Pro-Ject Juke Box im Test - Das All-in-One-System für Vinyl-Freunde

Viele setzen All-in-One Lösungen mit, nun ja, nicht immer ganz optimaler Klangqualität, einer reduzierten Ausstattung und somit mit Systemen für eher anspruchslosere Anwender gleich. Ein Irrtum, wie etwa die Pro-Ject Juke Box zeigt, denn hiermit bietet das österreichische Unternehmen Pro-Ject Audio Systems eine besonders kompakte All-in-One Lösung für Vinyl-Freunde an.

Von Michael Holzinger (mh)
12.12.2011

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Wenn es um die Wiedergabe von Musik über Schallplatte geht, sind schon allein auf Grund der Abmessungen des Mediums klare Grenzen gesetzt. Insofern sind Vinyl-Freunde nicht unbedingt die typische Zielgruppe für so genannte All-in-One Lösungen, selbst wenn es da durchaus sehr attraktive Systeme gäbe, die auch bei der Qualität im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen lassen und dank sehr elegantem Design auch das Auge erfreuen. Wenn man aber ohnedies dann noch etwa eine Phono-Vorstufe separat erwerben muss, weil natürlich dieses Ausstattungsmerkmal bei vielen kompakten Audio-Systemen fehlt, da kann man gleich ganz auf Einzelkomponenten setzen.

Was aber, wenn der Schallplatten-Spieler im Mittelpunkt steht und selbst ein All-in-One System darstellt, der sich dank entsprechender Anschlüsse auch anderen Quellen gegenüber offen zeigt? Gibt‘s nicht? Klar gibt es das, und natürlich von niemand geringerem als Pro-Ject Audio Systems und somit dem Weltmarkt-Führer bei Schallplatten-Spielern.

Die Basis für dieses All-in-One System stellt somit eines der erfolgreichsten Laufwerke überhaupt dar, und zwar der Pro-Ject Audio Systems Debut III. Dieser Schallplatten-Spieler zeichnet sich durch mehrere Faktoren aus. Da wäre zunächst das Offensichtlichste, und zwar sein erstklassiges, ganz bewusst schlicht gehaltenes Design. Die Entwickler des Branchen-Primus setzten hier auf ein besonders reduziertes, zeitlos elegantes Äußeres, das dafür Sorge trägt, dass sich das Laufwerk in jedes Wohnumfeld harmonisch integrieren lässt. Zumal diese Lösung in verschiedensten Farbvarianten angeboten wird. Zwar hat man im Fall der Pro-Ject Juke Box nicht ganz die Vielfalt zur Auswahl, die das Unternehmen beim Pro-Ject Debut III selbst offeriert, kann sich aber immer noch zwischen einer Ausführung in Piano Black, Rot und Weiss entscheiden.

Als weiteres besonderes Merkmal des Pro-Ject Debut III ist natürlich dessen hohe Klangqualität anzuführen, die sich so gar nicht in Einklang mit dem empfohlenen Verkaufspreis bringen lässt. Denn dieses, an und für sich als Einstiegslösung konzipierte System, ist ganz und gar auf optimalen Klang getrimmt, was sich natürlich auch in der Pro-Ject Juke Box niederschlägt. Dafür sorgt etwa ein aus einem Stück gefertigte 8,6 Zoll Tonarm aus Aluminium, der in einem invertiertem Präzisionslager bestehend aus einer Edelstahl-Spitze und Saphir mit kardanischer Aufhängung und Kugellager seinen Dienst verrichtet. Selbstverständlich erlaubt es dieses System, eine exakte Justage des Azimuth vorzunehmen und auch das Auflage-Gewicht kann feinfühlig und exakt mit wenigen Handgriffen eingestellt werden. Ein silikonbedämpfter Tonarmlift garantiert ein stets sanftes Absenken des Tonarms in die Rille der Schallplatte. In diesem Fall kommt ein MM-Tonabnehmer-System zum Einsatz, und zwar ein Ortofon OM-5e.

Der 1,3 kg schwere Metall-Plattenteller rotiert über eine Edelstahlachse in einem Lager aus Messing mit Teflonboden. Angetrieben wird er durch einen präzisionsgeschliffenen Riemen und einen besonders leise laufenden, in einer gefederten Vier-Punktaufhängung untergebrachten Wechselstrom-Motor. Das gesamte Laufwerks-Chassis ruht auf kautschukbedämpften Gerätefüssen, sodass eine sehr gute Entkopplung von der Standfläche erzielt wird. Wie gesagt, all dies findet sich natürlich auch in der Pro-Ject Juke Box wieder und ist maßgeblich für deren ansprechende Qualität verantwortlich. Doch dazu abschließend mehr.

