Foto © PonoMusic

Neil Young verabschiedet sich von Spotify und Co…

Dass Neil Young stets eigene Ansichten vertritt, wie Musik in idealer Form vertrieben wird, ist nicht neu. Dass dabei immer Qualität als oberste Prämisse genannt wird, ebensowenig. Mit der Vorstellung des eigenen portablen Audio-Players Pono Player sowie des Dienstes Pono Music könnten aber auch andere Interessen im Spiel sein…

Von Michael Holzinger (mh)
16.07.2015

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„Streaming has ended for me. I hope this is ok for my fans“, so wirbt der kanadische Musiker Neil Young um Verständnis dafür, dass seine Musik künftig wohl nicht mehr bei den florierenden Angeboten diverser Streaming-Anbieter wie etwa Spotify zu finden sein wird.

Neil Young verfolgt seit geraumer Zeit einen durchaus kontroversiellen Ansatz bei der Distribution insbesonders seiner eigenen Musik, hält sich dabei aber mit allgemeiner Kritik an den seit Jahr und Tag marktbestimmenden Trends keineswegs zurück.

Nach Ansicht des Musikers stünde dabei Qualität nicht mehr im Mittelpunkt, und zwar seit langen Jahren. Schon die Audio CD erachtete er als Fehler und schwor stattdessen auf Vinyl, wenngleich seine Alben natürlich millionenfach weiterhin als Audio CD über den Ladentisch gingen. Besonders „vehement“ wurde die Kritik des Künstlers aber im Zusammenhang mit der Produktvorstellung seines eigenen portablen Audio-Players, dem so genannten Pono Player, sowie dem dazu gehörenden Online-Angebot Pono Music. Hierbei handelt es sich um einen mobilen Hi-Res Player, sowie einen Online-Store, der neben Audio-Daten in verlustfreier CD-Qualität auch Hi-Res Audio-Daten anbietet, und zwar im FLAC-Format.

Allerdings dürfte sowohl der Pono Player als auch der Dienst Pono Music bei weitem nicht so erfolgreich sein, wie es sich deren Initiatoren erhofften. Zumindest war es zunehmend still geworden um diese Angebote, und selbst Neil Young machte in den letzten Wochen eher mit seinem neuen Album, denn mit Pono Schlagzeilen. Spotify gilt nach wie vor als klarer Branchen-Primus, dem alle anderen irgendwie versuchen Marktanteile abspenstig zu machen. Selbst Angebote wie TIDAL, die „CD-Qualität“ auch beim Streaming versprechen, und mit viel Pomp und Unterstützung von Prominenz gestartet sind, können letztlich Spotify rein gar nichts anhaben.

Nun aber sorgt ein neues Statement von Neil Young für Aufsehen, in dem er einmal mehr die Qualität der aktuell Musik-Distribution kritisiert und für sich Konsequenzen ankündigt. Wörtlich ist da auf Facebook zu lesen:

„Streaming has ended for me. I hope this is ok for my fans.

It's not because of the money, although my share (like all the other artists) was dramatically reduced by bad deals made without my consent.

It's about sound quality. I don't need my music to be devalued by the worst quality in the history of broadcasting or any other form of distribution. I don't feel right allowing this to be sold to my fans. It's bad for my music.

For me, It's about making and distributing music people can really hear and feel. I stand for that.

When the quality is back, I'll give it another look. Never say never.

Neil Young“

Nun, natürlich hat Neil Young mit vielem recht, allerdings wirklich neu ist das alles nicht. Überhaupt ist es dann doch für so einen „alten Hasen“ im Business erstaunlich, dass Neil offensichtlich gänzlich vergessen hat, welch Qualität vor gar nicht allzu vielen Jahren noch „üblich“ war. Man mag etwa von Spotify und deren MP3 Musik-Stream halten, was auch immer man will, im Vergleich zu herkömmlichen UKW-Radio muss sich diese Qualität nicht verstecken. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Abgesehen davon, dass Neil Young nun nicht unbedingt dafür bekannt ist, wirklich „audiophile Alben“ zu produzieren, bei denen erst ein hochauflösendes Format wirklich alle Details offenbart, und damit sind nicht einmal jene gemeint, die er in „Telefonzellen“ mit Technik aus den Anfangsdekaden des letzten Jahrhunderts aufnimmt…

Gerade im Umfeld mit dem dahinsiechenden eigenen Angebot Pono und Pono Music erhalten derartige Aussagen dann doch einen gewissen Beigeschmack, der gerade bei einem ansich derart sozialkritischen Künstler dann doch irgendwie nicht ins Bild passen mag.

Zumal man aus Insider-Kreisen erfahren kann, dass Neil Young die eigenen Aufnahmen möglichst exklusiv im eigenen Dienst Pono Music anbietet, und anderen Anbietern erst gar nicht zur Verfügung stellt. Dies klingt dann gar nicht so, als würde es „nur“ um Qualität gehen, sondern ganz banale finanzielle Interessen dahinter stehen. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Alben von Neil Young ja auch weiterhin bei Apple im Apple iTunes Store zu finden sein werden, die nicht mehr als AAC mit 256 kbps anbieten, oder etwa im Amazon MP3 Store, die bekanntermaßen Audio-Daten im MP3-Format mit 320 kbps offerieren.

Mit Qualität kann das ja aus Sicht von Neil Young nichts zu tun haben…

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