Pro-Ject Audio Systems Phono Box DS im Test

Pro-Ject Audio Systems ist nicht nur Inhaber des Titels Weltmarktführer im Segment „Plattenspieler und Zubehör“, sondern auch Hersteller für ein ausgefeiltes feines Sortiment an HiFi-Bausteinen unter der Marke Pro-Ject Audio Systems Box Design-Serie, welches sich grob in drei Klassen einteilen lässt. Heute muss die neue Phono Vorverstärkerstufe Phono Box DS aus der mittleren Ebene beweisen, ob sie nicht nur ein würdiger Nachfolger der famosen Phono Box SE ist, sondern auch klanglich zu überzeugen weiß.

Kurz gesagt...

Auch ein „kleiner preiswerter“ Phono Vorverstärker kann gegenüber fest eingebauten Lösungen klangliche und praktische Vorteile haben. Nicht immer muss es gleich die teure High-End Lösung für 1.000 Euro, oder mehr, sein.

Wir meinen...

Guter Klang muss nicht teuer sein. Auch preiswerte Lösungen bieten einen ausgewogenen Klang und können mit Finesse und Spielwitz überzeugen. Eine Hörprobe macht auch bei Vergleichen in der Einsteiger-Preisklasse Sinn, welche nicht nur auf die reine Funktionalität reduziert werden sollte.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
17.11.2013

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Heinz Lichtenegger, CEO von Pro-Ject Audio Systems, erschloss sich mit seiner Produkt-Linie Pro-Ject Audio Systems Box Design bereits des Kunden Herzen. Ähnlich wie bei Kult-Objekten aus anderen Branchen, kann man die Box „Idee“ als ausbaubares Baukastensystem verstehen, welches durchaus zu überschaubaren Preisen edles und gut klingendes Hi-Fi realisierbar macht. Ob der Musikliebhaber eine komplette Kette aus den kleinen Boxen-Modulen aufbaut, oder eine bestehende Anlage erweitert – alles ist möglich.

Heute handelt es sich um die neue Phono Vorstufe namens Pro-Ject Phono Box DS. Ein Phono-Vorverstärker, der zu einem überraschend günstigen Preis, mit einer sinnvollen Ausstattung, sowie mit einer Preisklassen-gerechten makellosen Verarbeitung glänzt, und so nicht unberechtigt um die Gunst des Kunden buhlt. Die Aufgabe eines eigenen Vorverstärkers für einen Plattenspieler ist leicht beschrieben. Die Signale eines fragilen Tonabnehmers sind deutlich zu schwach, um eine Eingangsstufe eines Verstärkers anzutreiben, und so mit ausreichend Spannung zu versorgen. Üblicherweise findet der Musikliebhaber auf modernen Verstärkern oder AV-Receivern keine oder nur rudimentäre Phono-Vorverstärker-Baugruppen vor, sodass bei ernsthaften Ansprüchen an die Klangqualität eine externe Phono-Stufe vonnöten wird.

Aber auch Liebhaber älterer Gerätegenerationen können von einer externen Lösung profitieren. So weisen ältere Geräte zwar eigene Phono-Vorverstärkereingänge auf, sind aber oftmals nur auf einfache Art zu schalten. Die Auswahl lässt meist nur Phono MC, das Abnehmersystem hat eine bewegte Spule verbaut, oder Phono MM, hier ist ein bewegter Magnet das Konstruktionsmerkmal, zu. Weitere Einstellungen, wie eine anpassbare Eingangs-Kapazität, die Eingangs-Impedanz, oder der Verstärkungsfaktor selbst, werden vermisst und stehen einer Optimierung im Wege. Die Auswahl der Eingangskapazität für MM 47kOhm Tonabnehmer ist mit den Werten 47pF 147pF, 267pF und 367pF praxisgerecht gelungen, wobei hier festzuhalten sei, dass diese Kapazitätsabschlusswerte Anschlussmöglichkeiten für nahezu alle gängigen Tonabnehmer bereithält.

Die besonders wichtige Eingangsimpedanz wird mit dem Werten 10/100/1000 Ohm oder 47 kOhm ebenso praxisnah abgebildet. Der Verstärkungsfaktor, welcher den Ausgangspegel der Phono-Vorstufe anhebt, ist mit 40 und 50 dB für ein MM und ein High-Output-MC-System angegeben, während die leiseren Low-Output-MC-Systeme mit 60 dB verstärkt werden. Der Geräuschspannungsabstand ist mit den vom Hersteller angegebenen < 0,02% ei 80 dB (A bewertet bei 40 dB Verstärkung) vorbildlich, ebenso wie die sehr gute Maximal-Abweichung von weniger als 0,3 dB von der RIAA Entzerrung. Das Subsonic-Filter, welches den Tieftöner vor tieffrequenten Rumpeln schützen soll, ist mit 12 dB Flankensteilheit bei einem Einsatzpunkt von 20 Herz praxisgerecht dimensioniert. Der Schalter, über welchen das Filter geschaltet wird, befindet sich auf der Rückseite.

