Piega lotet Grenzen aus - Bislang nicht mehr als eine Idee...

Einfach probieren, was möglich wäre, wenn man so könnte, wie man will. Extreme ausloten, ohne sich dabei die Frage stellen zu müssen, ob sich daraus ein reales Produkt aus zunächst visionären Ideen realisieren lässt, dies ist der Hintergedanke eines überaus spannenden Projekts von Kurt Scheuch, Mitbegründer und Chefentwickler des Schweizer Lautsprecher-Produzenten Piega SA.

Von Michael Holzinger (mh)
23.08.2012

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Am wunderschönen Zürichsee fertigt man seit Jahr und Tag in jeder Beziehung außergewöhnliche Lautsprecher-Systeme. Horgen, eine kleine idyllische Ortschaft in der Nähe der Schweizer Metropole Zürich ist die Heimat von Piega SA, einem Unternehmen, das im Jahr 1986 von Leo Greiner und Kurt Scheuch gegründet wurde und deren Produkte sich vor allem durch zwei Merkmale aus dem immensen Angebot an Lautsprecher-Systemen, selbst im High-end Bereich, unterscheiden. Dies ist zunächst die Wahl des Materials fürs Gehäuse, und zwar Aluminium, einem Werkstoff, der nach Ansicht von Piega der einzig ideale ist, wenn es um die Entwicklung optimaler Lautsprecher-Systeme geht. Und dann ist da natürlich der von Piega entwickelte, über mehr als zwei Dekaden stets weiter optimierte Bändchen Hochton-Treiber, der auch die Basis für das erstmals von Piega entwickelten Bändchen Koaxialsystem bildet, welches sich nunmehr in allen High-end Systemen der Schweizer findet.

Wir wissen nicht, ob sich die Gründer von Piega SA suchten, fest steht allerdings, dass sich mit Kurt Scheuch und Leo Greiner genau die richtigen Akteure gefunden haben, denn während Greiner von sich selbst behauptet, vor allem schöne Lautsprecher-Systeme entwickeln zu wollen, stellt man im Gespräch mit Kurt Scheuch binnen weniger Augenblicke fest, hier ist ein Mann mit ungebändigter, schier unerschöpflicher Leidenschaft für die Entwicklung technisch ausgefeilter Systeme am Werk, dessen einziges Ziel es ist, den perfekten Klang, und nichts weniger zu realisieren und der dabei bislang geltende Grenzen nicht hinnehmen will.

Begeht man wie wir den Fauxpax, ausgerechnet einen Mann mit einer derartigen Hingabe zur Perfektion bewusst provokativ zu fragen, ob es denn nach über 25 Jahren Entwicklung in der Lautsprecher-Produktion noch wirklich Neuland zu entdecken gibt, so erhält man zunächst ein gerade mitleidsvolles Lächeln, und anschließend einen überaus spannenden Vortrag, auf den wir zumindest an dieser Stelle noch gar nicht eingehen wollen, denn geradezu spektakulär fiel der Beweis aus, den Kurt Scheuch zur Untermauerung seiner Ansichten danach folgen ließ.

Es sei an dieser Stelle ausdrücklich betont, dass es sich im Folgenden um keine Produktankündigung handelt, denn es ist noch lange kein finales Produkt. Zudem steht auch nicht einmal noch fest, ob es denn überhaupt eins werden wird. Denn derzeit ist es nicht mehr als ein allererstes Konzept, wenngleich ein überaus mächtiges und beeindruckendes, hinter dem nur ein einziger Ansatz steht. Und zwar jener, auszuloten, was machbar wäre, wenn man so könnte, wie man wollte, ohne sich dabei irgendwelche Grenzen durch Budget-Vorgaben, Machbarkeit in der „Serienfertigung“, oder bislang bestehender „Regeln“ betreffend Design oder Technologie aufzuerlegen.

So meint Kurt Scheuch im Gespräch mit sempre-audio.at, dass er natürlich nach wie vor bestrebt ist, vor allem den für Piega typischen Bändchen-Treiber stets weiter zu entwickeln und zu verfeinern. Aber egal, was er dabei unternimmt, eins hat sich als fixe Konstante herausgestellt. Und zwar die Abmessungen des Treibers. Kleiner oder Größer, nie war das Ergebnis wirklich besser, sondern eher sogar schlechter. Es habe den Anschein, dass man zumindest die Abmessungen betreffend bereits das Optimum gefunden habe. Was aber macht man, wenn man eine der wenigen "Einschränkungen" derartiger Treiber überwinden will, und zwar die maximal zu bewegende Luftmasse, also mehr Fläche benötigt? Ganz einfach, so Kurt Scheuch, man setzt eben auf mehrere derartiger Treiber. Das bislang vorzuweisende Ergebnis dieser Bemühungen steht bereits im Hörraum von Piega, keine zehn Meter entfernt vom Ufer des Zürichsee.

