Foto © Reprise Records (Warner)

Neil Young „A Letter Home“


Warum setzt ein Mann, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Welt Musik so zu vermitteln, wie diese tatsächlich aufgenommen wurde, ausgerechnet im Jahr 2014 auf eine Technik, die in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts Stand der Dinge war? Nun, wenn es dabei um Neil Young geht, dann fragen nur wenige danach, sondern genießen vielmehr dieses neue Album "A Letter Home".

Von Alexander Bindeus (ab)
02.06.2014

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Für verwöhnte Klangpuristen sind bereits die ersten Sekunden der Platte ein Schock. Es kracht und knistert, die Stimme Neil Youngs klingt dumpf und verhältnismäßig leise. Was ist da nur passiert? Hat die Qualitätskontrolle fehlgeschlagen? Oder will der alte Mann noch schnell einmal ein paar Dollar verdienen? Mitnichten.

Des Rätsels Lösung liegt vielmehr in Nashville, Tennessee. Dort steht, in den Räumlichkeiten von Third Man Records, der Voice-O-Graph. Mit diesem Gerät, welches rein äußerlich einer Telefonzelle ähnelt, konnte man seit den 1940ern seinen Liebsten eine Nachricht oder ein Lied aufnehmen und auf Vinyl pressen lassen - im Prinzip also der etwas umständliche aber unheimlich charmante Großvater von Anrufbeantwortern und Mobilboxen.

Wiederentdeckt hat dieses Stück Technikgeschichte Jack White, seines Zeichens Frontmann von The White Stripes und The Raconteurs. Mit seinem 2001 gegründeten Label Third Man Records hat er sich ganz der Aufwertung des Tonträgers Vinyl verpflichtet. Nach einer aufwendigen Restaurierung wurde das Gerät im Rahmen des Record Store Days 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach eigenen Angaben handelt es sich dabei um das einzig funktionierende und frei zugängliche Gerät dieser Art.

Neil Young, sonst ja eigentlich ein kompromissloser Verfechter von kompressionsloser Musik, war begeistert von dem kompakten Aufnahmestudio und ließ es sich nicht nehmen, darin ein paar Songs aufzunehmen. Resultat dieser Sessions ist nun das Album „A Letter Home“: elf Coversongs, die Neil Young alleine mit Akustikgitarre und Mundharmonika neu interpretiert. Bob Dylan, Willie Nelson oder Bruce Springsteen sind dabei nur einige der bekannteren Namen, deren Stücken sich Young annimmt und in ein in sich stimmiges Album verwandelt.

Während Johnny Cash für seine American Recordings das musikalische Ausgangsmaterial stark veränderte und so zu seinen Songs machte, bleibt Neil Young näher am Original. „A Letter Home“ wird so zu einer Hommage an einige der ganz großen Persönlichkeiten der modernen Musikgeschichte.

Für Sammler dürfte das Deluxe Box Set interessant sein, welches neben dem Album auf CD und Vinyl, noch eine DVD, ein Booklet, sieben 6´´-Schallplatten sowie ein direkter Mitschnitt aus dem Voice-O-Graph auf LP beinhaltet - das Ganze selbstverständlich in limitierter Auflage.

PS: Auf "A Letter Home" als Standard LP muss man noch ein wenig warten. Diese Version soll Anfang Juli 2014 erscheinen.

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Facts

Album

A Letter Home

Künstler

Neil Young

Komponist

Bruce Springsteen, Willi Nelson, Bob Dylan, Diverse

Genre

Jahr

2014

Format

Audio CD, Vinyl, Download