz wesentliche Schnittstelle ist zudem der USB-Port für die direkte Verbindung mit einem PC oder Mac, was von immer mehr HiFi-Enthusiasten genutzt wird.

Über CD-Player als Quelle muss man sich hier keinerlei Gedanken machen, denn das Lindemann musicbook: 15 verfügt bereits über ein erstklassiges Laufwerk. So setzte man hier auf ein Laufwerk mit Slot-in-Mechanismus, das somit auf Grund der in Schwarz gehaltenen Front rund ums Display auf den ersten Blick kaum zu sehen ist.

Dennoch, das CD-Laufwerk soll hier weit mehr sein, als eine Draufgabe, vielmehr verspricht der Hersteller eine Klangqualität, die auch weit kostspieligere Geräte in den Schatten stellen soll. Die Basis dafür legt natürlich bereits das Laufwerk selbst, das aus dem Hause Teac stammt, und dafür Sorge tragen soll, dass Daten stets einwandfrei ausgelesen werden. Als nettes Feature kann das Laufwerk des Lindemann musicbook: 15 auch CD-Text interpretieren und die entsprechende Tags über das Display darstellen. Wir stellten im Test fest, dass erstaunlich viele CDs über dieses Feature verfügen, dies sei nur so nebenbei erwähnt.

Ganz wichtig für die Güte der Musikwiedergabe von Audio CD ist aber natürlich der hier eingesetzte Wandler, und der soll auf absolutem Referenz-Niveau arbeiten, so der Hersteller. Erzielt wird dies dadurch, dass man auf ein so genanntes „mitdenkendes“, intelligentes Wandlerkonzept setzt, das Datenformate erkennt und entsprechend unterschiedlich behandelt. In der Praxis bedeutet dies, dass Daten in „CD-Qualität“, also mit 16 Bit und 44,1 kHz einem Upsampling unterzogen werden, Lindemann audiotechnik GmbH spricht von „aufgerundet“, und zwar auf 24 Bit und 88,2 kHz, wobei eine hochstabile Masterclock die perfekte Synchronisation sicherstellt. Damit wird erreicht, dass alle Daten letztlich als Hi-Res Inhalte verarbeitet werden können.

Der Hersteller verspricht sich bereits durch dieses Detail einen deutlichen Qualitätsgewinn, der insbesondere bei der Wiedergabe von Inhalten in „CD-Qualität“ zum Tragen kommt. Erst danach wird erfolgt die eigentliche Signalverarbeitung, für die man ein Anagram Sonic2 DSP-System nutzt. Nach Ansicht der Entwickler handelt es sich bei diesem Anagram Sonics Scrambling DAC um eine Architektur, die anderen Konzepten klar überlegen ist, und das hier auf ein impulsoptimiertes Minimum Phase Apodizing Filter sowie einen vollsymmetrischen Betrieb der DSP setzt, und zwar basierend auf einer zentralen, hoch stabilen Masterclock.

Die finale Wandlung erfolgt mit 32 Bit und 352,8 kHz oder 384 kHz, je nachdem, welches Eingangssignal anliegt, und zwar mittels Wandler-Bausteinen des Typs WM8742 aus dem Hause Wolfson Microelectronics. Diese Wandler-Bausteine wählte man nach ausgiebigen, langen Hörvergleichen, da sie mit ihrer ausgeprägten Natürlichkeit und überlegenen Musikalität überzeugten. Diese Wandler arbeiten beim Lindemann musicbook: 15 im Dual-Differential-Mono-Mode und reichen Signale an eine analoge Filterstufe und vollsymmetrische Verstärker-Bausteine erster Güte weiter.

Das bisher gesagte betrifft allein die Signalverarbeitung für das CD-Laufwerk, sowie die optischen sowie koaxialen S/PDIF-Schnittstellen, die Daten im Linear PCM-Format mit bis zu 24 Bit und 192 kHz verarbeiten können.