Bleiben wir noch bei den weiteren Ausstattungsmerkmalen der Juke Box aus dem Hause Pro-Ject Audio Systems, wobei diese auf den ersten Blick eigentlich nicht ersichtlich sind. Denn zunächst sieht man nicht, dass dieses Laufwerk weit mehr zu bieten hat, als der „normale“ Debut III. Lediglich ein an der vorderen unteren Seite des Laufwerks zu findender Drehgeber ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten dieser Lösung.

Dahinter verbirgt sich nämlich im Prinzip die auch separat im Rahmen der Pro-Ject Box Design-Serie angebotene Pro-Ject Audio Systems Phono Box sowie die Pro-Ject Audio Systems Stereo Box.

Das System umfasst somit also schon mal eine sehr wesentliche Komponente, und zwar eine Phono-Vorstufe. Darüber hinaus steht ein Vorverstärker zur Verfügung, der zusätzlich drei weitere Eingänge für verschiedenste Quellen, etwa CD-Player, FM-Tuner, mobile Devices oder Streaming-Clients bietet. Den Abschluss bildet ein Stereo-Leistungsverstärker, der satte 30 Watt pro Kanal an Lautsprecher-Systemen mit einer Impedanz von 4 Ohm entfalten kann und somit in Verbindung mit Lösungen mit hohem Wirkungsgrad problemlos ein typisches Wohnzimmer mit vollem Klang füllen kann.

Zum Lieferumfang gehört in diesem Fall nicht nur eine Filzauflage für den Plattenteller sowie eine Abdeckhaube, dieses System wird auch mit einer passenden Infrarot-Fernbedienung ausgeliefert. Natürlich dient diese nicht für den Plattenspieler selbst, sondern vielmehr für die an dessen Unterseite „angedockte“ Elektronik. So kann man zwischen den vier Eingängen der Vorstufe umschalten und den Lautstärke-Pegel regeln.

Die Stromversorgung dieser Lösung ist quasi „zweigeteilt“. So findet man in diesem Fall ein externes Netzteil für den eigentlichen Schallplatten-Spieler sowie ein weiteres für die Elektronik im Lieferumfang.

Pro-Ject Audio Systems gibt an, mit der Juke Box die Sehnsüchte von Vinyl-Liebhabern erfüllen zu wollen, die „alles auf einmal“ haben wollen, und dies in Form einer besonders kompakten, eleganten Lösung. Nun, diese Zielsetzung wurde mit der Pro-Ject Audio Systems Jukebox klar erfüllt. Der Musikliebhaber mit Hang zum „schwarzen Gold“ erhält hier eigentlich nichts anderes, als ein hervorragendes Laufwerk, das nur durchs Preisschild als Einstiegs-Lösung klassifiziert ist. In der Praxis spielt der zugrundeliegende Pro-Ject Audio Systems Debut III zumindest eine Klasse höher und bringt in dieser speziellen Ausführung auch noch alles mit, was der Vinyl-Freund für ein kleines, aber eben auch gehobenen Ansprüchen durchaus gerecht werdendes HiFi-System benötigt. Einzig passende Lautsprecher-Systeme sind hier noch erforderlich, und schon hat man ein perfektes System etwa fürs „Arbeits-Zimmer“, in das man sich Abends ungestört zurück ziehen kann, um sich bei ansprechender Musik von Vinyl richtig entspannen zu können.

Schon zum regulären Listenpreis von € 600,- erscheint uns diese Lösung als sehr empfehlenswertes System. Derzeit findet man die Pro-Ject Juke Box jedoch zum Aktionspreis von lediglich € 499,- im Fachhandel, und damit verdient sich dieses „All-in-One“ in jedem Fall eine glatte Empfehlung der Redaktion.

Auf den Punkt gebracht

Warum sollten Vinyl-Freunde nicht ebenfalls auf All-in-One Lösungen setzen, vor allem nicht dann, wenn ein Schallplatten-Spieler wie der Pro-Ject Audio Systems Debut III die Basis dafür bildet?

8,0 (Exzellent)

The Good

  • Einzigartige Kombination aus Schallplatten-Spieler der gehobenen Einstiegs-Klasse
  • Phono-Vorstufe und Leistungsverstärker

The Bad

  • Leider nicht in der vollen "farblichen" Vielfalt erhältlich
  • wie der zugrundeliegende Pro-Ject Audio Systems Debut III
  • sondern "nur" in Schwarz
  • Rot und Weiss.

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