Foto © Onkyo Europe Electronics GmbH

Onkyo TX-RZ900 im Test – Der AV-Receiver der Mittelklasse…

Mit dem Onkyo TX-RZ900 liefert Onkyo einen sehr feinen, soliden AV-Receiver der Mittelklasse mit erstaunlich guten Eckdaten und sehr feinen Features, bei dem das renommierte japanische Unternehmen teils neue Wege beschritt. Wie sich diese in der Praxis bewähren, soll dieser Test zeigen.

Kurz gesagt...

Starken Klang ohne Kompromisse verspricht Onkyo für seine aktuellen Netzwerk AV-Receiver der Mittelklasse, dem Onkyo TX-RZ800 sowie dem Onkyo TX-RZ900. Wir haben den Onkyo TX-RZ900 einem ausführlichen Praxis-Test unterzogen.

Wir meinen...

Der Onkyo TX-RZ900 kann alles, was man von einem modernen Netzwerk AV-Receiver erwarten darf, auf sehr ansprechendem Niveau bieten. So zeigt er sich ebenso gerüstet für Stereo als auch Home Cinema, wobei zweiteres natürlich seine Paradedisziplin darstellt, in der er vollends auftrumpfen kann. Hier spielt er sehr souverän und stellt somit mit Fug und Recht das Spitzenmodell in der Mittelklasse von Onkyo dar.

Von Patrick Bonner (pb)
13.12.2015

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Der HiFi-Spezialist Onkyo geht in diesem Jahr neue Wege und verpasst den Netzwerk AV-Receivern Onkyo TX-RZ800 sowie Onkyo TX-RZ900 ein neues Design. Im Mittelpunkt stehen wie immer eine robuste Front aus Aluminium mit klaren Linien. Aber auch das Konzept der Audio verarbeitenden Komponenten wurde komplett überarbeitet. Wir freuen uns, den Onkyo TX-RZ900 hier im aktuellen Test präsentieren zu dürfen.

Man kann über das neue Design-Konzept des japanischen Unterhaltungselektronik-Konzerns Onkyo im AV-Segment verschiedenster Ansicht sein, wie Reaktionen in den einschlägigen Foren zeigen. Manche halten die Netzwerk AV-Receiver Onkyo TX-RZ800 und Onkyo TX-RZ900 für schlicht hässlich, andere wiederum für sehr „mutig“, wie auch immer man das interpretieren möchte, bis hin zu elegant schön. Auf den Bildern hat mir der Onkyo TX-RZ900 zunächst nicht gefallen. Daraus kann und will ich keinen Hehl machen. Aber jetzt, da wir dieses Gerät tatsächlich live bewundern können, da macht das neue Design schon was her.

Das neue, schnittige Aussehen ist nicht nur zeitlos schön, man hebt sich damit auch gekonnt von Mitbewerbern ab. Das Design des Onkyo TX-RZ900 ist zukunftsweisend und bricht mit dem alten Stil, hier haben die Designer von Onkyo ein Meisterstück konstruiert. Weg von bekannten Linien und hin zu einem jungen, eleganten Charme. Hier hat Onkyo voll ins Schwarze getroffen!

Im Kontrast zum neuen, vollendeten Design, steht leider die Fernbedienung. So edel und formschön der AV-Receiver wirkt, so billig ist dagegen die Fernbedienung ausgefallen. Diese ist deutlich kleiner als etwa die des Onkyo TX-NR3030 und fühlt sich nicht sehr wertig an. Hier geht Onkyo einen falschen Weg. Man sollte sich an die grandiose Remote Control des Onkyo TX-NR905 mit dem Joystick erinnern. Ein „Totschläger“, der eine Fernbedienung für echte Männer war. Nein, keine Angst. Wir möchten nicht in Lager-Feuerromantik und Klischees abtauchen, denken aber, dass es ein gutes Mittelmaß zwischen den beiden braucht.