Für den bereits erwähnten USB-Port, über den das Lindemann musicbook: 15 als erstklassiges externes Audio-Interface für PCs und Macs genutzt werden kann, setzten die Entwickler auf einen separaten Wandler, ein absolutes Highlight, wie Lindemann audiotechnik GmbH völlig zu Recht betont.

Zunächst kommt hier natürlich eine asynchrone Datenübertragung zum Einsatz, allein das Lindemann musicbook: 15 hat somit die Kontrolle über den Datenverkehr zwischen PC bzw. Mac und dem Wandler. Dies ist umso wichtiger, da hier natürlich ebenfalls eine besonders akkurat arbeitende Masterclock zum Einsatz kommt, und erst dadurch eine vollkommene Synchronisierung des Computers mit dem Wandler, und letztlich bestmögliche Ergebnisse gewährleistet sind. Herzstück der Signalverarbeitung ist hier ein Wandler des Typs AK4490 der japanischen Spezialisten von Asahi Kasei Microdevices, kurz AKM. Dieser erlaubt die bit-perfekte Wiedergabe von Daten im Linear PCM-Format mit bis zu 32 Bit und 384 kHz, sowie die native Wiedergabe von DSD-Daten mit bis zu DSD128.

Bei einem derartigen Aufwand für die zentrale Signalverarbeitung der Lindemann musicbook: 15 auf digitaler Ebene erstaunt es wohl kaum, dass man auch bei der „analogen“ Sektion mit entsprechender Akribie und Detailliebe vorging. So kommt hier ein Schaltungskonzept bei der Vorstufe zum Einsatz, das auf vollsymmetrische Verstärker-Bausteine aus der professionellen Studiotechnik setzt, und zwar so genannte FDAs, wobei diese Abkürzung für Fully Differential Amplifier steht. Damit soll ein vollsymmetrischer Signalweg erzielt werden, der eine extreme Auflösung bei gleichzeitig sehr geringen Störungen sicherstellt.

Auch die Lautstärke-Regelung verlässt man sich auf eine ausgeklügelte analoge Lösung, und zwar ein Laser-getrimmtes Widerstandsnetzwerk, das im Vergleich zu digitalen Varianten selbst bei kleinen Lautstärken keinerlei Einbussen bei der Auflösung mit sich bringt. Nur so könne man alle Feinheiten und Strukturen des Klangs vollständig abbilden.

Analoge Audio-Signale verlassen die Lindemann musicbook: 15 wahlweise über unsymmetrische Cinchbuchsen, oder aber symmetrische XLR-Anschlüsse, wobei diese beiden Ausgänge parallel genutzt werden können, um etwa einen zusätzlichen Subwoofer mit ins Spiel zu bringen.

Zudem stehen digitale Ausgänge zur Verfügung, eine optische als auch koaxiale S/PDIF-Schnittstelle.

Ganz besonders interessant, wie bereits einleitend erwähnt, verfügt das Lindemann musicbook: 15 auch über einen integrierten Kopfhörer-Verstärker. Spannend daran ist, dass dies von den Entwicklern keineswegs als ein nettes Goodie, verstanden wird, das sich gut im Datenblatt macht, sondern auch hier viel Wert auf eine tadellose Qualität gesetzt wurde.

So kommt hier ein besonders hochwertiger Kopfhörer-Verstärker zum Einsatz, der in Class A ausgeführt ist und selbst anspruchsvolle Musikliebhaber vollends zufrieden stellen soll.

Lindemann musicbook: 55 Class D Power Amplifier

Als Spielpartner für das Lindemann musicbook: 15 stand uns für diesen Test die neueste Endstufe aus dem Hause Lindemann audiotechnik GmbH zur Verfügung, das Lindemann musicbook: 55.

