High End 2014: Ist es ein Paradigmen-Wechsel? Nein, vielmehr ist es eine Rückbesinnung an die eigenen Anfänge, und eine deutliche Erweiterung der Produktpalette, wenn Piega SA nun mit der Piega Classic Series erstmals seit fast drei Jahrzehnten wieder Lautsprecher-Systeme mit Gehäusen aus Holz präsentiert." /> Sempre Audio
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Piega Classic Series - Zurück zu den Wurzeln…

High End 2014: Lautsprecher-Systeme mit einzigartigem Treiber-Konzept, aber allen voran einem Gehäuse aus Aluminium, dies sind die wesentlichsten Merkmale der Produkte aus dem Hause Piega SA. Nun aber präsentiert das Schweizer Unternehmen die neue Piega Classic Series, bestehend aus Piega Classic 80.2, Piega Classic 60.2 sowie Piega Classic 40.2, allesamt mit massivem, edlen Holz-Gehäuse.

Kurz gesagt...

Ist es ein Paradigmen-Wechsel? Nein, vielmehr ist es eine Rückbesinnung an die eigenen Anfänge, und eine deutliche Erweiterung der Produktpalette, wenn Piega SA nun mit der Piega Classic Series erstmals seit fast drei Jahrzehnten wieder Lautsprecher-Systeme mit Gehäusen aus Holz präsentiert.

Wir meinen...

Traumhaft in jeder Beziehung, so präsentiert sich die neue Piega Classic Series, bei der Kurt Scheuch erstmals seit nahezu 30 Jahren wieder auf Holz als Werkstoff setzt, sich und seiner seit Jahr und Tag verfolgten Philosophie aber absolut treu bleibt. Was zunächst als Widerspruch erscheint, ist in Wahrheit ein durch und durch schlüssiges Konzept, und eine überaus kluge Erweiterung des Produktportfolios.
Hersteller:Piega SA
Vertrieb:Novis Electronics GmbH
Preis:k.A.

Von Michael Holzinger (mh)
20.05.2014

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Im Vorfeld der High End 2014 waren wir noch zu Zurückhaltung angehalten, es sollte noch nicht allzuviel an Informationen darüber publik werden, was die Schweizer Lautsprecher-Manufaktur Piega SA anlässlich der Fachmesse in München Mitte Mai 2014 präsentiert. So stand bei der Vorab-Berichterstattung natürlich allen voran das in jeder Beziehung einzigartige Lautsprecher-System Piega Master Line Source im Mittelpunkt, aber all die Fakten rund um die tatsächliche Neuerung, die Piega Classic Series, erwähnten wir nur in Ansätzen. Verständlicherweise wollte Piega SA die Spannung bis zur tatsächlichen Weltpremiere in München aufrecht halten.

Schon allein die Piega Master Line Source machte es wohl aus Sicht der Schweizer unmöglich, die Präsentation im Rahmen der High End 2014 im M.O.C. abzuhalten, da deren Vorzüge wohl im Messetrubel nicht einmal im Ansatz zur Geltung kommen würden. Daher entschied man sich für eine exklusive Präsentation bei einem renommierten Münchner Fachhändler, und zwar dem Unternehmen Life-Like HiFi Studios in der Oberföhringerstrasse, nicht weit vom Messegeschehen entfernt, aber mit den idealen Räumlichkeiten für derartige Lösungen. Davon profitierte natürlich auch jene Serie, die an diesem Abend tatsächlich im Mittelpunkt stand, nämlich die neue Piega Classic Series.

Ganz ehrlich, wir waren sehr gespannt, welche Argumente Piega SA nunmehr zur Präsentation der neuen Piega Classic Series anführen würde, um deren offensichtlich so gänzlich anderes Konzept im Vergleich zu allen anderen Produkten im Portfolio der Schweizer zu beschreiben. Schlußendlich galt seit Jahr und Tag Aluminium als erste Wahl bei der Fertigung von Lautsprecher-Gehäusen. Und nun, mit der Piega Classis Series, präsentieren sich plötzlich Lautsprecher-Systeme mit „traditionellen“ Holz-Gehäusen.

