Musical Fidelity Digital-Analog Wandler V90-DAC im Test

Heute müssen auch kleine Komponenten, wie der Testproband Musical Fidelity V90-DAC, erwachsen klingen und für ein überschaubares Budget mehrere Anschlussvarianten bieten können. Können die angemessen edel verpackten 600 Gramm auch klanglich überzeugen? Wir gehen der Frage nach.

Kurz gesagt...

Musical Fidelity startet mit dem Musical Fidelity V90-DAC im günstigen Preissegment. Wo sind die Stärken und Schwächen? Diese Fragen soll der Test des Musical Fidelity V90-DAC klären.

Wir meinen...

Ein Charakterdarsteller mit viel Potential über die Preisklasse hinaus. Reichlich Eingänge und ein schickes Gehäuse.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
23.09.2013

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Musical Fidelity Limited ist ein britisches Unternehmen, das in Wembley Middlesex in Großbritannien beheimatet ist, und deren Produkte hierzulande von Audio Tuning Vertriebs GmbH vertrieben werden. Ihr neuester DAC, der Musical Fidelity V90 DAC wird zu einem erfreulich günstigen Preis von € 280,- angeboten, und bildet somit die neue Einstiegslinie der Engländer.

Musical Fidelity entwickelt und fertigt ein breites HiFi- und High-end Sortiment seit bereits dreißig Jahren, und hat sich zu Recht einen exzellenten Ruf erarbeitet. Die feilgebotenen Verstärker-Dickschiffe sind legendär und auch die deutlich günstigeren Modellreihen der Engländer verheißen auch in den kleineren leistbaren Preislagen das Flair eines britischen High-end Herstellers. Die Produkt-Serien reichen von der minimalistischen Einsteiger-Klasse, der sogenannten V-Series, über die neue V90-Serie, bis hin zu den brachial gewaltigen Titan-Verstärkern. Musical Fidelity versteht es wie kein zweites Unternehmen ein straff durchstrukturiertes Portfolio zu präsentieren, das die obersten Ansprüche und Preislagen gleichermaßen erfüllt wie die preiswerten Lagen mit den charmanten kleinen V-Modellen.

Es ist ein berechtigter Gedankengang, auch in kleinen Komponenten einen erwachsenen Klang und eine praxisgerechte Ausstattung zu erwarten. Heute stellt sich der preiswerte Digital-Analog-Wandler V90-DAC zum Test. Die neue 90er Serie umfasst eine Phono-Vorstufe, einen Kopfhörer-Verstärker und eben unseren Probanden, einen Wandler für unsere modernen digitalen Medien, den V90-DAC.

Die erste augenscheinliche Weiterentwicklung gegenüber der sehr erfolgreichen V-Serie ist das neue Gehäuse, das im kleinen Rastermaß eine vollwertige Komponente darstellt. Eine Frontplatte mit kleinen Schaltelementen, und eine Rückwand, auf der alle Anschlusselemente Platz finden, lösen die „Schaltkastenoptik“ der Vorgänger-Version ab. Mit den Maßen von 170 Millimeter in der Breite, 102 Millimetern in der Tiefe und einer Höhe von 47 Millimetern, findet das Gerät auch in der kleinsten Ecke Platz. Dennoch ist das wertig und edel verarbeitete Gerät mit einem Gewicht von 600 Gramm viel zu schade um es zu verstecken. Der Hersteller legte großes Augenmerk auf die zur Vorgängerversion verbesserte Verarbeitung und dem neuen Komponentenlook. Die Stromversorgung wird mittels eines mitgelieferten Stecker-Netzteiles angemessen bewerkstelligt. Sinnvoll, denn ein diskret aufgebautes Netzteil hätte in der kleinen Behausung keinen Platz mehr gefunden. Darüber hinaus ist man auch fein raus, wenn es um das Thema Stromkabel gehen soll.

Aber auch die „inneren“ Werte vermögen zu überzeugen. Ausgestattet ist der Wandler neben einem RCA-(Cinch)-Ausgang zum analogen Anschluss an die HiFi-Anlage mit insgesamt vier digitalen Eingängen. Hier wären auf der Habenseite zwei optische Eingänge, ein koaxialer RCA-Eingang, sowie ein asynchroner USB-B-Eingang zu vermerken. Auf eine symmetrische Signalverarbeitung muss hier der Musikliebhaber verzichten. Das Herz des Wandlers ist als 32 Bit Schaltkreis aufgebaut und punktet nach Herstellerangaben mit geringsten Jitter-Werten, sowie geringsten Verzerrungen, welche mit <0,004% über den gesamten Übertragungsbereich sensationell gering ausfallen.

Die Übersprechdämpfung beträgt ebenfalls sensationelle -104 dB, wie auch der Dynamikumfang von 117 dB. Zu den eingesetzten Wandler-Chips macht der Hersteller keine Angaben. Gewandelt wird nahezu alles was moderne Quellen bereitstellen. 16 bis 24 Bit PCM Daten bis zu einer Samplingrate von 192 kHz bei der Verwendung der koaxialen Anschlussvariante, und bis 96 kHz bei Einspeisung über die optischen Eingänge. Die USB-B-Schnittstelle erlaubt hier einen asynchronen Datenfluss bis 24 Bit und 96 kHz. Spezielle Treiber sind weder für Microsoft Windows, noch für Apple OS X erforderlich. Anstecken, auswählen, und schon dient der PC bzw. Mac als hochwertige Quelle im HiFi-Verbund.