Ebenso wie die Vorstufe präsentiert sich auch die Leistungsendstufe mit einem eleganten, sehr massiven Gehäuse aus Aluminum, das Abmessungen von 280 x 220 x 65 mm aufweist und damit 3,7 kg auf die Waage bringt.

Allein, hier weist die Front tatsächlich keinerlei Bedienelemente auf, weder Display noch Standby-Taster, allein eine Status LED findet sich hier. Wozu auch, ein Hauptschalter an der Rückseite reicht hier völlig aus, zumal die Lindemann musicbook: 55 über ein intelligentes Verbrauchsmanagement verfügt, das jederzeit einen besonders geringen Stromverbrauch und somit letztlich auch eine geringe Erwärmung garantiert. Doch dazu später mehr…

Bevor man die Endstufe Lindemann musicbook: 55 in Betrieb nimmt, sollte man sich deren Betriebsart genauer ansehen, denn hier stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Standardmässig ist die Lindemann musicbook: 55 natürlich im Stereo-Modus, sie kann aber auch in den Mono-Bi-Amping sowie Mono-Brückenbetrieb versetzt werden, und zwar mittels eines kleinen Betriebsarten-Wahlschalters an der Rückseite. Für unseren Test stand uns etwa nicht eine, sondern zwei der Endstufen zur Verfügung, bei deren besonders kompakten Abmessungen bietet es sich ja geradezu an, hier aus dem Vollen zu schöpfen.

Zudem muss man sich entscheiden, wie man die Vor- und Endstufe verbindet. Hierfür steht bei der Lindemann musicbook: 55 ein unsymmetrisches Cinchbuchsen-Pärchen, aber auch ein Paar XLR-Buchsen für eine symmetrische Signalverbindung zur Verfügung. Welcher davon aktiv ist, bestimmt ein Eingangswahlschalter im Miniatur-Format.

Schraubklemmen im herkömmlichen Sinne stehen hier nicht zur Verfügung. Lautsprecher-Systeme werden hier mittels Kabel angeschlossen, die entweder über 4 mm Bananas oder entsprechende Hohlstecker verfügen. Dies ist wohl zu einem Gutteil den beengten Platzverhältnissen auf Grund der kompakten Abmessungen geschuldet, und letztlich kein wirklich gravierender Nachteil.

Die Endstufe Lindemann musicbook: 55 ist als Leistungsverstärker in Class D ausgelegt, wobei hier ein auf das Wesentliche reduziertes Schaltungskonzept zum Einsatz kommen soll, das auf UCD-Technologie basiert. Die Entwickler vertrauen hier auf einen diskreten Aufbau und versuchten extrem kurze Signalwege zu realisieren. Basierend darauf habe man durch intensives Feintuning einen besonders natürlichen, besonders dynamischen Klang erzielt, zeigt man sich von Seiten des Herstellers überzeugt, und könne mehr als ausreichend Leistungsreserven zur Verfügung stellen, um nahezu jedwedes Lautsprecher-System optimal ansteuern und kontrollieren zu können. Immerhin, nicht weniger als zweimal 240 Watt kann das Lindemann musicbook: 55 entfalten, oder gar 450 Watt im Mono-Brücke-Modus. Mit zwei Endstufen des Typs Lindemann musicbook: 55 kann man somit ein wirklich potentes HiFi-System aufbauen, das keinerlei Wünsche offen lässt, so unsere Erfahrung im ausführlichen Test.

Wir haben es kurz angesprochen, es sei an dieser Stelle noch etwas vertieft, und zwar das von Lindemann audiotechnik GmbH angeführte intelligente Verbrauchsmanagement der Lindemann musicbook: 55. Schaltet man den Verstärker ein, so befindet er sich natürlich sofort im Bereitschaftszustand, wobei erst ein anliegendes Musik-Signal tatsächlich den Verstärker in den aktiven Betrieb schaltet. Wird über 30 Minuten kein Musik-Signal erkannt, so schaltet das Lindemann musicbook: 55 zurück in den Bereitschaftszustand, wird also gemutet. Weitere 30 Minuten ohne anliegendes Signal, und das Lindemann musicbook: 55 wechselt in den Standby-Modus, in dem natürlich, den EU-Richtlinien entsprechend, die Leistungsaufnahme lediglich 0,5 Watt beträgt.