Leider wurde bei der aktuellen Fernbedienung auf die Beleuchtung verzichtet und durch die enge Anordnung der viel zu kleinen Tasten ist die Bedienerfreundlichkeit gering. Sie ist sehr leicht und fühlt sich letztlich zu billig an. Dies passt nicht wirklich zu der wertigen Anmutung des eigentlichen AV-Receivers.

Damit also zurück zum Gerät selbst. Das Tastenfeld zur Quellenwahl (links) macht einen wertigen Eindruck, die Front und auch die Klappe zur Abdeckung sind aus solidem Aluminium gefertigt. Unter dieser verbergen sich die Menü-Tasten, sowie eine Kopfhörer-Buchse, ein Anschluss für das mitgelieferte Einmess-Mikrofon und auch ein HDMI-Anschluss. Dieser unterstützt leider kein MHL, was sich gerade hier anbieten würde, schließlich könnte man hier entsprechende Smartphones und Tablets direkt an der Front anschließen um direkt auf deren Speicherinhalt an multimedialen Daten zugreifen. Leichte Abstriche gibt es, da nicht alle Knöpfe aus Metall gefertigt wurden. So sind Bass, Treble und der Power-Knopf aus Kunststoff. Beim Display setzt man die bekannte Standard-Matrix-Anzeige von Onkyo, die sehr gut ablesbar ist.

Die Rückseite des Onkyo TX-RZ900 sieht aufgeräumt aus. Alle Buchsen sind logisch angeordnet und gut erreichbar. Die einzige Ausnahme stellt der Masse-Anschluss vom Phonokabel dar, da dieser, wie ich finde, etwas weit von den eigentlichen Phono-Anschlüssen entfernt ist. Der Receiver bietet neben sieben HDMI-Eingängen, fünf davon mit HDCP 2.2, auch zwei HDMI-Ausgänge. Die HDMI-Sektion ist laut Spezifikation zur Verarbeitung von Ultra HD TV, also Inhalten in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde, und dem erweiterten Farbraum von 4:4:4 ausgelegt. HDMI 2.0 wird somit voll unterstützt. Auch einem Betrieb von TV gepaart mit Videoprojektor steht dank der zwei HDMI-Ausgängen hier nichts im Weg.

Die analoge Konnektivität kann sich ebenfalls sehen lassen. So bietet das Gerät neben besagtem Phono-Eingang, der für MM-Tonabnehmer ausgelegt ist, neun weitere Chinch-Eingänge für analoge Quellen, fünf 5 digitale Eingänge, ausgeführt als zweimal S/PDIF koaxial sowie dreimal optisch S/PDIF (TOS-Link), drei Composite Video Eingänge und zwei Anschlüsse für für Y/U/V.

Auch an Anschlussmöglichkeiten externer verarbeitender Geräten wurde erfreulicher Weise nicht gespart. So bietet der Receiver einen Composite, einen Y/U/V, und einen 7.2-Mehrkanal Audio-Ausgang.

An Subwoofern lassen sich gleich zwei anschließen, um ein wirklich sattes, kräftiges Bass-Fundament zu erzielen.

Die Nutzung von weiteren Hörzonen wurde auch beim Onkyo TX-RZ900 wieder ermöglicht. Hier stehen für Zone 2 und Zone 3 Chinch-Anschlüsse bereit, Zone 2 verfügt dazu noch einmal über einen separat als verstärkter Ausgang ausgeführten Anschluss von Lautsprechern. Übrigens, alle Verstärker-Ausgänge stehen mit massiv gearbeiteten und vergoldeten Schraubklemmen zur Verfügung, die auch Banana-Stecker mit 4 mm aufnehmen können. Dazu sind lediglich die Sicherheitskappen zu entfernen, ein lästiges Detail, an das man sich aber wohl bereits gewöhnt hat und eine Vorgabe, die alle Verstärker betrifft.

Weiters möchte ich anmerken, dass man dem Gerät rückseitig einen so genannten USB-Power-Anschluss spendiert hat, der immerhin eine Leistung von 1A liefern kann. Somit ist der Anschluss von Streaming-Sticks, wie sie etwa von Amazon, Google und weiteren Herstellern angeboten werden, an HDMI ohne externes Netzteil möglich.

