Foto © Michael Holzinger - sempre-audio.at

Linn attestiert: MQA is bad for music

Dass die Zweifel rund um das viel gehypte MQA immer größer werden, lässt sich nicht länger ignorieren. Nun wagt sich mit Linn eine weitere führende HiFi-Schmiede aus der Deckung und legt in einem ausführlichen Blog-Beitrag dar, dass man MQA gar nichts abgewinnen könne, mehr noch, es sogar als bedenklich empfindet, was sich derzeit rund um MQA abzuzeichnen scheint.

Kurz gesagt...

Alles andere als die perfekte Lösung für die Distribution von Hi-Res Inhalten sieht Linn im hoch gepriesenen MQA, vielmehr meint man, dass es äußerst bedenklich sei, was sich derzeit rund um MQA abzeichne.

Wir meinen...

Dass ausgerechnet Linn nun vorprescht, und MQA eine klare Absage erteilt, darf nicht allein darauf beschränkt werden, dass Linn natürlich in direkter Konkurrenz zu Meridian Audio Ltd. steht. Dazu ist das schottische Unternehmen zu lange und zu erfolgreich im Business, weiss wohl, dass man sich mit Mitbewerbern für ein gemeinsam gewinnbringendes Ziel arrangieren muss. Vielmehr sind es schlagkräftige Argumente, die Linn nunmehr in einem sehr lesenswerten Blog-Eintrag vorbringt, und die die Schotten zu der Schlussfolgerung führen, „MQA is bad for music“, und in der derzeitigen Form wohl für die Branche insgesamt.

Von Michael Holzinger (mh)
13.02.2017

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Seit Anbeginn an gibt es rund um all die Versprechungen zu dem hoch gepriesenen MQA massive Zweifel, die bis heute keineswegs ausgeräumt werden konnten. Wer ein wenig hinter die von Bob Stuart aufgebaute Hochglanz-Kulisse blickt, wird rasch feststellen, dass da tatsächlich sehr viele essentielle Fragen offen sind, allen voran technischer, ebenso aber vermarktungstechnischer Natur. Dennoch ist es geradezu erstaunlich, wie effektiv das seit Jahr und Tag massiv betriebene Marketing rund um MQA bereits Früchte trägt und ein durchwegs positives Gesamtbild erwecken konnte. So war die Resonanz, die wir in den letzten Tagen auf Grund unseres Kommentars zu MQA erhielten, wirklich bemerkenswert. Prall gefüllt war unser Email-Postfach mit teils zustimmenden, teils kritischen, teils gar richtig erbosten Kommentaren ob unserer geäußerten Fragen.

Das zeigt, wie kontrovers sich die Diskussion rund um MQA insgesamt darstellt, wobei Kritiker bislang eher nicht ernst genommen wurden, dies muss klar festgehalten werden, selbst wenn sie mit sehr fundierten Argumenten auftraten.

Da erstaunt es umso mehr, dass sich nunmehr etwa nach AURALiC Ltd. mit Linn Products Ltd. eine weitere renommierte HiFi-Schmiede und noch dazu ein bestens beleumundetes Label zu Wort meldet, und seine Ansichten zu MQA ganz deutlich artikuliert. Und eins vorweg, Positives kann man in Schottland MQA offensichtlich nur wenig, nein, eigentlich gar nichts abgewinnen, wie es scheint. Man geht sogar soweit zu behaupten, dass hier eine klare Fehlentwicklung stattfinde, und bringt es mit „MQA is bad for music“ auf den Punkt.

Interessant dabei ist vor allem, dass Jim Collinson, der diesen Beitrag für Linn verfasste, explizit nicht auf irgendwelche technischen Aspekte eingeht, die ja bislang bei der Kritik rund um MQA im Mittelpunkt standen. Vielmehr konzentriert sich Collins auf die rein wirtschaftlichen Aspekte, die MQA mit sich bringt, und die, so der Verfasser, alles andere als rosig für die Industrie insgesamt sind, sondern einzig und allein MQA zugute kämen.

In besagtem Blog-Eintrag stellt Jim Collinson fest, dass MQA derzeit nicht mehr sei, als ein Major Label Venture, also eine Kooperation zwischen Warner Brothers und Meridian Audio Ltd. Ausführlich stellt der Verfasser dar, welche Intensionen seiner Ansicht nach dazu führen, dass allen voran diese beiden Unternehmen derart massiv danach trachten, dass MQA zum neuen „Standard“ werde. Es ginge letztlich um nichts anderes, als die so genannte Supply Chain vom Anfang bis zum Ende vollständig unter Kontrolle zu haben, sein Fazit ist gar, dass sich hier ein Monopol aufbaue.

Besonders eindringlich skizziert er im Anschluss, was dies alles tatsächlich bedeute, nämlich eine lukrative Geldquelle für MQA in allen Gliedern der Kette, beginnen beim Studio, bis hin zu den Abspielgeräten des Konsumenten.

Ein weiterer wesentlicher Punkt sei aus Sicht von Linn, dass MQA zwar damit werbe, keine DRM-Systeme zu nutzen, um damit potentielle Kunden nicht zu abzuschrecken. Tatsächlich sehe MQA aber vor, dass nur ein an allen Stellen der Verwertungskette „bezahltes“ File auch tatsächlich als MQA-gerecht markiert werde. Da man MQA aber so bewerbe, als wäre dies ein untrügliches Qualitätssiegel, würden somit unweigerlich alle anderen Daten ohne MQA als schlechter gebrandmarkt, selbst wenn es sich um ein unangetastetes Hi-Res File in höchster Auflösung direkt aus dem Mastering-Studio handle.

All der Hype rund um MQA und den dadurch aufgebauten Druck auf Software- als auch Hardware-Anbieter, führe letztlich dazu, dass MQA geradezu in den Markt gepresst werde, aber irgendwer, so Linn, müsse dafür am Ende des Tages die Rechnung bezahlen. All die Lizenzgebühren, die in der langen Kette immer und immer wieder für MQA fällig werden, müsse irgendwer auf sich nehmen, und das sei entweder der Musiker, der noch geringere Einnahmen mit seinen Werken erzielen könne, oder der Konsument, der für MQA-zertifizierte Hardware und Aufnahmen in MQA mehr zahlt.

Und ob dies tatsächlich dafür stehen würde, diese Frage ließ MQA bislang unbeantwortet.

Aus der Sicht von Linn sei es also höchst an der Zeit, sich Gedanken über Alternativen zu machen, Alternativen, die frei von Lizenzgebühren seien. Lizenzgebühren, die letztlich nur einem nutzen, für die aber „alle“ zu zahlen hätten. Schon in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass ähnliche Versuche wie etwa die Super Audio CD, kurz SACD, zum Scheitern verurteilt waren, und sich nur Technologien durchsetzen konnten, die tatsächlich technische Probleme auf breiter Front lösen, und über die nicht nur einer allein die Schirmherrschaft hat.

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