Let´s play…

Für unseren Test standen uns, wie bereits erwähnt, neben der Vorstufe Lindemann musicbook: 15 USB Music Player, gleich zwei Endstufen des Typs Lindemann musicbook: 55 Class D Power Amplifier zur Verfügung. Dies eröffnete natürlich ein immens breites „Spielfeld“, denn was man mit diesem Trio tatsächlich anstellen kann, ist überaus bemerkenswert.

Doch zunächst begnügten wir uns mit der „einfachen“, klassischen Stereo-Kombination bestehend aus Vor- und Endstufe.

Als Quelle dienten uns dabei sowohl ein feiner Schallplatten-Spieler, als auch eine moderne Streaming-Lösung, ein EAT C-Sharp Turntable samt Pro-Ject Phono Box RS, sowie ein Bluesound Node 2. Außerdem fütterten wir das Lindemann musicbook: 15 USB Audio Music Player mit reichlich Audio CDs, und ein Apple Mac mini diente uns als weitere Quelle für Hi-Res Audio-Daten in Linear PCM sowie DSD. Als Speaker setzten wir verschiedenste Modelle ein, etwa Piega Coax 30, aber auch Triangle Magellan Cello.

Bereits bei der Wiedergabe von Audio CD fiel auf, mit welch Liebe zum Detail das Lindemann musicbook: 15 USB Audio Music Player zur Sache ging. Das Versprechen des Herstellers, mit dieser Vorstufe gleich einen herausragenden Audio CD-Player zur Hand zu haben, ist also kein leeres. Da müssen wir gar nicht zuviele Worte darüber verlieren, was wir da alles in den Slot des Laufwerks steckten, was immer es war, es wurde mit Bravour dargeboten.

Ähnlich verhielt es sich mit Streaming-Inhalten, die direkt über den S/PDIF-Eingang des Lindemann musicbook: 15 USB Audio Music Player zugespielt wurden. Bereits bei verlustbehafteten Inhalten, die über Spotify konsumiert wurden, erstaunte die kleine HiFi-Kette aus dem Hause Lindemann audiotechnik GmbH mit einer wirklich stets überzeugenden Wiedergabe, wobei der direkte Vergleich zu den jeweiligen Aufnahmen in CD-Qualität hier besonders markante Unterschiede offenbarte. Einmal mehr kann somit gesagt werden, wer den Unterschied zwischen MP3 und CD-Qualität nicht hört, hat einfach die falsche Anlage…

Ihr wirkliches Potential konnte die Kette aber erst mit Inhalten in Hi-Res zur Geltung bringen, und zwar unabhängig davon, ob es sich um Daten in Linear PCM oder DSD handelte. Es ist einfach herrlich, hier nicht darauf achten zu müssen, in welchem Format die Audio-Daten vorliegen, was immer man zur Hand hat, wird abgespielt, und das in wirklich bester Qualität. Ähnlich verhielt es sich mit feinstem Vinyl, das hier mit all seiner Pracht dargeboten wurde. Einmal mehr gilt, dass das, was der Hersteller an Dynamik, an Feinzeichnung und Detailtiefe über das gesamte Frequenzspektrum verspricht, tatsächlich offenbar wird, wenn man die entsprechenden Aufnahmen in bester Qualität nutzt, die das volle Potential der HiFi-Kette auch tatsächlich ausschöpfen können.