Beim Tuner wurde leider nur auf einen analogen UKW/MW-Tuner gesetzt, hier wäre die Zeit längst reif für eine zeitgemäße DAB+ Version, zumindest als zusätzliche Option.

Den Informationsaustausch mit dem Netzwerk, sowie Musik Streaming-Plattformen leistet der Receiver mithilfe eines integrierten WLAN-Moduls, oder am 10/100BaseT-Ethernet Anschluss. Dies dient allen voran dazu, den Onkyo TX-RZ900 als Streaming-Client zu nutzen, sei es als dlna-zertifizierter UPnP-Streaming-Client, oder etwa für Apple AirPlay. Zudem werden Dienste wie Deezer und Spotify inklusive Spotity Connect direkt unterstützt. Der Onkyo TX-RZ900 kann Audio-Daten im Linear-PCM-Format mit bis zu 24 Bit und 192 kHz verarbeiten, ebenso Daten im DSD-Format, wobei hier die Fähigkeiten bis zu DSD 5.6 reicht. Ferner lassen sich mobile Devcies über das integrierte Bluetooth 4.0 Modul einbinden.

Speichermedien lassen sich über eine USB-Schnittstelle direkt als Quelle nutzen.

Der Anschluss des Receivers gestaltet sich problemlos und durchdacht. Sämtliche Buchsen sind gut erreichbar, klar beschriftet, und alle Stecker sitzen passgenau und fest.

Inbetriebnahme - Die ersten Schritte…

Um eine Möglichst saubere Einmessung und reibungsfreie Konfiguration zu gewährleisten empfiehlt es sich zunächst, das jeweils aktuelle Software-Update zu installieren. Das Update kann über WLAN, LAN oder USB erfolgen, Wir haben uns für die USB-Variante entschieden. Es macht wenig Sinn, LAN oder WLAN zu konfigurieren, wenn man nach dem Update sowieso einen Reset durchführt, um sämtliche Einstellungen im Cache-Speicher des Receivers zu leeren, und somit eine saubere Grundkonfiguration zu erhalten.

Nach dem erfolgten Update wurde das mitgelieferte Einmess-Mikrofon eingesteckt, und man wird automatisch durch das selbsterklärende, logisch strukturierte Menü geführt. AccuEQ, so heißt das Onkyo eigene Einmess-System, hat gegenüber der Version aus dem Jahr 2014 deutlich zugelegt. Neu ist, dass jetzt auch die Front-Speaker sauber eingemessen werden, und ein Equalizer zur manuellen Kalibrierung zur Verfügung steht.

Das Menü selbst ist grafisch leider etwas rudimentär geraten. Die wenigen Symbole sind längst nichtmehr so schön wie in der 2014er Generation, wirken etwas pixelig, und es gibt leider viele Übersetzungsfehler, und teilweise werden Menüpunkte gar nur in Englisch angezeigt. Hier muss Onkyo ein gutes Stück nacharbeiten!

Die Netzwerkkonfiguration lässt sich dennoch einfach durchführen, und dank DHCP Funktion wurden das lokale Netz und auch die Internet-Verbindung sauber konfiguriert. Der Receiver lässt sich mit der mitgelieferten Fernbedienung, oder auch mit der Onkyo Remote App, welche kostenlos für Smartphones mit Google Android und Apple iOS erhältlich ist, bedienen. Die App kann zusätzlich dem Onkyo TX-RZ900 noch auf den Smart Devices lokale, oder dlna-Daten zuspielen. Das alles läuft dank echtem Plug & Play einfach und problemlos. Die App sucht sich den Receiver automatisch im lokalen Netzwerk und stellt alle Funktionen übersichtlich zur Verfügung.

