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Musik-Tipp - Dean Martin „Dream with Dean“

Das Cover sagt bereits recht viel darüber aus, was den Zuhörer auf dem Album „Dream with Dean“ erwartet. Ein derart unmittelbares, geradezu intimes Album wie dieses hat Dean Marin in seiner gesamten Kariere kein zweites Mal aufgenommen. Wer also Dean Marton „pur“ erleben will, der greife hier zu, im besten Fall als Vinyl-Version.

Von Michael Holzinger (mh)
21.08.2014

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Dino Paul Crocetti, so der bürgerliche, aber wohl nicht gerade eingängige Name von Dean Martin, war zwar auch Schauspieler, aber ebenso Sänger. Auf ihn trifft wohl ebenso wie auf seine nicht minder legendären Kollegen Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. oder auch Jerry Lewis der Begriff Entertainer geradezu perfekt zu. Denn er verband Schauspiel, Tanz und Gesang auf eine ganz besondere Art und Weise, was er nicht nur in zahlreichen Filmen, sondern auch Shows, und nicht zuletzt einer eigenen wöchentlichen Fernseh-Show, die immerhin nahezu zehn Jahre bei NBC am Programm stand, unter Beweis stellte.

Nachdem er zunächst sein Glück als Boxer versuchte, danach Croupier in illegalen Spielkasinos war, begann er relativ früh seine Gesangs-Kariere, zunächst als Dino Martini. Er verdiente sich vorwiegend in Nachtclubs zunächst wohl eher mühsam sein Geld, bevor irgendwann der große Durchbruch als Schauspieler als auch Sänger, dann aber als Dean Martin, folgte.

Wie sich in diesen frühen Jahren ein derartiger Abend in einer verrauchten New Yorker Bar mit Dean Martin am Mikrofon wohl anhörte, davon kann man sich durch das Album „Dream with Dean“ einen geradezu perfekten Eindruck verschaffen. Dieses Album entstand zwar erst Anfang 1964, also zu einer Zeit, in der Dean Martin längst ein internationaler Star war, dennoch sticht es geradezu aus allen anderen Alben des Sängers hervor. Denn während auf nahezu allen anderen Alben von Dean Martin stets ein recht umfangreiches Orchester mit im Spiel ist, zahlreiche Background-Sänger und Sängerinnen ihn begleiten, und zumeist recht lieblich gestaltete Arrangements die Stimme des Sängers tragen, ist hier tatsächlich alles anders.

Auf „Dream with Dean“ kommt allein eine kleine Jazz-Formation zum Einsatz, und zwar Ken Lane am Klavier, Barney Kessel an der Gitarre, Red Mitchell am Bass, und Irving Cottler am Schlagzeug, mehr nicht. Keine Background-Sänger, keine Streicher, keine Bläser, diese Aufnahme ist auf das absolut Wesentliche reduziert.

Die gesamte Band tritt zudem sehr zurückhaltend mit sehr dezent gehaltenen Arrangements an, um die jederzeit klar im Fokus stehenden Stimme von Dean Martin allein zu begleiten, und diese hat problemlos die Größe und Intensität, die Songs mühelos in verschiedensten Nuancen und mitunter gar sehr verspielt und Variantenreich zu tragen. Dieses Album zeigt also ganz klar, welch großartiger Sänger Dean Martin tatsächlich war.

Das Album umfasst insgesamt 12 Songs, darunter auch etwa „Blue moon“ von Richard Rodgers und Lorenz Hart, aber auch den von Sam Coslow geschriebenen Hit „Everybody loves somebody“, der erstmals auf diesem Album von Dean Martin interpretiert wurde. Wer aber nun denkt, er kennt diese Version, der irrt gewaltig. Natürlich war „Everybody loves somebody“ einer der ganz großen Hits von Dean Martin, jedoch nicht in der Version, die auf „Dream with Dean“ zu finden ist. Kaum ein halbes Jahr später nahm Dean Martin 1964 die hinlänglich bekannte Version auf, die als Single in den Charts landete, und in dieser Form nicht nur auf Dean Martins Album "Everybody loves somebody"zu finden ist, sondern ebenso auf unzähligen Best of-Alben und Samplern.

„Dream with Dean“ ist also allen voran für eingeschworene Dean Martin-Fans ein Erlebnis, denn so unmittelbar und „intim“ haben sie den Sänger wohl bislang nicht erlebt. Aber auch alle Freunde sanftem Vocal-Jazz werden hier auf ihre Rechnung kommen. Wer das Glück hat, dieses Album noch irgendwo in der Original-Version aus dem Jahr 1964 zu ergattern (Reprise - RS 6123), der kann sich glücklich schätzen, alle anderen können zur Neuauflage von
Music on Vinyl greifen, denn das Album Dream With Dean - Dean Martin gibt es zwar etwa auch als Download im Apple iTunes Store, dieses, meiner bescheidenen Einschätzung nach bestes Album von Dean Martin muss man jedoch geradezu auf Schallplatte genießen, eventuell im einem Gläschen feinstem Scotch oder Bourbon…

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Cover

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Facts

Album

Dream with Dean

Künstler

Dean Martin

Komponist

Diverse

Genre

Jahr

1964 (2014)

Format

Vinyl, Audio CD, Download