Wer sich Sorgen macht, dass hier nicht ausreichend Leistungsreserven zur Verfügung stehen, den können wir beruhigen. Schon eine Endstufe des Typs Lindemann musicbook: 55 Class D Power Amplifier zeigt sich jederzeit souverän und nahezu allen Anforderungen gewachsen. Hier darf man nur ja nicht dem Irrtum verfallen, die kleine Größe der Endstufe in Bezug mit deren tatsächlicher Leistungsfähigkeit zu setzen. Zumal, wenn es mehr sein soll, bietet es sich hier ja geradezu an, eine zweite Endstufe ins Spiel zu bringen, was wir im Test dann auch taten, und als Lautsprecher-System auf unsere KEF Blade setzten. So fantastisch dieser Speaker der englischen HiFi-Schmiede auch ist, da darf es schon ausreichend Leistung sein, und genau diese lieferte das nunmehr zum Trio angewachsene Gespann von Lindemann audiotechnik GmbH.

Allerdings ist es dann schon ein wenig gewöhnungsbedürftig, dass mannshohe Speaker hier von vergleichsweise winziger Elektronik so richtig in Schwung gebracht werden…

Ein Wort vielleicht noch dazu, warum wir uns ausgerechnet für den Lindemann musicbook: 15 USB Audio Music Player, und nicht einen der beiden verfügbaren Netzwerk-Player entschieden. Hier wird feinste HiFi geboten, die letztlich völlig unabhängig von der IT ist. Da hier die Fokussierung auf einen tadellosen DAC besteht, natürlich in Kombination mit dem integrierten CD-Player sowie analogen Schnittstellen, stehen dem Anwender bei der Wahl der Streaming-Lösung alle Spielarten offen, die schnelllebige IT wird hier nicht direkt in die HiFi integriert. Langfristig gesehen zumindest unserer bescheidenen Einschätzung nach der zukunftssichere Weg…

Abschließend sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass alle Lösungen aus dem Hause Lindemann audiotechnik GmbH ausschließlich in Kleinserie, und somit mit entsprechender Sorgfalt, basierend auf der Erfahrung aus über 20 Jahren, gefertigt werden. Und zwar nicht irgendwo, sondern direkt im Werk des Unternehmens in Deutschland. Diese lokale Wertschöpfung sollte unserer Ansicht nach eine viel größere Rolle spielen, vor allem im Bereich High-end HiFi mit entsprechendem Qualitätsanspruch.

Das relativiert natürlich auch den Preis, schließlich ruft der Hersteller für die Lindemann musicbook: 15 USB Audio Music Player € 3.200,- auf, und die Endstufe Lindemann musicbook: 55 Class D Power Amplifier ist mit € 2.800,- zu budgetieren.

Auf den Punkt gebracht

Mit der Kombination aus Lindemann musicbook: 15 USB Audio Music Player und Lindemann musicbook: 55 Class D Power Amplifier erwirbt man ein HiFi-System, das aus audiophiler Sicht ganz, ganz groß aufspielen kann, mit einem wirklich durchdachten Bedienkonzept, einer hohen Flexibilität bei den Quellen, aber insbesondere geradezu winzigen Abmessungen und einem überaus schicken Design aufwartet. Auf allerkleinsten Raum lässt sich hier ein wahres High-end HiFi-System realisieren, das kaum Wünsche offen lässt. Eine Lösung, die uns vollends überzeugte und wohl das Potential hat, so manch Design-orientierten Musik-Enthusiasten für das Thema zu begeistern.

9,0 (Exzellent)

The Good

  • Überaus schickes Design
  • äußerst kompakt
  • hochwertige Verarbeitung
  • durchdachtes Bedienkonzept
  • klar ablesbares Display
  • alle relevanten Schnittstellen
  • erstaunlich musikalischer Vortrag
  • detailreicher natürlicher Klang
  • wertige Fernbedienung
  • intelligentes Power-Managment der Endstufe

The Bad

  • keine herkömmlichen Lautsprecher-Schraubklemmen
9 Klang
9 Bedienung
9 Design
9 Preis/Leistung

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