Der Soundtest

Onkyo bewirbt mit dem Onkyo TX-RZ900 viele Features und Technologien, wie VLSC, WRAT die eigentlich schon in den Geräten der Vorjahre integriert waren. Wirklich neu ist somit der handgewickelte Torodial-Transformator, der durch seine Bauform eine sehr hohe Effektivität aufweist, und so schnell (Widerspruch zu Induktivitäten, hier aber eine Bauform-bedingte Ausnahme) hohe Ströme stabil zur Verfügung stellt. Gepuffert wird dies durch große Kondensatoren, die wie in den Vorjahren Onkyo-typisch großzügig dimensioniert sind. Durch eine dreistufige invertierte Darlington-Schaltung, einer parallelen Gegentakt-Schaltung für die Front-Kanäle, sowie Onkyos eigene so genannte WRAT-Verstärker-Technologie, die ich im elektronischen Bereich für eine der ausgewogensten erachte, wird dieses Konzept abgerundet, wobei angeführt sei, dass WRAT, für Wide Range Amplifier Technologie steht. Auf diese Art entfaltet der Onkyo TX-RZ900 eine Leistung von 200 Watt pro Kanal.

Ein wesentliches Merkmal des Onkyo TX-RZ900 sind natürlich auch die eingesetzten Wandler, immerhin hochwertige Asahi Kasaei AK4458 32 Bit 384 kHz D/A-Wandler, die auf besagte VLSC-Technologie setzen. VLSC setzt auf einen kontinuierlichen Vergleich der Signale am Eingang sowie Ausgang, und beseitigt so das während der D/A-Wandlung entstandene Impulsrauschen, sodass letztlich ein besonders klarer, präziser Klang erzielt wird.

Auf den Datenblättern liest sich dies alles natürlich wie immer recht trocken, und man kann sich anhand von Abkürzungen und Begriffen ein schlechtes Bild von den tatsächlichen Qualitäten machen. Deshalb habe ich den tonalen Test in mehrere Bereiche Unterteilt.

Zunächst wird Musik von analogen Medien wiedergegeben, schließlich erhebt Onkyo den Anspruch, eine Lösung anzubieten, die für alle Eventualitäten gerüstet ist, also auch abseits von Home Cinema. Und da hier ein Phono-Eingang zur Verfügung steht, also auch Vinyl-Liebhaber auf ihre Kosten kommen sollen, liegt es nahe, diese Funktion gleich in den Test mit einzubeziehen. Als Quelle dient hier ein Laufwerk des Typs Onkyo CP-700 bestückt mit PD-3 Nadel mit Shibata Schliff und einem sehr linearen Frequenzgang.

Des weiteren wollen wir den AV-Receiver von Onkyo natürlich auch in seiner Funktion als Streaming-Client einsetzen, wobei hierfür verschiedene Sound-Dateien in unterschiedlichen Auflösungen zum Einsatz kommen, von MP3-Daten mit 320 kbps bis hin zu HiRes-Audio im FLAC-Format mit einer Auflösung bis zu 24 Bit und 192 kHz. MP3 wird deshalb mit bewertet, da viele Kunden Daten in dem Format vorliegen haben dürften, und Onkyo durch sein hauseigenes System Klangverbesserungen verspricht. Als Referenz setzten wir unter anderem auf das aktuelle Album von Hermann Posch, feinster Blues aus Österreich. Hierbei handelt sich nur bedingt um „Schleichwerbung“, einerseits liegt mit „Cold River Blues“ ein fantastisches Album vor, zudem ist diese Art der Musik einfach perfekt für derartige Tests geeignet, durch sehr saubere Instrumente und einen sehr großen Dynamikbereich kann man hier sehr gute Rückschlüsse auf die Qualität der Elektronik ziehen.

Natürlich wird auch zu guter Letzt der Heimkino-Betrieb bewertet, dies ist ja schließlich der essentielle Grund, sich ein derartiges System zuzulegen. Hier wird in den Kategorien Bild und Ton unterschieden, und es kommt auch Dolby Atmos zum Einsatz, und zwar mit den Blockbustern „Transformers 4“ sowie „The Expendables 3“, die reichlich von beeindruckenden Effekten gebrauch machen.

