Popa Chubby featuring Galea „Flashed back“

„Flashed back“, dieser Titel ist Programm. Popa Chubby tritt mit diesem Album den Beweis an, dass man selbst Klassiker auf unnachahmliche Art und Weise neu interpretieren kann, ohne dabei ihren ursprünglichen Charakter zu verfälschen. Zudem liefert er mit „Flashed back“ eine Studio-Aufnahme ab, die zumindest sehr viel des Zaubers eines Live-Konzerts vermitteln kann.

Von Michael Holzinger (mh)
05.04.2012

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Dynamic Range DR6
Gleich vorweg die „Warnung“: dieses Album ist von Beginn bis zum Ende stets am Anschlag! Und genauso gehört es auch gespielt! Laut aufdrehen heisst die Devise, denn dann kommt der ganz spezielle, mitreissende Charakter dieser Aufnahme vollends zur Geltung. Dann ist es fast so, als stünde man beim Konzert in der ersten Reihe, auch wenn es sich - und dies ist das wirklich bemerkenswerte - um ein Studio-Album handelt.

Eins muss aber auch klar gesagt werden, und zwar, dass dieses Album am absoluten Limit abgemischt und gemastert ist. Dies drückt sich in einer zunächst auf dem Papier eher ernüchternden Dynamik aus, für die das entsprechende Tool Dynamic Range Meter geradeeinmal den Wert DR 6 auswirft. In diesem Fall ist dies aber eben doch nicht so dramatisch, denn die Herrschaften rund um Popa Chubby spielen ohnedies wirklich jede Nummer dieses Albums - wie bereits erwähnt - absolut am Limit. Mehr Punch hätte man wohl nicht mehr auf Band bannen können...

Popa Chubby beschreibt die Intension für dieses Album als persönlichen Herzenswunsch, denn damit habe er sich der Musik widmen können, die ihn prägte. In den 1960igern geboren, wuchs er mit, wie er es selbst ausdrückt, der besten Musik auf, die jemals produziert wurde. Seine Eltern hatten ein Süsswaren-Geschäft in der 181st Street im New Yorker Stadtteil Bronx. Darin stand eine Jukebox der Marke Wurlitzer, und die wurde wöchentlich mit den neuesten Hits bestückt, die er und die Kids aus der Nachbarschaft immer und immer wieder spielten. Otis Redding, Jimi Hendrix, The Animals und Nancy Sinatra und viele, viele mehr begleiteten somit seine Kindertage und all diese Einflüsse sind ganz klar auf jedem seiner Alben herauszuhören.

Gleiches gilt scheinbar für seine Lebensgefährtin, Galea, mit der er gemeinsam dieses Album aufnahm, selbst abmischte und produzierte. Popa Chubby pur also!

Popa verließ sich bei der Produktion des Albums „Flashed back“ erfreulicherweise nur auf eine Handvoll Musiker, die im Jahr 2001 in kleiner Formation insgesamt 13 Klassiker in den Studios The Junk Room in New York sowie Laundry Land in Brooklyn einspielten.

Gesang, E-Gitarren, Bass, Schlagzeug, gelegentlich ein Piano oder eine Hammond oder Harmonika, das war‘s auch schon an Instrumentierung. Nahezu eine wirklich klassische Live-Performance also, nur eben im Studio. Offensichtlich wurde während der Aufnahme aber dennoch viel Wert darauf gelegt, möglichst viele Takes möglichst unverfälscht und direkt einzuspielen, und zwar im Rahmen der gesamten Band. Dies verraten feinste Details, die aber den ganz speziellen Charme und Reiz dieser Aufnahmen ausmachen. So ist etwa ganz klar zu hören, dass die Becken und die Snare im Hintergrund scheppern, wenn Solo-Gitarren oder Riffs sowie Basslinien weitgehend im Mittelpunkt stehen. Hier wurde also nichts schöngefärbt und weggefiltert, sondern genauso belassen, wie eine Band nunmal in Summe klingt. Ebenso darf auch ein Gitarren- oder Bassverstärker durchaus brummen und knacken. Das tun die Dinger nämlich, und zwar gar nicht so dezent und leise. Diese Erfahrung kann man aber nur machen, wenn man derartige Teile auch schon einmal live erlebt hat. Auf den meisten Aufnahmen sorgen Noise Gates, Kompressoren und Limiter, und schlimmstenfalls der Tontechniker am PC dafür, dass all diese Feinheiten schlicht nicht mehr auf dem Master-Tape zu hören sind.

Was diese oft verschmähten Feinheiten aber für die Lebendigkeit und Authentizität einer Aufnahme tatsächlich bewirken können, das ist etwa bei „(Sittin‘ on) The dock of the bay“, gleich beim markanten Bass-Intro zu erleben. Überhaupt ein Titel, der neben „Don‘t let me be misunderstood“ oder „Gloria“ eines der Highlights dieses Albums darstellt.

Und dann gibt es da eine Nummer eines Musikers, dessen Neuinterpretation normalerweise schlicht und einfach als Sakrileg zu werten ist, denn es gibt nur wirklich sehr, sehr wenige, die auch nur an die Genialität des ursprünglichen Interpreten heranreichen, geschweige denn, dieses Niveau erreichen. Popa Chubby darf es, wie er mit Titel Nr. 6 auf diesem Album beweist - „Hey Joe“ von Billy Roberts, bekannt natürlich durch die Interpretation des göttlichen Jimi Hendrix.


Mehr muss an dieser Stelle gar nicht gesagt werden, außer, dass dieses Album unserer Ansicht nach schlicht und einfach in keiner Sammlung fehlen darf. Popa Chubby zeigt sich hier als genialer Interpret allseits bekannter Klassiker aus den 60igern. Gemeinsam mit Kris Jefferson am Bass, Mike Lattrell am Piano oder der Hammond, Galea unterstützend bei den Gesangs-Parts sowie Larry „Mr. Sticks“ Crocket an den Drums liefert der New Yorker hier ein Album ab, bei dem es wohl jedem Blues- und Rock-Fan schwer fallen wird, wirklich ruhig und gelassen auf der Couch sitzen zu bleiben. Als einziges Fazit bleibt somit nur zu sagen: das fetzt wirklich!

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