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Musik-Streaming - Eine Bestandsaufnahme

Foto © Panasonic Corporation

Längst ist Streaming keine Nische, sondern schlicht der Standard, wenn es um Musik-Wiedergabe geht. Und zwar in allen Bereichen des Marktes, beginnend bei reinen Consumer-Lösungen, bis hin zu High-end HiFi. Der Kunde ist nicht mehr allein auf ausgewiesene Spezialisten angewiesen, zahllose Hersteller haben Musik-Streaming zum integralen Bestandteil ihres kompletten Produktsortiments gemacht, und auch IT-Konzerne wie Amazon, Google und Apple entdecken Audio-Streaming als „Türöffner“ für ihre Smart Home-Lösungen.

Kurz gesagt...

Längst ist es nicht mehr die Frage, ob man Musik-Streaming nutzt, Multiroom Audio-Streaming wird auf vielfältigste Art und Weise geboten, entscheidend ist vielmehr, wie flexibel sind diese Lösungen zu nutzen, welche Qualität bieten sie, und wie werden die Abermillionen Musik-Titel präsentiert.

Wir meinen...

Musik-Streaming kann seit Jahr und Tag ein konstantes Wachstum verzeichnen, mit einem markanten Anstieg in den letzten ein, zwei Jahren. Derzeit aber findet, dies kann man mit Fug und Recht festhalten, ein massiver Umbruch statt, der dafür sorgt, dass Streaming auf ein gänzlich neues Niveau gehoben wird. Vor allem im Consumer-Segment findet eine kleine Revolution statt, die manch etablierten Hersteller, gar den bisherigen Marktführer, nicht nur vor gänzlich neue Herausforderungen stellt, sondern für diesen gar existenzielle Probleme darstellen könnten.

Von Michael Holzinger (mh)
05.11.2017

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Nahezu grenzenloser Zugriff auf Abermillionen an Musik-Titel, dies ist heutzutage keine Frage spezieller Lösungen, diese Möglichkeiten gelten längst als Standard in der Welt der Unterhaltungselektronik. Die Fragen, die sich heutzutage rund um Streaming im Allgemeinen stellen, sind vielmehr jene, mit welch Komfort, mit welch Flexibilität auf multimediale Inhalte zugegriffen werden kann, und wie tief diese Möglichkeiten in weitere Lösungen wie etwa ein Smart Home integriert sind.

Denn das, was vor etlichen Jahren noch ausgewiesenen Spezialsten vorbehalten war, findet sich in vielfältigster Form in verschiedensten Produktgruppen. Allen voran Musik-Streaming ist integraler Bestandteil nahezu jedes Fernsehers, jeder Soundbar, jedem Micro- oder Midi-HiFi-Systems, ist die essentielle Basis so genannter All-in-One Systeme und darf selbst bei so manchem modernen High-end HiFi-System oder AV-Receivern als zentrale Schnittstelle für Heimkino-Systemen nicht fehlen.

Streaming, hier speziell Audio-Streaming, war zunächst eine reine Consumer-Lösung, die gar im High-end Segment belächelt wurde. Schließlich waren es allen voran IT-Konzerne, die hier ein spannendes neues Marktsegment erkannten, und somit, wie etwa Microsoft mit UPnP, entsprechende Standards etablierten. Man könne seine wertvolle Musik nicht einem „PC“ überlassen, so die einheilige Meinung selbsternannter „Spezialisten“ in diesen Jahren. Kaum stand auf diesem „PC“ aber etwa Linn oder Naim, wurde auch in dieser Klientel so mancher hellhörig, wobei zu diesem Zeitpunkt andere Unternehmen schon voll auf Streaming setzten und sukzessive das Consumer-Segment eroberten, wie etwa Sonos Inc. oder auch die von SlimDevices entwickelte, und später von Logitech übernommene Squeezebox-Serie. Letztgenannte war bereits von Beginn an für Hi-res Audio ausgelegt, konnte sich aber dennoch langfristig nicht durchsetzen, wohingegen Sonos Inc. sich zum Marktführer mauserte. Auch Apple Corporation war recht früh mit Apple AirPlay mit im Spiel…

