Neil Young präsentiert ersten Pono-Prototyp als Alternative zu Apple iPod und Co...

Seit Jahr und Tag propagiert Neil Young eine bislang nicht näher spezifizierte Alternative zum MP3-Format sowie zu mobilen Audio-Playern wie Apple iPod und Co. Nun präsentierte der Musiker erstmals einen ersten Prototypen, den so genannten Pono Player, im Rahmen der Late Show der US-Talk-Legende David Letterman.

Von Michael Holzinger (mh)
01.10.2012

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Neil Young gilt seit Langem als Verfechter „analogen Klangs“. Nur analog festgehaltene Musik enthalte alle Informationen, die Musiker im Tonstudio auf Band bannen, und gäbe Musik in ihrer Gesamtheit wieder. Verlustbehaftet komprimierte Formate wie MP3 und ähnliches sind aus der Sicht des Musikers nicht weniger als Teufelszeug, das der Musik nicht gerecht werden könne, schlimmer noch, diese verstümmele und den natürlichen Gehörgewohnheiten des Menschen nicht entsprechen.

Demzufolge verfolgt die US-amerikanische Ikone seit Jahr und Tag Pläne, Alternativen zu derzeit populären Download-Angeboten wie Apple iTunes oder Amazons MP3 Angebot zu etablieren, deren Aufgabe es ist, Musik in möglichst natürlicher Form, so wie sie tatsächlich im Studio aufgezeichnet wurde, abzubilden.

Bislang muss man aber klar festhalten, dass diese Bestrebungen vor allem aus Ankündigungen und Absichtserklärungen, sowie einem Rundumschlag auf alle bestehenden Angebote bestand, aber nichts konkret Greifbares umfassten. So war einige Zeit im Gespräch, dass Neil Young Apples CEO Steve Jobs bereits von der Notwendigkeit, eine Alternative zu bestehenden Angeboten, also auch dem von Apple im iTunes Store angebotenen AAC-Format, zu überzeugen. Allein, Steve Jobs starb, ohne sich selbst jemals dazu zu äußern und bis heute gibt es kein entsprechendes Angebot. Nach wie vor bietet Apple also verlustbehaftet komprimierte Audio-Daten im AAC-Format, ehemals auch als iTunes Plus bezeichnet, mit einer Datenrate von 256 kbps an. Selbst das mit eher geringem medialem Interesse eingeführte Angebot „Mastered for iTunes“ wird ausschließlich in diesem Datenformat angeboten.

Nun aber lässt Neil Young offensichtlich selbst den bisher eher nichtssagenden Aussagen erste Taten sprechen. Erstmals präsentierte er im Rahmen eines Auftritts in der Late Show with David Letterman“ den so genannten Pono Player, wenngleich es sich dabei bislang nur um einen Prototypen handelt.

Der Pono Player gleicht dabei durchaus in Ansätzen einem Apple iPod nano, weist aber kein flaches, sondern vielmehr ein durchaus recht klobiges, dreieckiges Gehäuse auf, auf dessen Front ein Sensor-Tastenfeld sowie ein Display zu sehen ist. Der in Knallgelb gehaltene Prototyp soll, so Neil Young, in der Lage sein, hochauflösende Audio-Daten abzuspielen, wobei sich Neil Young keinerlei Details über das tatsächlich verwendete Datenformat entlocken lies. Nur soviel: es handle sich nicht um ein neues, weiteres Format, sondern um ein bereits bestehendes. Audio-Daten liegen dabei in den Auflösungen 24 Bit und 96 kHz oder gar 192 kHz vor, was nun nicht gerade sehr innovativ erscheint, denn diese Datenformate stehen sowohl im WAV, teils Apple Lossless, aber vielfach im FLAC-Format bereits bei etlichen Anbietern seit geraumer Zeit zur Verfügung und können mit Hilfe der richtigen Hardware sowie passenden Apps durchaus auch von mobilen Devices wie etwa Smartphones genutzt werden.

Was also derart spektakulär an dem neuen, von Neil Young propagierten Gerät sein soll, diese Erklärung blieb der Musiker einmal mehr schuldig.

Jedenfalls betont Young, dass der von ihm präsentierte Pono Player natürlich auch mit Formaten wie MP3 oder AAC umzugehen verstehe, allerdings würde nur mit den hochauflösenden, nicht verlustbehafteten Formaten Musik in voller Pracht wiedergegeben werden. Dazu nutze man, so Neil Young, die höchstmögliche Auflösung bei der digitalen Signalerfassung, um „analog“ ins digitale Zeitalter zu verfrachten. Nun ja, auch für diese Erkenntnis hätte es Neil Young nicht gebraucht. Der Musiker ist jedoch der festen Überzeugung, mit dem Pono Player und einem entsprechenden Angebot der Musik gerecht zu werden. Dementsprechend erklärt sich auch der Name des Players, denn Pono sei Hawaiianisch für Gerechtigkeit. Ein bisschen Pathos darf schon sein...

Neil Young gab an, dass er bereits entsprechende Abkommen mit etwa der Warner Music Group (BMG) geschlossen hätte und mit weiteren Labels, allen voran führt er Sony an, in Verhandlungen stehe. Bereits im nächsten Jahr soll also nicht nur der Pono Player, sondern auch entsprechende Download-Angebote verfügbar sein. Auch hier stellt sich die Frage, was wohl daran anders sein sollte, als an bereits bestehenden Angeboten wie etwa HDtracks.com, dem Download-Angeboten von Linn Records und Naim?

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