Marshall Hanwell - Satter Sound aus Smartphones fürs Wohnzimmer...

Seit Mitte der 60er Jahre gelten Verstärker von Marshall geradezu als Inbegriff für Blues, Rock&Roll, Rock und Pop, nein, sie sind vielmehr ein Fixpunkt auf Bühnen und in Studios, der die verschiedensten Genres eint, und sie genießen einen ebenso legendären Ruf, wie etwa Gitarren von Fender, Gibson oder Rickenbacker. Diesen Zauber will Marshall mit dem Marshall Hanwell ins Wohnzimmer bringen, und zwar nicht für Gitarren, sondern für mobile Devices wie etwa Smartphones und Tablets.

Von Michael Holzinger (mh)
12.12.2012

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Im Jahr 1960 gründete Jim Marshall in einem Vorort Londons ein Geschäft spezialisiert auf Schlagzeuge, das er sukzessive um weitere Musikinstrumente, darunter natürlich auch Gitarren und entsprechende Verstärker ausbaute. Bald befasste sich Jim Marshall aber auch mit dem Bau von Verstärkern, wobei einer seiner Angestellten, Ken Bran, hierbei die Vorreiterrolle einnahm. So entstand im Jahr 1962 der erste Röhrenverstärker mit dem längst legendären Schriftzug an der Front, wenngleich erst im Jahr 1964 der so genannte „Bluesbraker“ entstand, ein so genannter Combo-Verstärker, der durch Künstler wie Eric Clapton zu Ruhm und Ehren gelangte. Ende der 60ger Jahre folgte das erste so genannte Marshall Stack, an dessen Entwicklung etwa Pete Townshend von The Who mitwirkte und dessen „Nachfolger“ nach wie vor so manche Bühne zieren. Nicht zuletzt bei Bands wie etwa AC/DC finden sich wahre Verstärker-Türme, geradezu eine Phalanx mit dem berühmten Emblem hinter den Musikern.

Kurzum, das englische Unternehmen Marshall feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag und begeht dieses Jubiläum unter anderem mit einem Produkt, das durchaus an die zuvor in aller Kürze skizzierten Geschichte erinnern soll. Es ist sogar als Reminiszenz an die ersten Combo-Verstärker aus dem Hause Marshall gedacht, die, wie einleitend erwähnt, im Vorort Londons, in Hanwell gefertigt wurden. Wenngleich, die Zielgruppe als auch der Einsatz dürften ein völlig anderer sein.

Marshall Hanwell, so die Bezeichnung dieses neuen Produkts, hat nämlich zumindest prinzipiell nichts im Proberaum zu suchen, es wird sich wohl auch auf keiner Bühne finden und wohl kaum in Tonstudios zum Einsatz kommen. An der neuen Lösung aus dem Hause Marshall werden auch keine Gitarren vom Kaliber einer Rickenbacker, Fender oder Gibson angeschlossen, sondern vielmehr mobile Devices wie etwa Smartphones und Tablets.

Marshall Hanwell, das ist also zunächst ein dem Marshall Combo nachempfundenes Aktiv-Lautsprecher-System, das mit Abmessungen von 435 x 193 x 297 mm aber doch eine Spur kleiner ausgefallen ist, als so manch „richtiger“ Marshall Amp und es dennoch auf ein Gewicht von immerhin 10,5 kg bringt. Natürlich ist das Gehäuse stilecht aus Sperrholz gefertigt und mit einem schwarzem, auf „Leder“ getrimmten Überzug aus Vinyl versehen. Die Front ziert der ebenfalls typische Stoffbezug mit zentral angebrachtem Schriftzug des Herstellers und eingerahmt von einer in Gold gehaltenen Ziernaht.

Dahinter verbergen sich zwei 6 Zoll Langhub-Treiber für die tiefen und mittleren Lagen sowie zwei so genannte Ferrofluid-gekühlte Hochton-Treiber. Diese werden von einem Verstärker mit einer Leistung von insgesamt 100 Watt befeuert und sollen nach Herstellerangaben einen Frequenzbereich zwischen 35 und 20.000 Hz abdecken. Nicht ganz konsequent umgesetzt präsentiert sich die Oberseite des Geräts, denn hier steht ein 3,5 mm Stereo Mini-Klinkeneingang sowie ein Lautstärke-, Bass- und Höhenregler zur Verfügung, die in Form eines leicht versenkten, natürlich in typischem Schwarz und Gold gehaltenen Bedienfeld ausgeführt sind. Auch ein Kippschalter für die Inbetriebnahme steht hier zur Verfügung. Konsequent wäre es gewesen, wenn hier ein Tragegriff zu finden wäre und das Bedienfeld an der Front seinen Platz gefunden hätte. Dies wäre ja bei einem aktiven Lautsprecher-System dieser Größe durchaus naheliegend...

Leider verzichtet Marshall beim Marshall Hanwell auch auf einen Röhren Verstärker, dennoch soll sich das Aktiv-Lautsprecher-System durch den typischen Marshall-Sound mit satten Bässen, präsenten Mitten und durchaus „scharfen“ Höhen auszeichnen. „Sharp and clear, like sitting front row“ verspricht das Unternehmen vollmundig.

Wirklich stilecht soll auch das im Lieferumfang enthaltene Anschlusskabel für mobile Devices sein. Dieses ist als Spiral-Kabel ausgeführt und weist an beiden Enden 3,5 mm Stereo Mini-Klinkenanschlüsse auf.

Das Audio-System für mobile Devices anlässlich des 50jährigen Firmenjubiläums von Marshall wird vom englischen Unternehmen im Rahmen des bereits seit einiger Zeit offerierten Kopfhörer-Brands, Marshall Headphones angeboten und ist ausschließlich bei ausgewählten Händlern, in erster Linie aber direkt beim Hersteller auf dessen Webseite erhältlich. Das System Marshall Hanwell soll auf insgesamt 10.000 Stück limitiert sein, wobei eine spezielle Plakette mit eingeprägter Seriennummer darauf hinweist. Der empfohlene Verkaufspreis beträgt € 800,-. Für den Versand kommen nochmals € 50,- hinzu.

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