Pro-Ject Audio Systems DAC Box DS im Test

Der Baustein versteht sich zwar als Systembestandteil einer ganzen Kette mit Mini-Komponenten der Box Design-Serie, ist aber gerüstet für viele digitale Quellen, bis hin zu einem asynchronen USB-Eingang. Damit dient die Pro-Ject Audio Systems DAC Box DS als universelles Werkzeug, das in der Lage ist, jedwede digitale Quelle aufzuwerten.

Kurz gesagt...

Pro-Ject Audio Systems möchten mit einem kleinen aber feinen Digital-Analog-Wandler beim Konsumenten punkten, aber auch die avisierte Preisklasse aufmischen. Ob es gelungen ist, möchten wir hier beantworten.

Wir meinen...

Ein gutes Beispiel für eine wertige Verarbeitung zu einem günstigen Preis. Hohe Klangqualität, die in dieser Preisklasse nahezu ohne Konkurrenz dasteht. Komponente in einem umfangreichen Modulbaukasten.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
23.09.2013

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Pro-Ject Audio Systems ist ein Wiener Unternehmen, das unter der Leitung des Masterminds Heinz Lichtenegger, Gründer und nunmehr CEO bei Pro-Ject Audio, steht. Heinz Lichtenegger hat wohl eine bemerkenswerte Nische gefunden. Im großen Markt der Full-size HiFi-Anlagen gelang es Lichtenegger, die Komponenten der so genannten Pro-Ject Audio Systems Reihen „S“, „DS“ und „RS“ erfolgreich zu positionieren. Längst sind die kleinen Klang-„Bricks“ über die Preisklasse hinausgewachsen, und können auch den verwöhnten Musikliebhaber begeistern. Ob man nun eine vollständige Kette zu Hause aufspielen lässt, oder, wie ich, gewisse Funktionen platzsparend umsetzen möchte, es scheint nahezu alles möglich. Die Budget-Line „S“ ermöglicht guten Klang zu kleinem Preis, während die DS-Line, eben die mittlere Produktschiene, auch hohe Ansprüche erfüllen kann, so erreicht man mit der noblen RS-Line, die ebenso der Haus-Philosophie folgt, schon sehr ernsthafte Klang-Ambitionen.

Der Testproband, die Pro-Ject DAC Box DS, sortiert sich mit einem Verkaufspreis von € 399,-, inklusive hochwertigen Stecker-Netzteil, im unteren bis mittleren Preissegment ein. Auch wenn bei Mitbewerbern zu diesem Tarif bereits Komponenten im 43 Zentimeter Rastermaß erhältlich sind, sollte man sich von den Maßen 10,3 x 7,2 x 16,3 Zentimetern inklusive Anschlussbuchsen und einem Gewicht von 1.010 Gramm nicht täuschen lassen.

Das Gehäuse aus Stahl und penibel verarbeitetem Alu an der Front spricht eine deutliche Sprache. Lieblos entwickelte Komponenten werden definitiv nicht dermaßen schick und perfekt verarbeitet der Kundengunst ausgesetzt. Allerdings ist das äußere Erscheinungsbild nicht klangentscheidend. Die inneren Werte geben hier den alleinigen Ausschlag, und die können sich durchaus sehen lassen. Als Digital-Wandler-Chip wurde ein Burr Brown PCM1792 (24 Bit/192 kHz 8-fach Oversampling) zum Einsatz gebracht. Auch die Samplingfrequenzen können sich mit den Werten 32 kHz, 44,1 kHz, 48 kHz, 88,2 kHz, 96 kHz, 176,2 kHz sowie 192 kHz bei koaxialer und USB-Anschlussvariante sehen lassen und decken damit alle Eventualitäten ab. Für den optischen Eingang ist natürlich systembedingt bei 96 kHz Schluss.

