Musik und Video-Streaming über drahtlose Netze - Wenn es mal nicht so richtig funkt...

Es könnte ja so einfach sein. Lediglich ein Router mit integriertem WiFi als zentrale Schnittstelle im Netzwerk, und schon ist ein drahtloses Netzwerk für die Integration aller Geräte, angefangen vom PC, dem Drucker bis hin zum Streaming-Client, Blu-ray Player und Smartphone oder Tablet aufgebaut und keinerlei Installationsaufwand nötig. Aber zumeist ist es eben nicht so einfach...

Von Michael Holzinger (mh)
04.04.2011

Share this article


Da steht er nun, der nagelneue Wireless LAN Router, der selbstverständlich dem neuesten Stand der Technik entspricht, nicht wirklich teuer war, aber dennoch viel mehr kann, als der 08/15 Anwender wohl je benötigen wird. Geschweige denn, dass er die zahllosen Funktionen, die über das Advanced Setup jenseits des einfach zu handhabenden Installations-Assistenten abrufbar sind, überhaupt alle verstehen würde.

Mit Begeisterung frisch ans Werk...

Der Installations-Prozess war kein Problem und eigentlich funktioniert auch alles wie gewünscht. Ein Gerät nach dem anderen wird über WiFi ins Netzwerk eingebunden und binnen kürzester Zeit durchforstet man bereits die Weiten des Internets und erledigt Emails mit dem Notebook, während man gemütlich auf der Couch oder gar auf der Terrasse sitzt. Und auch am nagelneuen TV-Gerät klappt der Online-Zugriff scheinbar problemlos. Ja, man kann nun sogar das komplette AV-System mit dem Smartphone steuern. Schließlich bietet der Hersteller dafür seit Kurzem diese tolle App an, die aus dem mobilen Teil eine flexible Universal-Fernbedienung macht. Selbst die Musik-Wiedergabe übers Netzwerk funktioniert auf Anhieb, bis... ja bis die Wiedergabe plötzlich abbricht.

Etwas enttäuscht, aber durchaus noch gefasst beginnt man mit der Fehlersuche. Hat man etwa vergessen, diese eine Option zu aktivieren? Müsste man hier nicht noch etwas eintragen? Ist etwa gar irgendetwas defekt? Nein, es ist zumeist kein konkretes Problem, kein Fehler eines Geräts, sondern vielmehr schlicht und einfach eine Schwäche der genutzten Infrastruktur.

Theorie und Wirklichkeit...

Wie so oft klafft zwischen Theorie und Praxis eine große Lücke. Datenübertragungen mittels Funk können perfekt funktionieren, und tun das in den meisten Fällen auch sehr zuverlässig, aber leider nicht immer. Da hilft auch das neueste, tollste Netzwerk-Device wenig, wenn es an anderen Umständen scheitert...

So schrieb uns etwa Berthold Höck dieser Tage: „Ich nutze seit einigen Wochen AirPlay vom Apple iPod touch zum AppleTV, allerdings nur sehr selten, weil die Verbindung mindestens alle drei Minuten zusammenbricht. Woran könnte es liegen?“ Zahlreiche ähnliche Erfahrungen von denen uns Besucher von sempre-audio.at berichten zeigen, dass das Problem von Hrn. Höck kein Einzelfall ist.

Die richtige Basis, aber...

Natürlich ist ein möglichst aktueller Wireless LAN Router, der den neuesten Standards gerecht wird und eine hohe Datendurchsatz-Rate bietet, die beste Basis für einen zuverlässigen Betrieb. Allerdings sind die Angaben der Hersteller über die Datendurchsatz-Rate ihrer Produkte stets nur ein theoretischer Wert, der schon unter idealen Umständen nicht wirklich zur Verfügung steht, da die Übertragung selbst bereits einiges an Overhead produziert. Dieser Overhead muss natürlich von dem maximalen Wert abgezogen werden. Zudem gilt: je geringer die Sendeleistung ist, desto geringer ist natürlich auch die maximale Datendurchsatz-Rate. Und die Sendeleistung eines Funknetzwerks, und somit die tatsächliche Leistung, wird durch zahlreiche weitere Faktoren teils drastisch beeinflusst.

Etwa, durch die baulichen Gegebenheiten vor Ort und somit indirekt auch durch die Aufstellung des Geräts. Hier kann nicht einmal ein allgemein gültiger Leitfaden erstellt werden, denn sowohl Altbauten als auch Neubauten haben ihre Tücken, vor allem dann, wenn viele Leitungen in den Wänden verlaufen. Wasserleitungen etwa sind besonders wirkungsvoll, wenn es um die Eindämmung von WiFi Netzwerk geht...

Auch andere WiFi Netzwerke, etwa in Mehrfamilienhäusern die Netzwerke der Nachbarn beeinflussen natürlich durchaus negativ die Leistung des eigenen Netzwerks. Gleiches gilt für einen etwaigen Funkmast eines Mobiltelefonbetreibers in unmittelbarer Nähe und auch Funktelefone und vieles mehr können sich äußerst negativ auf die Reichweite als auch Leistungsfähigkeit eines drahtlosen Netzwerks auswirken.

