Martin Vatter „Klangbilder 2“

Die Klangbilder 2 ist eine klangliche Leistungsschau, was eine Direktaufnahme ohne Limiter und Kompressoren zu leisten vermag. Ein Solopiano, gespielt von einem Weltkünstler, im so genannten „Life to Track Recording“ Verfahren. Das Ergebnis sind eine enorme Dynamik-Bandbreite und Klangfarben mit Ausnahmestatus.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
18.06.2012

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Dynamic Range DR13Die vorliegende, aktuelle CD „Klangbilder 2“ von Martin Vatter ist ein Werk, das mich doch recht lange ratlos vor der Anlage sitzen ließ. In Kategorien einteilen - soll ich etwa wirklich kategorisieren? Wird das der Kunst gerecht? Vermutlich ja, aber ich habe offen gestanden gar keine Muse, derartige Abhandlungen und Betrachtungen zu schreiben. Denn, auch wenn ich glaubte, meinen Zugang zu Martin Vatter gefunden zu haben, ich bin nun doch wieder ratlos. Es ist nun gut sieben Wochen her, dass ich ein kleines Briefpäckchen mit der CD erhielt, und heute soll es soweit sein. Ich schreibe meine persönliche Meinung zu dieser wunderbaren Musik, die mich doch ganz schön vor sich her trieb und mit meinen Gefühlen spielte.

Der deutsche Pianist Martin Vatter präsentiert sein Werk „Klangbilder 2“ welches dem Expressionisten Franz Marc aus München gewidmet ist. Es ist gerade das umfassende Verständnis für Farbenspiele und deren Charaktere des Franz Marc, das Martin Vatter mit viel künstlerischen Einfühlungsvermögen nachzeichnet und dem aufgeschlossenen Zuhörer präsentiert. Es ist die Einladung zum Entdecken, denn auch der unverkennbare Stil Martin Vatters am Piano ist gewaltig und variantenreich zugleich, und stellt mit der Virtuosität des Klavierspieles eine würdigen Rahmen für die Werke des Franz Marc dar. Fast mag man sich etwas an Keith Jarrett erinnert fühlen.

Die CD „Klangbilder 2“ präsentiert dem Zuhörer und Musikliebhaber vier Titel auf gesamt etwas mehr als 22 Spielminuten. Wenig? Mag richtig sein. Jedoch kommt es nicht auf die Quantität an, sondern auf das geniale Zusammenspiel zwischen der Regie des MBL Chefentwicklers Jürgen Reis und dem klangfarbenstarken Konzertflügel Steinway & Sons Modell D, und der Tatsache dass auf den Einsatz eines Limiters und Kompressoren verzichtet wurde. Eine Aufnahme, die federnd leicht und tendenziell warm und mit einer atemberaubenden Dynamik durch die Klanglandschaft führt. Dennoch wird man der besonderen Aufnahme nicht gerecht, wenn man sich auf das Equipment, so gut es auch ist, beschränkt. Die spielerische Weltklasse Martin Vatters zeichnet für ein weiteres Attribut verantwortlich, welches nicht sehr viele Musiker beherrschen. Die „Klangbilder 2“ wurden im sogenannten „Direktschnittverfahren“ erstellt, oder auch „Live to Track Recording“ im Englischen. Das bedeutet, dass der Künstler das Musikstück in einem Stück durchspielt und dies unmittelbar aufgenommen wird. Kein Schneiden, und auch keinerlei nachträgliches Bearbeiten. Hier bestätigt sich einmal mehr die These, dass „weniger oftmals mehr“ ist. Gerade bei einem Solo-Piano, denn so minimalistische Produktionen sind in ihrer Fragilität besonders anfällig für technische Fehler, zeigt sich die Fertigkeit an den Tasten und auf der anderen Seite, der Aufnahmetechnik.

Martin Vatter steckt sehr viel Liebe in sein Album. Selbst das Booklet ist von außergewöhnlicher Qualität. Auf gut 20 Seiten vermittelt er Informationen zu den Bildwerken des bereits 1916 verstorbenen Malers. Es empfiehlt sich, vor dem Hören der CD das Booklet zu studieren, die Begleittexte zu den Werken genießen, und auf klangliche Entdeckungsreise zu gehen. Martin Vatter vertonte vier Gemälde von Franz Marc: „Springendes Pferd", „Rote Rehe II", „Frau im Wind am Meer" und "Kleine Komposition IV".

Aus Sicht der Kunst muss man das Werk als zart und einfühlsam beschreiben. Die Klangwelten entstehen im Kopf des Zuhörers, und werden von einem authentischen und sehr natürlich wirkenden Klangbild umrahmt. Das Werk erzeugt Stimmung und Gefühle, welcher man sich nur schwer entziehen kann, wohl der unglaublichen Sensibilität des Ausnahmepianisten Martin Vatter geschuldet. Das Klavier steht in seiner vollen Größe im Hörraum, während Martin Vatter schon fast zum Greifen vor dem geistigen Auge entsteht, während die Rehe und die springenden Pferde des Künstlers Franz Marc im Hintergrund tollen.

Vielen Dank Martin Vatter, für dieses Werk, welches sich nachhaltig in meinem Inneren verankert hat und mich ab und an mal den Alltag den Berufsstress vergessen lässt. Damit möchte ich die eingangs erwähnte Ratlosigkeit aufklären. Es gibt Musik, die gefällt und eben nicht gefällt. Es gibt aber auch Musik, die das Herz berührt, sogar über die unglaublich vielen Genres hinweg. Abschließend erlaube ich mir, ein Zitat von Martin Vatter anzuführen, das dessen Philosophie rund um sein Schaffen ausdrückt und das Album bestens beschreibt: „Ich glaube, dass Musik, die aus dem Innersten kommt, nur eine Art “Verschmelzung” dessen sein kann, was man bisher erlebt und gelebt hat.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Übrigens, dieses Album gibt es nicht nur auf CD, sondern ebenso als hochauflösenden Download bei entsprechenden Anbietern.

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