Pro-Ject Speaker-Box 4 im Test

Manchmal lässt man sich allzu sehr von Äußerlichkeiten in die Irre leiten. Ein kleines Lautsprecher-System etwa, was soll das schon leisten können? Sehr viel, wenn es sich zum Beispiel um die Pro-Ject Speaker-Box 4 handelt, die Liebe zum Detail mit einer überaus dynamischen Spielweise verbindet und somit so gar nicht in das übliche Bild einer derart günstigen Kompakt-Box passt.

Von Michael Holzinger (mh)
20.12.2010

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Möglichst kompakte, nein, sogar kleine Lautsprecher sind ja per se nichts schlechtes. Allerdings muss man sich klar vor Augen führen, dass derartige Lösungen die Physik nunmal nicht außer Kraft setzen können und um einen vollen Klang entwickeln zu können, da bedarf es nunmal auch einem entsprechende Volumen und einem entsprechenden Lautsprecher-Durchmesser, der die Luft in Schwingung versetzen kann.

Die Audio-Schmiede Pro-Ject Audio Systems hat sich der Aufgabe gestellt, ein möglichst kompaktes Lautsprecher-System zu entwickeln, das überaus kompakt ist, aber dennoch allen Kriterien einer audiophilen Wiedergabe gerecht werden kann. Das Ergebnis ist die Pro-Ject Speaker-Box 4, die dieser Tage im Fachhandel erhältlich ist und die wir einem ausführlichen Test unterzogen haben.

Die oberste Prämisse für die Entwickler war also ein besonders kompaktes Gehäuse zu realisieren, dennoch aber eine perfekte Grundlage für eine erstklassige, dynamische Klangwiedergabe zu schaffen. Gar nicht so leicht, aber mit Bravour gelöst, denn die Pro-Ject Speaker-Box 4 misst geradeeinmal 140 x 228 x 150 mm. Allerdings ohne Abdeckung. Rechnet man diese dazu, so bringt es die Pro-Ject Speaker-Box 4 auf eine Breite von 140 mm, eine Höhe von 228 mm und eine Tiefe von 160 mm. Mit einem Gewicht von 2,55 kg sind die Lautsprecher zudem besonders leicht.

Die Pro-Ject Speaker-Box 4 präsentiert sich, gleichgültig in welcher der drei verfügbaren Varianten, stets mit einem Hochglanz-Finish. Der Kunde kann zwischen weißen, einem roten oder schwarzen Modellen wählen. Auch wenn die tadellos in die Speaker-Front eingelassenen Lautsprecher somit besonders schick wirken, liefert Pro-Ject Audio Systems dennoch eine Front-Abdeckung mit, um die sensiblen Membranen zu schützen. Erfreulicherweise kommen hierbei keinerlei sichtbare Montagevorrichtungen zum Einsatz, sondern der Lautsprecher-Grill mit schwarzem Stoff wird mittels Magneten gehalten.

Als essentielle Grundlage für die druckvolle Wiedergabe dient eine spezielle Antivibrations-Dichtungsmasse für die Chassis. Kurzum, die Box ist absolut dicht. Dies spiegelt sich auch in der prinzipiellen Konstruktion der Systeme wider. So ist die Pro-Ject Speaker-Box 4 ist als geschlossenes Zweiweg-System konzipiert.

Ein Alu-Druckguss-Chassis mit einem 100 mm Tiefmittelton-Treiber sorgt für das Fundament und die Abbildung der mittleren Frequenzen während ein Hochton-Treiber mit 25 mm Gewebe-Kalotte für den obersten Frequenzbereich zuständig ist. Eine Frequenzweiche 2. Ordnung mit diskreten, selektierten Bauteilen sorgt für die richtige „Arbeitsteilung“. Hochwertige, vergoldete Anschlussklemmen, die auch den Einsatz von Bananenstecker erlauben, verstehen sich ohnedies als Selbstverständlichkeit.

Dank eines besonders guten Wirkungsgrads soll sich die Pro-Ject Speaker-Box 4 bereits mit relativ geringer Leistung begnügen. Laut Herstellerangaben ist die Pro-Ject Speaker-Box 4 mit einer Impedanz von 4 Ohm für Verstärker mit einer Leistung von 10 bis 100 Watt.

Für unseren Test kombinierten wir die Pro-Ject Speaker-Box 4 daher mit passender und besonders kompakter Elektronik, die praktischer Weise ebenfalls aus dem Hause Pro-Ject Audio Systems stammt. Und zwar aus der so genannten Box Design-Serie von Pro-Ject Audio Systems. Als Quelle diente uns einerseits die Pro-Ject Audio CD-Box sowie ein Apple AirPort Express, der über den optischen Digital-Ausgang an eine Pro-Ject DAC Box FL angeschlossen war. Als Pre-Amp bzw. Leistungsverstärker setzten wir auf den kleinsten Receiver der Welt, die Pro-Ject Receiver Box. Dies alles „verpackt“ in ein anständiges HiFi-Rack the-butler aus der the-rack.at Serie.