Zumeist ist es dann nicht ein entscheidender Faktor, der dafür verantwortlich ist, dass die drahtlose Datenübertragung nicht die gewünschte Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit bietet, sondern die Kombination mehrerer negativen Einflüsse.

Wobei man ganz klar unterscheiden muss: in vielen Fällen ist die Leistungsfähigkeit eines drahtlosen Netzwerks mehr als ausreichend, um im Web zu surfen und auf Ressourcen im Netzwerk, wie etwa einen Drucker zugreifen zu können. Wo es allerdings dann hapert, dass ist das Streamen von Musik und Videos, denn hier wird ein konstant hoher Datendurchsatz gefordert. Und da stoßen drahtlose Netzwerk schon mal an ihre Grenzen. Vor allem dann, wenn Geräte ohnedies ein nicht so leistungsfähiges WiFi Modul aufweisen, wie etwa mobile Devices und somit der Apple iPod touch im geschilderten Fall unseres Lesers Hrn. Höck.

Was tun?

Nachdem es zahllose Faktoren gibt, die sich äußerst negativ auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines drahtlosen Netzwerks auswirken können, ist es uns natürlich schlicht unmöglich, das eine Patentrezept zu liefern. Vielmehr gibt es viele Möglichkeiten, die zu einer Verbesserung der Reichweite als auch der tatsächlich erzielten Datendurchsatz-Rate führen können.

An der richtigen Stelle platziert

In vielen Fällen steht etwa der Wireless LAN Router schlicht am falschen Platz. Klar, zumeist will man dieses Gerät einfach nicht sehen, und versteckt es daher etwa irgendwo im Vorraum oder Arbeitszimmer. Nimmt man sich aber ein Beispiel daran, wie es Profis machen, dann sieht die Sache schon anders aus. Es hat schon seine Berechtigung, dass in Büros oder Industriehallen Wireless LAN Router zumeist an zentraler Stelle und unübersehbar nahezu an der Decke montiert werden. Hier können sie ihre Aufgabe am besten erfüllen.

Hat man also Probleme mit der Leistungsfähigkeit und Reichweite des WLANs, so ist in vielen Fällen schon die richtige Platzierung die einfachste Lösung. Raus aus dem Kästchen, und irgendwo auf ein Regal oder gar an die Wand. Die entsprechende Montage-Vorrichtung ist bei vielen Routern nicht ohne Grund im Lieferumfang enthalten. Sieht vielleicht nicht so toll aus, dafür klappt dann der Datenverkehr problemlos.

Arbeitsteilung - Variante 1

Eine weitere Möglichkeit ist, die Leistungsfähigkeit als auch Reichweite durch so genannter Wireless LAN Extender zu erhöhen. Im Prinzip kann fast jeder WiFi Router diese Funktion übernehmen, die entsprechenden Einstellungen finden sich im Setup der Geräte. Alle führenden Netzwerkhersteller bieten aber zudem spezielle Geräte an, die ausschließlich diese Aufgabe übernehmen und mitunter deutlich günstiger sind, als ein mit zahllosen Funktionen vollgestopfter Wireless LAN Router.

Diese Lösungen werden einfach zwischen dem zentralen Wireless LAN Router und den Netzwerk-Devices - vom Notebook bis hin zum „vernetzten“ AV-Rack - platziert und machen nichts anderes, als das WLAN-Signal zu verstärken und somit das drahtlose Netzwerk zu erweitern und die effektive Datenrate zu erhöhen.

Die Inbetriebnahme dieser Teile ist inzwischen dank intuitiver Setup-Assistenten ebenso einfach, wie die Installation des eigentlichen Routers und somit auch von Laien problemlos zu bewerkstelligen.

Arbeitsteilung - Variante 2

Die wohl zuverlässigste Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit eines multimedialen Netzwerks zu erhöhen, ist leider auch jene, die die wenigsten Anwender akzeptieren wollen. Denn sie lautet, zumindest in Teilen des Netzwerks auf WLAN zu verzichten.

Es gilt somit, zumindest in Teilbereichen Netzwerk-Kabel zu verlegen. Selbst Hersteller von Netzwerk-Lösungen mit natürlich starkem Fokus auf WiFi propagieren inzwischen so genannte gemischte oder kombinierte Netzwerke. Für jede Aufgabe soll hier die optimale Lösung gewählt werden, sodass in Summe ein stets zuverlässiges, stabiles Netzwerk erzielt wird.

Im Idealfall sieht dies so aus: Wesentliche Komponenten eines multimedialen Netzwerks werden mittels Netzwerk-Kabel angebunden. Dazu zählt natürlich in erster Linie ein zentraler Netzwerk-Speicher, eine so genannte NAS, auf der alle multimedialen Inhalte fürs gesamte Netzwerk abgelegt sind. Aber auch hinters AV- bzw. HiFi-Rack im Wohnzimmer sollte ein Netzwerk-Kabel gelegt werden, und die einzelnen Geräte wie etwa Streaming-Client, AV-Receiver, Blu-ray Player, Fernseher usw. über einen so genannten Switch - überspitzt formuliert nichts anderes als ein Verteiler für Netzwerk-Daten - ebenfalls über Netzwerk-Kabel angebunden werden.