Der „Stereo Phono Test“

Zur Auswahl kommen bei diesem Test das Album„The Wall“ von Pink Floyd, und wie beschrieben, Hermann Posch „Cold River Blues“. Im so genannten „Direct Modus“ fällt auf, dass die Bässe bei Pink Floyd sehr trocken und leicht zu stark anspielen. Hier empfehlen wir ein leichtes Zurückschrauben der Bässe bis 120 Hz. Die Mitten sind harmonisch, und gliedern sich weich ins Soundfeld ein, die Höhen sind brillant, aber nicht überzogen. Gesamt empfinde ich, dass dieses Album von unserem Vergleichssystem, einem Onkyo TX-NR3030, besser gemeistert wird. Bei Hermann Posch stelle ich im Titel „Akire" fest, dass sich seine markant rauchige Stimme aus dem Feld herauslöst, und sehr plastisch im Raum dargestellt wird. Gänsehaut ist hier garantiert, und hier hat der Onkyo TX-RZ900 gar gegenüber dem Onkyo TX-NR3030 leicht die Nase vorne. Wer Platten nicht nur im klassischen Stereo, sondern im Surround-Modus hören will, und somit auf alle Lautsprecher verteilen möchte, sollte den Onkyo-eigenen „Studio Mode“ auswählen. Stimmen heben sich in diesem Modus klar heraus. Auch hier ergibt sich jedoch das gleiche Phänomen wie im „Direct Mode“: Bässe sind leider etwas stark.

Der „MP3 Test“

Wie schon beschrieben wird MP3 dem Test unterzogen, da Onkyo mit einem so genannten Klang-Verbesserungssystem wirbt, dem Music Optimizer, der bei verlustbehaftet komprimierten Audio-Daten besonders gute Dienste leisten soll und diese deutlich aufwertet.

Zum Test liegen mir wieder Hermann Posch (Titlel „Akire“ sowie „Devil´s woman") und „Bachs Brandenburg Konzert“, eingespielt von Dunedin Consort und John Butt vor. Beides steht für diesen Test in der bei MP3 besten Qualität von 320 kbps vor.

Man kann es drehen und wenden wie man will, wer Musik im „Rohformat“ kennt, für den ist MP3 am Receiver ein Graus. Die Auflösung ist ohne Music Optimizer und auch mit dem eingeschalteten System nicht überzeugend. Im Hintergrund hört man das MP3-typische „gekrissel“ und es macht nur bedingt Spaß. Ja, mit der Onkyo systemeigenen Verbesserung, dem besagten Music-Optimizer, klingt es etwas besser, aber Wunder darf man davon nicht erwarten. Es klingt, als ob lediglich eine Anhebung einiger Frequenzbereiche stattfindet, was zwar letztlich anders, aber nicht wirklich besser klingt Als Fazit bleibt zu sagen, MP3 hört sich an, wie MP3 eben ist. Was bei ohnedies sehr stark komprimierter Pop-Musik vielleicht nicht so dramatisch auffällt, ist bei feinst produzierter Musik nicht wirklich überzeugend, ob bei Blues von Hermann Posch, oder Klassik, es ist jedenfalls sehr unschön.

Der „HD-Audio Test“

Hier werden die gleichen Stücke wie auch im MP3-Test herangezogen, jedoch stand uns das Album von Hermann Posch „nur“ als FLAC-Datei mit 24 Bit und 44.1 kHz, Bach hingegen in 24 Bit und 192 kHz, ebenfalls als FLAC-Datei vor. Das Konzert No. 5 prescht fulminant hervor. Ein wirklich starker Auftakt und der Onkyo TX-RZ900 zeigt hier seine ganze Stärke. Man wird als Zuhörer in das Soundfeld gefesselt und das Zuhören macht richtig Spaß. Nicht nur prägnante Instrumente, sondern auch sanfte Streicher untermalen gekonnt den Hintergrund und werden sehr präzise dargestellt.

Die Instrumente aus dem Posch-Album zeichnen sich sehr klar und deutlich ab, die Stimme wird vordergründig in den Mittelpunkt gerückt dargestellt. Man fühlt sich wie in einer verrauchten Bar während eines Live-Auftritts. Sehr schön! Dynamisch empfinden wir den Onkyo TX-NR3030 etwas stärker, der Onkyo TX-RZ900 zeigt hier wieder etwas Basslastigkeit.

