Meridian Audio kündigt MQA an - Neudefinition von High-res Audio?

MQA wird schlichtweg alles im Zusammenhang mit High-res Audio-Daten ändern, zeigt sich die englische HiFi-Schmiede Meridian Audio überzeugt. Nie sei man näher am Original wie es im Studio aufgenommen wurde gewesen, als es mit MQA für „jedermann“ zugänglich ist.

Kurz gesagt...

Nicht weniger als die Neudefinition von High-res Audio soll die Technologie Master Quality Authenticaded, kurz MQA von Meridian Audio darstellen.

Wir meinen...

Es sei nicht weniger als eine Revolution, verkündet Meridian Audio anlässlich der offiziellen Präsentation von MQA, einem neuen Kodierungsverfahren, das die Musik-Distribution auf gänzlich neuem Qualitätsniveau erlauben soll. Selbst Streams und Downloads in "CD-Qualität" würden damit annähernd Studio Master-Qualität erzielen, also auf ein gänzlich neues Niveau gehoben werden, gleichzeitig aber nicht mehr an Bandbreite oder Speicherkapazität benötigen. Besonders bemerkenswert: Man setzt auf das PCM-Format und somit Daten wie FLAC, WAV, AIFF oder ALAC, und garantiert volle Abwärtskompatibilität.

Von Michael Holzinger (mh)
05.12.2014

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Dass die englische HiFi-Schmiede Meridian Audio an etwas ganz Großem arbeitet, dies war bereits seit geraumer Zeit zu vernehmen, ebenso, dass es irgendetwas mit der Art und Weise, wie Musik in einer vernetzten, mit der IT verbundenen Welt vertrieben und genutzt wird zu tun hat, ebenfalls. Was es allerdings genau sein wird, dies wird erst allmählich klar, denn Meridian Audio plant hier nicht weniger als eine Revolution.

Und wie es mit Revolutionen so im Allgemeinen ist, hängt das Gelingen von vielerlei Faktoren ab. Ebenso ist es hier. Denn eine neue Technologie zu entwickeln, und sei sie auch noch so bahnbrechend, ist nur der erste Schritt, wirklich maßgeblich ist dann aber allen voran, wie diese Neuerung auch tatsächlich umgesetzt werden kann, und letztlich wie diese von allen Beteiligten auch angenommen wird.

Und gerade im Zusammenhang mit MQA, so lautet die Bezeichnung dieser neuen Technologie von Meridian Audio, ist es eben nicht getan, dass das Technologie-Unternehmen aus England die entsprechende Vorarbeit bei der Entwicklung leistet, es ist geradezu essentiell, wie diese von der gesamten Industrie angenommen wird.

Da es sich um eine Technologie handelt, die keineswegs allein auf Produkte zum Abspielen von Musik in digitaler Form beschränkt ist, sondern tatsächlich die komplette Kette der Musik-Distribution, also von der Produktion bis hin zum Endkunden umfasst, gilt es für die englische HiFi-Schmiede natürlich, diesen vielfach doch recht behäbigen „Moloch“ in Bewegung zu setzen. Eine überaus ambitionierte Aufgabe also, die verständlicherweise nicht überhastet, sondern mit viel Bedacht angegangen werden muss.

Es ist also durchaus nachvollziehbar, dass Meridian Audio zunächst versucht, möglichst viele Partner mit ins Boot zu holen, um ein derart großes Unterfangen anzugehen.

Und dass es ein geradezu mächtiges Unterfangen ist, wird spätestens mit den Informationen klar, die nun als erste offiziell von Meridian Audio lanciert wurden.

So verspricht das Unternehmen, dass man sich mit MQA nicht weniger vorgenommen hat, als die Zukunft der Musik-Distribution maßgeblich mit zu bestimmen, und das Qualitätsniveau auf ein gänzlich neues Niveau zu heben. MQA ändere alles, ist man bei Meridian Audio überzeugt, und verspricht zudem, dass diese Technologie für „alle“ Musik-Liebhaber zugänglich sein soll, und somit ein bislang ungeahntes Qualitätslevel auf möglichst breiter Front mit sich bringt.

Aus Sicht der Engländer sei es über die Jahre hinweg mit der Qualität der Musik, natürlich aus rein technischer Sicht, konstant nach unten gegangen. So führt das Unternehmen etwa die Schallplatte als eins der besten Medien auf, der Niedergang begann jedoch mit der ohnedies längst dahin geschiedenen Cassette. Die CD führte zwar zu einer Qualitätsverbesserung, der letzte Peak war jedoch nach Ansicht von Meridian Audio mit der DVD-Audio, allen voran aber mit der Super Audio CD erreicht, dem ein dramatischer Niedergang durch Downloads und Streams folgte. Gleichzeitig stellen diese Technologien aber nach Ansicht von Meridian Audio den Höhepunkt beim Komfort für den Konsumenten dar, es gilt also, genau hier anzusetzen.

