MQA - HIGHRESAUDIO will Diskussion auf sachlicher Ebene forcieren

Steht mit MQA wirklich der sprichwörtliche Stein der Weisen zur Verfügung und gehen wir in eine Zukunft mit audiopiler Musik-Wiedergabe für „alle“, oder aber ist es viel Lärm um nichts? Diese Frage bewegt die Branche, wobei klare Antworten bislang nicht gefunden werden konnten. Dies liegt wohl auch daran, dass diese Diskussion derzeit vor allem auf emotionaler Ebene, denn auf Basis nüchterner Fakten geführt wird.

Kurz gesagt...

Kaum nimmt das von MQA Ltd. entwickelte Format MQA halbwegs Fahrt auf, sorgt es für eine überaus emotional geführte Diskussion. Dabei würde ein genauerer Blick auf die Fakten durchaus Klarheit schaffen. Keiner will MQA verteufeln, selbst die schärfsten Kritiker nicht. Es gelte nur, ein paar Dinge klar zu stellen und aufzuzeigen, was MQA kann, und was nicht..

Wir meinen...

Es ist höchst an der Zeit, bei der Diskussion rund um MQA die rein emotionale Ebene zu verlassen, und sich kritisch mit dem für und wider dieser neuen Technologie auseinander zu setzen. Dabei hilft es wenig, den kritischen Stimmen per se Eigennutzen zu unterstellen. Klar, jedes Unternehmen handelt aus Eigennutzen, was denn auch sonst? Das gilt somit auch für Bob Stuart und MQA Ltd., gilt für die Kritiker ebenso wie für die Verfechter. Es geht ums Geld, und zwar das Geld von uns Konsumenten. Also sollte es im ureigensten Interesse des Kunden sein, sich wirklich kritisch frei von Emotionen mit der Sache auseinander zu setzen, um daraus die Vor- und Nachteile für sich selbst heraus zu finden, und seine Einschätzung entsprechend treffen zu können.

Von Michael Holzinger (mh)
07.03.2017

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Es ist eine überaus kontroviersielle Diskussion, die nunmehr rund um MQA auf immer breiterer Front stattfindet. Unterstützer als auch Kritiker überschlagen sich geradezu mit Argumenten, die für, oder die gegen diese neue Technologie aus dem Hause MQA Ltd. sprechen. Genauso gespalten zeigt sich, fast schon verständlicherweise, die Konsumentenseite.

Dennoch, ganz offen gesagt war die sempre-audio.at Redaktion wirklich überrascht, dass wir mit unserer ausführlichen kritischen Betrachtung Anfang Februar 2017 treffsicher einen wirklich wunden Punkt trafen. Die Reportage löste derart heftige Reaktionen an Zuspruch aber auch Kritik aus, und trug letztlich - das ist überaus erfreulich - ganz maßgeblich dazu bei, dass hierzulande die gesamte Diskussion rund um MQA in den letzten Wochen eine derartige Dynamik aufnahm.

Eine offene Diskussion ist immer gut, speziell wenn es sich um tiefgreifende Entwicklungen handelt. Und glauben Sie uns, wir können recht gut mit Kritik umgehen, freuen uns gar darüber, denn nur so können auch wir uns verbessern, und unser Angebot für Sie, werte Leser, stets optimieren. Was uns aber wirklich erschreckte war, auf welch emotionaler Ebene diese Diskussion teils geführt wurde, wir uns teils Vorwürften fernab jedweder nachvollziehbaren Fakten ausgesetzt sahen.

Dabei verfolgt sempre-audio.at MQA seit Anbeginn an, lieferte verlässlich alle Neuheiten bei Partnerschaften und Produkten, die sich rund um dieses Thema drehten. Und neben zahllosen sehr euphorischen Aussagen verschiedenster Branchen-Vertreter fanden sich daruter aber auch von Anbeginn an kritische Stimmen, die die Einschätzung von MQA Ltd. mit MQA ein neues revolutionäres Format entwickelt zu haben, dass die gesamte Branche revolutionieren könne, eben nicht teilten. Doch diese Stimmen wurden großteils offensichtlich ignoriert, im Mittelpunkt standen allein die Versprechungen, die MQA Ltd. abgab.