Das kurze Zwischen-Fazit des Audio-Tests lautet somit: MP3 sollte man sich wirklich nicht mit diesem Gerät antun. Der Onkyo TX-RZ900 ist für höheres Bestimmt, und dies zeigt er freudig bei größeren Anforderungen. Wer einen linearen Frequenzgang bevorzugt, sollte den Bass unter 120Hz etwas raus nehmen, was aber dank Equalizer kein Problem ist. Der Onkyo RZ900 kommt nah an den doch € 1.000,- teureren Onkyo TX-NR3030 ran, übertrifft diesen jedoch erwartungsgemäß nicht.

Und nun: Heimkino inklusive Dolby Atmos…

Der Onkyo TX-RZ900 ist ein Dolby Atmos-fähiger Verstärker für 5.1.2-Konfigurationen, also ein reiner 7-Kanal AV-Receiver, obwohl rückwärtig mehrere Lautsprecheranschlüsse zur Verfügung gestellt werden. Über die zusätzlichen Anschlüsse kann auch ein Dolby bzw. dts 7.1-Kanal-System, oder eben die beschriebene 5.1.2-Konfiguration betrieben werden. Der Receiver schaltet bei Bedarf auf die entsprechenden Soundmodus um. Der Benutzer kann dies auch manuell mit einem Aufruf des Quick-Setups (Taste Q) selbst je nach Geschmack einstellen. Getestet werden Dolby Atmos und klassisches Dolby Digital. DTS-X kann mangels entsprechender Firmware und Titel leider noch nicht getestet werden. Nach Angaben des Herstellers ist der Onkyo TX-RZ900 aber bereits für DTS:X vorbereitet.

Der Vollständigkeit wegen sei an dieser Stelle zudem noch erwähnt, dass der Onkyo TX-RZ900 das „THX Select2 Plus Certified“ Logo trägt.

Für unseren Test stehen, wie bereist zuvor beschrieben, die Discs von „Transformers 4“ und „The Expendables 3“ zur Verfügung. Beide Filme liegen in Abmischungen für Dolby TrueHD sowie Dolby Atmos vor.

Schon im Auftakt von „Transformers 4“ zeigt sich der Onkyo TX-RZ900 brachial und sehr stark. Die räumliche Darstellung ist in Dolby Atmos sehr überzeugend, jedoch sind einzelne Objekte beim Onkyo TX-NR3030 noch etwas differenzierter zu erkennen. Dennoch stellt auch hier der Onkyo TX-RZ900 alle Objekte räumlich akkurat erkennbar dar. Ganz besonders sticht die Szene hervor, in der die Protagonisten das Schiff des Sentinel entern. Man fühlt sich wirklich voll in das Filmgeschehen einbezogen, und hier zeigt Dolby Atmos sein wahres Potential. Der reine 7.1-Mehrkanal-Betrieb lässt hier nur erahnen, was Dolby Atmos dann wirklich zu leisten im Stande ist, und der Onkyo TX-RZ900 setzt das wirklich sehr gut um. Auch hier ist tonal nichts auszusetzen, und der „Kleine“ zeigt sich dem Onkyo TX-NR3030 fast ebenbürtig. Gleiches gilt für „The Expendables“. Ein sehr klarer Ton, und gut zu erkennende Objekte, deren Präsenz sich sehr klar im Raum widerspiegelt. Auch hier ist ein Umschalten auf den 7.1-Surround-Sound ein klarer Rückschritt. Der Onkyo RZ900 geht mit Dolby Atmos sehr detailverliebt und plastisch um. So soll es sein, und genau das wird erwartet. Auch hier kommt er verdammt nah an den Onkyo TX-NR3030 ran.

Abschließend sei die Frage gestellt: lohnt sich so ein Receiver um Atmos zu hören? Die Antwort kann nur ein klares „Ja“ sein. Ein echter Quantensprung, der Spaß macht und beim Filmgeschehen mitreißt. Wenn Dolby Atmos schon so gut klingt, darf man das höherwertige DTS-X gespannt erwarten.