Sonos Inc. eroberte also das Consumer-Segment, auch Apple Corporation war mit Apple AirPlay gut unterwegs, selbst wenn man eigentlich außer dem Apple AirPort Express und später Apple TV keine eigene Streaming-Hardware anbot, dafür besagtes Apple AirPlay aber sehr erfolgreich an verschiedenste Unternehmen lizenzierte. Der einzige tatsächliche Industrie-Standard war und ist UPnP, wobei auf diesen allen voran Lösungen im High-end Segment setzten, und damit dazu nicht unerheblich beitrugen, Audio-Streaming auch in diesem Marktsegment nach und nach zu etablieren. Mit weiteren Spezialisten wie etwa Bluesound International und deren sehr engem, eigentlich direktem Verhältnis zur renommierten HiFi-Schmiede NAD, fanden ambitionierte Musik-Liebhaber gar eine für ihre Ansprüche optimale Multiroom Hi-res Audio-Streaming-Lösung mit ganz besonders simpler Bedienung. Ganz besonders sticht hierbei vor allem hervor, dass hier nicht nur Streaming-Clients zur Verfügung stehen, sondern ebenso ein Server mit integriertem Audio CD-Ripper in Form des Bluesound VAULT bzw. Bluesound VAULT 2.

In diesem Zusammenhang muss man auch die Lösungen aus dem Hause AURALiC Ltd. anführen, denn auch hiermit steht eine spannende Plattform zur Verfügung, und zwar basierend auf der so genannten AURALiC Lightning Playback Engine, wobei Produkte wie etwa AURALiC ARIES Streaming Bridge und ARIES LE Streaming BridgeAURALiC POLARIS Wireless Streaming Amplifier, AURALiC ALTAIR Streaming DAC, und jüngst die neue AURALiC G Series allen voran auf bestmögliche Performance und besonders akkurate Signalverarbeitung optimiert wurde. Damit adressierte AURALiC Ltd. zunächst besonders anspruchsvolle HiFi-Enthusiasten, öffnete aber mit dem AURALiC ARIES Mini Wireless Streaming Node auch Einsteigern den Eintritt  ins gehobene HiFi-Segment zu attraktivem Preis.

Nicht fehlen darf in dieser Übersicht natürlich das schottische Unternehmen Linn, schließlich war es allen voran Linn, die bereits vor zig Jahren der Audio CD komplett abschworen und sich fortan allein Streaming widmeten, natürlich neben der Schallplatte. Auch Naim Audio konzentriert sich allen voran auf Musik-Streaming in bester Qualität, und offeriert aktuell mit der neuesten Naim Uniti Range bestehend aus Naim Uniti Atom, Naim Uniti Nova und Naim Uniti Star drei erstklassige All-in-One Systeme, und mit dem Naim Uniti Core gar einen Musik-Server.

Auf klassisches UPnP Audio-Streaming setzte Pro-Ject Audio Systems mit der so genannten Pro-Ject Stream Box Baureihe, die der Pro-Ject Box Design Serie entstammt, und in den verschiedensten Ausprägungen offeriert wird, aktuell beginnend bei der Pro-Ject Stream Box DS net über die Pro-Ject Stream Box DS2 T, bis hin zur Pro-Ject Stream Box RS.

Musik-Streaming kann, basierend auf zahllosen Lösungen, von denen wir hier nur eine klitzekleine Auswahl als Beispiele anführen können, seit Jahr und Tag ein konstantes Wachstum verzeichnen, mit einem markanten Anstieg in den letzten ein, zwei Jahren. Derzeit aber findet, dies kann man mit Fug und Recht festhalten, ein massiver Umbruch statt, der dafür sorgt, dass Streaming auf ein gänzlich neues Niveau gehoben wird und so manch etablierten Hersteller vor allem im Consumer-Segment vor neue Herausforderungen stellt oder gar massive Probleme mit sich bringt.