Als sempre-audio.at jedoch diese kritischen Anmerkungen zusammen fasste, war der Aufschrei groß. Das wirklich erschreckende aus unserer Sicht war dabei, um dies nochmals zu unterstreichen, dass besagter Aufschrei vielfach nicht auf Fakten basierte, sondern allein auf zutiefst emotionaler Ebene stattfand. Teils waren Reaktionen darunter, dass wir der Branche durch derart kritische Berichterstattung Schaden zufügen, es sei nicht unsere Aufgabe, etwas „schlecht zu reden“. Mit Verlaub, das haben wir nicht getan. Und wir verstehen unsere Aufgabe sehr wohl darin, eine Thematik allumfassend von allen Seiten zu beleuchten, sodass letztlich der Leser sein eigenes Resümee, sein eigenes Fazit ziehen kann. Klar, auch wir wollen möglichst viele Menschen für tunlichst hochwertige Lösungen und den Genuss auf hohem Niveau begeistern, aber als williges Sprachrohr der Industrie verstehen wir uns sicher nicht. Kritische Berichterstattung, das ist unser Handwerk!

Ähnlich erging es übrigens auch der renommierten schottischen HiFi-Schmiede Linn, als diese sich aus der Deckung wagte, und ihre wahrlich sehr kritische Betrachtung rund um MQA publizierte. Man handle nur aus Eigeninteresse, so der unmittelbare Vorwurf, mit dem sich Linn konfrontiert sah.

Natürlich handelt Linn bei einem derartigen Statement aus Eigeninteresse, schließlich geht es letztlich um eine Entwicklung am Markt, die tiefgreifende Auswirkungen für alle haben kann, genau dies ist ja auch das Versprechen von MQA Ltd. Es geht also letztlich um handfeste finanzielle Interessen, für Linn, und für alle anderen Anbieter in diesem Segment.

Was dabei aber völlig ignoriert wird ist, dass ja auch MQA Ltd. allein aus ureigensten Interessen danach strebt, MQA zum neuen „Standard“ für die Musik-Distribution zu erheben. Es geht um Geld - Punkt! Und zwar um viel Geld, denn setzt sich MQA wie von seinen Initiatoren geplant durch, ist an jedem Glied der Verwertungskette Lizenzgebühr fällig. Wer da behauptet, MQA Ltd. hätte nicht massive Interessen das Format zu pushen... Dass dies beim Mitbewerb nicht immer gut ankommt, liegt wohl auf der Hand, und wenn dieser dann seine Argumente gegen diese Entwicklung darlegt, kann man sich ja damit auseinander setzen, aber diese ohne eine kritische Betrachtung gleich vorweg als „Retourkutsche“ gegen den „verhassten“ Mitbewerber abzutun, ist nicht wirklich zielführend.

Auch der führende Online-Anbieter von Hi-Res Audio-Daten, das Berliner Unternehmen HIGHRESAUDIO geriet sofort ins Visier der Verfechter von MQA, als man vor wenigen Tagen verkündete, ganz und gar nicht mit der Entwicklung rund um das Thema MQA, allen voran dessen Darstellung in der Öffentlichkeit und der Vermarktung einverstanden zu sein. Zumal HIGHRESAUDIO gar soweit ging, das komplette Angebot an MQA-Inhalten vorerst aus dem Programm zu nehmen.