Doch Kurt Scheuch, Mitbegründer und überaus ambitionierter Entwickler des Unternehmens, beantwortete diese Frage auf seine gewohnt lässige, unnachahmliche und überaus sympathische Art. Das Piega SA Lautsprecher-Systeme aus Holz fertigt, sei ja absolut nichts neues, vielmehr habe man vor nunmehr nahezu 30 Jahren genau so angefangen. Mehr noch, die ersten Speaker aus Horgen am Zürichsee präsentierten sich gar mit edlem Finish in Piano-Lack, damals ein absolutes Novum, aber allen voran natürlich mit dem inzwischen längst legendären Piega Bändchen-Treiber, der über all die Jahre verfeinert und verbessert wurde und nach wie vor defakto das Markenzeichen des Unternehmens darstellt. Irgendwann entschied man sich jedoch dazu, auf besonders „schlanke“ Lautsprecher-Systeme zu setzen, und dies erforderte neue Innovationen beim Lautsprecher-Gehäuse, was zu Aluminium als Werkstoff führte, auch das längst typisch für Piega SA. Dies sei aber alles andere als eine Grundsatzfrage, sondern einfach eine ganz praktische Herangehensweise, so Kurt Scheuch. Also spricht rein gar nichts dagegen, nunmehr bei der neuen Piega Classic Series wieder ganz klassisch auf Holz zu vertrauen. Allerdings, und dies ist der einzige Unterschied zum übrigen Portfolio, weisen diese Systeme natürlich gänzlich andere Dimensionen auf, denn um die gleichen Eigenschaften zu erzielen, ist hier ein deutlich höherer „Materialaufwand“ gefragt. Anstatt Aluminium mit einer Wandstärke von lediglich einigen Millimetern kommt hier eben 25 mm dickes, massives MDF zum Einsatz. Aus klangtechnischer Sicht entsprechen die neuen Modelle somit den bekannten Modellreihen Piega Coax sowie Piega Premium.

Im direkten Vergleich zu den Lösungen aus Aluminium wirken die neuen Lautsprecher-Systeme der Piega Classic Series natürlich „mächtig“, allerdings gelang es den Entwicklern der Schweizer Manufaktur, eine überaus ansprechende Design-Linie zu erschaffen, die pure Eleganz, Wertigkeit und zeitlose Schönheit ausstrahlt. Eine geschwungene Formgebung mit nach hinten sich erhebender Oberseite und einem Überzug aus Napalette, das edle Finish der Gehäusewände mit einer stets in mattem Schwarz gehaltenen Front, in die die Treiber akkurat integriert wurden, und die optional von ebenfalls in Schwarz gehaltenen Lautsprecher-Abdeckungen geschützt werden, macht aus allen drei Modellen der Piega Classic Series wahre Prachtstücke, die sich selbst im Vergleich zum Mitbewerb keineswegs verstecken müssen, sondern das Angebot vielmehr wahrlich bereichern.

Das absolute Flaggschiff der neuen Produktlinie stellt die Piega Classic 80.2 dar, die als Dreiwege-Lautsprecher-System ausgeführt ist, und mit einem Piega C1 Coaxial-Bändchentreiber sowie zwei 26 cm MDS Bass-Treibern bestückt ist. Während der typische Coaxial-Bändchentreiber mit seinem überaus leistungsstarken Neodymium-Magnet und einer nur hauchdünnen (0,02 mm) Folie aus Aluminium für eine glasklare Abbildung im Hochton- und Mittentonbereich sorgt, liefern die nicht minder aufwendig konstruierten Tieftontreiber ein geradezu mächtiges Bassfundament.

Auch wenn es zunächst den Anschein hat, handelt es sich keineswegs um eine geschlossene Konstruktion, sondern vielmehr um ein Bassreflex-System, wobei jedoch die Bassreflex-Öffnung nach vorne heraus geführt wird, und sich erst offenbart, wenn man die unterste Abdeckung entfernt. Hier verbirgt sich nämlich diese Öffnung, die zunächst wie ein zusätzlicher Treiber erscheint. Das „schwarze Loch“ entsprach eben nicht den ästhetischen Ansprüchen der Entwickler, deshalb entschied man sich für diesen Kunstgriff…

Beachtliche 72 kg bringt die Piega Classic 80.2 auf die Waage, und misst 142 mm in der Höhe, 39 cm in der Breite, sowie stolze 51 cm in der Tiefe. Mit einer Impedanz von 4 Ohm eignet sie sich für Verstärker mit einer Leistung zwischen 20 und 250 Watt, wobei sie sich durch eine Empfindlichkeit von immerhin 93 dB wohl kaum allzu fordernd für die Elektronik gibt. Sie kann einen Frequenzbereich zwischen 22 Hz und immerhin 50 kHz abdecken und ist - standesgemäß - mit einem Bi-Wiring Anschluss-Terminal versehen.