Die Pro-Ject Receiver Box liefert nicht mehr als 30 Watt pro Kanal, aber mit dem richtigen Lautsprecher-System reicht dies vollkommen aus, um einen kleineren, aber auch einen Raum mittlerer Größe problemlos auszuspielen. Im konkreten Fall wurde das Testsystem in einem Raum mit rund 15 m2 aufgebaut und dabei zeigte sich, dass es sich bei der Pro-Ject Speaker-Box 4 um ein kleines und wirklich exzellentes Lautsprecher-System handelt.

Zu Beginn des Tests wollten wir nicht gleich zu sehr auf den „Putz“ hauen und fütterten die Speaker mit sanften Folk-Balladen von Allan Taylors Album "Leaving at dawn". Hier überzeugte die Speaker-Box 4 von Pro-Ject Audio Systems durch eine wirklich sehr natürliche Wiedergabe der Gitarren, die keinerlei Details wie etwa das gelegentliche Knartschen der Saiten auf den Bünden vermissen lies. Auch die sonore Stimme von Allan Taylor wurde mit allen Feinheiten abgebildet.

Mit Maeve O'Boyle "All my sins" wechselten wir in den gepflegten Pop-Bereich und wurden von der vollen, sehr dynamischen Wiedergabe über das gesamte Frequenzspektrum überrascht. Dieser Eindruck wurde bei Hans Theesink "Slow train" bestärkt. Vor allem der trockene, akkurate Bass im Intro des Titel-Stücks ist immer ein sehr guter Song, um die Qualität einer Kette sehr genau zu ermitteln. Auch der Song „The itch“ vom Album Keb' Mo "Suitcase" eignet sich hervorragend für diesen Zweck, zumal bei dieser Nummer das Testen so richtig Spass macht und es doch recht heftig zu Sache geht. Schwächen werden hier gnadenlos offengelegt.

Mit dem Allegro molto aus dem Violinen-Concerto in G-Dur, RV516 von Vivaldi musste die Pro-Ject Speaker-Box 4 ihre Stärken im Klassik-Bereich unter Beweis stellen. Auch dies gelang ihr erstaunlich gut. Beeindruckend wurden die Solo-Violinen als auch das Orchester abgebildet und einmal mehr der Beweis erbracht, dass fetziger „Rock“ längst keine Errungenschaft unserer Zeit ist. Nachzuhören auf dem Album von Giuiliano Carmignola und Viktoria Mullova "Vivaldi - Concertos for two violins".

Abschließend kann unser Testfazit somit nur überaus positiv ausfallen. Ja, klein ist sie, die Pro-Ject Speaker-Box 4, aber dennoch ein wirklich herausragendes, durchaus audiophilen Ansprüchen entsprechendes Lautsprecher-System.

Natürlich hat dieser Lautsprecher ganz klare Grenzen. Er eignet sich definitiv nicht für große Räume, sondern fühlt sich vor allem in kleinen bis mittleren Wohnräumen wohl. Hier kann er seine Stärken selbst mit Verstärkern mit kleiner Leistung voll ausspielen. Da es sich hier um ein geschlossenes System handelt, das ohne Bassreflex-Öffnung an der Rückseite auskommt, kann die Pro-Ject Speaker-Box 4 durchaus auch sehr dicht an der Wand platziert werden. Dementsprechend liefert der Hersteller eine passende Wandmontage-Vorrichtung gleich mit aus. Selbst die Platzierung in einem Regal sollte - wenn man ein wenig Freiraum lässt - kein Problem darstellen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Dieses Lautsprecher-System eignet sich hervorragend für wirklich sehr kompakte HiFi-Systeme, die diesen Namen auch tatsächlich verdienen. Natürlich ist die Speaker-Box 4 in erster Linie als perfekter Abschluss für eine Kette aus der Box Design-Serie konzipiert, kann aber auch an anderen HiFi-Systemen durch Wohlklang mit viel Dynamik, erstaunlicher Pegelfestigkeit und Natürlichkeit überzeugen. Die Pro-Ject Speaker-Box 4 ist bereits im Fachhandel erhältlich. Der empfohlene Verkaufspreis wird vom Vertrieb Audio Tuning Vertriebs GmbH mit € 179,- pro Paar angegeben.

Michael Holzinger

Auf den Punkt gebracht

Überaus kompaktes, aber erstaunlich leistungsfähiges Lautsprecher-System, das sein volles Potential in kleineren Räumen perfekt ausspielt und selbst audiophilen Ansprüchen gerecht werden kann.

7,0 (Sehr Gut)

The Good

  • Sehr natürliche
  • sehr dynamische und detailreiche Wiedergabe
  • sehr pegelfest
  • kann auch wandnah aufgestellt werden

The Bad

  • Nur für kleinere Räume geeignet

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