Längst ist man etwa nicht mehr auf Consumer-fokussierte "Insellösungen" wie eben Sonos Inc. angewiesen, um komfortables Audio-Streaming im gesamten Haus zu ermöglichen. Unternehmen wie Denon bieten Lösungen wie HEOS by Denon an, die integraler Bestandteil des kompletten Produktsortiments der Marken Denon und Marantz sind. Jedes Netzwerk-fähige Gerät der Marken Denon und Marantz ist inzwischen auch ein Streaming-Device mit HEOS Technologie und somit Teil eines überaus flexiblen Multiroom Audio-Streaming-Systems. Gleiches bietet etwa auch Yamaha mit Yamaha MusicCast an, denn auch hier ist jedwede Soundbar, jedes All-in-One, jedes kompakte HiFi-System oder jeder AV-Receiver aus dem Hause Yamaha Teil des Yamaha MusicCast Multiroom Audio-Streaming-Systems, das sich mit komfortablen Apps zentral steuern lässt. Pioneer und Onkyo schicken ihre Lösungen mit FlareConnect, bis vor kurzem auch als FireConnect bezeichnet, ins Rennen, statten diese zudem mit einer Vielzahl weiterer Streaming-Standards aus, sodass es allein dem Kunden obliegt, für welche Möglichkeit er sich entscheidet.

Darunter findet sich etwa auch DTS Play-Fi, eine vergleichsweise neue Streaming-Plattform, die aber allen voran in den USA zunehmend als Hersteller-übergreifende Hi-res Audio-fähige Lösung an Bedeutung gewinnt, und zwar interessanterweise bei etablierten HiFi-Schmieden wie etwa Klipsch bis hin zu ausgewiesenen High-end HiFi-Schmieden wie McIntosh.

Ja, selbst jene Hersteller, die sich klassischerweise auf Produkte konzentrieren, die als kompakte, eigenständige Lösung genutzt werden, wie ein simples Radio, kommen heutzutage nicht ohne flexibles Streaming aus. Geradezu als Paradebeispiel kann man hier etwa Tivoli Audio Inc. anführen, die mit ihrer neuen ART Collection by Tivoli Audio und damit etwa dem Radio Tivoli Audio Model One Digital ebenfalls allen voran auf Streaming setzen und damit offen im Bereich etablierter Anbieter reiner Streaming-Lösungen wildern.

Gleiches gilt für die Lösungen eines anderen Spezialisten für kompakte Radios, das englische Unternehmen Roberts Radio Ltd., der ebenfalls so manch Modell wie etwas das Roberts Radio Stream 93i mit Audio-Streaming ausstattet, um ein weiteres Beispiel anzuführen.

Auch die immer populäreren Aktiv Lautsprecher-Systeme etablierter Lautsprecher-Spezialisten müssen längst nicht mehr ohne Audio-Streaming auskommen, hier sei als Beispiel etwa das Modell KEF LS50 Wireless genannt, oder das erst auf der IFA 2017 präsentierte System Dali CALLISTO, das, so nebenbei erwähnt, auf das bereits erwähnte BluOS aus dem Hause Bluesound International setzt.

Zudem droht allen voran aufs reine Consumer-Segment fokussierten Anbietern wie Sonos Inc. weiterer Ungemach, und zwar ausgerechnet von IT-Giganten, die nun ebenfalls Multiroom Audio-Streaming für sich entdeckt haben.