Das Gehäuse ist mit einer sauber geschliffenen Aluminium-Frontplatte, wahlweise in Schwarz oder Alu Natur, versehen, während das Gehäuse selbst aus schwerem Schwarz pulverbeschichtetem Stahlblech gefertigt ist. Auf der Frontplatte befinden sich vier unscheinbare Tastschalter, welche die Netzspannung, die Eingangsimpedanz, die Eingangskapazität, sowie den Verstärkungsfaktor durchschalten. Bei jedem Tastendruck wechselt der angewählte Wert auf den darauffolgenden höheren Wert. Das Anschlussfeld befindet sich auf der Rückseite und ist mit sehr stabil verbauten RCA, den sogenannten Cinch Buchsen, ausgeführt. Weiters findet der Musikliebhaber die obligatorische Masse-Anschlussschraube vor, an welcher der Tonabnehmer mit einem dünnen Litzenkabel geerdet wird. Stromseitig wird das Steckernetzteil, oder das bald erhältliche Zusatznetzteil, über eine kleine mittig positionierte Netzteilbuchse verbunden.

Der Unterschied zur Phono Box DS+ beschränkt sich auf das Fehlen der relaisgesteuerten Umschaltung, und dem Weglassen des informativen Displays, welches statt der kleinen und erfreulicherweise schwach leuchtenden Leuchtdioden, verbaut ist. Ein Display, das die gesamten Werte und Einstellungen dem Anwender kommuniziert und den Komfortfaktor weiter erhöht, aber klanglich keine Rolle spielt. So sollen die klanglichen Unterschiede zur DS+ Version erfreulich gering ausfallen, denn die Schaltung, die vom bekannten Dr. Sykora entwickelt wurde, ist auch in der normalen Version mittels kostensparender SMD-Technik umgesetzt, und so ein Garant für modernen und fehlerlosen Klang.

Die Maße der kleinen Box fügen sich mit 10,3 Zentimetern in der Breite, 7,2 Zentimeter in der Höhe und 14,4 Zentimetern (15,6 cm mit Buchsen) perfekt in das Boxen Rastermaß, ein und kann perfekt mit weiteren Bausteinen aus der DS Produktreihe ergänzt werden. Das Gewicht beträgt 1.100 Gramm, während die Stromaufnahme mit unter 1 Watt im Standby (100mA DC) angegeben ist. Das Steckernetzteil stellt mit einem Wert von 18V/500mA DC demzufolge die nahezu fünffache Leistung bereit. Zusätzlich kann man die neue Phono Box DS, wie auch die Vorgänger, mit verschiedenen Schutz- und Ziergehäusen ausstatten, und so dem eigenen Mini System eine weitere persönliche Note angedeihen lassen.

Sie fragen sich, nicht zu Unrecht, was die kleine Phono-Stufe im neuen Gewand, es fehlen die Befestigungsschrauben der vorherigen SE Version, auch klanglich in die Waagschale werfen kann. Gerade preiswerten Systemen könnte man nachsagen, dass das Klangbild einheitlich ausgebildet wird, während das Produkt mit technischen Finessen und schöner Machart oberflächlich punkten möchte. Nun, ich kann Sie beruhigen, mitnichten handelt es sich bei der neuen DS Version um eine Mogelpackung, die ein neues Gesicht bekam, und so die Kalkulation und die Verkaufs-Charts des Herstellers aufmöbeln soll. Die Phono Box DS ist, wie auch der direkte Vorgänger – die SE Version, ein ernst zu nehmende Anschaffung, und sie tut es im Hörraum auch kund.

Selbstbewusst bietet sich dem Zuhörer ein fein differenziertes und hoch dynamisches Klangbild, das auch über die Preisklasse hinaus kein Detail vermissen lässt. Voraussetzung hierfür ist allerdings ein perfekt aufgestellter Plattenspieler, dessen Tonarm und Tonabnehmer konsequent und gewissenhaft eingerichtet wurden. Hausaufgaben, die der ernsthafte und begeisterte Musikliebhaber gewiss erledigt hat. Die praktische Umschaltung der Anschlusswerte für den Tonabnehmer auf der Frontplatte laden zum Experimentieren ein, während man bei der Vorgängerversion SE noch mittels kleiner fummeliger und sehr streng sitzender Steckbrücken mühevoll und zeitraubend einstellen musste. Die Anschlusswerte lassen sich im Klangbild umgehend nachvollziehen, und machen das Anschlussprocedere direkt nachvollziehbar. Hilfreich im Redaktionsalltag, aber auch nützlich wenn der Musikliebhaber neue Tonabnehmer ausprobieren möchte. Die Phono Box DS vermittelte meinen fiesen Prüfstein, das Deutsche Grammophon Album „Songs from the Labyrinth“, Sing interpretiert, gekonnt und mit seiner Rockerseele doch so charmant hilflos, die minimalistischen Songs vom, vor etlichen Jahrhunderten verstorbenen, John Dowland.