Das Anschlussfeld ist mit drei verschiedenen digitalen Eingängen bestückt und ermöglicht es dem Musikliebhaber ein Gerät mittels koaxialer S/PDIF-Leitung anzuschließen, ein Gerät auf optischen Wege mittels Lichtleiterkabel an der so genannten TOS-Link-Buchse anzudocken, und natürlich der beliebte, und heutzutage unverzichtbare USB-Eingang, welcher bei unserem Gerät noch als USB-B 2.0 Mini-Version, bei den neuesten Geräten in der herkömmlichen Version als großer USB-Stecker (USB-B) verbaut wurde. Für den Anschluss eines Computers legt der Hersteller die eigene Treibersoftware und ein USB-Kabel bei. Dieser Treiber wird allerdings nur unter Microsoft Windows benötigt. Apple OS X liefert bereits alle Voraussetzungen, um Signale auch mit voller Auflösung von 24 Bit und 192 kHz ohne weitere Treiber verarbeiten zu können. Selbstverständlich ist der USB-Eingang asynchron aufgebaut, sodass die klangentscheidende digitale Taktung des Signals im Digital/Analog-Wandler, und nicht dem PC bzw. Mac vonstattengeht.

Ausgangsseitig steht dem Besitzer ein vergoldetes Pärchen RCA, sogenannte Cinch-Buchsen, zur Verfügung, und leitet das Signal an die Eingangsbuchse des Verstärkers weiter. Als Besonderheit gilt hier die Ausstattung des Wandlers mit zwei verschiedenen Filter-Charakteristiken. Hier sind eine steile Filtercharakteristik und eine sogenannte optimale Phase auf der Habenseite verzeichnet. Während das steile Filter für ein optimiertes Impulsverhalten sorgen soll, zeichnet das phasenoptimierte Filter für etwas weichere Konturen und opulente Klangfarben verantwortlich. Naturgemäß sind die klanglichen Unterschiede zwischen den Geräten selbst, wie auch innerhalb der Filterauswahl, sehr gering, aber eindeutig und reproduzierbar vorhanden.

Die Bedienung des Gerätes ist einfach und erschließt sich dem Besitzer auch ohne Bedienungsanleitung sofort. Neben der Ein/Aus-Taste ist eine weitere für die Quellenwahl vorhanden, welche das Signal der Reihe nach durchschaltet. Die beiden Filtercharakteristiken werden über die dritte Schalttaste angewählt. Über die jeweiligen Betriebszustände, Bit-Tiefen und Datenraten und die Art des Einganges informiert ein kleines, aber mehr als ausreichendes Display.

Während die Ausstattung und die Bedienung des kleinen Wandlers keinerlei Geheimnisse parat hält, muss man sich bei der Klangqualität ernsthaft fragen: „Wie macht der Lichtenegger das?“ Immerhin sprechen wir über einen sehr erwachsenen detailreichen Klang bei einer digitalen Komponente, die gerade mal rund € 400,- kostet. Um es gleich vorweg zu nehmen, zu den klar nachvollziehbaren Unterschieden der beiden Filter verhält sich das Gerät einwandfrei. Keine Unsauberkeiten in der Auflösung des komplexen Musiksignals, und ein jederzeit fein differenziertes Klangbild, welches den Zuhörer mit viel Räumlichkeit und einer exakten Bühnendarstellung zu begeistern weiß.

Wenn man ehrlich ist, muss man zu dem Schluss kommen, dass eine gut konstruierte Komponente keinerlei Eigenklang aufweist. Es gilt, das wiederzugeben, beziehungsweise zu wandeln, was die Quelle bereitstellt. Eine gute Aufnahme soll über die HiFi-Anlage auch als solche erkennbar bleiben. Die Auflösung der Aufnahme, die den Zuhörer mit einer wohligen Gänsehaut verwöhnt, soll nicht tonal anders dargestellt werden. Die auf der Aufnahme gebannte Räumlichkeit, die Klangfarben müssen auch in einem optimierten System jederzeit zur Verfügung gestellt werden, unabhängig davon, ob sie von einer Festplatte stammen, oder ob ein alter CD-Player als Quelle dient. Die Ausgangsstufe des Wandlers ist nach Auskunft des Herstellers besonders niederimpedant gehalten, sodass dem Klang abträgliche Einflüsse und Wechselwirkungen langer Kabelverbindungen und Verstärker-Eingangsstufen wirksam vermieden werden können.