Es galt somit, den Komfort moderner Streaming-Lösungen, der Infrastruktur, bis hin zu den Geräten als Basis zu nutzen, und dafür eine Technologie zu entwickeln, die keinen wirklichen neuen „Standard“ darstellt, sondern zumindest rückwärtskompatibel ist. Genau dies soll MQA leisten können.

Es handelt sich um eine Kodierung, bei der allen voran auf das absolut perfekte Timing geachtet wird, und die das komplette Frequenzspektrum abdecken soll. Mit MQA kodierte Daten sollen somit nicht nur deutlich präziser sein, sondern vor allem auch deutlich mehr an Informationen enthalten als bisher. Dennoch setzt man dabei auf PCM, sodass bestehende Hardware als auch Softwware in der gesamten Kette zumindest im Prinzip gleich bleibt, und lediglich um den entsprechenden Algorithmus für Meridian Audio MQA erweitert werden muss. Damit ist klar, dass auch die gängigen Dateiformate weiterhin ihre Gültigkeit haben, selbst wenn sie auf MQA setzen. Einzige Voraussetzung ist, dass es sich um ein verlustfrei arbeitendes Format handelt. Damit wird sowohl WAV, AIFF, FLAC oder Apple Lossless unterstützt, hier ändert sich zumindest nichts grundsätzliches. Ist die Hardware oder auch Software mit Meridian Audio MQA ausgestattet, so kann sie direkt von MQA profitieren, und das neue Qualitätsniveau darbieten. Wie bereits erwähnt, bedarf es dazu keiner neuen Hardware an sich, sondern allein der entsprechenden Algorithmen. Vielfach wird dies also mit entsprechenden Updates erfolgen können. Ist eine Hardware oder Software nicht mit MQA ausgestattet, so wird einfach wie bisher „CD-Qualität“ geboten. Für den Konsumenten entstehen somit keinerlei Nachteile, selbst wenn er MQA-kodiertes Material nutzt, auch ohne über die Voraussetzungen dafür zu verfügen, besser, wenn er es hat.

Denn Meridian Audio verspricht nicht weniger, als selbst bei „Standard-Auflösungen“, also „CD-Qualität“, eine drastische Qualitätssteigerung, die annähernd das erlaubt, was bislang allein High-res Daten vorbehalten war. Gleichzeitig bleibt dabei natürlich die erforderliche Datenrate auf dem bisherigen Niveau. Streaming-Dienste und Downloads bleiben somit auch weiterhin in überschaubaren Dimensionen, sodass eine möglichst flexible Nutzung immer und überall ermöglicht werden soll. Absolut perfekt soll es bei tatsächlichen Studio Master-Daten sein, also so genannten High-res Dateien.

Wie bereits einleitend erwähnt, ist es natürlich eine Sache, eine derartige Technologie zu entwickeln, eine andere, diese auch bei allen für den Erfolg relevanten, und geradezu essentiellen Partnern durchzubringen. Und zwar auf möglichst breiter Front.

Hier ist etwa die gesamte Musik-Industrie gefragt, um entsprechende Inhalte zur Verfügung zu stellen, ein „Leichtes“ sind dann die entsprechenden Vertriebskanäle, sei es nun ein Download-Portal wie Apple iTunes, Streaming-Anbieter wie Qoubuz oder WiMP HiFi u.v.m., die ja wohl sehr begierig derartige Inhalte übernehmen werden, um ein weiteres Marketing-Instrument für ihre Angebote zur Hand zu haben. Deutlich komplexer wird die Sache schon bei den Produzenten und Entwicklern von Hardware und Software, denn ohne die geht auch rein gar nichts. All diese Aspekte gilt es zu bedenken, und ein entsprechendes Momentum zu generieren.

Meridian Audio ist dies aber durchaus zuzutrauen, schließlich war man unter anderem für die Entwicklung von Technologien wie MLP für DVD-Audio und Blu-ray als Teil von Dolby TrueHD verantwortlich, und hat auch darüber hinaus maßgeblichen Anteil an zahlreichen Entwicklungen auf der Technologieseite, die von der gesamten Industrie aufgegriffen wurden.

Bislang sind die Informationen darüber, wer nun aller mit ins Boot geholt werden konnte, also noch recht überschaubar, und Meridian Audio verweist diesbezüglich auf die in wenigen Wochen anstehende CES 2015 in Las Vegas. Dann will man weitere konkrete Ankündigungen folgen lassen…

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