Zu guter Letzt: Ein Blick auf das Innenleben

Onkyo-typisch sieht man beim Blick unter die Haube die getrennten Transformatoren. Video und Steuerung sind sauber vom Verstärkerteil getrennt angebracht um Störeinflüsse untereinander zu vermeiden. Links sieht man den von Onkyo propagierten, handgewickelten Ringkern-Trafo, mit dessen Hilfe Frequenzen schon ab 5 Hz verarbeitet werden können.

Ebenso stechen sofort die bei Onkyo bestens bewährten so genannten WRAT-Verstärker und samt zugehöriger Puffer-Kondensatoren hervor. Unter dem Begriff WRAT versteht man bei Onkyo speziell konzipierte Hochstrom-Verstärker, die von den Kondensatoren entsprechend kurzzeitige hohe Ströme reibungslos beziehen können.

Zudem zeigt sich, dass man bei Onkyo wohl aus der Vergangenheit gelernt, und ein HDMI-Board entwickelt hat, das durch den Verzicht so genannter Elkos sehr langlebig sein dürfte. Hierfür spricht auch, dass lediglich der Dolby bzw. dts-Decoder auf Ball Bearing Technologie basiert.

Das Kernstück der Video Sektion stellt ein besonders leistungsstarker Prozessor dar, und zwar der Panasonic MN864787, ein HDMI 2.0 Transmitter und Scaler, der Videoströme in 50/ 60 Hz in 4:4:4 Farbtiefe verarbeiten kann. Die Upscaling-Funktion auf 4K hat Onkyo jedoch im Onkyo TX-RZ900 nicht implementiert.

Als Abschluss des sehr ausführlichen Praxistests, indem sich der Netzwerk AV-Receiver aus dem Hause Onkyo zahlreicher weiterer Testdurchläufe bei Film und Musik stellen musste, kann festgehalten werden, dass der Onkyo TX-RZ900 ein wirklich ausgezeichneter Netzwerk AV-Receiver ist, der sehr gut mit verschiedensten Aufgaben bei Stereo als auch Surround zurechtkommt.

Analoge Quellen werden genauso detailreich und tief umgesetzt, wie auch digitale Quellen, bis hin zu hochauflösendem Audio bei Stereo. Seine wahren Stärken zeigt der Receiver aber ganz klar in seiner primären Domaine, und zwar dem Heimkino-Bereich. Hier gibt es nahezu keinen Grund zur Klage, vielmehr spielt der Onkyo RZ900 hier wirklich groß auf, insbesonders bei Inhalten mit Dolby Atmos. Wer ein wenig die verfügbaren Tuning-Optionen nutzt, kann bei diesem Gerät nach ein paar Feinjustierungen noch mehr herauskitzeln, als die automatischen Einmess-Algorithmen erlauben.

Auf den Punkt gebracht

Der TX-RZ900 liefert insbesondere in seiner Paradedisziplin im Heimkino gute bis sehr gute Ergebnisse. Lediglich eine wertigere Fernbedienung und fehlende Auro 3D-Unterstützung lassen Spielraum zur Kritik. Nach einer manuellen Feinjustierung
ist der Onkyo TX-RZ900 auch in der Mittelklasse im Stereo-Segment gut platziert. Wenn die Übersetzer von Onkyo die kleinen Fehler im Menü beheben, ist der Receiver absolut empfehlenswert. Das Preis/ Leistungsverhältnis ist somit als sehr gut zu bezeichnen.

8,0 (Exzellent)

The Good

  • Einfache Installation
  • mehr als solide Ausstattung
  • hoher Bedienkomfort
  • sehr gute Ausstattung
  • flexible Ausstattung
  • überzeugt auch bei Stereo
  • elegantes Design

The Bad

  • Fernbedienung wirkt billig und der Qualität des AV-Receivers nicht angemessen
8 Klang
6 Bedienung
7 Design
8 Preis/Leistung

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