Wie bereits weiter oben beschrieben, liegen die Klangunterschiede naturgemäß sehr nahe zusammen, so dass hier nicht zu erwarten wäre, dass eventuelle „Vorhänge beiseite gezogen werden“ können. Allerdings kann man mit guten Aufnahmen menschlicher Stimmen trotzdem zu aussagekräftigen Ergebnissen kommen. Manche Aufnahmen bieten eine stark akzentuierte Stimme, sodass man meinen möchte, der Interpretin oder dem Interpreten bis zu den Stimmbändern sehen zu können. Auch hier, wie bereits bei den Tests des DestinY DAC sowie dem Musical Fidelity V90 DAC, diente mir eine meiner Lieblingskünstlerinnen als Referenz. Denn ein kräftiger Mezzo, wie ihn Amanda McBroom auf dem Album „Chanson“ schmettert, schafft hier schnell Klarheit. Die außergewöhnliche Aufnahme driftet schnell ins Analytische und Derbe ab, wenn die Tonalität nicht getroffen wird. Die Sängerin verliert bei nicht optimal aufspielenden Komponenten schnell die klare und eindeutig isolierte Position auf der virtuellen Bühne und sortiert sich in das umgebende Instrumentarium ein.

Über den Pro-Ject Digital/Analog-Wandler verbleibt Amanda McBroom an ihrer angestammten Position. Auch bricht die Stimme bei dem unfassbaren Titel „Carusell“ nicht auf, wie ich bisweilen über andere Zuspieler erleben musste. Dasselbe Bild bot sich bei der Wiedergabe vom Laptop. Die Anbindung des Computers erledigte sich quasi auf Knopfdruck, sobald die Treiber-Software von Pro-Ject Audio Systems installiert wurde. Ein simples Fenster „Die Hardware kann nun verwendet werden“ eröffnete das Tor zu einer bequemen wie auch vielfältigen Datenwelt. Hochauflösende Tracks bieten eine tolle Klangqualität, die den Preis Lügen strafen. Die Pro-Ject Audio Systems DAC Box DS ermöglicht einen hochwertigen Einstieg in die HiFi-Welt, und schürt nicht gleich nach ein paar Wochen den Wunsch nach einem weiteren technischen Upgrade.

Ein Blick in die Seite „ Pro-Ject News 2013“ lässt allerdings das Highender-Herz dann doch höher schlagen. Denn für diesen Wandler, sowie auch für einige andere Komponenten, soll noch dieses Jahr ein Zusatznetzteil-System auf dem Mark erscheinen. So wäre damit auch der eine von zwei kleinen „Makeln“ beseitigt - das Stecker-Netzteil, zumal der Stecker nicht besonders fest in der Buchse auf der Geräterückwand sitzt.

Auch wenn man ein ordentlich dimensioniertes Stecker-Netzteil nicht in Frage stellen muss, so lohnt sich auch für ein preiswertes Gerät die Modifikation mit einem soliden kräftigen Zusatznetzteil. Ein entsprechender Test wird selbstverständlich nachgereicht.

Abschließend ist klar, dass die Pro-Ject Audio Systems DAC Box DS eine Empfehlung der Redaktion erhält. Und zwar nicht nur für die sinnvolle Ausstattung, und das zu einem besonders günstigen Preis. Es ist vor allem dem verblüffend lupenreinen und fein differenzierten Klang geschuldet, den die Pro-Ject Audio Systems DAC Box DS liefert, der ihr diese Auszeichnung einbringt. Damit spielt diese Lösung ganz klar um zumindest eine Klasse besser, als es der Preis vermuten lässt.

Gleichgültig, ob Sie diese Lösung also im Verbund mit weiteren Komponenten der Pro-Ject Audio Systems Box Design-Serie einsetzen, oder wie ich, als kleines, aber überaus flexibles Werkzeug einer HiFi-Kette verschiedenster Hersteller, Sie werden den Kauf wohl kaum bereuen...

Auf den Punkt gebracht

Ein gutes Beispiel für eine wertige Verarbeitung zu einem günstigen Preis. Hohe Klangqualität, die in dieser Preisklasse nahezu ohne Konkurrenz dasteht. Komponente in einem umfangreichen Modulbaukasten.

8,0 (Exzellent)

The Good

  • Praxisgerechte Ausstattung
  • makellose wertige Verarbeitung
  • guter fein differenzierter Klang über die Preisklasse hinaus
  • in einer flächendeckenden Händlerstruktur jederzeit erhältlich. Schmucke Holz- oder Lackgehäuse erhältlich. Besonders guter Klang via asynchronen USB-Eingang.

The Bad

  • Stecker für das Netzteil könnte mit einem festeren Haltemoment in der Buchse sitzen.

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