Will man jedoch prinzipiell kein Netzwerk-Kabel im Wohnzimmer, auch wenn es die wohl beste Lösung wäre, so würde sich für diese zentrale Stelle im Netz etwa Powerline als Alternative anbieten. Mit lediglich zwei Powerline-Adaptern lässt sich so eine Netzwerk-Verbindung zwischen dem zentralen Router und dem gesamten HiFi- und AV-Rack etablieren, wobei das Stromnetz als Träger dient, die Adapter also einfach in eine Steckdose eingesteckt werden. Derartige Lösungen erreichen inzwischen ebenfalls sehr hohe Datendurchsatz-Raten und erfordern keine zusätzlichen Kabel. Allerdings gilt auch hier: die Angaben der Hersteller über Reichweite und Datendurchsatz-Rate ihrer Produkte sind rein theoretischer Natur und werden in der Praxis vor allem durch die baulichen Gegebenheiten beeinflusst.

Und dies kann durchaus bedeuten, dass diese gerühmten Powerline-Adapter in so mancher Wohnung gar nicht funktionieren. Etwa dann, wenn es sich um einen Altbau handelt, dessen Elektro-Installation schon ein wenig marode ist. Auch der umgekehrte Fall kann der Todesstoss für Powerline sein, und zwar dann, wenn es sich um eine Elektro-Installation in einem Neubau handelt, in dem alle Räume separat abgesichert sind, also eigene Stromkreise darstellen. Auch wenn Hersteller versprechen, dass dies kein Problem sein dürfte, zeigt sich aus der Praxis, dass es dies sehr wohl ist. So konnten wir etwa in unseren Redaktionsräumen noch kein Produkt irgendeines Herstellers reibungslos testen, und mussten dafür stets auf andere Lokalitäten ausweichen. Zahlreiche Rückmeldungen etwa aus dem Elektrofachhandel bestätigen diese Erfahrungen.

Zudem muss klar festgehalten werden, dass gerade im Streaming-Umfeld andere Faktoren ebenfalls gegen einen Einsatz von Powerline sprechen. So sind ambitionierte HiFi-Fans bemüht, eine möglichst "saubere" Stromversorgung für ihre hochwertigen HiFi-Geräte zu garantieren. Eine Netzwerk-Lösung, die das Stromnetz nun zusätzlich und ganz massiv "verschmutzt", ist also geradezu kontraproduktiv. Und was da alles auf das Stromnetz an "Schmutz" aufmoduliert wird, "hört" man mitunter sofort, wenn man etwa eine Phono-Vorstufe auf Basis von Röhren, einen Röhren Preamp oder ähnliches einsetzt. Befindet sich ein Powerline-Adapter in unmittelbarer Nähe, so ist an einen reibungslosen Betrieb vielfach nicht zu denken. Powerline-Lösungen können also nur bedingt empfohlen werden. Die einzig wirklich zuverlässige Lösung bleibt also ein Netzwerk-Kabel, und sei es nur in Teilen des Netzwerks.

Zumindest sollte man so das drahtlose Netzwerk „entlasten“, denn ganz darauf verzichten muss man natürlich keinesfalls. Vielmehr nutzt man das drahtlose Netzwerk ausschließlich für mobile Devices, sei es nun ein Notebook, auf dem die Audio-Daten liegen, oder ein Smartphone oder Tablet, die zusätzlich auch als universelle Steuerungslösung für das mit Kabel oder - sofern es klappt und keine Bedenken bestehen - Powerline vernetzte AV-System dienen.

Sorry, kein Patentrezept

Sie sehen also, es gibt leider auch in diesem Falle kein allgemein gültiges Patentrezept, nach dem alle Probleme aus der Welt zu schaffen sind. Ebenso wie die störenden Einflüsse verschiedenster Natur sind und sich von Fall zu Fall ganz unterschiedlich auswirken, so vielfältig sind auch die möglichen Lösungsansätze um ein stets leistungsfähiges Netzwerk mit hoher Reichweite zu realisieren.

Fest steht, selbst wenn die Leistungskapazität eines Netzwerks durchaus fürs Surfen im Web reicht, so bedeutet dies noch lange nicht, dass somit auch die problemlose Datenübertragung für multimediale Dienste wie etwa das Streamen von Audio und Video garantiert ist. Hierbei sind die Anforderungen an die Infrastruktur ungleich höher.

Mit ein paar einfachen Änderungen wie etwa der korrekten Platzierung des Routers kann man aber schon viel erreichen. Setzt man zudem auf verschiedene Lösungen, wobei jede ihren jeweiligen Stärken entsprechend eingesetzt wird, so erzielt man ein wirklich perfektes Ergebnis. Und zwar ein Netzwerk, das selbst höchsten Ansprüchen gerecht werden kann und somit die beste Basis für all die flexiblen und innovativen Möglichkeiten der vernetzten audiovisuellen Welt der Unterhaltungselektronik ist.

Michael Holzinger

Share this article