Sofort sah sich auch Lothar Kerestedjian mit dem Vorwurf konfrontiert, allein eigene Interessen zu verfolgen. Mit Verlaub auch hier nochmals die Frage: welche Interessen sollte ein seriöser Unternehmen denn sonst verfolgen, als die Interessen seines Unternehmens? Und ja, allen voran HIGHRESAUDIO galt über Monate hinweg als ein engagierter Unterstützer für das Konzept von Bob Stuart, unterstützte MQA Ltd. gar auf ganz besondere Art und Weise. Und ja, man mag auch ein wenig persönliche Enttäuschung unterstellen, diesen Eindruck konnten auch wir im persönlichen Gespräch mit dem Managing Director von HIGHRESAUDIO gewinnen, aber dies ist, gerade in Anbetracht seines bisherigen Engagements in „der Sache“, eigentlich nur allzu verständlich.

Der Schritt, nunmehr mit der Erfahrung gewonnen aus den letzten Monaten intensiver Zusammenarbeit mit MQA Ltd. an die Öffentlichkeit zu gehen, gar vorerst das Angebot an MQA-Daten aus dem Produktportfolio zu nehmen, darf aber keineswegs als „schlechtmachen“ neuer Entwicklungen verstanden werden, vielmehr sollte man darin ein weiteres Warnsignal sehen, dass eventuell eine Entwicklung stattfindet, die der Branche auf lange Sicht nicht wohl bekommen könnte. Und genauso ist wohl auch das Statement von Linn zu beurteilen, sofern man sich wirklich kritisch damit auseinander setzt, und nicht geradezu reflexartig alles ablehnt, was das eigene positive Bild trüben könnte.

Es ist also höchst an der Zeit, die Diskussion weg von der emotionalen Ebene auf eine sachliche Basis zu stellen. Genau dies will nun Lothar Kerestedjian unterstützen, in dem er Fakten liefert, die seine Sicht der Dinge unterstreichen sollen.

Gemeinsam mit Dipl. Ing. Stephan Hotto von der XiVero GmbH erarbeitete man ein wirklich sehr, sehr ausführliches Statement (PDF-Download "MQA Technical Analysis Hypotheses Paper"), das den aktuellen Wissenstand rund um MQA auflistet, und anhand dessen versucht aufzuzeigen, wo aus der Sicht der Verfasser die wesentlichen „Knackpunkte“ liegen.

Gleich zu Beginn dieses Statements betonen die Verfasser übrigens ausdrücklich ihre Wertschätzung für Bob Stuart und seine Entwicklungsarbeit rund um MQA.

We have the highest respect for J. Robert Stuart who is the inventor of numerous audio technologies driven by Meridian Audio Limited.

Es geht also überhaupt nicht darum, eine Entwicklung zu torpedieren, sondern vielmehr etwaige Fehlentwicklungen aufzuzeigen, und diese im Sinne aller zu korrigieren. Allerdings findet Lothar Kerestidjian durchaus sehr klare Worte. So hebt er hervor, dass man in der mit Dipl. Ing. Stephan Hotto erstellten Analyse klar belegen könne, dass MQA ein „lossy Format“ sei. Dies sei der auslösende Grund dafür gewesen, die Geschäftsstrategie rund um MQA so radikal zu ändern.

„Ich habe MQA letzte Woche aufgefordert, die Marketing-Kommunikation in Richtung Endverbraucher und Media zu korrigieren. Solange MQA nicht die Fakten gerade rückt, werden wir auch kein MQA mehr anbieten. Der Kunde muss wissen, wofür er teuer bezahlt, und wir müssen technisch prüfen können, was wir anbieten und verkaufen. Wenn diese Parameter stimmen, können wir unseren Kunden vermitteln, wofür sie mehr Geld ausgeben und nur dann werden wir ausschließlich „Authenticated MQA" wieder anbieten. Das heisst, wie in 2016 Studio Master für MQA kodieren, wo wir die Herkunft der Quelle prüfen und nachvollziehen können. Also von Mastering Studios, die MQA im Produktionsprozess verwenden und signieren.“

Ausdrücklich betont der Managing Director von HIGHRESAUDIO zudem, dass es aus seiner Sicht besonders wichtig sei, das Vertrauen der Kunden nicht zu enttäuschen. Das Vertrauen der Kunden sei geradezu essentiell, um sich erfolgreich am Markt bewähren zu können.