Das Album stellt eine klangliche Gratwanderung dar. Auf der einen Seite ein feines Klangbild, das mit einer unfassbaren Detailflut begeistert, und einer scheinbar grenzwertig anmutenden kühlen Klangbalance. Auf der anderen Seite ein musikalisches Meisterwerk, das auch mal bei unzureichend eingestelltem Tonabnehmer und schwachen Phono Stufen ins klangliche Desaster abdriften kann. Das Album ist in Wahrheit über ein ausgewogenes Phono-System wiedergegeben, mitnichten unterkühlt aufgenommen. Es ist die enorme Detailflut, die hier scheinbar die Aufnahme distanziert und unterkühlt wirken lässt. Ein optimal aufgestellter Plattenspieler und eine exzellente Phono-Stufe rücken hier die Klangbilder wieder ins rechte Licht. Die Aufnahme ist mitnichten unterkühlt, benötigt aber unter anderem eine Top-Vorstufe, die in der Lage ist, diese aberwitzige Aufnahme akkurat und mit der gebotenen Sorgfalt wiederzugeben, und begeistert mit atemberaubenden Griffgeräuschen auf den Instrumenten, sowie mit einer authentischen plastischen Bühnendarstellung. Die Phono Box DS ist durchaus in der Lage, der Qualität teurer Laufwerke und Tonabnehmer angemessen zu begegnen.

So konnte der fulminante Bass der Schweizer Formation Yello mit dem Album „Touch“ ebenso wie die Abbildungspräzision des Albums „The Songs from the Labyrinth“ überzeugen, auch wenn der letzte ultimative Schub in den untersten Registern nicht ganz so substanziell wiedergegeben wurde. Aber es ist auch nicht die Aufgabe eines 249,- Euro teuren Phono-Verstärkers in den Gefilden der mehrfach teureren Preisklassen zu wildern, zumal man letztendlich von einem stimmigen Gesamtpaket profitiert, welches aus mehreren Komponenten besteht.

Abschließen sei zu vermerken, dass der neue Filius aus der Pro-Ject Audio Systems Familie, einmal mehr ein preiswürdiges stimmiges Gerät darstellt, das auch über die Preisklasse hinaus zu überzeugen weiß, und zudem wertigst verarbeitet ist. Die Klangqualität ist bei sehr praxisgerechter Anwendung außergewöhnlich gut. Löblich dass jetzt die unschicken Schrauben auf der Frontplatte und der kleine blaue „LED Scheinwerfer“ verbannt wurden. Einen nicht ganz nebensächlichen Aspekt stellen die kleinen Steckbrücken der vorherigen SE Variante dar. Mechanisch eine sehr anspruchsvolle und gute Lösung, aber unpraktisch für alle Anwender, die ab und an mal den Tonabnehmer wechseln möchten. Die Steckbrücken der Vorgängerversion steckten vorbildlich fest in den Halterungen. Für ein Wechseln und Umstecken der Brücken sind gute Nerven, viel Feingefühl - kombiniert mit wohl dosierter Rohkraft - und eine gute Spitzzange vonnöten. Danke Herr Lichtenegger, dass Sie diese unsäglichen Steckbrücken durch eine elektronische Lösung ersetzt haben.

Ein kleiner Mangel soll hier nicht verschwiegen werden. Auch wenn es akademisch anmutet, so wünsche ich mir einen festeren Sitz des Netzteil-Anschlusskabels in der Buchse auf der Gehäuserückseite. Auch wenn die eingesetzten Materialien dem technischen Anspruch genügen, so könnte man sich daran stören. Bei einem neuen Zusammenstellen der Boxen im Regal kann mitunter der Stecker aus seiner Buchse schlüpfen. Akademisch, aber doch lästig, wenn man hinter der Anlage zarte Kabel neu einstecken muss.

Auf den Punkt gebracht

Ein wohlklingendes Beispiel für eine perfekt umgesetzte Einsteigerpreisklasse. Hohe Funktionalität, die in dieser Preisklasse ohne Konkurrenz dasteht. Komponente in einem umfangreichen Modulbaukasten

7,5 (Sehr Gut)

The Good

  • Umfangreiche Ausstattung
  • makellose wertige Verarbeitung
  • guter fein differenzierter Klang über die Preisklasse hinaus
  • in einer flächendeckenden Händlerstruktur jederzeit erhältlich. Schmucke Holz- oder Lackgehäuse erhältlich. Keine mechanischen Steckbrücken

The Bad

  • Stecker für das Netzteil könnte mit einem festeren Haltemoment in der Buchse sitzen

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