Tatsächlich nur eine Spur kleiner präsentiert sich die Piega Classic 60.2, die ebenfalls als Dreiwege-System konzipiert ist, und auf einen Piega C2 Coaxial-Bändchentreiber sowie zwei 22 cm MDS Basstreiber setzt. Auch dieses System ist als Bassreflex-System ausgelegt, und deckt einen Frequenzbereich zwischen 24 und 50.000 Hz ab, weist einen Wirkungsgrad von 93 dB und eine Impedanz von 4 Ohm auf. Damit eignet sich auch die Piega Classic 60.2 für Verstärker mit einer Leistung zwischen 20 und 250 Watt. Mit Abmessungen von 132 x 35 x 46 cm bringt sie es immer noch auf gar nicht bescheidene 52 kg.

Das kleinste Modell der neuen Piega Classic Series ist die Piega Classic 40.2, wobei es sich eigentlich in Anbetracht von 120 cm in der Höhe, 30 cm in der Breite, sowie 42 cm in der Tiefe nicht wirklich geziemt, von „klein“ zu sprechen. Satte 42 kg Masse zeugen auch hier von einer massiven Ausführung und einer aufwendigen Bedämpfung sowie komplexen Verstrebungen im Inneren des als 2 1/2 Wege-Bassreflex-System ausgeführten Prachtstück aus Horgen.

Bestückt mit einem Piega LDR 2642 MKII Bändchen-Treiber mit 26 x 42 mm hauchdünner Aluminium-Folie, sowie zwei 18 cm MDS Bass-Chassis dürfen auch hier Verstärker mit einer Leistung zwischen 20 und 250 Watt ans Werk gehen, wobei dabei die immerhin 93 dB Wirkungsgrad durchaus hilfreich bei der Wahl der richtigen Elektronik sein dürften. Sie deckt einen Frequenzbereich zwischen 26 und 50.000 Hz ab.

 

Bei allen drei Systemen hat der Kunde übrigens die Wahl zwischen einer Ausführung in Hochglanz Weiss oder Hochglanz Schwarz, wobei in beiden Varianten die Front als auch die Oberseite mit Napalette in Schwarz überzogen sind, und Lautsprecher-Abdeckungen, ebenfalls in Schwarz mitgeliefert werden. Auf Anfrage steht zudem die Ausführung Makassar mit Piano-Lack-Finish zur Verfügung, wobei auch hier die Front als auch die Oberseite in schwarzem Napalette ausgeführt sind.

Im Rahmen der Produktpräsentation ließ es sich Kurt Scheuch natürlich nicht nehmen, ein paar Musik-Stücke teils mit wirklich beeindruckender Lautstärke zu demonstrieren, um die Möglichkeiten der neuen Produkt-Linie ein wenig erahnen zu können. Mit schierer Kraft, aber stets voller Kontrolle und enormer Dynamik und Detailabbildung wurde den Zuhörern ein massives Klangbild entgegen geschleudert, wobei vor allem beim Flaggschiff der neuen Serie der an sich adrette Hörraum ganz klar seine Grenzen aufzeigte, aber nicht das Lautsprecher-System. Wer sich also für dieses Prachtstück entscheidet, der sollte sich zunächst ausgiebig mit dem Thema Raumakustik befassen, um der Piega Classic 80.2 das richtige Umfeld zur Entfaltung ihres vollen Potentials zu gewährleisten. Die Angabe des Herstellers, derzufolge das System bis hinab zu 22 Hz abbildet, kann man nach dieser Erfahrung als bestätigt erachten. Aber auch das kleinste System der Serie, die Piega Classic 40.2 hat es geradezu „faustdick“ in sich. „Klein“ relativiert sich also hier nicht nur, wie bereits erwähnt, bei den Abmessungen, dieses System spielt auf einem Niveau, da wird so mancher Mitbewerber gehörig ins Schwitzen kommen…

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