„Egal ob Download oder Streaming. Die Wahrnehmung und Erwartungshaltungen beim Kunden sind eine andere. Wir können nicht HighRes verkaufen, wenn nicht HighRes drin ist. Wir sind in einer sehr sensiblen Nische in der Musikindustrie. Für unsere Kunden ist Qualität, Vertrauen und Zuverlässigkeit das oberste Gebot.“

Auch für Lothar Kerestedjian dürfte es überraschend gewesen sein, dass seine kritischen Fragen derart emotional aufgenommen wurden, zumal er diese mit Fakten zu untermauern versuchte. Auch er stellt daher die Frage:

„Bin ich jetzt der Bösewicht? Nein, ich möchte, dass wir weiterhin in der Nische Kunden native und originale hochauflösende Musik anbieten. Es gibt genügend Menschen und damit Kunden, die sich täglich danach sehnen, hochwertig Musikquellen zu beziehen. Der HighResAudio-Markt wäre schon viel größer und schneller gewachsen, wenn das Bewusstsein bei den verantwortlichen der Musikindustrie auf unsere Zielgruppe hin ausgerichtet bzw. mit berücksichtigt sein würde. Wir sind seit 2010 Einzelkämpfer auf breiter Front. Unsere Mission: Musikliebhabern, Künstlern, HiFi-Enthusiasten und Herstellern von Audiogeräten, eine neue Perspektive im digitalen Zeitalter für die perfekte Musikreproduktion für ein einzigartiges Hörerlebnis  zu schaffen.“

Etwas ernüchternd fällt das bisherige Resümee aus Sicht von Lothar Kerestedjian aus.

„Last but least: wir bieten nun MQA seit April 2016 mit ca. 250 ausgewählten attraktiven audiophilen Aufnahmen an. Aber mehr als 1% vom Gesamtumsatz erreicht MQA nicht - auch nicht mit Warner Music im Januar und Februar 2017 mit an Bord.“

Wer sich sehr, sehr genau mit der Thematik MQA auseinander setzen will, dem empfehlen wir nochmals eindringlich, sich die Zeit für die Lektüre des Statement (PDF-Download "MQA Technical Analysis Hypotheses Paper") zu nehmen. Es liefert weitere Fakten, um sich mit dem Thema auf sachliche Art und Weise auseinander zu setzen. Klar, HiFi an sich ist ein zutiefst emotionales Hobby, keine Frage. Aber spätestens wenn sich für uns Kunden die Frage stellt, in welche Technologie, in welche Hardware es zu investieren gilt, welche der unterschiedlichsten Formate man bei Musik kauft, dann sollten all diese Fragen wohl besser auf rationaler Ebene entschieden werden.


Und wenn die nunmehr initiierte Diskussion dazu führt, dass rund um MQA mehr Klarheit entsteht, eine Strategie gefunden werden kann, die möglichst viele am Markt mittragen können, dann hat die Branche insgesamt gewonnen. Es dürfte aber feststehen, dass MQA allen voran bei reinem Streaming von Interesse ist, und auch dies nur bedingt zukunftssicher. Schließlich wachsen die zur Verfügung stehenden Bandbreiten seit Jahr und Tag ständig, und es ist hier kein Ende absehbar. Irgendwann, und da sprechen wir gar nicht von der fernen Zukunft, wird es schlicht kein Problem mehr sein, Hi-Res Audio auch in voller Qualität, ohne verlustbehaftete Kompression zu Streamen.

Zudem, und auch dies sei an dieser Stelle angeführt, zeigt das erwähnte und verlinkte Dokument bereits Alternativen auf, die defakto bereits jetzt zur Verfügung stehen. Und zwar basierend auf offenen, etablierten und vor allem lizenfreien Formaten, wie etwa einem effektiv arbeitenden Algorithmus rund um FLAC. Stichwort: XiFEO.

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