Amazon, Google, und auch Apple haben Audio-Streaming als überaus spannenden Türöffner für ihre ambitionierten Smart Home-Strategien erkannt. Sprachsteuerung ist hier im wahrsten Sinne das Zauberwort. Ein so genannter Smart Speaker stellt einerseits die Schnittstelle zum Smart Home dar, kann aber auch für Multiroom Audio-Streaming genutzt werden. Amazon Echo, Amazon Echo Plus, Amazon Echo Dot, Amazon Echo Show, allein Amazon fährt aktuell eine wahre Batterie an derartigen Lösungen auf, Google schickt den Google Home und Google Home Mini ins Rennen, Apple liefert den Apple HomePod. Und all dies ist erst der Beginn, zahllose Unternehmen der Unterhaltungselektronik haben ebenfalls Smart Speaker angekündigt, die direkt auf Sprachsteuerungslösungen wie Amazon Alexa und Google Assistant setzen, nur Apple will sich einmal mehr Apple Siri exklusiv vorbehalten. Spätestens zu Beginn des kommenden Jahres wird der Markt mit derartigen Smart Speakern geradezu überflutet werden. Damit wird Audio-Streaming in vielen, vielen weiteren Haushalten zu finden sein, wobei die direkte Verbindung zu weiteren Unterhaltungselektronik-Lösungen damit einhergeht. Kaum ein Unternehmen, dass nicht bereits eine Implementierung von Sprachsteuerung für seine Netzwerk-fähigen Produkte zumindest angekündigt hat…

Aus Sicht der Konsumenten ist es also längst nicht mehr die Frage, ob man auf Musik-Streaming setzt, Musik-Streaming steht auf verschiedenste Art und Weise zumeist ohnedies zur Verfügung. Völlig gleichgültig ist auch, ob man nun auf eigene Inhalte, gar auf Hi-res Audio setzen will, oder aber allein auf Streaming aus dem Web, denn selbst da steht nicht nur verlustbehaftetes MP3-Getöse, sondern auch „CD-Qualität“ und gar Hi-res Audio zur Verfügung. Selbst die Frage der gebotenen Qualität ist also nicht mehr ganz so entscheidend bei der Wahl des eigenen Systems, denn die Grenzen zwischen Consumer-Lösungen und High-end verschwimmen. Man steht somit nicht mehr vor der Frage, ob man sich entweder für ein einfach zu bedienendes Consumer-System, oder aber eine ausgewiesene High-end Lösung entscheidet. Vielmehr kann man auf eine Plattform setzen, die sowohl einen kleinen All-in-One Speaker fürs Bad, als auch das High-end HiFi-System im Wohnzimmer bedienen kann, und zwar mit den gleichen Inhalten, und mit der gleichen App. Diese Vielfalt bieten nicht nur Lösungen wie HEOS by Denon, Yamaha MusicCast, die Plattform DTS Play-Fi, selbst ausgewiesene High-end HiFi-Schmieden wie etwa Naim setzen auf genau diese Strategie.

Ein ganz wesentlicher Aspekt ist aber zunehmend, wie die kaum zu überblickende Flut an Inhalten präsentiert wird, denn wer Zugriff auf Abermillionen an Musiktitel hat, der muss sich darin auch zurecht finden können.

Und hier sorgt derzeit eine „kleine“ Software-Schmiede für Aufsehen, und zwar Roon Labs LLC. Dem Unternehmen gelang es, mit der Software Roon eine Lösung zu entwickeln, die Musik in bislang nicht gekannter Art und Weise über Apps präsentiert. Alben, Künstler, Komponisten, Genres, all dies wird hier mit zahllosen Informationen angereichert und - ganz wichtig - miteinander verknüpft.

Von Album zu Album, von Künstler zu Künstler klickt man sich hier mit Erstaunen durch die eigene Mediathek oder das Angebot eines Online-Anbieters wie etwa TIDAL, und kann Musik so auf bislang nicht gekannte komfortable Art und Weise neu entdecken. Dass Roon zudem von immer mehr renommierten HiFi-Herstellern unterstützt wird, somit sich zunehmend zu einer Herstellerübergreifenden Plattform mausert, macht diese Lösung nur noch attraktiver. So manch erstklassige Hardware, bei der eventuell die zugehörige App nicht so überzeugte, wird damit zur herausragenden Streaming-Lösung.

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