Und wir hatten die Ehre, dieses System nicht nur zu bestaunen, sondern auch zu hören. Wir haben ja schon einiges an wirklich außergewöhnlichen Lösungen gehört, und da war sehr viel beeindruckendes dabei, vor allem auch in Preisbereichen, die wohl für nahezu jeden weit, weit außerhalb finanzieller Möglichkeiten liegen, sofern diese überhaupt käuflich zu erwerben waren. Aber dieser - nun ja, wie soll man es bezeichnen - Prototyp war dann dennoch etwas ganz außergewöhnliches und exquisites.

Grob gesprochen hat man es bei diesem System mit einer Wand aus solidestem Aluminium zu tun, die geradezu vollgepackt mit Bändchen-Treibern aus dem Hause Piega ist. Und zwar sowohl Bändchen-Hochton-Treiber als auch Bändchen Mitten-Tontreiber, Zwölf an der Zahl bei den Hochtönern, und weitere neun Stück in den mittleren Lagen. Doch das ist bei weitem noch nicht alles. Dahinter verbirgt sich ein Bass-System, mächtig und keineswegs den üblichen Vorstellungen von „Wohnraum-tauglich“ entsprechend, mit weiteren vier klassischen Bass-Treibern. Die Kontrolle über dieses „Lautsprecher-System“ obliegt einer Frequenzweiche, deren derzeitige Form, vor allem was die „perfekte“ Platzierung und einen angeblich „korrekten“ Aufbau betrifft, so manchem eingeschworenen Audiophilen wohl alle Haare zu Berge stehen ließe. Kurt Scheuch ist dies aber nicht mehr als ein lässiges Achselzucken wert, wenngleich der Schweizer Entwickler auch diesbezüglich ganz eigene Vorstellungen vertritt. „Es funktioniert, und es ist zweckmässig so“, kommentiert er dies im lässigen Schwiizerdütsch. Natürlich überlies er auch bei der Frequenzweiche nichts dem Zufall und bestückte diese mit der für ihn typischen Akribie, allerdings liegt diese einfach mal so, fast „lose“ verbunden hinter den mächtigen Klangwänden am Teppich-Boden, als hätte diese einfach irgendwer mal hingelegt und nicht aufgeräumt.

Und auch betreffend der Elektronik bedarf es keines hochgezüchteten Geräte-Fuhrparks, wenngleich natürlich nur Feinstes zum Einsatz kommt. Und zwar eine edle Kette aus dem Hause Marantz.

Schon nach den ersten Takten war klar, welches Ziel Kurt Scheuch im Allgemeinen, aber natürlich bei diesem System im Speziellen verfolgt, und zwar absolute Perfektion das Timing betreffend, und das wohlgemerkt über das gesamte Frequenzspektrum. Daraus resultierend ergibt sich ein immens dichtes, natürliches Klangbild, das stets alles exakt auf den Punkt gebracht abbildet. Und in dieser Form natürlich geradezu wortwörtlich beeindruckend, denn es ist schier unglaublich, mit welcher Intensität das Klanggeschehen hier auf den Zuhörer wirkt. Mächtig, dieses Wort trifft es wohl am ehesten, wobei dieses System von Piega den Zuhörer wohl eher sprachlos mit heruntergeklapptem Unterkiefer nach mehr Klangbeispielen gieren lässt.

Und wird man dieses Erlebnis auch irgendwann käuflich erwerben können? Erneutes Achselzucken, diesmal allerdings mit einem geradezu spitzbübischen Grinsen und ein „Schaun wir mal...“ ist darauf bislang die Antwort von Kurt Scheuch. Er habe da schon so eine erste vage Vorstellung, wie ein derartiges System aussehen könnte. Etwa, eine richtige Klang-Wand, die rechts und links mit Verstrebungen versehen sei, in denen dann die Bass-Chassis zu finden sind. Aber das sei alles noch weit davon entfernt, auch nur ansatzweise ein konkretes Produkt zu sein, sodass es derzeit noch keine Veranlassung gibt, beim österreichischen Vertrieb Novis Electronics GmbH entsprechende Anfragen zu platzieren.

Bitte fragen Sie uns in diesem Fall nicht nach irgendwelchen technischen Daten. Wir haben es auch nicht getan. Denn wir sind felsenfest davon überzeugt, Kurz Scheuch hätte uns all dies bereitwillig erläutert, aber wozu sollte man durch banale Zahlen belegen müssen, dass ein perfektes System perfekt ist?

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