Oregon "1.000 Kilometers"

Das Album 1.000 Kilometers stellt eine Widmung für Thomas Stöwsand dar, der über 30 Jahre lang Oregon als Freund und Agent begleitete und im Oktober 2006 verstarb. Manchmal lagen zwischen den Konzert-Orten mehr als 1.000 Kilometer. Das Jazz-Quartett nannte solche Marathonstrecken liebevoll „einen Stöwsand“. Somit ist der Titel des mit immerhin zwei Grammy-Nominierungen geehrten Albums geklärt.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
26.01.2012

Share this article



Auch wenn 1.000 Kilometers das Album Nummer 25 ist, stellt es meinen Erstkontakt zu dieser famosen Formation dar. Ein facettenreiches und überaus farbiges Album, das lateinamerikanischen Einflüssen unterliegt, und so glänzt die Formation mit einem kristallklaren und aberwitzig dynamischen Sound. Das Album wird maßgeblich von einem niemals vordergründigen, aber genialen Schlagzeug-Sound Mark Walkers getragen.

Ein akustisches Festmahl ist die Instrumentierung insgesamt und lässt die Herzen eines jeden Jazz-Liebhabers höher schlagen. Paul McCandless glänzt mit einem virtuosen Spiel auf Oboe, Bass Klarinette und English Horn. Ralph Towner an einer Akustik-Gitarre, Piano, wie auch am Keyboard. Glen Moore am Double Bass und Mark Walker an Drums, Hand Percussion und dem genial eingesetzten Drum-Synthesizer.

Die Produktion fand in den Ludwigsburger Bauer Tonstudios, unter der Leitung von Ermanno Basso statt. Für die technische Umsetzung zeichnete Johannes Wohlleben und für das Mastering Danilo Rossi verantwortlich.

Die Gruppe Oregon feuert auf diesem Album in zwölf Titeln geradezu ein akustisches Feuerwerk ab. Der Titel „Catching up“, geschrieben von Ralph Towner selbst, ist ein mehr als acht minütiges Werk, das den Zuhörer leichtfüßig mit einer virtuos gespielten akustischen Gitarre im Dialog mit einer Oboe und mehreren Schlagzeug-Soli begleitet. „Back Pocket“ ist ein unbeschwerter Dialog zwischen Moore und Walker. Ein scheinbar dahin plätscherndes Duett, das doch dynamische Akzente setzt und den Zuhörer mit einer eingebetteten Dramatik vor sich her treibt. Ein Titel, den man besser nicht zu leichtfertig am oberen Pegellimit genießt.

Fast kein Oregon Album ohne frei improvisierte Bestandteile, so ist der Titel „ Free imp“ weitläufig und kantig gespielt und erinnert bisweilen an Sequenzen aus „Der weiße Hai“ während „Relentless imp“ sehr arabesque melodiös beginnt und dem Zuhörer die Zeit vergessen lässt.

Das eigentliche Highlight ist aber Titel Nummer 11 „The bactrian“, zu Deutsch schlicht das Trampeltier. Und glauben Sie mir, der Titel ist im positiven Sinne akustisches Programm. Tun Sie sich den Gefallen, und spielen Sie das Trampeltier laut, richtig laut. Sie werden Ihr blaues Wunder erleben. Es ist schlicht unglaublich, wie autoritär ein Kontrabass und Schlagzeug klingen können. Wie sehr man in einem melancholisch gespielten englischen Horn versinken kann. Getragen wird diese unglaubliche Aufnahme von einer absoluten Meisterleistung des Aufnahmeleiters, der es genial verstanden hat, auch audiophile Tugenden zur Geltung zu bringen. Die Aufnahme weist eine glaubwürdige Räumlichkeit auf, bei welcher die Instrumente auf einer messerscharf abgegrenzten Bühne mit viel Raum positioniert sind. Das Klavier habe ich selten in einer solchen Klarheit und aberwitzigen Dynamik erlebt.

Diese Aufnahme, aber Oregon insgesamt, ist für mich eine feste Größe in meiner CD Sammlung, die ich immer wieder gerne hervorhole, gerne richtig laut anhöre, und mich jedes Mal wundere, wie die Tieftöner und mein Herz-Kreislauf-System das überleben.

Share this article

Keywords: Oregon, Jazz, audiophil