Einen großen Pluspunkt hat die kleine Portion Adrenalin gleich zu Beginn mit der Musical Fidelity typischen edlen Verarbeitung. Klein und preiswert bedeutet im Falle der Briten definitiv nicht billig. Der kleine Zusatz „Adrenalin“, ich lasse es ja schon durchklingen, lässt den Musikliebhaber auf ein selbstbewusstes Kraftpaket schließen. Klanglich hat es der „Kleine“ ganz schön dick hinter den Ohren. Natürlich ist der Wonneproppen klanglich ein kleines Meisterstück. Allerdings geht ihm, was die oberen Mitten und den Hochton betrifft, manchmal das Temperament durch. Nach dem Motto „hier komme ich“ präsentiert sich der kleine Filius hemdsärmelig und sehr selbstbewusst.

Die Klangbalance ist bis auf eine kleine Vorliebe für den Präsenzbereich sehr ausgewogen, und bietet ein enormes Potential was die Klangfarben betrifft. Eine gute Aufnahme kann hier nochmal einen kräftigen Schritt nach vorne machen, und durch eine detailreiche und gut „aufgestellte“ Bühne punkten. Weniger gnädig geht der kleine Musical Fidelity Spross hingegen mit nicht ganz so gelungenen Musikproduktionen um. Etwa das Pop-Sternchen C.C. Catch aus den späten 80ern eignet sich, über den Musical Fidelity wiedergegeben, hervorragend, um befreundete Gäste zu später Stunde sanft aber nachdrücklich zur Tür zu geleiten.

Diese schiere Detailflut, zu der der Wandler fähig ist, will überlegt eingesetzt werden, und kann auch mal bei Einsatz in nicht ideal passenden Anlagen-Aufbauten „falsch“ verstanden werden. Eine Paradedisziplin ist der feine aber nachhaltige Antritt im Bassbereich. Auch wenn der Wandler etwas an Kontur in den untersten Tiefbass-Bereichen vermissen lässt, so glänzen die Basslagen darüber mit einer Wucht und Präzision, die den Preis Lügen strafen und den Musikliebhaber gekonnt in den Sessel bannen, und wahre Freude vermitteln können.

Ich verbrachte doch eine geraume Zeit, um die scheinbaren Widersprüche aufzuarbeiten. Denn der augenscheinliche erste Eindruck muss nicht zwangsläufig der richtige sein. Auf der einen Seite vermerken wir die freche Forschheit im oberen Bereich des Klangspektrums, auf der anderen die sehr gute Mitten- und Stimmwiedergabe, und zuguterletzt der tolle und konturenscharfe Antritt im Bassbereich. Der kleine Musical Fidelity machte es mir wahrlich nicht leicht.

Meine geschätzte Amanda McBroom zeigte sich durchwachsen. Jederzeit stand das Füllhorn und Stimmwunder Amanda korrekt dargestellt auf der Bühne, geriet allerdings bei der Wiedergabe der lauten Passagen, als Amanda McBroom ihr aberwitzig schnelles und gewaltiges „Carusell“ schmetterte, doch an tonale Grenzen, allerdings ohne diese wirklich zu überschreiten. Der Soundtrack „The Pink Panther“ von Christophe Beck aus dem Jahr 2006 kam hier deutlich besser weg. Die tolle Raumaufteilung, in Verbindung mit einem phantastischen Orchester, schien gerade über den kleinen Wandler zu einer Leistungsschau zu geraten. Auch wenn in brachialen Fortissimo-Passagen eine leichte erahnbare Unruhe im Klangbild hörbar wurde, so muss man hier den kleinen Wandler entschuldigen. Er kann einfach nicht alles können. Nicht vergessen! Hier spielen sehr günstige € 280,-.

Eine Paradedisziplin scheinen kleine Jazz-Kombos darzustellen. Hier spielt der Musical Fidelity auf wie ein Großer. Ein sehr gerne gehörtes Album stammt vom Label ACT. Julia Hülsmann arbeitet hier mit der allseits bekannten Rebekka Bakken einige Songs auf. Spärlich instrumentiert spielen das Hülsmann Trio und Rebekka unter anderem den Sting Song „A thousand years“ ein. Gänzlich ohne Gesang treiben die Akteure in einem Mid-Tempo den Zuhörer vor sich her. Die Instrumente befinden sich jederzeit nachvollziehbar klar positioniert auf der virtuellen Bühne. Der knorrig eingespielte Kontrabass und Synthesizer entwickeln eine gewaltige Schubkraft im tiefsten Keller, sodass man nicht glauben möchte dass „nur“ ein kleiner Wandler aufspielt.

Sehr erwachsen lautet unser Redaktionsurteil, das natürlich in einer Empfehlung für das exzellente Preis-Leistung-Verhältnis gipfelt. Selbst die Vorliebe für den Präsenzbereich sei hier augenzwinkernd nicht eindeutig der negativen Seite zugeschrieben, denn bei guter und überlegter Kombination mit anderen Charakterdarstellern in der HiFi-Anlage potenzieren sich die Fähigkeiten über die reine mathematische Summe hinaus.

Wir wünschen viel Spass bei Ihrer Entdeckungsreise. Das Ticket dafür ist im Fall des Musical Fidelity V90-DAC erstaunlich günstig zu haben.

Auf den Punkt gebracht

7,0 (Sehr Gut)

The Good

  • Praxisgerechte Ausstattung
  • makellose wertige Verarbeitung
  • ausbaufähiger Klang bei geschickter Komponentenwahl
  • in einer flächendeckenden Händlerstruktur jederzeit erhältlich
  • asynchroner USB-Eingang
  • zu schön
  • um das Gerät zu verstecken.

The Bad

  • Sehr leicht und damit problematisch für dicke schwere Kabel
  • Vorliebe für den Präsenzbereich erfordert eine überlegte Auswahl der beteiligten Komponenten.Ein Charakterdarsteller mit viel Potential über die Preisklasse hinaus. Reichlich Eingänge und ein schickes Gehäuse.

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